Medi­zi­ni­sche Kurz­mel­dun­gen: Kurz und informativ

15.07.2019 | Medi­zin

Phtha­late und Sper­mien: unter­schied­li­che Auswirkungen

Phtha­late wir­ken sich nicht bei jedem männ­li­chen Fötus gleich schäd­lich auf die Sper­mi­en­bil­dung aus. Ein Team um Ariane Gia­co­bino von der Uni­ver­si­tät Genf hat die­sen Effekt an schwan­ge­ren Mäu­sen unter­sucht. Diese erhiel­ten Phtalate; spä­ter wurde die Sper­mi­en­qua­li­tät des männ­li­chen Nach­wuch­ses geprüft. Ergeb­nis: Die Sper­mi­en­qua­li­tät war nur bei einem Teil der Männ­chen schlech­ter; der andere Teil war resis­tent. Im Erb­gut der anfäl­li­gen Mäuse ent­deck­ten die For­scher Bin­de­stel­len für Hor­mone – und hor­mon­ähn­li­che Phtha­late –, die bei nicht-anfäl­­li­­gen Tie­ren nicht vor­han­den waren. Mög­li­cher­weise ver­hin­dern Phtha­late über epi­ge­ne­ti­sche Ver­än­de­run­gen, dass die benach­bar­ten Gene kor­rekt abge­le­sen wer­den. Ent­ge­gen bis­he­ri­ger Annah­men wur­den die Ver­än­de­run­gen sogar teil­weise an die nächste Genera­tion wei­ter­ge­ge­ben. Nun wol­len die For­scher her­aus­fin­den, ob beim Men­schen ähn­li­che Prä­dis­po­si­tio­nen vor­lie­gen.
APA/​Plos One


Anti­de­pres­siva min­dern Empathie

Ent­ge­gen bis­he­ri­ger Annah­men kann die Beein­träch­ti­gung des empa­thi­schen Ein­füh­lungs­ver­mö­gens mit Men­schen, die an Schmer­zen lei­den, vor­ran­gig nicht nur auf die Depres­sion zurück­ge­führt wer­den, son­dern auch auf Anti­de­pres­siva. Das hat ein Team um Univ. Prof. Claus Lamm vom Insti­tut für Psy­cho­lo­gi­sche Grund­la­gen­for­schung und For­schungs­me­tho­den an der Uni Wien, Priv. Doz. Rupert Lan­zen­ber­ger von der Uni­ver­si­täts­kli­nik für Psych­ia­trie und Psy­cho­the­ra­pie und Assoz. Prof. Chris­tian Win­disch­ber­ger vom Zen­trum für Medi­zi­ni­sche Phy­sik und Bio­me­di­zi­ni­sche Tech­nik der Med­Uni Wien her­aus­ge­fun­den. Eine Pati­en­ten­gruppe wurde zu zwei Zeit­punk­ten unter­sucht: wäh­rend einer aku­ten depres­si­ven Phase vor der Ein­nahme von Medi­ka­men­ten sowie nach drei­mo­na­ti­ger psy­cho-phar­­ma­­ko­­lo­­gi­­scher The­ra­pie mit Anti­de­pres­siva. Beide Male wurde die Hirn­ak­ti­vi­tät mit­tels funk­tio­nel­ler MRT unter­sucht, wäh­rend die Pati­en­ten Videos von Men­schen sahen, die Schmerz erleb­ten. Dabei wich die empa­thi­sche Reak­tion der Pati­en­ten­gruppe nicht von jener der gesun­den Kon­troll­gruppe ab. Erst nach der drei­mo­na­ti­gen Ein­nahme von Anti­de­pres­siva fiel die Reak­tion wesent­lich gerin­ger aus. 
Uni­ver­si­tät Wien/​Translational Psychiatry

627.000 Frauen star­ben 2018 welt­weit an Brust­krebs; etwa eine Mil­lion neue Fälle wurde dia­gnos­ti­ziert. For­scher aus der Schweiz und aus Frank­reich wol­len nun einen BH ent­wi­ckeln, der Brust­krebs mit­hilfe von Sen­so­ren bereits früh­zei­tig erkennt. Im Rah­men des Pro­jekts „SBra“ prüft ein Team aus 30 Wis­sen­schaf­tern der­zeit, ob vor­han­dene Tech­no­lo­gien dazu imstande sind.

Gedan­ken steu­ern den Rollstuhl

Am Berufs­ge­nos­sen­schaft­li­chen Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Berg­manns­heil in Bochum unter­su­chen For­scher um den Neu­ro­chir­ur­gen Ramon Mar­­tí­­­nez-Oli­­vera der­zeit, wie spe­zi­elle Roll­stühle mit Gedan­ken­kraft über eine Hirn-Com­­pu­­ter-Schnit­t­stelle gesteu­ert wer­den kön­nen. Eine Ele­k­­tro­­den-Mütze erfasst dabei elek­tri­sche Gehirn­im­pulse und über­mit­telt sie an den Com­pu­ter. Vier der zehn Per­so­nen mit einer Para­ple­gie konn­ten den Roll­stuhl nach einem mehr­wö­chi­gen Trai­ning durch einen ein­fa­chen Hin­der­nis­par­cours steu­ern.
APA

Aso­ziale pro­ji­zie­ren Ver­hal­ten auf andere

Men­schen mit aso­zia­len Per­sön­lich­keits­merk­ma­len gehen davon aus, dass ihre Inter­ak­ti­ons­part­ner ihre unso­ziale Welt­an­schau­ung tei­len. Zu die­sem Ergeb­nis kamen For­scher um den Öko­no­men Ernst Fehr von der Uni­ver­si­tät Zürich und Jan Engel­mann von der Uni­ver­si­tät Ams­ter­dam. Bei ihrer Stu­die setz­ten sie eine Kom­bi­na­tion aus Per­sön­lich­keits­fra­ge­bo­gen und Ver­trau­ens­spiel („Trust Game“) ein. 182 Pro­ban­den wur­den anonym ent­we­der zum „Inves­tor“ oder „Agen­ten“ und muss­ten eine bestimmte Geld­summe sen­den oder emp­fan­gen. In einige Ver­sio­nen des Spiels wur­den Sank­ti­ons­mög­lich­kei­ten für Ver­trau­ens­brü­che inte­griert. Je nach Vor­han­den­sein von Sank­tio­nen pass­ten Per­so­nen mit aso­zia­len Per­sön­lich­keits­merk­ma­len ihr Ver­hal­ten im Expe­ri­ment stra­te­gisch an und schnit­ten bei Aus­zah­lun­gen bes­ser ab als andere. Sie ver­trau­ten wenig und hin­ter­gin­gen selbst, außer es waren wirk­same Sank­tio­nen zu
befürch­ten.
APA/​PNAS

Künst­li­che Intel­li­genz lie­fert bes­sere Dia­gnose bei Hautläsionen

Künst­li­che Intel­li­genz dia­gnos­ti­ziert pig­men­tierte Haut­ver­än­de­run­gen bes­ser als mensch­li­che Exper­ten – so das Ergeb­nis einer Stu­die um Priv. Doz. Phil­ipp Tschandl von der Uni­ver­si­täts­kli­nik für Der­ma­to­lo­gie der Med­Uni Wien. Dabei tra­ten 511 Ärzte gegen 139 Bil­d­er­ken­nungs­al­go­rith­men aus 77 ver­schie­de­nen Labo­ra­to­rien welt­weit an. Lern­grund­lage für die Maschi­nen war die Bild­da­ten­bank HAM10.000 mit mehr als 10.000 Auf­nah­men und sie­ben ver­schie­de­nen Klas­sen von Haut­ver­än­de­run­gen. Bei 30 neuen, nicht in der Bild­da­ten­bank ent­hal­te­nen Auf­nah­men auf einer Online-Plat­t­­form schnit­ten zwei Drit­tel der Maschi­nen bes­ser ab als Ärzte: Die bes­ten Maschi­nen klas­si­fi­zier­ten 25,4 von 30 Bil­dern rich­tig, die Ärzte 18,8 Bil­der. Laut Tschandl wird die Inter­pre­ta­tion der Ergeb­nisse aber wei­ter­hin dem Men­schen über­las­sen, der bei der Risi­ko­ein­schät­zung, der Ver­laufs­be­ob­ach­tung, dem Ertas­ten von Ver­än­de­run­gen der Haut und dem Ver­gleich mit ande­ren Mut­ter­ma­len am Kör­per wei­ter­hin über­le­gen ist.
APA/​The Lan­cet Oncology

Über­ge­wicht erhöht Hyper­­to­­nie-Risiko bei Kindern

Ein For­scher­team um Inaki Galan von der Uni­ver­sidad Auto­noma de Madrid hat her­aus­ge­fun­den, dass Über­ge­wicht bereits bei jün­ge­ren Kin­dern das Risiko für eine Hyper­to­nie erhöht. 1.796 Kin­der aus der Region Madrid wur­den im Alter von vier Jah­ren und erneut mit sechs Jah­ren unter­sucht. Bei den Vier­jäh­ri­gen wur­den Größe, Geschlecht, Lebens­um­stände der Mut­ter und wei­tere Fak­to­ren regis­triert. 32 Päd­ia­ter bestimm­ten dar­auf­hin Gewicht, Bauch­um­fang und Blut­druck. Ergeb­nis: Kin­der, die mit vier und sechs Jah­ren über­ge­wich­tig oder fett­lei­big waren, hat­ten im Ver­gleich zu nor­mal­ge­wich­ti­gen Kin­dern ein zwei- bis zwei­ein­halb grö­ße­res Risiko, an Hyper­to­nie zu lei­den. Kin­der, die im Alter von vier Jah­ren über­ge­wich­tig, mit sechs Jah­ren aber nor­mal­ge­wich­tig waren, hat­ten ver­gleich­bare Blut­druck­werte wie nor­mal­ge­wich­tige Kin­der. 
APA/​European Jour­nal of Pre­ven­tive Cardiology

Fein­­mo­­to­­rik-Trai­­ning modi­fi­ziert Neuronen

For­scher um Kelly Tan von der Uni­ver­si­tät Basel haben Ner­ven­zel­len im Nucleus ruber im Mit­tel­hirn iden­ti­fi­ziert, die sich durch das Erler­nen fein­mo­to­ri­scher Bewe­gun­gen plas­tisch ver­än­dern. Ver­su­che mit Mäu­sen haben gezeigt, dass das Üben von neuen Greif­be­we­gun­gen die Ver­bin­dun­gen zwi­schen die­sen Ner­ven­zel­len stärkt. Inwie­fern sich die Ner­ven­zell­ver­bin­dun­gen zurück­bil­den, wenn die erlernte Bewe­gung nicht mehr aus­ge­führt wird, wol­len die For­scher mit wei­te­ren Ver­su­chen klä­ren. Diese Erkennt­nisse könn­ten bei M. Par­kin­son und damit ver­bun­de­nen moto­ri­schen Stö­run­gen eine Rolle spie­len.
APA/​Nature Communications

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 13–14 /​15.07.2019