Inter­view Susanne Rabady – EbM-Gui­­de­­li­­nes: Update

10.10.2018 | Medi­zin

Der ste­tige Wan­del in der Medi­zin spie­gelt sich auch im Buch EbM-Gui­­de­­li­­nes wider, das kürz­lich in 7. Auf­lage im Ver­lags­haus der Ärzte erschie­nen ist. Wie die Gui­de­li­nes fach­li­che Sicher­heit im Pra­xis­all­tag bie­ten kön­nen, das erklärt Susanne Rabady, Mit-Her­aus­­ge­­be­­rin und All­ge­mein­me­di­zi­ne­rin, im Gespräch mit Lisa Türk.

Wel­che Updates sind in der 7. Auf­lage der EbM-Gui­­de­­li­­nes zu erwar­ten? Da die Medi­zin stets im Wan­del der Zeit ist, unter­lie­gen auch die EbM-Gui­­de­­li­­nes einem lau­fen­den Update-Pro­­­zess. Vor allem wenn man die Online-Aus­­­gabe betrach­tet, pas­siert stän­dig etwas: Pro Jahr wer­den hier in etwa 300 bis 500 medi­zi­ni­sche Fach­ar­ti­kel aktua­li­siert. Diese wer­den dann in regel­mä­ßi­gen Abstän­den in ein neues Buch über­nom­men. Die 7. Auf­lage bringt dem­nach vor allem inhalt­li­che Neue­run­gen mit sich. Den Wis­sens­stand der All­ge­mein­me­di­zin so aktu­ell und über­sicht­lich wie mög­lich wie­der­zu­ge­ben, ist das Haupt­au­gen­merk der Leitlinien. 

Wie kann man die EbM-Gui­­de­­li­­nes im Kli­­nik- und Pra­xis­all­tag „leben“? Das Leit­li­ni­en­werk ist spe­zi­ell auf die Fra­ge­stel­lun­gen und Vor­gangs­wei­sen der All­ge­mein­pra­xis aus­ge­rich­tet, also auf rasche, über­sicht­li­che Infor­ma­tion, auch bei kom­ple­xen Fäl­len. Der enorme Vor­teil der elek­tro­ni­schen Ver­sion besteht darin, dass Infor­ma­tio­nen am „point of care“, also in der Situa­tion und wäh­rend der Kon­sul­ta­tion, abruf­bar sind. So ist der Online­dienst eine schnelle und kom­pe­tente Ent­schei­dungs­hilfe. Abge­se­hen davon sind online zahl­rei­che Fea­tures wie bei­spiels­weise Bil­der, Kurz­vi­deos und Links ver­füg­bar. So haben Ärzte Zugang zu einer kom­pak­ten Infor­ma­tion an der Ober­flä­che und kön­nen im Bedarfs­fall wei­ter bis hin zum Ori­gi­nal­ar­ti­kel vor­drin­gen. Auf die Print-Vari­ante sollte man den­noch nicht ver­zich­ten. Ein Buch in Hän­den zu hal­ten, impli­ziert immer auch, Dinge in Ruhe nach­le­sen zu kön­nen. Die Online-Suche gestal­tet sich oft eher punk­tu­ell. Mit Hilfe des Buches kann man sich einen guten the­ma­ti­schen Gesamt­über­blick ver­schaf­fen. Eine Kom­bi­na­tion aus Print- und Online­fas­sung ist mit Sicher­heit das Opti­mum. Daher ist auch in der 7. Auf­lage wie­der ein kos­ten­freier drei­mo­na­ti­ger Online-Zugang inkludiert. 

Wenn Sie den Bogen von den Anfän­gen bis heute span­nen: Inwie­fern haben sich die EbM­Gui­de­li­nes gewan­delt? Die Gui­de­li­nes sind ein inter­na­tio­na­les Pro­jekt, das von Finn­land aus­geht. Öster­reich war das erste Land, das mit Finn­land eine kon­se­quente Zusam­men­ar­beit ein­ge­gan­gen ist. Zu die­sem Zeit­punkt war das fin­ni­sche Ori­gi­nal struk­tu­rell bereits sehr aus­ge­reift. Dies­be­züg­lich hat sich bis heute nicht viel geän­dert. Ledig­lich im Auf­bau wur­den kleine Fein­hei­ten opti­miert und über­sicht­li­cher gestal­tet. So ist bei­spiels­weise eine Unter­tei­lung grö­ße­rer The­men in kurze Kapi­tel erfolgt, die Glie­de­rung ent­spricht nun dem haus­ärzt­li­chen Ent­schei­dungs­ab­lauf. Essen­ti­ell ist dabei stets die rasche Auf­find­bar­keit prak­tisch aller gän­gi­gen Prak­ti­ken der All­ge­mein­me­di­zin. Die gro­ßen Ver­än­de­run­gen beru­hen natür­lich auf einer inhalt­li­chen Basis. Zahl­rei­che Arti­kel sind dazu­ge­kom­men, wur­den ergänzt und aktua­li­siert, um das Werk auf dem aktu­el­len Stand der Medi­zin zu hal­ten.

Inwie­fern kann das Leit­li­ni­en­werk die Arbeit in der Pra­xis berei­chern und erleich­tern?
Das Kom­pen­dium aus Buch­aus­gabe und Online­dienst ver­schafft sowohl jun­gen als auch erfah­re­ne­ren Ärz­ten vor allem eines: fach­li­che Sicher­heit im Pra­xis­all­tag. Die Leit­li­nien bie­ten die Mög­lich­keit, sich sehr rasch zu ver­ge­wis­sern, wie der aktu­elle Stand des Wis­sens ist, wel­che Emp­feh­lun­gen gel­ten. Liegt keine Evi­denz aus Stu­dien vor, wird das ange­führt und auf Erfah­rungs­wis­sen zurück­ge­grif­fen. So kann eine ratio­nale Grund­lage für die gemein­same Ent­schei­dungs­fin­dung mit dem Pati­en­ten ange­bo­ten wer­den, auch für kom­ple­xere Situa­tio­nen. Neben Krank­heits­bil­dern und dia­gnos­ti­schen sowie the­ra­peu­ti­schen Stra­te­gien umfas­sen die Gui­de­li­nes auch beschwerde- und betreu­ungs­ori­en­tierte Ansätze. Diese ermög­li­chen einen beson­ders für die All­ge­mein­me­di­zin cha­rak­te­ris­ti­schen und prak­ti­ka­blen Zugang zu Pro­blem­stel­lun­gen. Dar­aus ergibt sich nicht nur fach­li­che Gewiss­heit, son­dern auch gestei­gerte Patientenorientierung. 

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 19 /​10.10.2018