Fach­­arzt-Aus­­­bil­­dung: Best­note in der Ausbildung

25.05.2019 | Aktu­el­les aus der ÖÄK


In der von der ÖÄK beauf­trag­ten Eva­lu­ie­rung 2018 wur­den die psych­ia­tri­sche Abtei­lung am Sozi­al­me­di­zi­ni­schen Zen­trum Ost – Donau­spi­tal (SMZ Ost) und die Abtei­lung für Anäs­the­sio­lo­gie und Inten­siv­me­di­zin des Lan­des­kran­ken­hau­ses Steyr (LKH Steyr) von den Assis­tenz­ärz­ten am bes­ten bewer­tet.

Sophie Nie­denzu

Assis­tenz­ärzte, die sehr früh die Pati­en­ten­be­treu­ung unter Super­vi­sion durch erfah­rene Fach- und Ober­ärzte in Zusam­men­ar­beit mit den Pfle­ge­kräf­ten über­neh­men, eine enge Team­ar­beit und sehr fla­che Hier­ar­chien – das sei das Erfolgs­kon­zept für eine qua­li­täts­volle Fach­arzt­aus­bil­dung, ist Univ. Prof. Peter Fischer, Lei­ter der psych­ia­tri­schen Abtei­lung am SMZ Ost, über­zeugt. Die durch die BKAÄ in Auf­trag gege­bene Eva­lu­ie­rung der Fach­arzt­aus­bil­dung 2018 gibt ihm Recht: Seine Abtei­lung teilte sich gemein­sam mit der Abtei­lung für Anäs­the­sio­lo­gie und Inten­siv­me­di­zin am LKH Steyr in der Qua­li­tät der fach­ärzt­li­chen Aus­bil­dung die Gesamt­note von 1,0. Beide Abtei­lun­gen haben eines gemein: Alle Ärz­tin­nen und Ärzte betei­li­gen sich an der Aus­bil­dung der Assistenzärzte. 

Nach­hal­tige Patientenversorgung

Für die Psych­ia­trie rele­vant sei eine Betreu­ungs­kon­ti­nui­tät der Pati­en­ten, die über einen län­ge­ren Zeit­raum ver­sorgt wer­den. „Das Wich­tigste neben einer guten, nach­hal­ti­gen Pati­en­ten­ver­sor­gung ist aber auch das Wohl­be­fin­den und die Lebens­qua­li­tät der Mit­ar­bei­ter“, sagt Fischer. Dazu gehöre ein stän­dig offe­nes Ohr für deren Anlie­gen, posi­ti­ves Feed­back, das Anspre­chen von Kon­flik­ten in den tea­m­in­ter­nen Mor­gen­be­spre­chun­gen sowie eine gut struk­tu­rierte und vor­aus­schau­end geplante Abtei­lung. So werde jedes Jahr im Team dar­über abge­stimmt, jedem Mit­ar­bei­ter drei Wochen durch­ge­hend Som­mer­ur­laub zu ermög­li­chen. Von den 22 Ärz­tin­nen und Ärz­ten sind der­zeit neun in Ausbildung.Da die neue Ärzte-Aus­­­bil­­dungs­­or­d­­nung von 2015 vor­sieht, dass aus­zu­bil­dende All­ge­mein­me­di­zi­ner drei Monate ver­pflich­tend im Bereich Psych­ia­trie und psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Medi­zin absol­vie­ren, arbei­ten in der Abtei­lung außer­dem noch zwei Ärzte in all­ge­mein­me­di­zi­ni­scher Aus­bil­dung. Was die Fort­bil­dung betrifft, fän­den wöchent­lich Exper­ten­vor­träge statt, zusätz­lich erfolge ein­mal im Monat eine Leh­rex­plo­ra­tion – bei­des in Koope­ra­tion mit Ärz­ten außer­halb der Abtei­lung. Ein regel­mä­ßi­ger Jour­nal Club run­det das Fort­bil­dungs­an­ge­bot ab. „Das Wich­tigste ist, dass sich jeder Mit­ar­bei­ter der Aus­bil­dung annimmt“, sagt auch Priv. Doz. Achim von Goe­de­cke, Lei­ter der Abtei­lung für Anäs­the­sio­lo­gie und Inten­siv­me­di­zin am LKH Steyr. Eine qua­li­ta­tiv hoch­wer­tige Aus­bil­dung inklu­diere neben einer guten Betreu­ung auch schrift­li­che Anlei­tun­gen, Check­lis­ten und Work­shops. Man ver­su­che, dem Aus­bil­dungs­kon­zept zu fol­gen – ein nicht immer ein­fa­ches Ziel, da ein­zelne Aus­bil­dungs­punkte, wie die Theo­rie­be­spre­chung, in der Pra­xis zeit­lich nicht immer umsetz­bar seien. „Wir Anäs­the­sis­ten sind von den OP-Ter­­mi­­nen abhän­gig und in unse­rer Orga­ni­sa­tion daher bis zu einem gewis­sen Grad fremd­be­stimmt“, sagt er. Von 38 Ärz­tin­nen und Ärz­ten befin­den sich elf in Aus­bil­dung, fünf davon in Teil­zeit. „In einem Fach, in dem der Frau­en­an­teil 50 Pro­zent beträgt, kann man nicht erwar­ten, dass jeder seine Aus­bil­dung in Voll­zeit absol­viert, daher ver­su­che ich, mit fle­xi­blen Teil­zeit­mo­del­len auf aktu­elle Bedürf­nisse ein­zu­ge­hen“, sagt von Goe­de­cke. Das betrifft nicht nur Frauen: Zwei der fünf Mit­ar­bei­ter in Teil­zeit sind Männer.

Kri­ti­sche Situa­tio­nen meis­tern lernen

Neben den fle­xi­blen Arbeits­zei­ten und einer guten Betreu­ung sei ein wei­te­rer Bestand­teil in der Fach­arzt­aus­bil­dung, kri­ti­sche Situa­tio­nen unter Stress in einer geschütz­ten Umge­bung zu meis­tern. Das werde wäh­rend der Aus­bil­dungs­zeit über ins­ge­samt acht ganz­tä­tige Simu­la­ti­ons­trai­nings ermög­licht, die bei Assis­tenz­ärz­ten beson­ders beliebt seien, so von Goe­de­cke. Seit kur­zem kön­nen Ärz­tin­nen und Ärzte auch an einem Kunst­­­stoff-Torso die Spi­­nal- und Peri­du­ral­an­äs­the­sie sowie das Legen eines Zen­tral­ve­nen­ka­the­ters ultra­schall­ge­zielt üben. Ziel sei eine stete Ver­bes­se­rung der Aus­bil­dungs­qua­li­tät, daher werde auch das Feed­back aller – inklu­sive Famu­lan­ten, KPJ-Stu­­den­­ten und Tur­nus­ärzte – ein­ge­holt. „Jeder, der meine Abtei­lung durch­läuft, hat ein Ein­stel­­lungs- und ein Ver­ab­schie­dungs­ge­spräch, in dem offen gere­det wird“, resü­miert von Goedecke

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 10 /​25.05.2019