Medi­zi­ni­sche Kurz­mel­dun­gen: Kurz und informativ

10.02.2019 | Medizin


Stop­pen Anti­hy­per­ten­siva Präeklampsie?

Ein For­scher­team um Ursula Quit­te­rer von der ETH Zürich hat in Zusam­men­ar­beit mit Kol­le­gen aus der Schweiz, den USA und Ägyp­ten im Tier­ver­such eine Mög­lich­keit gefun­den, wie Prä­ek­lamp­sie gebremst und die Schwan­ger­schaft zumin­dest um einige Tage ver­län­gert wer­den kann. Die For­scher fan­den im Zuge ihrer Unter­su­chun­gen zwei Rezep­to­ren, die Hete­ro­di­mere bil­den, auf mecha­ni­sche Reize reagie­ren und so im Inne­ren der Blut­ge­fäße Signal­kas­ka­den aus­lö­sen. Im letz­ten Drit­tel der Schwan­ger­schaft kann der hohe Druck im Bauch zur Über­rei­zung die­ser Rezep­to­ren füh­ren, was die Ver­stei­fung der Blut­ge­fäße bewirkt. Im Tier­ver­such stellte Quit­te­rer fest, dass eine künst­lich erhöhte Zahl der Rezep­tor-Hete­ro­di­mere dazu führte, dass die gra­vi­den Mäuse nach 18 bis 20 Tagen Tra­ge­zeit Sym­ptome einer Prä­ek­lamp­sie ent­wi­ckel­ten. Wird Amlo­di­pin ver­ab­reicht, unter­bricht es die Signal­kas­ka­den; die Blut­ge­fäße schwol­len nicht an und blie­ben elas­tisch. Die Wirk­sam­keit die­ses Ansat­zes konn­ten die For­scher im Rah­men einer Pilot­stu­die an der Uni­ver­si­täts­kli­nik für Gynä­ko­lo­gie in Kairo tes­ten: Je vier Schwan­gere mit einer begin­nen­den Prä­ek­lamp­sie erhiel­ten Amlo­di­pin oder Nife­di­pin. Beide Sub­stan­zen bewirk­ten eine Blut­druck­sen­kung, Amlo­di­pin ver­zö­gerte jedoch die not­wen­dige Geburts­ein­lei­tung um durch­schnitt­lich vier Tage. Wei­tere grö­ßere Stu­dien müs­sen nun fol­gen.
APA/​Cell

Auch im Tief­schlaf lernen

Für ihre Stu­die haben Katha­rina Henke, Marc Züst und Simon Ruch von der Uni­ver­si­tät Bern 41 Schla­fende über Kopf­hö­rer mehr­fach mit Fan­ta­sie­wör­tern, denen sie unter­schied­li­che Bedeu­tun­gen zuord­ne­ten, beschallt. So hörte etwa eine Ver­suchs­per­son „Guga – Vogel“, eine andere „Guga – Ele­fant“. Nach dem Auf­wa­chen wur­den sie befragt: Ist Guga ein gro­ßer oder klei­ner Gegen­stand? Passt es in eine Schuh­schach­tel oder nicht? Wenn das zweite Wort des Wort­paa­res in einer bestimm­ten Schlaf­phase bei den Ver­suchs­per­so­nen ankam, iden­ti­fi­zier­ten sie nach dem Auf­wa­chen 60 Pro­zent der Fan­ta­sie­wör­ter kor­rekt als etwas Gro­ßes oder Klei­nes – so wie sie es im Schlaf gehört hat­ten. Ent­schei­dend war, die „Up-state“-Schlafphase zu tref­fen. Diese dau­ert rund eine halbe Sekunde, in der alle Gehirn­zel­len gemein­sam aktiv sind; sie wech­seln sich mit „Down-state“-Phasen ohne Akti­vi­tät ab. Diese Pha­sen las­sen sich anhand des EEGs bestim­men. Stu­dien-Mit­au­tor Züst dazu: „Wir woll­ten zei­gen, dass man auch in unbe­wuss­tem Zustand ler­nen kann.“
APA/​Current Biology

Typi­sche „Signa­tur“ bei CED

For­scher der Uni­ver­si­tät und des Insel­spi­tals Bern unter­such­ten die Zusam­men­set­zung der Darm­flora von Pati­en­ten aus zwei gro­ßen Kohor­ten­stu­dien. Sie wer­te­ten die Daten von 270 Per­so­nen mit M. Crohn, 232 mit Coli­tis ulce­rosa und 227 Gesun­den aus. So konn­ten sie u.a. in der Ana­lyse mit ler­nen­den Algo­rith­men typi­sche „Signa­tu­ren“ für chro­nisch ent­zünd­li­che Darm­er­kran­kun­gen fest­stel­len. Wie das For­scher­team um Andrew Macph­er­son, Bah­ti­yar Yil­maz und Pas­cal Juil­lerat her­aus­fand, zeig­ten sich bei den Per­so­nen, die an einer CED lei­den, deut­lich mehr krank­ma­chende Bak­te­ri­en­stämme und weni­ger vor­teil­hafte Bak­te­rien im Darm. Bei Letz­te­ren han­delt es sich bei­spiels­weise um Bak­te­rien, die kurz­ket­tige Fett­säu­ren pro­du­zie­ren und so die Zel­len der Darm­wand und damit auch die schüt­zende Darm­bar­riere stär­ken. Unter­schiede stell­ten die Wis­sen­schaf­ter in der Zusam­men­set­zung der Bak­te­ri­en­stämme bei M. Crohn und Coli­tis ulce­rosa fest. Zusam­men­hänge konn­ten die For­scher dar­über hin­aus auch mit dem Krank­heits­ver­lauf, dem Anspre­chen auf Medi­ka­mente sowie dem Wie­der­auf­flam­men der Erkran­kung nach einem chir­ur­gi­schen Ein­griff fest­stel­len. Der Krank­heits­sta­tus zum Zeit­punkt der Pro­ben­ent­nahme dürfte für die Zusam­men­set­zung der Bak­te­rien einen nur gerin­gen Ein­fluss spie­len. Macph­er­son wei­ter: „Je mehr wir über krank­ma­chende oder gesund­heits­för­dernde Bak­te­rien wis­sen, umso geziel­ter kön­nen wir diese akti­vie­ren oder unter­drü­cken, um den Krank­heits­ver­lauf zu beein­flus­sen und die Lebens­qua­li­tät der Pati­en­ten zu ver­bes­sern.“
APA/​Nature Medicine

Can­na­bis ver­än­dert Gehirn von Jugendlichen

Bereits nach dem Kon­sum von weni­gen Joints kommt es im Gehirn von 14-Jäh­ri­gen zu einer leich­ten Zunahme der grauen Sub­stanz. Das konnte ein Team von Hugh Gara­van und Cathe­rine Orr von der Uni­ver­sity of Ver­mont (USA) nach­wei­sen. Die Wis­sen­schaf­ter unter­such­ten die Gehirn-Scans von 46 Jugend­li­chen, die ange­ge­ben hat­ten, nur wenig Erfah­rung mit Can­na­bis zu haben, mit Jugend­li­chen, die eige­nen Anga­ben zufolge noch nie zu einem Joint gegrif­fen haben. In eini­gen Gehirn­area­len, in denen sich Can­na­bi­noid-Rezep­to­ren befin­den, kam es zu einer klei­ne­ren Zunahme der grauen Sub­stanz. Die deut­lichs­ten Ver­än­de­run­gen zeig­ten sich in der Amyg­dala, die bei Furcht, Lust sowie bei der Moti­va­tion eine Rolle spielt, und im Hip­po­cam­pus, der spe­zi­ell mit Gedächt­nis­pro­zes­sen und der räum­li­chen Vor­stel­lung in Zusam­men­hang gebracht wird. „Es sieht so aus, als ob man das Gehirn bereits mit ein oder zwei Joints ver­än­dert“, so Gara­van. Laut den Stu­di­en­au­toren sei jedoch unklar, was diese Ver­än­de­run­gen bedeu­ten könn­ten.
APA/​Journal of Neuroscience

Erst­mals Ebola-Virus in Fle­der­maus entdeckt

In West­afrika konn­ten For­scher erst­mals das Ebola-Virus in einer Fle­der­maus nach­wei­sen. Bei der Ana­lyse des Genoms zeigte sich große Über­ein­stim­mung mit dem Zaire-Ebola-Virus, das 2014/​2015 den gro­ßen Ebola-Aus­bruch in West­afrika ver­ur­sacht hat, erklärte Viro­loge Simon Anthony von der Uni­ver­si­tät Colum­bia in New York. „Das ist wich­tig, weil wir bis­her gar nicht wuss­ten, wie es zu der West­afrika-Epi­de­mie gekom­men ist“, so Anthony, der an der Ana­lyse betei­ligt war. Bis­lang wurde erst ein Vier­tel der 4.000 Pro­ben von Tie­ren aus Libe­ria ana­ly­siert. Auf­grund die­ser Erkennt­nisse warn­ten die Behör­den in Libe­ria die Bevöl­ke­rung aus­drück­lich vor der Tötung und dem Ver­zehr von Fle­der­mäu­sen.
APA

Gedan­ken in Spra­che verwandeln

Dem Ziel, Hirn­si­gnale in gespro­chene Spra­che zu über­tra­gen, ist einem For­scher­team um Nima Mes­ga­rani von der Colum­bia Uni­ver­si­tät in New York City einen Schritt näher gekom­men. Dabei kom­bi­nierte der For­scher in Zusam­men­ar­beit mit dem Neu­ro­chir­ur­gen Ashesh Mehta von der Hof­s­tra Nor­thwell School of Medi­cine in Man­has­set in New York ein Spra­ch­er­zeu­gungs­sys­tem (Vocoder) mit einem tie­fen künst­li­chen neu­ro­na­len Netz­werk. Ein­be­zo­gen wur­den fünf Pati­en­ten mit Epi­lep­sie, deren implan­tierte Elek­tro­den Signale aus dem Hör­zen­trum auf­neh­men kön­nen. Das Trai­ning des Spra­ch­er­zeu­gungs­sys­tems basiert auf den Tech­no­lo­gien von Ama­zon Echo und Apple Siri; auf diese Weise wur­den die Fra­gen der Wis­sen­schaf­ter ver­bal beant­wor­tet. Aller­dings bestan­den die Trai­nings­da­ten in die­sem Fall nicht aus gespro­che­ner Spra­che, son­dern aus den Hirn­si­gna­len der Pati­en­ten als Reak­tion auf gespro­chene Spra­che. Mit einem umfang­rei­chen Netz­werk aus künst­li­chen Neu­ro­nen ana­ly­sier­ten die For­scher den Sound des Spra­ch­er­zeu­gungs­sys­tems und berei­te­ten ihn auf. Ergeb­nis: eine Robo­ter-haft klin­gende Stimme, die Zah­len von null bis neun spricht. Diese Ergeb­nisse, die aus den Hirn­si­gna­len der fünf Epi­lep­sie-Pati­en­ten gewon­nen wur­den, spiel­ten die For­scher elf Test­per­so­nen vor. Diese erkann­ten nicht nur die gespro­che­nen Wör­ter wäh­rend 75 Pro­zent der Auf­nah­me­zeit, son­dern in 80 Pro­zent der Fälle auch, ob es sich bei der spre­chen­den Per­son um einen Mann oder eine Frau han­delte. Die Wis­sen­schaf­ter hof­fen, dass eine wei­ter­ent­wi­ckelte Ver­sion ihres Ver­fah­rens Teil eines Implan­tats wer­den könnte, das Gedan­ken direkt in gespro­chene Spra­che ver­wan­delt.
APA/​Scientific Reports

350.562 Per­so­nen mit der Dia­gnose „Krebs“ haben Ende 2016 in Öster­reich gelebt. Die häu­figs­ten Dia­gno­sen waren mit 5.558 bös­ar­tige Tumore der Brust bei Frauen sowie 5.245 bös­ar­tige Pro­sta­ta­tu­more, gefolgt von 4.877 bös­ar­ti­gen Tumo­ren der Lunge sowie 4.517 bös­ar­ti­gen Tumo­ren des Dick­darms bezie­hungs­weise des End­darms. In den ver­gan­ge­nen 20 Jah­ren ist die Zahl der jähr­li­chen Neu­erkran­kun­gen von rund 35.300 auf mehr als 40.000 angestiegen.

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 3 /​10.02.2019