EDV-Anwen­­dun­­­gen in der Kas­sen­or­di­na­tion: Eini­gung bei e‑Medikation

10.03.2018 | Poli­tik


Öster­reich­weite Ein­füh­rung der e‑Medikation in Kas­sen­or­di­na­tio­nen und Apo­the­ken schritt­weise bis Sep­tem­ber 2019. Anschub­för­de­rung und War­tungs­kos­ten­bei­trag wer­den von Bund und Sozi­al­ver­si­che­run­gen über­nom­men. Von Bern­hard Salzer

Erst Mitte Februar hat­ten wir gemein­sam mit Gesund­heits­mi­nis­te­rin Beate Har­­tin­­ger-Klein und Haupt­ver­bands­vor­sit­zen­den Alex­an­der Biach die Eini­gung über die Lehr­pra­xis­fi­nan­zie­rung vor­ge­stellt. Umso mehr freut es mich, dass wir jetzt den nächs­ten Durch­bruch bekannt geben kön­nen“, so Johan­nes Stein­hart, Vize­prä­si­dent der Öster­rei­chi­schen Ärz­te­kam­mer (ÖÄK) und Obmann der Bun­des­ku­rie nie­der­ge­las­sene Ärzte, anläss­lich der gemein­sa­men Prä­sen­ta­tion der gesamt­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung für EDV-Anwen­­dun­­­gen – kon­kret der Imple­men­tie­rung von ‚e‑Medikation‘ und dem ‚Elek­tro­ni­schen Kom­mu­ni­ka­ti­ons Ser­vice e‑KOS‘ – in Arzt­pra­xen inklu­sive Anschub­fi­nan­zie­rung und Kos­ten­be­tei­li­gung durch die öffent­li­che Hand. Bis Sep­tem­ber 2019 wer­den beide Sys­teme schritt­weise in ganz Öster­reich ein­ge­führt (siehe Grafik). 

Schritt in die digi­tale Zukunft 

„Die Ein­füh­rung der e‑Medikation ist ein wich­ti­ger und inno­va­ti­ver Schritt in Rich­tung Digi­ta­li­sie­rung und der damit ver­bun­de­nen Ser­vice­leis­tun­gen für Pati­en­ten und Ärzte im Gesund­heits­we­sen“, zeigte sich Gesund­heits­mi­nis­te­rin Har­­tin­­ger- Klein erfreut. Mit der geplan­ten gemein­sa­men Umset­zung wei­te­rer e‑Services in den kom­men­den Jah­ren wol­len der Haupt­ver­band der öster­rei­chi­schen Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger und die Öster­rei­chi­sche Ärz­te­kam­mer Pati­en­ten, Ärzte sowie die Sozi­al­ver­si­che­rung von admi­nis­tra­ti­ven Pro­zes­sen ent­las­ten. „Wir wol­len die Pati­en­ten­si­cher­heit erhö­hen, die Ser­vice­qua­li­tät für Pati­en­ten ver­bes­sern und in den Ordi­na­tio­nen und bei den Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­gern den Abbau von Büro­kra­tie vor­an­trei­ben“, so Haupt­ver­bands­vor­sit­zen­der Biach. „Durch e‑Medikation wis­sen die betei­lig­ten Ärzte und Apo­the­ker, wel­che Medi­ka­mente bis­her ver­ord­net wur­den, kön­nen dem­entspre­chend reagie­ren und die Pati­en­ten haben damit auch die Wahl, zur Gänze auf Papier­be­lege zu ver­zich­ten und Leis­tun­gen aus­schließ­lich elek­tro­nisch zu beantragen.“ 

Die e‑Medikation bringe ein Plus an Sicher­heit für die Ver­si­cher­ten und ein­fa­chere Pro­zesse für die Ärzte – etwa einen guten Über­blick über die Medi­ka­mente, die den Pati­en­ten ver­schrie­ben wur­den und ob die Pati­en­ten diese auch tat­säch­lich aus den Apo­the­ken abge­holt haben. Stein­hart: „Wir Ärzte erspa­ren uns damit wert­volle Zeit in der Ana­mnese und kön­nen uns somit auch inten­si­ver dem Pati­en­ten per­sön­lich wid­men.“ Ent­schei­dend sei aus Sicht des ÖÄK­Vi­ze­prä­si­den­ten gewe­sen, dass nach lang­wie­ri­gen Ver­hand­lun­gen mit dem Minis­te­rium und dem Haupt­ver­band die Frage der Finan­zie­rung die­ser elek­tro­ni­schen Pro­jekte geklärt wurde. Stein­hart: „Es ist jetzt gesi­chert, dass wir Ärzte bei Erfül­lung der vor­ge­se­he­nen Kri­te­rien für die Inte­gra­tion von e‑Medikation und e‑KOS sowohl eine Anschub­fi­nan­zie­rung als auch lau­fende Zuschüsse für die War­tungs­kos­ten erhal­ten.“ Bei der e- Medi­ka­tion beträgt die Anschub­för­de­rung pro Arzt ein­ma­lig 1.314 Euro, der War­tungs­kos­ten­bei­trag 20 Euro pro Monat. Für e‑KOS stellt der Haupt­ver­band für die flä­chen­de­ckende Ver­wen­dung pau­schal 2,1 Mil­lio­nen Euro zur Ver­fü­gung. Die­ser Betrag wird die Anschaf­fungs­kos­ten der Soft­ware abde­cken. Dazu kommt unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen zeit­lich befris­tet auch ein monat­li­cher War­tungs­kos­ten­zu­schuss, den nie­der­ge­las­sene Ärzte mit den Kas­sen direkt ver­rech­nen können. 

Stein­hart: „Das posi­tive und lösungs­ori­en­tierte Klima, in dem die Ver­hand­lun­gen zur e‑Medikation sowie jene zur Lehr­pra­xis­fi­nan­zie­rung statt­ge­fun­den hat­ten, lässt mich hof­fen, dass auch noch andere wich­tige Schritte für die Wei­ter­ent­wick­lung des öster­rei­chi­schen Gesund­heits­sys­tems fol­gen wer­den.“ So etwa ein drin­gend nöti­ges Update des so genann­ten e‑Befundes im Rah­men von ELGA, der in der bis­he­ri­gen Form nicht pra­xis­taug­lich sei. Er müsse über­ar­bei­tet und grö­bere Ver­bes­se­run­gen vor­ge­nom­men wer­den, bis Benut­zer­freund­lich­keit und Bef­und­voll­stän­dig­keit erfüllt sind. 

So funktioniert’s

Kern­punkte der gesamt­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung sind die Ein­füh­rung von e‑Medikation und die Aus­wei­tung der e‑card-Ser­­vices auf das elek­tro­ni­sche Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ser­vice e‑KOS (e‑Zuweisung, e‑Überweisung, e‑Verordnung).

Mit e‑Medikation kann der behan­delnde Arzt die e‑Medikationsliste sei­nes Pati­en­ten ein­se­hen und neue Ver­ord­nun­gen auf uner­wünschte Wech­sel­wir­kun­gen prü­fen. Neue Medi­ka­mente wer­den ein­ge­spei­chert. Der Pati­ent erhält danach ein Rezept mit einem Code, der in der Apo­theke ein­ge­le­sen wird und damit die Spei­che­rung der Abgabe des Medi­ka­ments ohne zusätz­li­chen Erfas­sungs­auf­wand ermög­licht. Auch rezept­freie Medi­ka­mente wer­den in der e‑Medikation gespei­chert. Mit dem Ste­cken der e‑card des Pati­en­ten kann in der Apo­theke die gesamte e‑Medikationsliste ein­ge­se­hen wer­den. Apo­the­ker kön­nen so eine bes­sere Bera­tung beim Kauf von rezept­freien Medi­ka­men­ten anbie­ten, die genauso uner­wünschte Wech­sel­wir­kun­gen aus­lö­sen kön­nen. Auch Kran­ken­häu­ser haben Zugriff auf diese Liste und damit eine Über­sicht über die ein­ge­nom­me­nen Medi­ka­mente. e‑Medikation star­tete bereits in Vor­arl­berg in Kas­sen­or­di­na­tio­nen und Apo­the­ken und wird bis Sep­tem­ber 2019 schritt­weise in ganz Öster­reich eingeführt.

Mit e‑KOS wer­den Zuwei­sun­gen und Ver­ord­nun­gen zwi­schen den ver­ord­nen­den Ärz­ten, dem Leis­tungs­er­brin­ger und – bei not­wen­di­gen Bewil­li­gun­gen – der Sozi­al­ver­si­che­rung elek­tro­nisch über­mit­telt. Damit kön­nen über das e‑card-Sys­­tem papier­schrift­li­che For­mu­lare wie etwa Zuwei­sun­gen oder Ver­ord­nun­gen künf­tig elek­tro­nisch durch­ge­führt wer­den. Bewil­li­gungs­pflich­tige Zuwei­sun­gen bezie­hungs­weise Ver­ord­nun­gen wer­den von den behan­deln­den Ärz­ten erfasst und direkt an die Kran­ken­ver­si­che­rung über­mit­telt. Pati­en­ten müs­sen sich nicht mehr per­sön­lich um die Bewil­li­gung von Ver­ord­nun­gen oder Zuwei­sun­gen küm­mern. Infor­ma­tio­nen über den Bewil­li­gungs­sta­tus wer­den über Wunsch per SMS oder E‑Mail zuge­stellt oder kön­nen im „MeineSV“-Portal (www.meineSV.at) durch die Pati­en­ten selbst abge­fragt wer­den. Bewil­li­gungs­freie Zuwei­sun­gen bezie­hungs­weise Ver­ord­nun­gen kön­nen sofort beim Leis­tungs­er­brin­ger ein­ge­löst wer­den, der mit Ein­wil­li­gung des Pati­en­ten Zugriff auf die Zuwei­sung oder Ver­ord­nung erhält. e‑KOS wird im Lauf des Jah­res 2018 ein­ge­führt und ab 1.1.2019
flä­chen­de­ckend von allen Ver­trags­ärz­ten ver­wen­det. In einem ers­ten Schritt wer­den mit e‑KOS Leis­tun­gen wie Com­pu­ter­to­mo­gra­phie (CT), Magnet­re­so­nanz­to­mo­gra­phie (MRT), Nukle­ar­me­di­zi­ni­sche und Human­ge­ne­ti­sche Unter­su­chun­gen, Kli­­nisch-psy­cho­­lo­­gi­­sche Dia­gnos­tik und Kno­chen­dich­te­mes­sun­gen abge­wi­ckelt werden.

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 5 /​10.03.2018