kurz & infor­ma­tiv: Poli­ti­sche Kurzmeldungen

10.10.2017 | Politik


Medi­zin-Nobel­preis: „bio­lo­gi­sche Uhr“ geklärt

Der dies­jäh­rige Medi­zin-Nobel­preis geht an drei US-ame­ri­ka­ni­sche For­scher für die Klä­rung der Mecha­nis­men des bio­lo­gi­schen Tag-Nacht-Rhyth­mus: Jef­frey C. Hall (gebo­ren 1945), Michael Ros­bash (gebo­ren 1944) und Michael W. Young (gebo­ren 1949.). Die Wis­sen­schaf­ter haben die Mecha­nis­men der „bio­lo­gi­schen Uhr“, also die zir­ka­dia­nen Rhyth­men von Zel­len und Lebe­we­sen, auf­ge­klärt, hieß es in der Begrün­dung des Karo­linska Insti­tuts in Stock­holm. Die Aus­zeich­nung ist mit neun Mil­lio­nen Schwe­di­schen Kro­nen (940.000 Euro) dotiert.

Mehr Kom­mu­ni­ka­tion schafft Patientensicherheit

Wer offen kom­mu­ni­ziert, hilft, die Pati­en­ten­si­cher­heit zu erhö­hen. Dar­auf wurde im Rah­men des Inter­na­tio­na­len Tags der Pati­en­ten­si­cher­heit „Speak Up!“ auf­merk­sam gemacht. Was es dazu braucht, ist eine offene Gesprächs­kul­tur: Jeder im Gesund­heits­we­sen Invol­vierte – ob jung oder alt, Experte oder Laie – soll die Mög­lich­keit haben, auf Feh­ler­quel­len hin­zu­wei­sen und Beden­ken zu äußern. Es darf kein Tabu sein, Beob­ach­tun­gen und Befürch­tun­gen mit­zu­tei­len. „Kom­mu­ni­ka­tion ist die Basis für eine qua­li­ta­tiv hoch­wer­tige Gesund­heits­ver­sor­gung“, betonte Bri­gitte Ettl, Prä­si­den­tin der Öster­rei­chi­schen Platt­form Pati­en­ten­si­cher­heit. Aber nicht nur im Gesund­heits­we­sen Tätige kön­nen zur offe­nen Kom­mu­ni­ka­tion bei­tra­gen; auch Pati­en­ten, Ange­hö­rige und Außen­ste­hende müs­sen wich­tige Beob­ach­tun­gen äußern dür­fen, wie Artur Wech­sel­ber­ger, Prä­si­dent der Ärz­te­kam­mer für Tirol und Lei­ter des Refe­rats für Pati­en­ten­si­cher­heit der ÖÄK, erklärte: „Des­halb kön­nen ab jetzt auch Laien Feh­ler, Bei­nahe-Feh­ler oder Beob­ach­tun­gen im Feh­ler­mel­de­sys­tem CIRSmedical.at mel­den.“ Damit soll das Poten­tial aus­ge­schöpft wer­den, Feh­ler zu ana­ly­sie­ren und dar­aus zu ler­nen. „Feh­ler kön­nen pas­sie­ren, sie sol­len aber kein zwei­tes Mal pas­sie­ren“, betonte Wechselberger.


Ärz­te­kam­mer-Kam­pa­gne: Ent­schul­di­gung bei Pati­en­ten

Nach hef­ti­gen kri­ti­schen Reak­tio­nen auf Pla­kate der Kam­pa­gne der Wie­ner Ärz­te­kam­mer „Kranke Zukunft? Nicht mit uns Ärz­ten!“ hat Ärz­te­kam­mer Prä­si­dent Tho­mas Sze­ke­res kürz­lich bei einer Pres­se­kon­fe­renz dazu Stel­lung genom­men: „Ich ent­schul­dige mich bei jedem Pati­en­ten, der sich durch das Bild, das affi­chiert wurde, ver­letzt oder gekränkt fühlt.“ Er räumte ein, dass der Text des Sujets miss­ver­stan­den wer­den könnte – man wollte aber nie­mals das Leid einer Krank­heit mit den admi­nis­tra­ti­ven Auf­ga­ben der Ärzte ver­glei­chen. „Das kann man so lesen, so war es aber nie gemeint.“ Viel­mehr wollte die Ärz­te­kam­mer auf­zei­gen, dass tod­kranke Pati­en­ten Spe­zi­al­nah­rungo­der Schmerz­me­di­ka­mente nicht geneh­migt bekä­men und Ärz­ten durch die Büro­kra­tie Zeit für die Betreu­ung ihrer Pati­en­ten genom­men wird. Die Ent­schul­di­gung beziehe sich daher nicht­auf die Sozi­al­ver­si­che­rung. Anlass für die Pres­se­kon­fe­renz war die Prä­sen­ta­tion von Ärz­ten auf den Lis­ten der Par­teien für die Nationalratswahl.

Oba­ma­care: Abschaf­fung erneut geschei­tert

Bereits zum drit­ten Mal ist es den US-Repu­bli­ka­nern nicht gelun­gen, im Kon­gress eine Mehr­heit für die Abschaf­fungvon „Oba­ma­care“ zu erzie­len. Damit ist auch der letzte Anlauf inner­halb der letz­ten sie­ben Jahre end­gül­tig geschei­tert. Mit Sep­tem­ber 2017 endete die Frist, in der die Repu­bli­ka­ner mit einer Mehr­heit von 50 Stim­men im Senat „Oba­ma­care“ hät­ten abschaf­fen kön­nen. Danach brau­chen sie 60 Stim­men, weil wegen des Aus­lau­fens einer befris­te­ten Son­der­re­gel eine ein­fa­che Mehr­heit nicht mehr aus­reicht. Die Demo­kra­ten sind aber geschlos­sen gegen die Abschaf­fung, die eines der wich­tigs­ten Wahl­kampf­the­men von US-Prä­si­dent Donald Trump war.

ELGA: auch für Nie­der­ge­las­sene ver­pflich­tend

Bis Mitte 2019 sol­len ELGA und E‑Medikation flä­chen­de­ckend auch im nie­der­ge­las­se­nen Bereich aus­ge­rollt sein. Dies sieht die Ver­ord­nung von Gesund­heits­mi­nis­te­rin Pamela Rendi-Wag­ner (SPÖ) vor, die zur­zeit in Begut­ach­tung ist. Begon­nen wer­den­soll der Pro­be­be­trieb im März 2018 im stei­ri­schen Deutsch­lands­berg; danach wird suk­zes­sive aus­ge­rollt; im Juni 2019 erfolgt dann der ELGAStart im Bur­gen­land. Außer­dem soll 2018 ein Pilot­pro­jekt für den e‑Impfpass starten.

Arznei&Vernunft: Neue Osteo­po­rose-Leit­li­nie

Die Initia­tive „Arz­nei & Ver­nunft“ hat eine kom­plett über­ar­bei­tete Osteo­po­rose-Leit­li­nie sowie eine Infor­ma­ti­ons­bro­schüre für Pati­en­ten her­aus­ge­bracht und kürz­lich in Wien prä­sen­tiert. Die neue Leit­li­nie soll dazu bei­tra­gen, Risi­ko­pa­ti­en­ten abseits von den klas­si­schen Risi­ko­fak­to­ren wie Alter oder Geschlecht früh­zei­tig zu erken­nen und Pati­en­ten unter Ein­satz der neu­es­ten The­ra­pie­mög­lich­kei­ten behan­deln zu kön­nen. „Es geht nicht nur um Kos­ten­sen­kung, son­dern vor allem darum, Pati­en­ten Leid zu erspa­ren; die Betrof­fe­nen sind zum Teil noch jung“, betonte ÖÄK-Prä­si­dent Tho­mas Sze­ke­res im Rah­men der Pres­se­kon­fe­renz. Schät­zun­gen zufolge ist in Öster­reich min­des­tens eine halbe Mil­lion Men­schen von Osteo­po­rose betrof­fen; jedes Jahr erlei­den dadurch etwa 16.000 über 50-Jäh­rige einen Ober­schen­kel­hals­bruch. Die Initia­tive Arz­nei & Ver­nunft ist eine Zusam­men­ar­beit zwi­schen Ärzte- und Apo­the­ker­kam­mer, Pharma-wirt­schaft und Sozi­al­ver­si­che­rung. Die Leit­li­nie und der Infor­ma­ti­ons­fol­der für Pati­en­ten ste­hen unter www.arzneiundvernunft.at zum Down­load zur Ver­fü­gung; auch ein E‑Lear­ning-Tool wurde ein­ge­rich­tet. Die Pati­en­ten­bro­schüre wurde zudem an nie­der­ge­las­sene All­ge­mein­me­di­zi­ner, Gynä­ko­lo­gen, Inter­nis­ten und Ortho­pä­den sowie an alle Apo­the­ken verschickt.


Mada­gas­kar: Tote durch Lun­gen­pest

In Mada­gas­kar sind min­des­tens fünf Men­schen an der Lun­gen­pest gestor­ben, wie das zustän­dige Gesund­heits­mi­nis­te­rium bestä­tigte. Auch im Gebiet der Haupt­stadt Antan­a­na­rivo soll es einen Todes­fall gege­ben haben. In Mada­gas­kar gibt es seit Jah­ren die meis­ten Pest-Fälle welt­weit; es han­delt sich dabei fast aus­schließ­lich um Beu­len­pest. Seit 2010 gab es laut WHO in Mada­gas­kar rund 500 Pest-Tote.


Ärz­te­kam­mer Bur­gen­land begrüßt Landarzt-Förderung

Die Ärz­te­kam­mer Bur­gen­land sieht die zuletzt vom Land zum Erhalt der Land­arzt­pra­xen in Aus­sicht gestell­ten Maß­nah­men – wie die Ver­gabe von Sti­pen­dien an Medi­zin­stu­den­ten sowie ein För­der­pro­gramm für All­ge­mein­me­di­zi­ner­pra­xen – als „ers­ten und rich­ti­gen Schritt“. Ärz­te­kam­mer­prä­si­dent Michael Lang: „Der Ansatz einer Nie­der­las­sungs­för­de­rung ist ein rich­ti­ger. Wir for­dern das seit Jah­ren.“ Wich­tig sei, dass es nicht bei „blo­ßen Wahl­kampf-Ver­spre­chen“ bleibe, son­dern eine Umset­zung folge: „Die För­der­ak­tion muss sofort begin­nen.“ Außer­dem müsste nach Ansicht von Lang das „Grund­übel“ für den Ärz­te­man­gel – die Zugangs­be­schrän­kun­gen an den Med­U­nis – „ersatz­los besei­tigt“ wer­den. Für Jung­ärzte müsse der Stand­ort Bur­gen­land attrak­ti­ver gemacht wer­den. Wei­tere Maß­nah­men wie die Ände­rung der „über­lan­gen Arbeits­zei­ten der Land­ärzte“ seien gefragt, so Lang: „Unsere Vor­schläge dazu sind schon seit Mona­ten beim Land und bei der Kasse. Eine Umstel­lung mit Jah­res­be­ginn 2018 ist unbe­dingt erforderlich.“

Rich­tig­stel­lung

In der ÖÄZ 18 vom 25. Sep­tem­ber 2017 wurde beim Arti­kel „Natio­nal­rats­wahl 2017: Die Ärzte, die Par­teien und die Wahl“ irr­tüm­lich das Logo der „Unab­hän­gi­gen Fach­schafts­lis­ten Öster­reichs“ (FLÖ) anstatt jenes der „Freien Liste Öster­reichs“ (FLÖ) abgedruckt.

Wir bedau­ern!

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 19 /​10.10.2017