Stand­punkt Tho­mas Sze­ke­res: Inves­tie­ren statt bremsen!

15.08.2018 | Aktu­el­les aus der ÖÄK

© Stefan Seelig

Die Kon­junk­tur brummt, stark wie sel­ten zuvor. Es gibt mehr Arbeit denn je, die Defi­zite der Sozi­al­ver­si­che­run­gen wer­den klei­ner. In Zei­ten der Hoch­kon­junk­tur soll man nach­hal­tig inves­tie­ren: In den Wachs­tums­markt Gesundheit! 

Jeder Euro, der heute in Prä­ven­tion und Vor­sorge inves­tiert wird, rech­net sich mehr­fach in weni­gen Jah­ren: weni­ger chro­ni­sche Krank­hei­ten, weni­ger Arbeits­aus­fälle, sin­kende Spi­tals­auf­ent­halte und weni­ger Aus­ga­ben für Medi­ka­mente. Jeder Euro, der heute in ver­netzte Sys­teme inves­tiert wird – e‑Health mit Ver­ant­wor­tung – schafft bes­sere Abläufe, ver­rin­gert die Anzahl von Unter­su­chun­gen, ent­las­tet Ambu­lan­zen und stärkt die Allgemeinmedizin. 

Der Gesun­d­heits- und Pfle­ge­markt zählt zu denen, die am schnells­ten und nach­hal­tigs­ten wach­sen. Bereits heute wer­den im Jahr 30 Mil­li­ar­den Euro für Gesund­heit und Krank­heits­be­kämp­fung aus­ge­ge­ben, nicht ein­ge­rech­net die Aus­ga­ben für Fit­ness, Well­ness, gesun­den Sport und Ernäh­rung. Der volks­wirt­schaft­li­che Effekt ist das zehn­fa­che. Dazu der dra­ma­ti­sche Para­dig­men­wech­sel durch die digi­tale Wende; mit dem Inter­net der Dinge, Tele­me­di­zin und Künst­li­cher Intel­li­genz ändert sich auch der Gesund­heits­be­reich fun­da­men­tal. Jetzt heißt es inves­tie­ren: in intel­li­gente Kran­ken­häu­ser, selbst­ler­nende Dia­gno­se­sys­teme, Big Data etc. Ärzte sind durch die Digi­ta­li­sie­rung nicht zu erset­zen, son­dern müs­sen dafür sor­gen, dass IT sinn­voll genutzt wird, was bis­her lei­der oft nicht der Fall war – siehe ELGA. Aber je mehr Ärz­ten die Rou­ti­ne­ar­beit abge­nom­men wird, umso stär­ker kön­nen sie sich dem Pati­en­ten zuwen­den. Und es ist immer noch der Arzt, der die unter­schied­li­chen Zusam­men­hänge kennt, der Ent­schei­dun­gen trifft – und verantwortet. 

Gesund­heits­apps zur per­ma­nen­ten Selbst­ver­mes­sung boo­men. Elek­tro­ni­sche Infor­ma­ti­ons­sys­teme haben längst den All­tag erobert. Das sind Chan­cen, die man jetzt erken­nen muss. Auch wir Ärzte wer­den uns bewe­gen müs­sen, eigene Posi­tio­nen reflek­tie­ren und gleich­zei­tig wer­den wir den Daten­schutz und die Siche­rung der Inti­mi­tät des Pati­en­ten kri­tisch beobachten. 

Gesund­heits­aus­ga­ben sind also Inves­ti­tio­nen in die Volks­ge­sund­heit. Wir soll­ten daher auf das Gas­pe­dal stei­gen und keine Aus­ga­ben­brem­sen mehr akzeptieren. 

P.S.: „Save The Date“: am 13. 11. ab 16:00 h dis­ku­tie­ren wir mit Digi­­ta­­li­­sie­­rungs- Exper­ten im Wie­ner ORF Funk­haus „Chan­cen und Risi­ken der Heil­kunst im digi­ta­len Wandel“! 

a.o. Univ.-Prof. Tho­mas Sze­ke­res
Prä­si­dent der Öster­rei­chi­schen Ärztekammer

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 15–16 /​15.08.2018