Kas­sen­fu­sion: Die Details zum SVS-Gesamtvertrag

25.11.2019 | Aktu­el­les aus der ÖÄK


Die mit 1. Jän­ner 2020 in Kraft tre­tende Fusion von SVA und SVB zur SVS bringt viele Ver­än­de­run­gen. Inner­halb der nächs­ten vier Jahre wer­den die Punk­te­werte auf­grund der gro­ßen Tarif­un­ter­schiede ange­gli­chen.

Sophie Nie­denzu

Es wur­den im Vor­feld viele Ver­hand­lun­gen geführt, denn die Vor­aus­set­zun­gen und Grund­la­gen waren unter­schied­lich und die Berech­nun­gen hoch kom­plex. Doch nun ist es soweit: Ab 1. Jän­ner 2020 sind alle Gewer­be­trei­ben­den, Bau­ern, Frei­be­ruf­li­che und Neue Selb­stän­dige bei der fusio­nier­ten Sozi­al­ver­si­che­rung der Selbst­stän­di­gen (SVS) ver­si­chert. Durch die Fusion kön­nen Ärzte Leis­tun­gen an Pati­en­ten mit bestehen­den SVA- bzw. SVB-Ver­­­trä­­gen zukünf­tig über den SVS-Gesam­t­­ver­­­trag abrech­nen. „Zehn unter­schied­li­che Ver­träge der SVB mit dem bun­des­wei­ten SVA-Ver­­­trag unter einen Hut zu brin­gen, war eine große poli­ti­sche Her­aus­for­de­rung“, resü­miert Johan­nes Stein­hart, ÖÄK-Vize­­­prä­­si­­dent und Obmann der Bun­des­ku­rie nie­der­ge­las­sene Ärzte (BKNÄ). Der Abschluss, dem zähe Ver­hand­lun­gen vor­an­ge­gan­gen sind, sei letzt­end­lich doch gelun­gen und bringe einige Vor­teile, sowohl für die Ver­si­cher­ten, als auch für die Ärzte, die nun ver­trag­lich mehr Pati­en­ten betreuen kön­nen: durch die Fusion steigt die Zahl der Ver­si­cher­ten auf 1,2 Millionen. 

„Durch die neuen Hono­rar­ver­ein­ba­run­gen kommt es auch für All­ge­mein­me­di­zi­ner zu einer deut­li­chen Hono­rar­ver­bes­se­rung“, betont Edgar Wut­scher, Obmann der Bun­des­sek­tion All­ge­mein­me­di­zin (BSAM) der ÖÄK. Denn für den SVS-Gesam­t­­ver­­­trag wurde der Hono­rar­ka­ta­log der SVA her­an­ge­nom­men, der zukünf­tig nun auch für bis­he­rige SVB- Ver­si­cherte gilt. Die Folge: Die Tarife der vor­ma­li­gen SVB wer­den schritt­weise an die Tarife der SVA ange­passt. Das sei auch im Hin­blick auf den Lan­d­ärzte-Man­­gel abso­lut not­wen­dig gewe­sen: „Mit dem neuen Gesamt­ver­trag erhal­ten Land­ärzte eine Auf­wer­tung der Pati­en­ten­ver­sor­gung, was schon längst über­fäl­lig ist“, sagt er. Auch die Abrech­nung wird zukünf­tig schnel­ler erfol­gen: die bis­he­rige Quar­tals­ab­rech­nung für SVB-Ver­­­si­cherte wird auch auf eine Monats­ab­rech­nung, wie sie für SVA-Ver­­­si­cherte gilt, umgestellt.

Zehn Mil­lio­nen Euro investiert 

Auf­grund der gro­ßen Tarif­un­ter­schiede wird die Zusam­men­füh­rung von SVA und SVB ins­ge­samt vier Jahre dau­ern. Die Punk­te­werte blei­ben vor­erst noch unter­schied­lich hoch und wer­den jähr­lich schritt­weise ange­gli­chen – bis zur voll­stän­di­gen Fusion – vor­aus­sicht­lich 2024. Für die ers­ten Anpas­sun­gen wer­den für das Jahr 2020 ins­ge­samt zehn Mil­lio­nen Euro auf­ge­wen­det. Mit die­sem Geld kön­nen fol­gende Abrech­nungs­be­rei­che voll­stän­dig ange­passt werden: 

• All­ge­meine Son­der­leis­tun­gen
• The­ra­peu­ti­sche Aus­spra­che
• Akut- und Ordi­na­ti­ons­la­bor
• Phy­si­ka­li­sche Medi­zin
• „kleine phy­si­ka­li­sche Medi­zin“
• Psych­ia­tri­sche Leis­tun­gen
• Alle Leis­tun­gen, die in Euro-Wer­­ten aus­ge­wie­sen sind:
Wege­ge­büh­ren, Heil­mit­tel­be­ra­tungs­ge­spräch, psy­cho­so­ma­ti­sches Gespräch und die KJP Leistungen

„In man­chen Bun­des­län­dern stei­gen die Hono­rare für man­che Fach­grup­pen um bis zu 30 Pro­zent für bis­he­rige SVB-Ver­­­si­cherte“, sagt Stein­hart. Zudem wür­den alle ver­trag­li­che Rege­lun­gen, die per 31. Dezem­ber 2019 in den ein­zel­nen Bun­des­län­dern für bis­he­rige SVA bzw. SVB-Ver­­­si­cherte bestehen, von der SVS über­nom­men. Damit blei­ben alle bestehen­den Son­der­ver­ein­ba­run­gen und Abrech­nungs­zu­sa­gen auf­recht. Dazu zäh­len bei­spiels­weise Rege­lun­gen zum Bereit­schafts­dienst, Son­der­ver­ein­ba­run­gen, prä­ope­ra­tive Dia­gnos­tik (PROP), Dise­ase-Mana­ge­­ment-Pro­­­gramm (DMP) oder auch der Gesund­heits­check Junior. Hinzu kommt, dass bereits die Erstor­di­na­tio­nen, Visi­ten, die Sono­gra­phie und die Rönt­gen­ta­rife für die SVB-Ver­­­si­cher­­ten erhöht wer­den. „Durch die Über­nahme von Leis­tun­gen, die bis­lang nur in der SVB abge­rech­net wur­den, kommt es in man­chen Fäl­len auch zu Leis­tungs­er­wei­te­run­gen“, sagt Steinhart. 

Zusätz­lich zu die­sen Maß­nah­men wur­den noch fol­gende
Punkte ver­ein­bart:
• Ver­trags­fach­ärzte für Kin­­der- und Jugend­heil­kunde erhal­ten voll­au­to­ma­tisch zu jeder ab 1.1.2020 für BSVG-Anspruchs­­be­­rech­­tigte erbrach­ten Ers­ten Ordi­na­tion im Monat (Pos. E 11) einen Zuschlag in Höhe von 5,80 Euro. Diese Zuschlags­po­si­tion endet auto­ma­tisch mit 31.12.2021.
• Ver­trags­fach­ärzte für Lun­gen­heil­kunde erhal­ten voll­au­to­ma­tisch zu jeder ab 1.1.2020 für BSVG-Anspruchs­­be­­rech­­tigte erbrach­ten Ers­ten Ordi­na­tion im Monat (Pos. E 11) einen Zuschlag in Höhe von 5,15 Euro. Diese Zuschlags­po­si­tion endet auto­ma­tisch mit 31.12.2021.
• Son­der­re­ge­lun­gen für Vor­arl­ber­ger Ver­trags­fach­ärzte auf­grund der teil­weise. höhe­ren SVB-Hono­­rare in Vorarlberg 

Das Ziel der Ver­bes­se­rung durch die Kas­sen­fu­sion wurde erreicht: „Wir konn­ten sicher­stel­len, dass keine Fach­gruppe und kein Bun­des­land benach­tei­ligt wird“, sagt Stein­hart abschließend. 


SVS-Abrech­­nung

Für alle bis­he­ri­gen SVA- bzw. SVB-Ver­­­trags­­ärzte gilt ab 1. Jän­ner 2020 bun­des­weit ein neuer, mit der Öster­rei­chi­schen Ärz­te­kam­mer aus­ver­han­del­ter, ein­heit­li­cher SVS-Gesam­t­­ver­­­trag. Die Umstel­lung der Ver­träge erfolgt automatisch. 

Details

• Bitte rech­nen Sie Leis­tun­gen, die Sie ab 01.01.2020 für GSVG- oder BSVG-Anspruchs­­be­­rech­­tigte erbrin­gen, direkt mit der SVS nach den Hono­rar­ord­nungs­po­si­tio­nen des SVS-Gesam­t­­ver­­­tra­­ges ab. Dies erfolgt teil­weise noch zu ver­schie­de­nen Punk­te­wer­ten.
• Die Abrech­nung erfolgt für GSVG- und BSVG-Ver­­­si­cherte ab 01.01.2020 monat­lich und wird auf das bis­her von der SVA ver­wen­dete Bank­konto über­wie­sen.
• Die UID-Num­­mer der SVS lau­tet ATU 74620109, diese ist bitte bei jeder Abrech­nung anzu­füh­ren.
• Bezeich­nung „40 | SVS-GW“ und „50 | SVS-LW“- Im E‑Card-Sys­­tem wer­den die Anspruchs­be­rech­tig­ten als SVS-GW (gilt für GSVG- Ver­si­cherte) bzw. SVS-LW (gilt für BSVG-Ver­­­si­cherte) dar­ge­stellt.- Bitte füh­ren Sie Ihre elek­tro­ni­schen Abrech­nun­gen getrennt nach den bis­her ver­wen­de­ten Trä­ger­codes („40“ für „SVS-GW“, „50“ für „SVS-LW“) durch.- Bitte sor­gen Sie dafür, dass die Kür­zel („SVS-GW“, „SVS-LW“) bei der elek­tro­ni­schen Zuord­nung und auf Papier­be­le­gen (z.B. auf Rezep­ten, Über­wei­sungs­schei­nen etc.) auf­ge­bracht bzw. ver­wen­det wer­den. – Auch auf den Rezept­for­mu­la­ren wird die Bezeich­nung „gew. Wirtsch.“ durch „SVS-GW“ und „Bau­ern“ durch „SVS-LW“ ersetzt. Rest­be­stände an alten Rezept­for­mu­la­ren kön­nen jedoch auf­ge­braucht wer­den. Neue For­mu­lare kön­nen Sie bei den bis­he­ri­gen Ansprech­part­nern bestel­len.- Etwaige ärzt­li­che Abrech­nungs­un­ter­la­gen in Papier­form kön­nen Sie gemein­sam, jedoch bitte nach SVS-GW und SVS-LW sor­tiert, an Ihre Abrech­nungs­stelle sen­den
• Soll­ten Sie auch einen Vor­sor­ge­un­ter­su­chungs­ein­zel­ver­trag haben, gel­ten die bis­he­ri­gen Tarife der SVA ein­heit­lich für alle SVS-Anspruchs­­be­­rech­­ti­g­­ten.
• Bitte kon­tak­tie­ren Sie zeit­ge­recht Ihre jewei­lige Soft­ware­firma, um die Ver­rech­nung wei­ter­hin sicher­zu­stel­len
• Wich­tig: Jene Leis­tun­gen, die Sie für BSVG-Anspruchs­­be­­rech­­tigte bis 31.12.2019 erbracht haben, sind mit der ÖGK als Nach­fol­ger der jewei­li­gen GKK zu den von Ihnen im Jahr der Leis­tungs­er­brin­gung ver­wen­de­ten Tari­fen (GKK-Tarife) abzurechnen.Mehr Infor­ma­tio­nen unter www.svs.at/vertragspartner bzw. unter der Tele­fon­num­mer 050 808 3386 oder der Email-Adresse gesundheitsservice@svs.at.

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 22 /​25.11.2019