Dos­sier Para­si­täre Durch­fall­erkran­kun­gen: – Sel­ten, aber hartnäckig

10.05.2018 | Medi­zin


Bis zu sechs Pro­zent aller Rei­se­rück­keh­rer – spe­zi­ell aus Afrika und Asien – wei­sen nach län­ge­ren Aus­lands­auf­ent­hal­ten intes­ti­nale Para­si­ten wie Lam­blien oder Amö­ben auf. Im Gegen­satz zu bak­te­ri­el­len und vira­len Erre­gern haben sie eine län­gere Inku­ba­ti­ons­zeit. Spe­zi­ell bei chro­ni­scher Diar­rhoe soll­ten para­si­täre Erre­ger bei der Dif­fe­ren­ti­al­dia­gnose berück­sich­tigt wer­den.
Irene Mle­kusch

Para­si­täre Durch­fallerre­ger wei­sen im Ver­gleich zu bak­te­ri­el­len und vira­len Erre­gern eine län­gere Inku­ba­ti­ons­zeit und eher chro­ni­sche oder rezi­di­vie­rende Ver­läufe auf. „Vor allem bei Wur­mer­kran­kun­gen tritt der Durch­fall erst viel spä­ter und immer nur nach der Prä­pa­tenz­zeit auf”, erklärt Univ. Prof. Her­wig Kol­la­ritsch, Lei­ter des Zen­trums für Rei­se­me­di­zin in Wien. Wur­m­in­fek­tio­nen füh­ren eher zu unspe­zi­fi­schen abdo­mi­nel­len Beschwer­den oder extrain­tes­ti­na­len Sym­pto­men und spie­len somit als Durch­­­fall-Erre­­ger eine weit­ge­hend unter­ge­ord­nete Rolle. Human­pa­tho­gene Pro­to­zoen wie Amö­ben, Lam­blien oder Kryp­to­spo­ri­d­ien sowie ver­ein­zelt Sar­cocys­tis sui­ho­mi­nis und bovi­ho­mi­nis, Iso­spora belli, Blas­to­cys­tis homi­nis und Balan­ti­dium coli ste­hen bei chro­ni­schen Diar­rhoen im Mit­tel­punkt des Inter­es­ses. „Grund­sätz­lich sind Pro­­­to­­zoen-Erkran­­kun­­­gen bei Rei­sen­den mit Aus­nahme der Lam­blien sehr sel­ten”, weiß der Experte. Rasches Han­deln sei hin­ge­gen gefragt, wenn jemand mit Durch­fall und Fie­ber kommt, denn „Durch­fall kann oft als Begleit­sym­ptom bei sys­te­mi­schen Infek­tio­nen vor­kom­men“. So kön­nen zum Bei­spiel etwa 20 Pro­zent der an Mala­ria tro­­pica-Erkran­k­­ten in der Anfangs­phase eben­falls der­ar­tige Sym­ptome zeigen. 

Vor allem bei aku­ten und chro­ni­schen Diar­rhoen nach einem Auf­ent­halt in einer tro­pi­schen und sub­tro­pi­schen Region ste­hen intes­ti­nale Para­si­ten wie Lam­blien und Amö­ben im Vor­der­grund. Vier bis sechs Pro­zent der Reise-Rück­­keh­­rer nach län­ge­ren Aus­lands­auf­ent­hal­ten – vor allem aus Asien oder Afrika – sind mit die­sen Pro­to­zoen infi­ziert. Auch haben soge­nannte „Visi­t­ing Friends and Rela­ti­ves”, also Per­so­nen, die ihre (frü­here) Fami­lie in der ursprüng­li­chen Hei­mat besu­chen, eine höhere Wahr­schein­lich­keit für eine ent­spre­chende Infek­tion. Giar­dia lam­blia (auch Giar­dia intes­ti­na­lis) kommt welt­weit vor mit deut­lich höhe­ren Prä­va­len­zen in wär­me­ren Regio­nen, in denen schlechte hygie­ni­sche Bedin­gun­gen sowie eine nur ein­ge­schränkte Was­ser­ver­sor­gung vorherrscht. 

In vie­len Ent­wick­lungs­län­dern geht man von einer indi­ge­nen Prä­va­lenz von bis zu 50 Pro­zent aus, wobei vor allem Kin­der betrof­fen sind. Als Risi­ko­grup­pen gel­ten Klein­kin­der, Rei­sende, Immun­sup­pri­mierte, Pati­en­ten mit zys­ti­scher Fibrose und Ange­hö­rige von bestimm­ten Berufs­grup­pen wie bei­spiels­weise Klär­ar­bei­ter. In indus­tria­li­sier­ten Län­dern sind außer­dem Aus­brü­che in Tages­stät­ten wie Kin­der­gär­ten doku­men­tiert, da die Giar­diose eine typi­sche Schmutz- und Schmier­in­fek­tion dar­stellt. Die Über­tra­gung erfolgt fäkal-oral, haupt­säch­lich aber über kon­ta­mi­nier­tes Trink­was­ser und Lebens­mit­tel. Zur Über­tra­gung rei­chen bereits zehn Zys­ten aus; sie sind sogar gegen Chlor wider­stands­fä­hig. Tiere fun­gie­ren als Reser­voir und zei­gen selbst meist keine Sym­ptome; somit gilt die Giar­diose als Zoo­nose. Der Biber ist als Über­trä­ger der Giar­diose bei Wan­de­rern bekannt, die in der Wild­nis aus Gewäs­sern trin­ken, die nicht ent­spre­chend gefil­tert, behan­delt oder abge­kocht wurden. 

Die Inku­ba­ti­ons­zeit der Giar­diose beträgt im Durch­schnitt 20 Tage, aber auch län­ger. Etwa die Hälfte der Infek­tio­nen ver­läuft asym­pto­ma­tisch; unge­fähr 15 Pro­zent der Betrof­fe­nen schei­den ohne Sym­ptome Zys­ten aus, wäh­rend die übri­gen Infi­zier­ten über­wie­gend an nach Fäul­nis rie­chen­dem Durch­fall, Unwohl­sein und Blä­hun­gen lei­den. Die Akut­phase wird oft fehl­dia­gnos­ti­ziert, obwohl der Giar­­diose-Stuhl im Ver­gleich zur Amö­bia­sis fett­reich, schlei­mig und frei von Blut­bei­men­gun­gen ist. Bei schwe­ren Ver­läu­fen kann es zur Mal­ab­sorp­tion von Fett, Glu­kose, Lak­tose, Xylose, Karo­ten, Fol­säure und Vit­amin B12 sowie in wei­te­rer Folge zum Gewichts­ver­lust bis hin zur Ano­re­xie kom­men. Bis zu 40 Pro­zent der Pati­en­ten ent­wi­ckeln eine Lak­­tose-Into­­le­ranz. Die Sym­ptome kön­nen bis zu vier Wochen bestehen blei­ben und sich dann ent­we­der spon­tan bes­sern oder einen chro­ni­schen Ver­lauf neh­men. Vor allem bei Kin­dern kann der chro­ni­sche Ver­lauf zu Wachs­­tums- und Ent­wick­lungs­stö­run­gen füh­ren. In sel­te­nen Fäl­len wan­dern die Tro­pho­zo­i­ten in die Gal­len­blase ein und ver­ur­sa­chen Gal­len­wegs­ent­zün­dun­gen und Pan­krea­tit­i­den. „Oft pen­delt sich die Erkran­kung ein und es bleibt dau­er­haft ein Bläh­ge­fühl und Unwohl­sein”, fasst Priv. Doz. Rai­ner Gattrin­ger von der Ambu­lanz für Infek­ti­ons­me­di­zin am Insti­tut für Hygiene, Mikro­bio­lo­gie und Tro­pen­me­di­zin des Ordens­kli­ni­kums Linz Eli­sa­be­thi­nen zusammen. 

Die Dia­gnose erfolgt über den direk­ten Erre­ger­nach­weis im Stuhl; oft sind aller­dings meh­rere Unter­su­chun­gen nötig. Kol­la­ritsch emp­fiehlt eine drei­ma­lige bak­te­rio­lo­gi­sche und para­si­täre Stuhl­un­ter­su­chung bei län­ger anhal­ten­den Durch­fäl­len ohne Fie­ber. Gattrin­ger sieht einen deut­li­chen Vor­teil im zwei­fa­chen dia­gnos­ti­schen Ansatz, bei dem die mikro­sko­pi­sche Stuhl­un­ter­su­chung mit dem Anti­­gen- Nach­weis kom­bi­niert wird. Auch Kol­la­ritsch betont: „Der Anti­­gen-Nach­­­weis ist immer zu machen.” Viele zur Ver­fü­gung ste­hende Immu­no­as­says haben eine grö­ßere Sen­si­ti­vi­tät als die kon­ven­tio­nelle mikro­sko­pi­sche Unter­su­chung. Die mikro­sko­pi­sche Unter­su­chung benö­tige viel Erfah­rung, unter­streicht Gattrin­ger. Und wei­ter: „Der Giar­­dia-Anti­­gen-Nach­­­weis ist der Stuhl­un­ter­su­chung über­le­gen. Außer­dem ste­hen kom­bi­nierte Anti­gen­tests mit Krypto- und Mikro­spo­ri­d­ien zur Ver­fü­gung, da sich bei fäkal-ora­­ler Kon­ta­mi­na­tion oft auch andere Erre­ger in der Stuhl­probe finden.” 

Die asym­pto­ma­ti­sche Infek­tion bedarf eigent­lich kei­ner The­ra­pie. Sym­pto­ma­ti­sche Pati­en­ten soll­ten dage­gen im Hin­blick auf die mög­li­chen Kom­pli­ka­tio­nen bezie­hungs­weise Mal­ab­sorp­tion umge­hend the­ra­piert wer­den. Inner­halb von weni­gen Tagen nach Behand­lungs­be­ginn ist mit einer deut­li­chen Bes­se­rung der Sym­ptome zu rech­nen. Mit­tel der Wahl ist Metro­ni­da­zol, alter­na­tiv auch Tini­da­zol und Nita­zo­xa­nide. Sind Lam­blien dia­gnos­ti­ziert, rät Kol­la­ritsch, den Betrof­fe­nen an einen Exper­ten für Tro­pen­me­di­zin zu über­wei­sen, da man von Resis­ten­zen aus­ge­hen muss, wodurch die Behand­lung schwie­rig sein kann. Eine The­ra­pie­er­folgs­kon­trolle ist jeden­falls sinnvoll. 

Auch die Amö­bia­sis tritt welt­weit auf, vor allem in tro­pi­schen und sub­tro­pi­schen Gebie­ten mit schlech­ten hygie­ni­schen Ver­hält­nis­sen. In man­chen Regio­nen beträgt die Prä­va­lenz für eine Infek­tion mit Ent­a­moeba bis zu 50 Pro­zent. Der Groß­teil der Infek­tio­nen wird wahr­schein­lich durch Ent­a­moeba dis­par ver­ur­sacht, einer apa­tho­ge­nen Spe­zies, die zu kei­nen Beschwer­den führt. Ent­a­moeba his­to­ly­tica ist dage­gen für die intes­ti­nale und inva­sive Amö­bia­sis ver­ant­wort­lich. Auch Ent­a­moeba mosh­kovs­kii wird zuneh­mend ein patho­ge­nes Poten­tial zuge­spro­chen. Die Infek­tion erfolgt fäkal-oral über die Auf­nahme von kon­ta­mi­nier­tem Was­ser oder Lebens­mit­teln; auch eine Kon­ta­mi­na­tion durch Flie­gen ist mög­lich. Ein Amö­ben­trä­ger kann pro Jahr bis zu 40 Mil­lio­nen Zys­ten aus­schei­den; zur Infek­tion reicht die Ingestion einer ein­zel­nen Zyste aus. 

Die Inku­ba­ti­ons­zeit reicht von einer Woche bis zu eini­gen Jah­ren, nor­ma­ler­weise tre­ten die ers­ten Sym­ptome aber inner­halb von drei Wochen auf. Risi­ko­fak­to­ren für einen schwe­ren Krank­heits­ver­lauf sind ein jun­ges Alter, Schwan­ger­schaft, Kor­ti­kos­te­ro­idthe­ra­pie, eine mali­gne Erkran­kung, Man­gel­er­näh­rung und Alko­ho­lis­mus. Die Sym­ptome rei­chen von brei­igen Stüh­len mit oder ohne Schleim bezie­hungs­weise Blut­bei­men­gun­gen, über Unwohl­sein bis hin zur ful­mi­nan­ten nekro­ti­sie­ren­den Coli­tis. Aller­dings füh­ren auch mode­rate Ver­laufs­for­men immer wie­der zu rek­ta­len Ulzera­tio­nen, auch Fla­­schen­hals- oder Feld­fla­schen­ul­zera genannt, die in wei­te­rer Folge zu Obstruk­tio­nen füh­ren kön­nen. In sel­te­nen Fäl­len kann es durch häma­to­gene Dis­se­mi­na­tion zu extrain­tes­ti­na­len Mani­fes­ta­tio­nen – vor allem Amö­­ben-Abszes­­sen – in der Leber kom­men. „Diese kön­nen auch unab­hän­gig von even­tu­ell vor­an­ge­gan­ge­nen Durch­­­fall-Epi­­so­­den bis zu meh­rere Jahre nach der eigent­li­chen Infek­tion auf­tre­ten, wodurch der ana­mnes­ti­sche Zusam­men­hang mit einer Reise oft über­se­hen wird”, weiß Kol­la­ritsch. Andere sel­tene Kom­pli­ka­tio­nen sind die peri­anale kutane Amö­bia­sis und rek­to­va­gi­nale Fisteln. 

Ent­a­moeba las­sen sich bei der mikro­sko­pi­schen Unter­su­chung von fri­schen, war­men Stuhl­pro­ben nach­wei­sen. „Eine Dif­fe­ren­zie­rung der ver­schie­de­nen Ent­­a­­moeba-Spe­­zies ist im Mikro­skop nicht mög­lich“, erklärt Gattrin­ger und rät zu mole­ku­lar­bio­lo­gi­schen Unter­su­chungs­me­tho­den oder Anti­­gen-Tests für die Unter­schei­dung zwi­schen Ent­a­moeba his­to­ly­tica und Ent­a­moeba dis­par. „Dif­fe­ren­ti­al­dia­gnos­tisch soll­ten chro­nisch rezi­di­vie­rende Durch­fälle bei Immun­sup­pri­mier­ten oder Pati­en­ten, die eine sol­che The­ra­pie benö­ti­gen, wegen der Gefahr einer lebens­be­droh­li­chen Exazer­ba­tion sorg­fäl­tig auf Pro­to­zoen abge­klärt wer­den,” unter­streicht Kol­la­ritsch. Die Amö­ben­ruhr muss – als mel­de­pflich­tige Erkran­kung – in jedem Fall behan­delt bewer­den: sys­te­misch mit Metro­ni­da­zol gefolgt von Paro­mo­my­cin luminal. 

Kryp­to­spo­ri­d­ien mit etwa 20 ver­schie­de­nen Spe­zies ver­ur­sa­chen gastro­in­tes­ti­nale Erkran­kun­gen bei Säu­ge­tie­ren, Vögel, Rep­ti­lien und Fischen. Für die Kryp­to­spo­ri­diose beim Men­schen sind vor allem Kryp­to­spo­ri­d­ium par­vum und Kryp­to­spo­ri­d­ium homi­nis ver­ant­wort­lich. Obwohl die Erkran­kung welt­weit in allen Alters­grup­pen vor­kommt, sind über­wie­gend Kin­der betrof­fen. In den Indus­trie­län­dern liegt die Prä­va­lenz bei ein bis drei Pro­zent unter immun­kom­pe­ten­ten Pati­en­ten mit Diar­rhoe, in Ent­wick­lungs­län­dern wer­den dage­gen Prä­va­lenz­ra­ten von bis zu zehn Pro­zent beschrie­ben. Höhere Prä­va­len­zen fin­den sich bei Kin­dern, HIV-Infi­­zier­­ten und Men­schen mit häu­fi­gem Kon­takt zu Haus- und Nutz­tie­ren wie Bau­ern und Vete­ri­när­me­di­zi­ner. Die Über­tra­gung der Oozys­ten erfolgt fäkal-oral von Mensch zu Mensch, von Tier zu Mensch oder durch kon­ta­mi­nierte Nah­rungs­mit­tel bezie­hungs­weise Was­ser in Schwimm­bä­dern, Eis­wür­fel oder Trink­was­ser. Auch eine Über­tra­gung durch Scha­ben und Stu­ben­flie­gen ist möglich. 

Die Inku­ba­ti­ons­zeit wird im Durch­schnitt mit zehn Tagen ange­ge­ben, wobei die ID50 – jene Infek­ti­ons­do­sis, bei der 50 Pro­zent der Expo­nier­ten infi­ziert wer­den – bei zehn bis 132 Oozys­ten geschätzt wird. Das kli­ni­sche Bild vari­iert von asym­pto­ma­ti­schen Infek­tio­nen bis zu aus­ge­präg­ten wäss­ri­gen Durch­fäl­len mit einem erheb­li­chen Flüs­sig­keits­ver­lust von bis zu 25 Liter wäss­ri­gem Stuhl pro Tag. Außer­dem kön­nen die Betrof­fe­nen auch an abdo­mi­nel­len Krämp­fen, Fie­ber, Übel­keit, Erbre­chen und Kopf­schmer­zen lei­den. Bei immun­kom­pe­ten­ten Erkrank­ten klin­gen die Sym­ptome inner­halb von zwölf Tagen ab; chro­ni­sche oder ful­mi­nante Ver­läufe kön­nen bei Säug­lin­gen und immun­sup­pri­mier­ten Per­so­nen vor allem bei redu­zier­ter T‑Zellanzahl auf­tre­ten. Die Schwere und Dauer der Erkran­kung hängt vom Grad der Immun­schwä­che ab. Auch extrain­tes­ti­nale Mani­fes­ta­tio­nen mit Betei­li­gung des Gal­len­gangs­sys­tems oder sel­te­ner einer Pan­krea­ti­tis, Appen­di­zi­tis, Oti­tis oder ein Befall der Lunge kön­nen auftreten. 

Der direkte mikro­sko­pi­sche Erre­ger­nach­weis im Stuhl nach einer modi­fi­zier­ten Ziehl-Neel­­sen-Fär­­bung wird oft durch Immun­­­fluo­­res­­zenz-Tests und ELISA zum AG-Nach­­­weis ergänzt. Die PCR ist die sen­si­tivste Methode für die Unter­su­chung auf Kryp­to­spo­ri­d­ien. Gattrin­ger emp­fiehlt, die Zuwei­sung und Ver­dachts­dia­gnose an das Labor so gezielt wie mög­lich zu for­mu­lie­ren, da im Nor­mal­fall nicht auf Kryp­tound Mikro­spo­ri­d­ien unter­sucht wird. Zumin­dest drei ver­schie­dene Stuhl­pro­ben müs­sen unter­sucht wer­den, bevor die Kryp­to­spo­ri­diose aus­ge­schlos­sen wer­den kann. Bis­her gibt es keine wirk­same spe­zi­fi­sche The­ra­pie, sodass in ers­ter Linie sym­pto­ma­tisch behan­delt wird. Nita­zo­xa­nide wur­den zwar immer wie­der erfolg­reich ein­ge­setzt, essen­ti­ell ist aber die Flüs­sig­keits­sub­sti­tu­tion. Von einer hoch akti­ven anti-retro­­vi­ra­­len The­ra­pie pro­fi­tie­ren AIDS-Pati­en­­ten am meis­ten. Prä­ven­tive Maß­nah­men wie das Abko­chen von Was­ser, Vor­sicht beim Kon­takt mit infi­zier­ten Tie­ren und Men­schen, aber auch gute sani­täre Hygiene und effek­tive Hän­de­hy­giene sind wich­tig. „Im Aus­land ist die per­sön­li­che Nah­rungs­mit­tel­hy­giene oft wenig hilf­reich, da die Kon­ta­mi­na­tion der Nah­rungs­mit­tel bereits durch die Zulie­fe­rer erfolgt”, bedau­ert Kollaritsch. 

Para­si­täre Durch­fallerre­ger im Detail 

Die trop­fen­för­mi­gen bis zu 20 mcm lan­gen Tro­pho­zo­i­ten von Giara­dia lam­blia, die im Duo­denum aus den auf­ge­nom­me­nen Zys­ten schlüp­fen, kön­nen sich mit Hilfe einer ven­tra­len Saug­scheibe an die Ober­flä­che des Darm­epi­thels hef­ten. Zwar kommt es durch das Anhef­ten zu mecha­ni­schen Schä­den der Mikro­vili und zur Mal­ab­sorp­tion; die Darm­wand selbst wird dadurch aber nicht ver­letzt, auch wer­den keine Toxine abgegeben. 

Giar­dien besit­zen vier Gei­ßel­paare, die sowohl der Bewe­gung die­nen, als auch bei der Exzys­tie­rung hilf­reich sind. Wan­dern die Tro­pho­zo­i­ten mit dem Dar­m­in­halt abwärts, bil­den sich auf­grund des alka­li­schen pHs und der Gal­len­salze wie­der wider­stands­fä­hige Zys­ten, die auf fäkal-ora­­lem Weg über­tra­gen wer­den können. 

Cryp­to­spo­ri­d­ium par­vum setzt im Darm aus den Oozys­ten sehr kleine Spo­ro­zo­i­ten frei, wel­che die Mikro­vili aus­ein­an­der­drän­gen und die Bil­dung einer para­si­topho­ren Vakuole indu­zie­ren. Über zwei ver­schie­dene Ent­wick­lungs­zy­klen ent­wi­ckeln sich zu 80 Pro­zent dick­wan­dige und zu 20 Pro­zent dünn­wan­dige Oozys­ten, wobei erste als sehr wider­stands­fä­hige Form mit dem Stuhl aus­ge­schie­den wer­den. Die dünn­wan­di­gen Oozys­ten ent­las­sen schon im Dünn­darm Spo­ro­zo­i­ten, was zu einer mas­si­ven Auto­in­fek­tion füh­ren kann. 

Die gerich­tete Bewe­gung ist Ent­a­moeba his­to­ly­tica durch Pseu­do­po­dien mög­lich. Aus den Zys­ten schlüp­fen im unte­ren Dünn­darm vier­ker­nige Amö­ben, die durch wei­tere Kern- und Plas­ma­tei­lun­gen zu Tro­pho­zo­i­ten wer­den, wel­che den obe­ren Dick­darm besie­deln. Kleine For­men, auch Minuta-For­­men genannt, leben als Kom­men­sa­len im Darm, kön­nen sich aber in soge­nannte Magna-For­­men ent­wi­ckeln und der­art Epi­thel­zel­len des Dick­darms lys­ie­ren, in die Mukosa ein­drin­gen und Blut­ge­fäße angrei­fen. Eine häma­to­gene Streu­ung der Amö­ben ist somit mög­lich und es kommt zu schwe­ren, blu­ti­gen Durch­fäl­len. Die Minuta-For­­men dage­gen kön­nen sich zu äußerst wider­stands­fä­hi­gen Zys­ten umwan­deln, sobald sie ihre Nah­rungs­auf­nahme einstellen.

Zah­len und Fakten 

Die Inzi­denz der Giar­dia­sis beträgt in den Indus­trie­län­dern unge­fähr sechs bis acht pro 100.000 pro Jahr, in etwa fünf Mal häu­fi­ger als die Kryp­to­spo­ri­diose. Kryp­to­spo­ri­d­ium spp. und Giar­dia spp. ste­hen an sechs­ter und elf­ter Stelle welt­weit bei den durch Nah­rungs­mit­tel über­trag­ba­ren Para­si­ten. Auch inner­halb der Euro­päi­schen Union – etwa in Ungarn, Bul­ga­rien, der Tsche­chi­schen Repu­blik oder Polen – wur­den Fälle von Kryp­to­spo­ri­diose und Giar­dia­sis bei Mensch und Tier ver­zeich­net. Unter den ver­schie­de­nen Län­dern gibt es große Schwan­kun­gen in Bezug auf die Fall­zah­len. Über das Auf­tre­ten und die gene­ti­sche Varia­bi­li­tät die­ser Para­si­ten im natür­li­chen Was­ser­haus­halt der ein­zel­nen Staa­ten ist eher wenig bekannt. 

In älte­ren Unter­su­chun­gen aus den USA wur­den aller­dings in bis zu 80 Pro­zent der Roh-Was­­ser­­pro­­ben Giar­­dia-Zys­­ten nach­ge­wie­sen. In einem rezen­ten Review über welt­weite Aus­brü­che von para­si­tä­ren Trin­k­­was­­ser-asso­­zi­ier­­ten Erkran­kun­gen wur­den zwi­schen 2011 und 2016 ins­ge­samt 381 Fälle erho­ben, fast die Hälfte davon in Neu­see­land. 41 Pro­zent wur­den in Nord­ame­rika regis­triert; in Europa neun Pro­zent. 63 Pro­zent der Aus­brü­che wur­den durch Kryp­to­spo­ri­d­ien ver­ur­sacht und in 37 Pro­zent waren Giar­dien für die Erkran­kun­gen verantwortlich. 

Vor allem in den 1970er Jah­ren ist es in den USA und Europa zu eini­gen Trin­k­­was­­ser-asso­­zi­ier­­ten Mas­sen­durch­fäl­len durch Giar­dia lam­blia gekom­men. Eine ent­spre­chende Doku­men­ta­tion aus den über­aus mehr betrof­fe­nen tro­pi­schen und sub­tro­pi­schen Regio­nen der Welt fehlt weitgehend.

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 9 /​10.05.2018