Stand­punkt Johan­nes Stein­hart: Tech­no­lo­gien sinn­voll nutzen

10.03.2019 | Aktuelles aus der ÖÄK

© Gregor Zeitler

E‑Medikation und e‑KOS sind grund­sätz­lich intel­li­gente Pro­dukte, die Ärz­ten und Pati­en­ten Vor­teile brin­gen. Von e‑Medikation, der ers­ten ELGA-Anwen­dung (nicht zu ver­wech­seln mit der noch immer unaus­ge­reif­ten Befund-ELGA), erwar­ten wir uns ein Plus an Sicher­heit für Ver­si­cherte und ein­fa­chere Pro­zesse für uns Ärzte. e‑KOS unter­stützt die elek­tro­ni­schen Abläufe und bil­det die der­zei­ti­gen Papier­pro­zesse elek­tro­nisch ab. Da wir von der prin­zi­pi­el­len Sinn­haf­tig­keit die­ser Tech­no­lo­gien über­zeugt waren, haben wir Anfang 2018 einem neuen Gesamt­ver­trag für EDV-Anwen­dun­gen in Arzt­pra­xen samt (Anschub)Finanzierung und Kos­ten­be­tei­li­gung durch die öffent­li­che Hand zugestimmt.

Inzwi­schen zei­gen die Erfah­run­gen man­cher Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen, dass auch hier der Teu­fel im Detail ste­cken kann und dass eine medi­zi­nisch sinn­volle Idee zu einem Ärger­nis wer­den kann, wenn sie admi­nis­tra­tiv pro­ble­ma­tisch umge­setzt wird. Ein berich­te­tes Pro­blem sind die Kos­ten. Beim Roll­out in der Stei­er­mark wurde nach betriebs­wirt­schaft­li­chen Kri­te­rien Kos­ten errech­net und eine Preis­fin­dung vor­ge­nom­men. Dar­aus ergab sich ein Emp­feh­lungs­ta­rif. Ent­spre­chend gibt es bei der e‑Medikation die Anschub­för­de­rung durch den Bund von pro Arzt ein­ma­lig 1.314 Euro und einen War­tungs­kos­ten­bei­trag von 20 Euro pro Monat – alle Beträge plus USt. Bei e‑KOS wer­den die Anschaf­fungs­kos­ten von 350 Euro und die Betrei­bungs­kos­ten von 4 Euro pro Monat von der öffent­li­chen Hand übernommen.

Ich kann die Irri­ta­tion nach­voll­zie­hen, wenn Ärzte jetzt fest­stel­len, dass die For­de­run­gen man­cher Arzt­soft­ware-Her­stel­ler weit höher sind und mit­un­ter Phan­ta­sie­ho­no­rare ver­langt wer­den. Häu­fig mit der Begrün­dung, in dem höhe­ren Betrag sei das e‑Be­fund-Modul bereits dabei – die­ses braucht man aber der­zeit nicht und das wurde auch nicht so ausverhandelt.

Wir wer­den da jeden­falls nicht taten­los zuschauen und wer­den bezüg­lich der Hono­rare der Ärz­te­soft­ware-Her­stel­ler Trans­pa­renz schaffen.

Einige prak­ti­sche Emp­feh­lun­gen: Errech­nen Sie, ob für Sie eher ein Modul­sys­tem in Frage kommt oder bes­ser ein Gesamt­sys­tem mit gerin­ge­ren War­tungs­kos­ten. Befra­gen Sie Kol­le­gen aus ihrem Fach nach ihren Erfah­run­gen. Klä­ren Sie die Norm­da­ten­schutz­kon­for­mi­tät, also ob die bestehende Datei in die neue Soft­ware über­nom­men wer­den kann. Man­che Fir­men ver­lan­gen für die­sen Export zusätz­li­ches Geld, was jedoch nicht statt­haft ist. Und kon­sul­tie­ren Sie die EDV-Abtei­lung Ihrer Lan­des­ärz­te­kam­mer für einen Ver­trag­scheck, bevor Sie den neuen Fir­men­ver­trag abschließen.

Tra­gen wir gemein­sam dazu bei, dass e‑Medikation und e‑KOS eine Erfolgs­ge­schichte wird, von der Ärzte und Pati­en­ten profitieren.

Dr. Johan­nes Stein­hart
2. Vize-Prä­si­dent der Öster­rei­chi­schen Ärztekammer

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 5 /​10.03.2019