Kas­sen­fu­sion: BVAEB bereits harmonisiert

25.11.2019 | Aktu­el­les aus der ÖÄK


Die Hono­rar­ka­ta­loge der BVA und VAEB wer­den in einen neuen gemein­sa­men Kata­log BVAEB ver­eint und alle Leis­tun­gen mit dem jeweils bes­ten Tarif abge­bil­det.

Sophie Nie­denzu

Das Beste bei­der Wel­ten zusam­men­füh­ren – unter die­sem Motto lie­fen die Ver­hand­lun­gen für den Gesamt­ver­trag der BVAEB, der Ver­si­che­rungs­an­stalt öffent­lich Bediens­te­ter, Eisen­bah­nen und Berg­bau.
Für die neu fusio­nierte Kasse, die über ein Gesamt­ho­no­rar­vor­lu­men von etwa 403 Mil­lio­nen Euro ver­fügt, hat die VAEB den BVA-Kata­­log über­nom­men. In den Fäl­len, in denen die VAEB aller­dings bes­sere Tarife oder Leis­tun­gen als die BVA hatte, wur­den diese in den neuen Gesamt­ver­trag inte­griert. „Anders als bei der SVS hat­ten wir hier als Grund­lage ledig­lich zwei Kas­sen, die sich zudem sehr ähn­lich waren, daher konn­ten wir diese auf einem Schlag har­mo­ni­sie­ren“, sagt Johan­nes Stein­hart, ÖÄK-Vize­­­prä­­si­­dent und Obmann der Bun­des­ku­rie nie­der­ge­las­sene Ärzte (BKNÄ).

Der gemein­same Ver­trag mit der gemein­sa­men Hono­rar­ord­nung tritt mit 1. Jän­ner 2020 in Kraft. Wie auch bei der SVS erwei­tert sich nun der Pati­en­ten­kreis für Ärzte, die Ver­trags­part­ner von einer der bei­den fusio­nie­ren­den Kasse sind: Durch die Zusam­men­le­gung kön­nen Ärzte zukünf­tig Leis­tun­gen an Pati­en­ten mit bestehen­den BVA- bzw. VAEB-Ver­­­trä­­gen über den BVAEB-Gesam­t­­ver­­­trag abrech­nen. Sämt­li­che bestehende Son­der­ver­ein­ba­run­gen und Abrech­nungs­zu­sa­gen wer­den in den BVAEB-Ver­­­trag über­nom­men. Die Zusam­men­füh­rung bedeu­tet eine Inves­ti­tion von über zehn Mil­lio­nen Euro für 2020 und eine Hono­rar­stei­ge­rung von 2,7 Pro­zent. „Der neue BVAEB-Gesam­t­­ver­­­trag stellt sicher, dass alle Ärzte aus unter­schied­li­chen medi­zi­ni­schen Fächern bes­ser­ge­stellt sind“, sagt Stein­hart. Zusätz­lich dazu wur­den struk­tu­relle Ver­bes­se­run­gen von rund zwei Mil­lio­nen Euro beschlos­sen. Neben der Mög­lich­keit einer Tele­­fon-Ordi­­na­­tion zäh­len dazu auch Erhö­hun­gen von Limits bei der Ver­rech­nung bzw. neue Leis­tun­gen, wie bei­spiels­weise ein neuer Kata­log für Fach­ärzte für phy­si­ka­li­sche Medi­zin (siehe „Struk­tu­relle Verbesserungen).

Diese struk­tu­rel­len Ver­bes­se­run­gen erge­ben eine wei­tere Hono­rar­stei­ge­rung von einem Pro­zent. Mit 1. Jän­ner wird die Labor Road­map umge­setzt, wodurch Akut- und Ordi­na­ti­ons­la­bor wei­ter­hin abre­chen­bar sein. Diese Ände­rung betrifft nicht die Vor­sor­ge­un­ter­su­chung, die wie bis­her abge­rech­net wer­den kann. Der Weg­fall der Labor­po­si­tio­nen in den Ordi­na­tio­nen betrifft haupt­säch­lich Inter­nis­ten, All­ge­mein­me­di­zi­ner, Uro­lo­gen und Päd­ia­ter. Als Aus­gleich wurde eine neue Posi­tion im Leis­tungs­ka­ta­log geschaf­fen, näm­lich „Labor­vor­be­rei­tung und –koor­di­na­tion“. Außer­dem wer­den die kos­ten­in­ten­si­ven Ring­ver­su­che abge­schafft. Für das Jahr 2021 sind Tarif­er­hö­hun­gen in der Höhe von 2,3 Pro­zent ver­han­delt wor­den, außer­dem ist für die Struk­tur­ver­bes­se­run­gen ein wei­te­res Pro­zent der Hono­rar­summe vor­ge­se­hen. Die Details dazu wer­den im Laufe des nächs­ten Jah­res mit der BVAEB ver­han­delt und in den jewei­li­gen Gre­mien abge­stimmt. Ins­ge­samt macht daher das Ergeb­nis eine Gesamt­ho­no­rar­stei­ge­rung für 2021 um 3,3 Pro­zent aus. „Ins­ge­samt haben wir für die Ärz­te­schaft für das Jahr 2020 eine Inves­ti­tion in die Kata­loge in der Höhe von über 22 Mil­lio­nen Euro sicher­ge­stellt“, sagt Steinhart.

Die Ver­hand­lun­gen für die Fusion der klei­nen Kas­sen seien eine gute Vor­be­rei­tung für die ÖGK-Ver­­han­d­­lun­­­gen gewe­sen: „Wir wer­den wei­ter­hin dar­auf ach­ten, dass keine Fach­gruppe und kein Bun­des­land durch die neue Struk­tur ver­nach­läs­sigt wird. Wie wol­len die beste Medi­zin, nicht die Bil­ligste“, sagt Steinhart. 


Struk­tu­relle Ver­bes­se­run­gen

Fol­gende struk­tu­relle Ver­bes­se­run­gen wur­den ab 1.1.2020 vereinbart:

Limi­ter­hö­hun­gen:
• 32g: Oto­mi­kro­sko­pi­sche Unter­su­chung – Erhö­hung des Limits von 10 % auf 35 %
• 34x: 24-Stun­­­den Blut­druck­mo­ni­to­ring – Erhö­hung des Limits von 5 % auf 10 %
• 34y: Lan­g­­zeit-EKG – Erhö­hung des Limits von 10 % auf 20 % der Fälle
• 38j: Auflichtuntersuchung/​Dermatoskopie – Erhö­hung des Limits von 10 % auf 30 % der Fälle/​Quartal
• 19.05: HPV-DNA – Strei­chung des Limits

Neue Leis­tun­gen:
• 32i: Oto­akus­ti­sche Emis­sio­nen, in max. 9 % der Behand­lungs­fälle ver­re­chen­bar – 19 Punkte (H)
• 34k: Ambu­lante Schlaf­apno­e­un­ter­su­chung, in max. 9 % der Fälle pro Quar­tal ver­re­chen­bar – 64 Punkte (L)
• 39c: Tumor­nach­sorge (Mela­nom, Basa­liom, spi­no­zel­lu­lä­res Kar­zi­nom), max. 1 x pro Pati­ent und Quar­tal und nicht gemein­sam mit 38j ver­re­chen­bar – 22 Punkte (D)
• 22.08: Gefrier­schnitt – € 6,19 ℗
• 10d: Vor­be­rei­tung und Koor­di­na­tion Labor inkl. Blut­ab­nahme – 7 Punkte
• 10e: Vor­be­rei­tung und Koor­di­na­tion Labor inkl. Blut­ab­nahme bei Kin­dern bis zum 6. Lebens­jahr – 11
• Die Son­der­leis­tun­gen aus dem Gebiete der Lun­gen­krank­hei­ten wer­den aus dem Abschnitt A.VIII her­aus­ge­nom­men und in den neu geschaf­fe­nen Abschnitt A.VIIIb auf­ge­nom­men.
• Neuer Kata­log für Fach­ärzte für phy­si­ka­li­sche Medizin. 


Details zur Abrech­nung

Auf Grund der gesetz­li­chen Bestim­mun­gen des Sozi­al­­ver­­­si­che­­rungs-Orga­­ni­­sa­­ti­on­s­­ge­­se­t­­zes ist die BVAEB ver­pflich­tet, getrennte Rech­nungs­kreise für die ehe­ma­lige BVA sowie für die ehe­ma­lige VAEB zu füh­ren. Ver­trags­ärzte müs­sen daher auch nach dem 31.12.2019 für die ehe­ma­lige BVA wie auch für die ehe­ma­lige VAEB getrennt (elek­tro­nisch) abrech­nen. Kennt­nis über die Ver­si­che­rungs­zu­ge­hö­rig­keit erlan­gen Ver­trags­ärzte über das Ste­cken der e‑card. Die Trä­ger­codes blei­ben wei­ter­hin gleich. Die Trä­ger­be­zeich­nun­gen ändern sich auf BVAEB-OEB (ehe­ma­lige BVA) und BVAEB-EB (ehe­ma­lige VAEB). Die Soft­ware­her­stel­ler wur­den über die bevor­ste­hen­den Adap­tie­run­gen bereits informiert.

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 22 /​25.11.2019