Medi­zi­ni­sche Kurz­mel­dun­gen: Kurz und informativ

10.05.2019 | Medi­zin


Auf­bau von Brust­tu­mo­ren ent­schlüs­selt

Mit­tels Mas­s­en­zy­to­me­trie haben For­scher um Johanna Wag­ner von der Uni­ver­si­tät Zürich und Mari­anna Rap­so­ma­niki von IBM Rese­arch den Auf­bau von mehr als 100 Brust­tu­mo­ren ent­schlüs­selt und einen Tumor- und Immun­­­zell-Atlas erstellt. Basis sind meh­rere Mil­lio­nen Krebs- und Immun­zel­len von 140 Pati­en­tin­nen. Ent­ge­gen bis­he­ri­ger Annah­men domi­nierte in aggres­si­ven Tumo­ren meist eine ein­zige stark ent­ar­tete Krebs­zell­art. Wei­tere Gemein­sam­kei­ten der aggres­si­ven For­men wur­den bei den Tumor-asso­­zi­ier­­ten Immun­zel­len gefun­den. Bei einer Gruppe von aggres­si­ven Tumo­ren zeigte sich eine Anrei­che­rung von inak­ti­ven Immun­zel­len. Wei­ter­füh­rende Stu­dien sol­len zei­gen, inwie­fern eine Immun­the­ra­pie bei Brust­krebs ziel­füh­rend ist.
APA/​Cell

Throm­bo­zy­ten beein­flus­sen Ent­ste­hung einer Fettleber

Throm­bo­zy­ten spie­len bei der Ent­ste­hung der nicht-alko­hol­­be­­din­g­­ten Fett­le­ber und deren Fol­ge­er­kran­kun­gen eine Rolle – das haben die For­scher um Achim Weber von der Uni­ver­si­tät und dem Uni­ver­si­täts­spi­tal Zürich und Mathias Hei­ken­wäl­der vom Deut­schen Krebs­for­schungs­zen­trum (DKFZ) in Hei­del­berg her­aus­ge­fun­den. Ver­su­che an Maus­mo­del­len haben gezeigt, dass fett­rei­che Nah­rung bei gleich­zei­ti­ger Gabe von Anti­ko­agu­lan­tien (Ace­tyl­sa­li­cyl­säure mit Clo­pidro­gel oder Tica­g­re­lor) zwar zu Über­ge­wicht, nicht aber zur Fett­le­ber oder zu Leber­krebs führt. Wird das Andock­mo­le­kül auf der Ober­flä­che der Throm­bo­zy­ten (GPIb-alpha) mit einem Anti­kör­per blo­ckiert, wer­den weni­ger ent­zünd­li­che Immun­zel­len alar­miert.
APA/​Nature Medicine

30 Gene
von 132 unter­such­ten Genen ste­hen mit Schi­zo­phre­nie in Ver­bin­dung, wie For­scher um Alex Schier von der Uni­ver­si­tät Basel her­aus­ge­fun­den haben. An Zebra­fi­schen haben sie den Ein­fluss der Gene auf die Ent­wick­lung und Funk­tion des Gehirns unter­sucht. Wie genau die ein­zel­nen Gene Schi­zo­phre­nie aus­lö­sen, bleibt unge­klärt. Laut WHO sind welt­weit rund 21 Mil­lio­nen Men­schen von Schi­zo­phre­nie betrof­fen.
APA/​Cell

Höhe­rer Nar­ko­se­be­darf bei Cannabis-Konsumenten

Can­­na­­bis-Kon­­su­­men­­ten haben auf­grund der schnel­le­ren Meta­bo­li­sie­rung einen höhe­ren Bedarf an Nar­ko­se­mit­tel – das hat das For­scher­team um Mark Twar­dow­ski von den Wes­tern Medi­cal Asso­cia­tes in Grand Junc­tion (Colo­rado, USA) her­aus­ge­fun­den. Nach Revi­sion von 250 zufäl­lig aus­ge­wähl­ten Pati­en­ten einer Darm- oder Magen­spie­ge­lung zeigte sich, dass die 25 Pati­en­ten mit regel­mä­ßi­gem Can­na­bis­kon­sum durch­schnitt­lich 14 Pro­zent mehr Fen­tanyl, knapp 20 Pro­zent mehr Mida­zo­lam und rund 220 Pro­zent mehr Propo­fol benö­tig­ten. Im US-Bun­­­des­­staat Colo­rado darf Can­na­bis seit 2012 legal kon­su­miert wer­den. Neben Can­na­bis beein­flus­sen auch andere Dro­gen, Alko­hol, Tran­qui­li­zer und andere Psy­cho­phar­maka die Wirk­sam­keit von Nar­ko­se­mit­teln.
APA/​Journal of the Ame­ri­can Osteo­pa­thic Association

Mini-Herz aus dem 3D-Drucker

Ein For­scher­team um Tal Dvir von der Uni­ver­si­tät Tel Aviv hat ein Mini-Herz aus mensch­li­chem Gewebe im 3D-Dru­­cker erzeugt. Der Pro­to­typ in der Größe eines Hasen­her­zens besteht aus Gewebe, Blut­ge­fä­ßen und Kam­mern; syn­chron zusam­men­zie­hen kön­nen sich die Zel­len aller­dings noch nicht. Per Biop­sie wurde Fett­ge­webe eines Pati­en­ten ent­nom­men; Fett­zel­len wur­den zu Stamm­zel­len umpro­gram­miert – damit ist das Herz mit dem Pati­en­ten kom­pa­ti­bel. Der Pro­to­typ soll nun in einem spe­zi­el­len Bio­re­ak­tor rei­fen; die ers­ten Tier­ver­su­che sind bin­nen eines Jah­res geplant. 
APA/​Advanced Science

Nie­ren­trans­plan­ta­tion unter HIV-Infizierten

Chir­ur­gen um Dorry Segev von der Johns-Hop­­kins-Uni­­ver­­­si­­tät haben die erste Niere einer HIV-infi­­zier­­ten Organ­spen­de­rin einem eben­falls HIV-infi­­zier­­ten Emp­fän­ger trans­plan­tiert. Bis­her war man davon aus­ge­gan­gen, dass es für HIV-Infi­­zierte zu ris­kant wäre, eine Niere zu spen­den, wes­halb bis­lang nur die Organ­ent­nahme eines ver­stor­be­nen HIV-Infi­­zier­­ten infrage kam. Allein in den USA war­ten etwa 1.000 HIV-Infi­­zierte auf ein Spen­der­or­gan.
APA


Neuer The­ra­pie­an­satz bei Ichthyose

Die For­scher um Franz Rad­ner von der Uni­ver­si­tät Graz haben einen neuen The­ra­pie­an­satz für die Behand­lung der bis­her nicht heil­ba­ren Fisch­schup­pen­krank­heit (Icht­h­y­ose) ent­deckt. Bereits seit eini­gen Jah­ren ist bekannt, dass die Muta­tion des PNPLA1-Gens zu die­ser auto­so­mal rezes­siv ver­erb­ten Ver­hor­nungs­stö­rung führt. Bei der Erfor­schung die­ser Gen­mu­ta­tio­nen fan­den die For­scher nun her­aus, dass die Pro­duk­tion von Acyl­cer­a­mid in der Horn­schicht der Haut gestört ist, wenn das PNPLA1-Gen defekt ist. Aus den Erkennt­nis­sen erge­ben sich neue, poten­ti­elle The­ra­pie­op­tio­nen wie etwa Haut­cre­men mit syn­the­ti­schem Acyl­cer­a­mid.
APA/​Journal of Lipid Research

Stra­te­gie gegen welt­weite Pandemien

Um welt­weite Pan­de­mien zu ver­hin­dern, mache es mehr Sinn, die mit­tel­gro­ßen anstatt die größ­ten Flug­hä­fen zu schlie­ßen – dies sei genauso wirk­sam, um die Aus­brei­tung zu ver­hin­dern, würde aber vier­mal weni­ger Kos­ten ver­ur­sa­chen. Das haben die For­scher um Xiao-Long Ren und Nino Antulov-Fan­­tu­­lin von der ETH Zürich her­aus­ge­fun­den, als sie das Sze­na­rio für Europa, Nord­ame­rika und Asien durch­spiel­ten. Die Frage, wie man Netz­werke effi­zi­ent und kos­ten­güns­tig zer­legt, sei eines der grund­le­gen­den Pro­bleme der Netz­werk­for­schung und ist auch auf andere Sze­na­rien wie kri­mi­nelle Netz­werke über­trag­bar.
APA/​PNAS

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 9 /​10.05.2019