Poli­ti­sche Kurz­mel­dun­gen: Kurz und informativ

25.02.2019 | Themen


EU hofft auf Aus­tausch von Patientenakten

Die EU-Kom­mis­sion hat den EU-Staa­ten emp­foh­len, ein Sys­tem zum grenz­über­grei­fen­den Zugriff auf Pati­en­ten­ak­ten auf­zu­bauen. Ebenso sol­len auch gemein­same tech­ni­sche Stan­dards erar­bei­tet wer­den. Ein for­ma­ler Koo­di­nie­rungs­pro­zess wurde initi­iert, bei dem auch Ver­tre­ter der Pati­en­ten und der Gesund­heits­bran­che gehört wer­den. Ziel ist die „Euro­päi­sche Pati­en­ten­akte“ (Euro­pean Elec­tro­nic Health Records), mit der Behand­lungs­feh­ler und Dop­pel­un­ter­su­chun­gen ver­mie­den wer­den sol­len. Damit kön­nen Pati­en­ten auch im Aus­land Zugriff auf ihre Gesund­heits­da­ten haben. Seite Ende Jän­ner die­ses Jah­res kön­nen bei­spiels­weise fin­ni­sche Staats­bür­ger elek­tro­ni­sche Rezepte in Est­land ein­lö­sen; luxem­bur­gi­sche Ärzte kön­nen bald digi­tal in tsche­chi­sche Kran­ken­ak­ten Ein­sicht nehmen.


Wien: Aus­bau der Kin­der- und Jugendpsychiatrie

Im Früh­jahr 2020 soll die Uni­ver­si­täts­kli­nik für Kin­der- und Jugend­psych­ia­trie am AKH Wien aus ihrem 45 Jahre alten Gebäude in einen neuen Bau­kom­plex über­sie­deln. Dort wird es künf­tig 30 sta­tio­näre und zehn tages­kli­ni­sche Bet­ten geben. Aktu­ell sind die Bau­ar­bei­ten in Gang; diese sol­len bis März 2020 abge­schlos­sen sein. Wei­ters soll auch die neue Kin­der- und Jugend­psych­ia­trie am Kran­ken­haus Nord 24 sta­tio­näre und sechs tages­kli­ni­sche Bet­ten erhalten.

Masern-Epi­de­mie auf den Philippinen

Seit Jah­res­be­ginn sind auf den Phil­ip­pi­nen bereits 203 Men­schen an Masern gestor­ben – zehn­mal so viele wie im Ver­gleichs­zeit­raum des Vor­jah­res. Ins­ge­samt mel­dete das phil­ip­pi­ni­sche Gesund­heits­mi­nis­te­rium seit Jah­res­be­ginn 12.736 Masern­fälle, mehr als die Hälfte sind Kin­der unter fünf Jah­ren. 63 Pro­zent der Betrof­fe­nen waren unge­impft. Das UN-Kin­der­hilfs­werk Unicef appel­liert an die Eltern, die Kin­der imp­fen zu las­sen. Haupt­grund für die Impf­skep­sis: Im Zuge eines Den­gue-Fie­ber-Impf­pro­gramms vor zwei Jah­ren waren 14 Kin­der gestor­ben. Ebenso waren laut den Behör­den drei Todes­fälle auf den erst­mals ein­ge­setz­ten Impf­stoff zurückzuführen.

Indien: Tote durch gepansch­ten Alkohol

In Indien sind kürz­lich 69 Men­schen nach dem Kon­sum von gepansch­tem Alko­hol gestor­ben. Wei­tere 200 Per­so­nen muss­ten sta­tio­när behan­delt wer­den. Selbst gebrann­ter Alko­hol wird vor allem in ärm­li­chen länd­li­chen Gebie­ten ille­gal ver­kauft, da er bil­lig ist. Offi­zi­el­len Anga­ben zufolge ster­ben in Indien jedes Jahr rund 1.000 Men­schen nach dem Kon­sum von gepansch­tem Alkohol.


Bre­xit: Irland warnt vor Arznei-Hamsterkäufen

Die iri­sche Regie­rung appel­liert an die Bevöl­ke­rung, keine Arz­nei­mit­tel zu hor­ten. Die staat­li­chen Medi­ka­men­ten­vor­räte wür­den für min­des­tens acht Wochen nach dem Bre­xit rei­chen. Obwohl Irland selbst über Phar­ma­in­dus­trie ver­fügt, bezieht es viele Medi­ka­mente aus Groß­bri­tan­nien. Ver­brau­cher fürch­ten, dass einige die­ser Phar­maka in der EU nicht mehr zuge­las­sen sein könn­ten, wenn Groß­bri­tan­nien die EU ohne Abkom­men verlässt.

USA: Dekret für For­schung bei Künst­li­cher Intelligenz

Anfang Feber die­ses Jah­res ord­nete US-Prä­si­dent Donald Trump per Dekret ver­stärkte For­schung und Ent­wick­lung im Bereich der Künst­li­chen Intel­li­genz (KI) an. Im Dekret heißt es, dass Inves­ti­tio­nen in die­sem Bereich Prio­ri­tät hät­ten. Tech­no­lo­gien, die auf Künst­li­cher Intel­li­genz basie­ren, seien wich­tig für die Indus­trie der Zukunft – etwa für auto­nom fah­rende Autos, Robo­ter und auch Algo­rith­men zur Krankheitsdiagnose.

Ärz­te­kam­mer: keine Kos­ten­ex­plo­sion im Gesundheitswesen

Die Ärz­te­kam­mer wider­spricht dem wirt­schafts­po­li­ti­schen Bera­ter der Ver­tre­tung der EU-Kom­mis­sion in Wien, Marc Fähndrich, der das öster­rei­chi­sche Gesund­heits­sys­tem als „Schwach­stelle“ bezeich­net hat. Öster­reich ver­füge über eine exzel­lente medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung, betonte Ärz­te­kam­mer­prä­si­dent Tho­mas Sze­ke­res. Dies zeige sich deut­lich an der lau­fend stei­gen­den Lebens­er­war­tung der Öster­rei­cher. Auch der Vor­wurf von Fähndrich, Öster­reich habe ein sehr teu­res Gesund­heits­sys­tem, stimme so nicht. Die Kos­ten wür­den zwar dank des medi­zi­ni­schen Fort­schritts in abso­lu­ten Zah­len jähr­lich stei­gen; gemes­sen am BIP habe es aber in den letz­ten Jah­ren kaum Schwan­kun­gen gege­ben. „Mit etwas mehr als zehn Pro­zent lie­gen wir hier durch­aus im Mit­tel­feld mit ver­gleich­ba­ren Staa­ten“, so Sze­ke­res. Öster­reich gebe weni­ger aus als etwa Deutsch­land oder die Schweiz – „und das bei einem ähn­lich guten Gesund­heits­sys­tem“, so Sze­ke­res. Und auch die Pro-Kopf-Aus­ga­ben lägen in Öster­reich nied­ri­ger als in Deutsch­land, Schwe­den oder Luxem­burg. „Natür­lich muss es Auf­gabe von uns allen sein, die vor­han­de­nen Mit­tel best­mög­lich ein­zu­set­zen. Aller­dings muss die Öko­no­mie immer den medi­zi­ni­schen Erfor­der­nis­sen fol­gen, und nie umge­kehrt“, ist Sze­ke­res über­zeugt. Um die Spi­tals­las­tig­keit Öster­reichs zu ver­min­dern, sieht Sze­ke­res die Poli­tik in der Ver­ant­wor­tung: „Hier liegt es an der Poli­tik, ent­spre­chende Anreize zu schaf­fen, um den extra­mu­ra­len Bereich auf­zu­wer­ten, was in Folge die Spi­tals­am­bu­lan­zen ent­las­ten und – im Falle von genü­gend vie­len Pfle­ge­ein­rich­tun­gen – auch Spi­tals­bet­ten ein­spa­ren würde.“

Haus­ärzt­li­che Bereit­schafts­dienste: Lösung für Spi­tä­ler gefragt

Die Situa­tion für die jetzt schon über­füll­ten Spi­tals­am­bu­lan­zen könnte noch ver­schärft wer­den, wenn es keine Klä­rung in punkto haus­ärzt­li­che Bereit­schafts­dienste gibt. „Wenn die Pati­en­ten in die Ambu­lan­zen abwan­dern, wer­den die Spi­tä­ler das nicht auf­fan­gen kön­nen“, warnt der Kuri­en­ob­mann der ange­stell­ten Ärzte in der ÖÄK, Harald Mayer. Die Kon­se­quen­zen aus den Fehl­ent­wick­lun­gen könn­ten nicht ein­fach bei den Spi­tä­lern abge­la­den wer­den. Im Kran­ken­an­stal­ten- und Kur­an­stal­ten­ge­setz (KAKuG) sei die Auf­gabe der Ambu­lan­zen klar gere­gelt. „Und das ist sicher nicht die Ver­la­ge­rung von Leis­tun­gen aus dem haus­ärzt­li­chen Bereit­schafts­dienst zum teu­ers­ten Punkt unse­rer Gesund­heits­ver­sor­gung, in die Spi­tä­ler“, so Mayer. Er sieht die Sozi­al­ver­si­che­rung gefor­dert, ver­läss­li­che und klare Struk­tu­ren zu schaf­fen und ambu­lante Leis­tun­gen ent­spre­chend zu finanzieren.

Kongo: Zweit­schwerste Ebola-Epidemie

Bei der bereits seit sechs Mona­ten gras­sie­ren­den Ebola-Epi­de­mie in der Demo­kra­ti­schen Repu­blik Kongo han­delt es sich um die zweit­schwerste seit Ent­de­ckung des Virus 1976. Nach­weis­lich 844 Men­schen haben sich infi­ziert, davon sind 528 ver­stor­ben. Anlass zur Hoff­nung gibt eine expe­ri­men­telle Imp­fung, die mitt­ler­weile 80.000 Men­schen in der Region erhal­ten haben. Ange­sichts der ange­spann­ten Sicher­heits­lage war­nen Exper­ten, dass es noch Monate dau­ern könnte, bis die Epi­de­mie unter Kon­trolle ist. Erst wenn es 42 Tage lang – die dop­pelte Inku­ba­ti­ons­zeit – keine neuen Erkran­kun­gen gege­ben hat, gilt eine Ebola-Epi­de­mie als beendet.

Ärz­te­kam­mer for­dert indi­rekte Impfpflicht

Die Wie­ner Ärz­te­kam­mer for­dert eine indi­rekte, an die Aus­zah­lung des Kinderbetreuungsgeldes/​Familienbeihilfe gekop­pelte Impf­pflicht für Min­der­jäh­rige bis zum voll­ende­ten 14. Lebens­jahr. Diese For­de­rung umfasst alle im Gra­tis-Impf­pro­gramm vor­ge­se­he­nen Imp­fun­gen. Wie es in dem vom Vor­stand der Ärz­te­kam­mer Wien Ende Feber mehr­heit­lich beschlos­se­nen Antrag heißt, soll „bei nicht erfolg­ten Imp­fun­gen inklu­sive Auf­fri­schun­gen der Zugang zu öffent­li­chen Kin­der­gär­ten ver­wehrt werden.“

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 5 /​10.03.2019