Euro­pean Sexual Medi­cine Net­work: EU för­dert Forschung

25.10.2019 | Medizin


Das Fach Sexu­al­me­di­zin in For­schung und Lehre zu eta­blie­ren und die sexu­elle
Gesund­heit der Men­schen zu ver­bes­sern – das sind wich­tige Ziele des COST-Pro­jekts „Euro­pean Sexual Medi­cine Net­work“. Es zählt zu den 40 der ins­ge­samt 420 ein­ge­reich­ten Pro­jekte, die 2018 aus­ge­wählt und mit Mit­teln der EU geför­dert werden.


Das wich­tigste Ziel des COST-Pro­jekts „Euro­pean Sexual Medi­cine Net­work“ ist die Bil­dung eines inter­na­tio­na­len, mul­ti­dis­zi­pli­nä­ren paneuropäischen/​weltweiten Netz­werks aus For­schern und Spe­zia­lis­ten, die sich mit dem Bereich der sexu­el­len Gesund­heit beschäf­ti­gen. Gleich­zei­tig soll die Sexu­al­me­di­zin auf jeder Ebene der Aus­bil­dung inte­griert wer­den. Die COST-Aktion för­dert dar­über hin­aus den Wis­sens­aus­tausch zwi­schen den For­schern, die Koor­di­na­tion der For­schungs­ak­ti­vi­tä­ten und sorgt dafür, dass die Ergeb­nisse ent­spre­chende Ver­brei­tung finden.

Um die sexu­elle Gesund­heit auf indi­vi­du­el­ler, fami­liä­rer und gesell­schaft­li­cher Ebene zu ver­bes­sern, hat Mari­anne Greil-Soyka, Chair des Euro­pean Sexual Medi­cine Net­work und Vor­sit­zende der Öster­rei­chi­schen Aka­de­mie für Sexu­al­me­di­zin, die Wei­chen für das COST-Pro­jekt „Euro­pean Sexual Medi­cine Net­work“ gelegt. „Unser Pro­jekt hat eine enorme Größe ange­nom­men und wird sowohl kurz- als auch lang­fris­tig einen gro­ßen wis­sen­schaft­li­chen, tech­no­lo­gi­schen und sozio­öko­no­mi­schen Ein­fluss haben“, wie sie erklärt.

Durch die Umset­zung des Pro­jekts erge­ben sich laut der Exper­tin je nach Ziel­gruppe die fol­gen­den Vor­teile. Für Stu­die­rende der Human­me­di­zin dient das Cur­ri­cu­lum Sexu­al­me­di­zin der ein­schlä­gi­gen Wis­sens­ver­mitt­lung. Bei Ärz­ten wie­derum führt der Erwerb von neuen Kom­pe­ten­zen und geziel­tem Fach­wis­sen zu einer deut­lich qua­li­fi­zier­te­ren Dia­gnos­tik und The­ra­pie. Ohne Vor­be­halte mit den Pati­en­ten über das Thema Sexua­li­tät zu kom­mu­ni­zie­ren, dient als Basis für neue kli­ni­sche Modelle, Ambu­lan­zen oder Ver­sor­gungs­zen­tren und för­dert die Zusam­men­ar­beit mit ande­ren Berufs­grup­pen (Psy­cho­lo­gen, Sozio­lo­gen) oder mit der Poli­tik. Durch die offene Kom­mu­ni­ka­tion wird das Arzt-Pati­en­ten-Gespräch ver­bes­sert und die Fehl­ver­sor­gung redu­ziert. Durch die ent­spre­chende sexu­al­me­di­zi­ni­sche Unter­stüt­zung kann die Inti­mi­tät zwi­schen den Part­nern auf­recht­erhal­ten und der Krank­heits­ver­lauf sowie die Bewäl­ti­gungs­stra­te­gien des Paa­res posi­tiv beein­flusst wer­den. In einer Part­ner­schaft füh­ren schwere, exis­ten­ti­ell bedroh­li­che Erkran­kun­gen in einem Drit­tel der Fälle zur Tren­nung. Die Sexu­al­me­di­zin kann part­ner­schaft­li­che Pro­bleme früh­zei­tig adres­sie­ren, die Part­ner­schaft güns­tig beein­flus­sen und chro­ni­sche Ver­läufe verhindern. 

Ganz gene­rell för­dert die Ein­füh­rung der Sexu­al­me­di­zin als eigene Dis­zi­plin die sexu­elle Gesund­heit von der Kind­heit bis ins hohe Alter. Indem poli­ti­sche Rah­men­be­din­gun­gen, Stra­te­gie­kon­zepte und gesetz­li­che Rege­lun­gen beein­flusst wer­den, kann gegen nega­tive digi­tale Phä­no­mene wie Cybermob­bing oder por­no­gra­phi­sche Inhalte im Inter­net vor­ge­gan­gen wer­den. Wei­tere wich­tige Hand­lungs­fel­der sind The­men wie die Sexu­al­päd­ago­gik, Fami­li­en­pla­nung, Behand­lung und Dia­gnos­tik von sexu­ell über­trag­ba­ren Krank­hei­ten oder die Betreu­ung von Opfern sexu­el­ler Gewalt. 

Die stär­kere trans­na­tio­nale Ver­net­zung för­dert eine inten­sive Grund­la­gen­for­schung der (euro­päi­schen) wis­sen­schaft­li­chen Com­mu­nity zu sexu­al­me­di­zi­ni­schen Themen.

Die Sexu­al­me­di­zin setzt sich für den Grund­satz der Gleich­stel­lung von Kar­riere-för­dern­den Maß­nah­men und ein aus­ge­gli­che­nes Geschlech­ter­ver­hält­nis bei zukünf­ti­gen Wis­sen­schaf­te­rin­nen ein.

Wis­sens­aus­tausch und Vernetzung

Der Wis­sens­aus­tausch und die Ver­net­zung der COST-Teil­neh­mer mit ande­ren Wis­sen­schaf­tern wird geför­dert, sodass Part­ner­schaf­ten für gemein­same For­schungs­pro­jekte und Fach­pu­bli­ka­tio­nen auf­ge­baut wer­den. Gleich­zei­tig kann die Kom­mu­ni­ka­tion auf natio­na­ler Ebene mit poli­ti­schen Ver­tre­tern und Ent­schei­dungs­trä­gern durch Öffent­lich­keits­ar­beit, Kon­gresse und Ver­öf­fent­li­chun­gen ver­bes­sert wer­den. Stu­die­rende und soge­nannte Early Career Inves­ti­ga­tors pro­fi­tie­ren von ent­spre­chen­den stu­den­ti­schen Aus­tausch­pro­gram­men und Netz­werk­ak­ti­vi­tä­ten, sodass ein schnel­ler Ein­stieg in die For­schung ermög­licht wird.

Eine grö­ßere Trans­pa­renz der Sexu­al­me­di­zin ver­grö­ßert das Inter­esse der Phar­ma­in­dus­trie für dia­gnos­ti­sche und the­ra­peu­ti­sche Inter­ven­tio­nen auf dem europäischen/​internationalen Markt. „Die Dis­zi­plin Sexu­al­me­di­zin geht uns alle an und es braucht trans­na­tio­nale Anstren­gun­gen, um sie end­lich aus ihrem Schat­ten­da­sein zu befreien und die Sexu­al­me­di­zin genauso als wis­sen­schafts­ge­trie­be­nen Teil der Medi­zin zu ver­ste­hen“, betont Greil-Soyka abschließend. 


COST-Pro­jekt CA 18124 
„Euro­pean Sexual Medi­cine Network“

Lauf­zeit des Pro­jekts: 05.04.2019 bis 05.04.2023

Teil­neh­mer: Alba­nien, Bel­gien, Bos­nien und Her­ze­go­vina, Bul­ga­rien, Däne­mark, Deutsch­land, Finn­land, Frank­reich, Grie­chen­land, Groß­bri­tan­nien, Ita­lien, Kanada, Kroa­tien, Lett­land, Litauen, Malta, Mol­da­wien, Nie­der­lande, Nord Maze­do­nien, Nor­we­gen, Öster­reich, Polen, Por­tu­gal, Schwe­den, Ser­bien, Slo­we­nien, Spa­nien, Schweiz, Tsche­chien, Ungarn, die Tür­kei und Israel.

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 20 /​25.10.2019