Bun­des­wei­ter Gesamt­ver­trag für PVE: Mehr Optio­nen für Ärzte und Patienten

25.04.2019 | Aktu­el­les aus der ÖÄK

Der bun­des­weite Gesamt­ver­trag für Pri­mär­ver­sor­gungs­ein­hei­ten, dem die zustän­di­gen Gre­mien noch zustim­men müs­sen, gibt als Rah­men­ver­trag Eck­punkte vor und lässt genü­gend Raum für regio­nale Ausgestaltung.

„Pri­mär­ver­sor­gungs­zen­tren oder ‑ein­hei­ten, kurz PVZ oder PVE, waren lange Zeit für viele Ärz­te­ver­tre­ter völ­lig zu Recht ein Reiz­wort. Unter man­chen frü­he­ren Gesund­heits­mi­nis­tern und Haupt­­ver­­­band-Chefs soll­ten sehr frag­wür­dige Kon­zepte noch dazu die­nen, Gesamt­ver­träge zwi­schen Kam­mer und Kasse aus­zu­he­beln und die Ärz­te­ver­tre­tung ins­ge­samt zu schwä­chen“, so Johan­nes Stein­hart, Obmann der Bun­des­ku­rie nie­der­ge­las­sene Ärzte und Vize­prä­si­dent der ÖÄK. „Doch das ist Geschichte. Wir haben jetzt nach lan­gen und har­ten Ver­hand­lun­gen mit dem Haupt­ver­band den bun­des­wei­ten Gesamt­ver­trag für Pri­­mär­­­ver­­­sor­­gungs-Ein­hei­­ten beschlos­sen und der Ärz­te­schaft und der Öffent­lich­keit die wich­tigs­ten Ergeb­nisse vor­ge­stellt.“ Vor­aus­set­zung für das Inkraft­tre­ten die­ser Ver­ein­ba­rung sei die Zustim­mung der zustän­di­gen Gremien.

Gesamt­ver­trag gibt Eck­punkte vor

Der Zwi­schen­schritt eines bun­des­wei­ten Gesamt­ver­tra­ges sei wich­tig, so Stein­hart, weil einige The­men im Raum gestan­den seien, die es zu klä­ren galt. Der als Rah­men­ver­trag zu ver­ste­hende bun­des­weite PVE-Gesam­t­­ver­­­trag gebe jetzt die Eck­punkte zur neuen team­ba­sier­ten Pri­mär­ver­sor­gung vor, lasse aber genü­gend Raum für regio­nale Aus­ge­stal­tung, um auf die jewei­li­gen Bedürf­nisse der Ärz­tin­nen und Ärzte sowie der Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten best­mög­lich ein­ge­hen zu kön­nen. Stein­hart: „Damit ist ein brei­ter Ver­sor­gungs­auf­trag – auch abzu­stim­men zwi­schen Bund, Län­dern und Sozi­al­ver­si­che­rung – end­gül­tig sichergestellt.“

Durch­ge­setzte For­de­run­gen

Einige Gesichts­punkte seien u. a. beson­ders wich­tig, so der Bundeskurien-Obmann:

  • PVE sind neben den wei­ter­hin exis­tie­ren­den Haus­ärz­ten und den Grup­pen­pra­xen nur eine Spiel­art der ärzt­li­chen Pri­mär­ver­sor­gung. Sie ergän­zen den Haus­arzt, erset­zen ihn jedoch nicht – unter frü­he­ren Regie­run­gen und HV-Füh­­run­­­gen war das jedoch noch eine durch­aus zu befürch­tende Option.
  • Es besteht auch die Mög­lich­keit von PVE in Form der Ver­net­zung meh­re­rer Ein­zel­or­di­na­tio­nen unter­ein­an­der sowie mit nicht-ärz­t­­li­chen Leis­tungs­er­brin­gern, ohne dass diese unter einem Dach ange­bo­ten werden.
  • Die neuen Lösun­gen bie­ten Ärz­tin­nen und Ärz­ten eine brei­tere Palette von Mög­lich­kei­ten, ihren Beruf aus­zu­üben, je nach ihren indi­vi­du­el­len Vor­stel­lun­gen. Zum Bei­spiel ist aus Umfra­gen bekannt, dass PVE gerade für junge Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen eine sehr attrak­tive Option darstellen.
  • Haus­ärz­tin­nen und Haus­ärzte wer­den ent­las­tet, sie kön­nen künf­tig auf Wunsch in Teams arbei­ten und so Fami­lie und Beruf bes­ser vereinbaren.
  • Auch Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten haben die Mög­lich­keit, aus einer Viel­zahl von ärzt­li­chen Ange­bo­ten jenes aus­zu­wäh­len, das ihren Bedürf­nis­sen am meis­ten entspricht. 

Auch zahl­rei­che wei­tere For­de­run­gen, die der Ärz­te­ver­tre­tung von Anfang an wich­tig waren, konnte diese erfolg­reich durch­brin­gen: die Frage des Rück­kehr­rechts, wenn eine PVE schei­tert; oder die Mög­lich­keit, dass PVE auch als Lehr­pra­xen für junge All­ge­mein­me­di­zi­ner oder Stu­den­ten des Kli­­nisch-prak­­ti­­schen Jah­res fun­gie­ren können.

„Die wohl größte Her­aus­for­de­rung war es, die sehr hete­ro­gene all­ge­mein­me­di­zi­ni­sche Ver­sor­gungs­struk­tur in einem öster­reich­wei­ten Gesamt­ver­trag best­mög­lich abzu­bil­den“, so Stein­hart. „Gefor­dert sind jetzt die loka­len Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger und vor allem die Län­der, damit mög­lichst rasch die regio­na­len Hono­rar­ver­ein­ba­run­gen abge­schlos­sen wer­den können.“

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 8 /​25.04.2019