Imp­fen: End­lich klare Worte

25.11.2020 | Aktuelles aus der ÖÄK, Coronavirus


Dass Imp­fen aus gutem Grund eine ärzt­li­che Tätig­keit ist, wurde von der Öster­rei­chi­schen Ärz­te­kam­mer in den ver­gan­ge­nen Mona­ten beson­ders deut­lich unter­stri­chen. Dass es end­lich klare Worte aus dem Minis­te­rium dazu gab, wird als posi­tiv, aber „über­fäl­lig“ auf­ge­nom­men.

Imp­fen ist eine ärzt­li­che Tätig­keit.“ Was die Öster­rei­chi­sche Ärz­te­kam­mer immer schon klar­ge­stellt hat, wurde nun auch von Gesund­heits­mi­nis­ter Rudolf Anscho­ber offi­zi­ell fest­ge­hal­ten. „Gerade in der zu erwar­ten­den Situa­tion mit neuen Impf­stof­fen und ver­mut­lich ziel­grup­pen­spe­zi­fi­schen Imp­fun­gen sehe ich die ärzt­li­che Indi­ka­ti­ons­stel­lung als einen essen­zi­el­len Bestand­teil der Impf­leis­tung”, ver­laut­barte der Minis­ter in einer par­la­men­ta­ri­schen Anfra­ge­be­ant­wor­tung, in der es um die Impf­stra­te­gie für einen poten­ti­el­len COVID-19-Impf­stoff ging.

Sei­tens der Apo­the­ker­kam­mer gab es zuletzt immer wie­der For­de­run­gen, die Imp­fer­laub­nis auf Apo­the­ker aus­zu­wei­ten. Die­sen Über­le­gun­gen erteilte der Minis­ter, der sich dazu bis­lang nicht fest­le­gen wollte, nun doch eine deut­li­che Absage: „Aus Grün­den der Qua­li­täts­si­che­rung und des Pati­en­ten­schut­zes ist eine Aus­wei­tung des Krei­ses der Berufs­grup­pen im Gesund­heits­be­reich, die zur Durch­füh­rung von Imp­fun­gen berech­tigt sind, der­zeit nicht in Pla­nung”, teilte Anscho­ber mit.

„Genau diese Argu­mente haben wir natür­lich in den letz­ten Mona­ten ver­stärkt ins Tref­fen geführt“, sagt dazu Rudolf Schmitz­ber­ger, Lei­ter des ÖÄK-Impf­re­fe­ra­tes. „Dass der Minis­ter das nun quasi wort­i­dent klar­stellt, ist posi­tiv, aber natür­lich auch längst über­fäl­lig. Dass Imp­fen eine ärzt­li­che Tätig­keit ist, ist für uns ja selbst­ver­ständ­lich. Wenn der Minis­ter expli­zit die Qua­li­täts­si­che­rung und den Pati­en­ten­schutz anspricht, kann das nur bedeu­ten, dass das für jede Imp­fung gilt und kei­nes­falls nur auf eine COVID-19-Imp­fun­gen anwend­bar ist.“

Imp­fun­gen nicht vernachlässigen

Selbst­ver­ständ­lich wür­den sich Ärzte wei­ter­hin dafür ein­set­zen, die Durch­imp­fungs­ra­ten zu erhö­hen, sagt Schmitz­ber­ger. „Gerade in Lock­down-Pha­sen ist es wich­tig, die Pati­en­ten dar­auf hin­zu­wei­sen, dass sie wei­ter­hin unbe­dingt ihre Rou­tine- und Kon­troll­un­ter­su­chun­gen bei­be­hal­ten. Ebenso wich­tig sind auch die Imp­fun­gen. Wer sich gegen ver­meid­bare Erkran­kun­gen schützt, leis­tet damit auch einen Bei­trag, die Spi­tä­ler zu ent­las­ten. Spe­zi­ell Kin­der- und Jugend­ärzte und ihre wis­sen­schaft­li­che Fach­ge­sell­schaft haben seit Anbe­ginn der COVID-19-Pan­de­mie dar­auf ver­wie­sen, dass alle Schutz­imp­fun­gen unter Ein­hal­tung der ent­spre­chen­den Sicher­heits­maß­nah­men beden­ken­los durch­ge­führt wer­den kön­nen“, sagt Schmitzberger.

Dazu gehö­ren unter ande­rem: Strikte Ter­min­ver­ein­ba­rung, das strikte Tra­gen eines eng anlie­gen­den Mund-Nasen-Schut­zes (kein Plas­tik­vi­sier), gründ­li­ches Hän­de­wa­schen oder Des­in­fi­zie­ren bei Betre­ten und beim Ver­las­sen der Pra­xis und Ein­hal­tung des Min­dest­ab­stan­des zwi­schen den ein­zel­nen Personen.

Dar­über hin­aus sei es wich­tig, Ärz­ten wei­tere Mög­lich­kei­ten für die Erhö­hung der Durch­imp­fungs­rate zu schaf­fen. Gerade im Rah­men der Mut­ter-Kind-Pass-Unter­su­chun­gen könnte man hier viele erwach­sene Men­schen errei­chen, die sonst weni­ger regel­mä­ßig ärzt­li­chen Kon­takt haben. Die in der Pan­de­mie­phase per Ver­ord­nung auf­ge­ho­bene Son­der­fach­be­schrän­kung sollte end­lich durch eine Ände­rung im Ärz­te­ge­setz blei­bend wer­den, sagt Schmitzberger.

Posi­tiv sei, dass das Thema Imp­fen im Bewusst­sein der Bevöl­ke­rung nun eine grö­ßere Rolle spiele als in der Ver­gan­gen­heit, sagt der Lei­ter des ÖÄK-Impf­re­fe­ra­tes. „Es bleibt zu hof­fen, dass die Wir­kung auch nach­hal­tig ist – in ein­zel­nen Berei­chen gibt es beim Thema Imp­fen wei­ter­hin noch viel zu tun und viel nach­zu­ho­len.“ (sb)

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 22 /​25.11.2020