Stand­punkt Johan­nes Stein­hart: Drin­gen­der Weck­ruf für Impfmüde!

15.12.2018 | Aktu­el­les aus der ÖÄK


Drin­gen­der Weck­ruf für Impfmüde! 

© Gregor Zeitler

„Stell Dir vor es ist Gri­p­­pe­­im­p­­fungs-Sai­­son, und kei­ner geht hin.“ Der hier etwas abge­wan­delte Anti-Kriegs-Slo­­gan der Frie­dens­be­we­gung der 1970er-Jahre beschreibt lei­der sehr zutref­fend die Influ­en­­za­­im­p­­fungs-Malaise in Öster­reich, mit einer Durch­­­im­p­­fungs-Rate von zuletzt etwa sechs Pro­zent. Ein aktu­el­ler und geeig­ne­ter Anlass, um die Öffent­lich­keit daran zu erin­nern, dass Impf­pro­gramme bekannt­lich wie wohl keine andere Prä­ven­ti­ons­maß­nahme zum Abwen­den von Volks­krank­hei­ten und zur höhe­ren Lebens­er­war­tung bei­getra­gen haben. 

Die zuneh­mende Impf­mü­dig­keit stellt uns Ärz­tin­nen und Ärzte vor große Her­aus­for­de­run­gen. Und das in zwei­er­lei Hin­sicht: Wir sind auf­ge­for­dert, Impf­my­then und Impf­mü­dig­keit in der Bevöl­ke­rung kon­se­quent ent­ge­gen­zu­wir­ken. Und wir soll­ten mit dem guten Bei­spiel vor­an­ge­hen und uns selbst imp­fen las­sen – auch gegen die Influ­enza. Gerade Men­schen, die auf­grund ihres Beru­fes häu­fige und inten­sive Pati­en­ten­kon­takte haben, soll­ten das tun. Das dient nicht nur dem Selbst­schutz, son­dern schützt auch Pati­en­ten vor einer Infek­tion durch Ärzte und Pfle­ge­per­so­nen. Das Motto der dies­jäh­ri­gen Euro­päi­schen Impf­wo­che lau­tete aus gutem Grund: „Imp­fung ist ein indi­vi­du­el­les Recht und eine gemein­same Verantwortung.“

Das gilt natür­lich nicht nur für die Grippe-Imp­­fung. Die Bot­schaft, dass es nur bei hohen Durch­imp­fungs­ra­ten mög­lich sein wird, ein­zelne Krank­heits­er­re­ger regio­nal und viel­leicht sogar glo­bal zu eli­mi­nie­ren, ist lei­der noch nicht bei allen Bür­gern angekommen.

Gefor­dert ist also Auf­klä­rung – sowohl auf brei­ter Basis durch geeig­nete Kam­pa­gnen, als auch durch sys­te­ma­ti­sche Arzt-Pati­ent-Gesprä­che. Wir müs­sen – am Bei­spiel der Influ­enza – Pati­en­ten kon­se­quent dar­über auf­klä­ren, dass die echte Grippe eine ernste Krank­heit ist, und weit­aus gefähr­li­cher als der zum Ver­wech­seln ähn­lich klin­gende „grip­pale Effekt“. Und wir müs­sen das per­­so­­nen- und ziel­grup­pen­spe­zi­fisch tun: Nicht nur alte Men­schen und Pati­en­ten mit chro­ni­schen Krank­hei­ten sind beson­ders gefähr­det und müs­sen gezielt infor­miert wer­den. Son­dern – in ganz ande­rer Weise – zum Bei­spiel Selbst­stän­dige und Klein­un­ter­neh­mer. Ein mehr­wö­chi­ger Arbeits­aus­fall durch eine Influ­enza bzw. Kom­pli­ka­tio­nen, wenn diese über­gan­gen wird, kann auch sehr ernste wirt­schaft­li­che Kon­se­quen­zen haben.

Tre­ten wir also den Fake News der Impf-Geg­­ner ebenso ent­ge­gen wie den Beden­ken der Impf­skep­ti­ker, und wecken wir die Impf-Müden auf. Nie­mand kann das bes­ser und glaub­wür­di­ger tun als wir Ärz­tin­nen und Ärzte.

Dr. Johan­nes Stein­hart
2. Vize-Prä­­si­­dent der Öster­rei­chi­schen Ärztekammer

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 23–24 /​15.12.2018