Im Fokus: Mikroplastik 

10.09.2018 | The­men


1. Rekord­men­gen im Mit­tel­meer
Im Mit­tel­meer wur­den laut der Umwelt­or­ga­ni­sa­tion WWF (World Wild­life Fund) Rekord­men­gen an Mikro­plas­tik nach­ge­wie­sen. Die Kon­zen­tra­tion der Kunst­stoff­teil­chen mit einer Größe von 0,1 μm bis 5 mm ist fast vier Mal so hoch wie im nörd­li­chen Pazi­fik: pro Qua­drat­ki­lo­me­ter fin­den sich bis zu 1,25 Mil­lio­nen Frag­mente. Der im Mit­tel­meer und an den Strän­den gefun­dene Abfall besteht zu 95 Pro­zent aus Kunst­stoff und stammt haupt­säch­lich aus der Tür­kei und Spa­nien. Einer aktu­el­len USame­ri­ka­ni­schen Stu­die zufolge tra­gen auch Kon­takt­lin­sen zur Ver­schmut­zung bei: Wer­den sie etwa – fälsch­li­cher­weise – im Wasch­be­cken ent­sorgt, gelan­gen sie als Mikro­plas­tik ins Meer.

2. Tier­welt betrof­fen
Im Mit­tel­mehr sind 134 Tier­ar­ten von der Ver­schmut­zung durch Mikro­plas­tik betrof­fen, so der WWF. 18 Pro­zent der Thun­fi­sche und Schwert­fi­sche haben Plas­tik im Magen – vor allem Zel­lo­phan und PET. Auch die im Mit­tel­meer leben­den Mee­res­schild­krö­ten sind betrof­fen: Bis zu 150 Plas­tik­frag­mente wur­den in deren Mägen gefun­den.

3. Meer­salze und Trink­was­ser

Mikro­plas­tik ist auch in vie­len Meer­sal­zen ent­hal­ten, wie eine Unter­su­chung des öster­rei­chi­schen Ver­eins für Kon­su­men­ten­in­for­ma­tion (VKI) bestä­tigt hat. In sechs von elf Pro­ben fand sich Mikro­plas­tik in Form von Gra­nu­lat oder Teil­chen von Folie. Eine US-ame­­ri­­ka­­ni­­sche Stu­die hat erge­ben, dass 93 Pro­zent der Trin­k­­was­­ser-Pro­­­ben aus Plas­tik­fla­schen füh­ren­der Mar­ken Plas­tikrück­stände ent­hiel­ten.

4. Maß­nah­men in Ita­lien

Ita­lien will den Kampf gegen nicht recy­cel­ba­ren Müll ver­schär­fen. Ab 2019 sol­len Wat­te­stäb­chen, die nicht bio­lo­gisch abbau­bar sind, nicht mehr im Han­del erhält­lich sein. Ab 2020 wird Mikro­plas­tik in Kos­me­tika ver­bo­ten. Außer­dem dür­fen seit Anfang 2018 im ita­lie­ni­schen Ein­zel­han­del nur kom­plett recy­cel­bare Ein­­weg-Plas­­ti­k­­ta­­schen ver­wen­det wer­den.

5. Gesund­heit­li­che Aus­wir­kun­gen

Die toxi­ko­lo­gi­schen Effekte von Mikro­plas­tik auf den Men­schen wur­den bis­her noch nicht umfas­send unter­sucht. Eine Auf­nahme von Mikro­plas­tik über den Magen-Darm-Trakt in die Zel­len scheint aber gering zu sein.

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 17 /​10.09.2018