kurz & infor­ma­tiv: Poli­ti­sche Kurzmeldungen

25.09.2017 | Politik


Opioid-Krise in den USA: „natio­na­ler Not­stand“

US-Prä­si­dent Donald Trump hat wegen der Opioid-Krise in den USA den „natio­na­len Not­stand“ aus­ge­ru­fen. Er wies die zustän­di­gen Behör­den an, mit allen zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­teln auf die „Opioid-Epi­de­mie“ zu reagie­ren. Laut der US-ame­ri­ka­ni­schen Gesell­schaft für Sucht­me­di­zin sind zwei bis drei Mil­lio­nen US-Bür­ger von ver­schrei­bungs­pflich­ti­gen Analge­tika und Heroin abhän­gig. 2016 star­ben rund 60.000 Men­schen an einer sol­chen Über­do­sis, wie aus einer Berech­nung der „New York Times“ her­vor­geht; 19 Pro­zent mehr als im Vor­jahr. In der Kri­tik steht vor allem die „lockere“ Ver­schrei­bung in den USA. Laut einer Publi­ka­tion im „New Eng­land Jour­nal of Medi­cine“ hat auch die mas­sive Bewer­bung von Analge­tika unter Laien die Pro­ble­ma­tik ver­ur­sacht. Dem­nach seien zwi­schen 1999 und 2009 die Umsätze um das Vier­fa­che gestie­gen; ähn­lich gestie­gen sei die Zahl der Todes­fälle durch legal ver­schrie­bene und ille­gal gehan­delte Opi­ate. Neben den zuge­las­se­nen Arz­nei­mit­teln wird Fen­tanyl auch ille­gal als Sucht­gift aus Län­dern wie China impor­tiert. Exper­ten war­nen, dass die Ent­wick­lung in den USA nicht zu einer Schlech­ter­stel­lung von Pati­en­ten­mit schwe­ren Schmerz­zu­stän­den und einer kla­ren medi­zi­ni­schen Indi­ka­tion auch für die Ver­wen­dung von Opio­iden füh­ren dürfe.

Kin­der-Reha­bi­li­ta­tion: Stand­orte ste­hen fest

Die Ver­gabe der Kin­der-Reha­bi­li­ta­tion-Stand­orte in Öster­reich ist mit der Fest­le­gung des Stand­orts in der Ver­sor­gungs­zone West (Tirol und Vor­arl­berg) nun kom­plett. Die Bie­ter­ge­mein­schaft Sen­eCura erhielt den Zuschlag für ein Zen­trum in Wie­sing in Schwaz/​Tirol mit Bet­ten für zwei Indi­ka­ti­ons­grup­pen: für mobi­li­sie­rende sowie für psy­cho­so­ziale Reha­bi­li­ta­tion. Die Kos­ten in Tirol belau­fen sich laut Zei­tungs­be­rich­ten auf rund 3,4 Mil­lio­nen Euro; 2,6 Mil­lio­nen davon trägt die Sozi­al­ver­si­che­rung. Mit der Ver­sor­gungs­zone West in Tirol ist der Bedarf laut Reha-Plan und somit die Voll­ver­sor­gung erfüllt. Rund 5.000 Kin­der in Öster­reich benö­ti­gen eine Reha­bi­li­ta­tion; bis­lang gab es aber keine spe­zi­el­len Kin­der-Reha­zen­tren. Ins­ge­samt wird es künf­tig in ganz Öster­reich vier Ver­sor­gungs­zo­nen mit elf Indi­ka­ti­ons­grup­pen und ins­ge­samt 343 Bet­ten (zuzüg­lich 50 Bet­ten für Ange­hö­rige) geben.

Fast 13 Mil­lio­nen Babys nicht geimpft

Etwa eines von zehn Babys – ins­ge­samt rund 12,9 Mil­lio­nen Kin­der – hat laut WHO im Jahr 2016 keine ein­zige Imp­fung erhal­ten. Somit haben sie ihre erste Dosis zur Immu­ni­sie­rung gegen Diph­the­rie, Teta­nus und Per­tus­sis ver­passt. Zusätz­lich hät­ten schät­zungs­weise 6,6 Mil­lio­nen Kin­der die zwei wei­te­ren not­wen­di­gen Imp­fun­gen nicht bekom­men. „Diese Kin­der haben höchst wahr­schein­lich auch keine wei­tere Gesund­heits­ver­sor­gung erhal­ten“, so Jean-Marie Okwo-Bele, Lei­ter des WHO-Impf­pro­gramms.
 

West­afrika: ille­gale Medi­ka­mente beschlagnahmt

In sie­ben west­afri­ka­ni­schen Län­dern haben inter­na­tio­nale Ermitt­ler ille­gale Medi­ka­mente im Wert von rund 18,5 Mil­lio­nen Euro beschlag­nahmt. Das teilte die inter­na­tio­nale Poli­zei­or­ga­ni­sa­tion Inter­pol mit. Unter den rund 41 Mil­lio­nen Tablet­ten und 13.000 Schach­teln waren Anti­bio­tika, Mala­ria-Medi­ka­mente und Analge­tika. Gegen rund 150 Per­so­nen – meh­rere von ihnen wur­den fest­ge­nom­men – wird ermittelt.

Jemen: 600.000 Cho­lera-Fälle

Im Jemen sind laut WHO seit Beginn der Epi­de­mie im April 2017 etwa 613.000 Men­schen an Cho­lera erkrankt, 2.050 daran gestor­ben. In eini­gen Pro­vin­zen steigt die Zahl der­In­fi­zier­ten noch immer an, wäh­rend sie in vie­len stark betrof­fe­nen Gebie­ten bereits gesun­ken ist; was die WHO zur genauen Über­prü­fung ver­an­lasst, ob es sich bei allen Mel­dun­gen tat­säch­lich um Cho­lera han­delt. Auch in 20 der 26 Pro­vin­zen in der Demo­kra­ti­schen Repu­blik Kongo soll es rund 24.000 Ver­dachts­fälle geben.

Deut­sche Kran­ken­kas­sen: 1,4 Mil­li­ar­den Euro Über­schuss

In Deutsch­land haben die gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen im ers­ten Halb­jahr 2017 einen Über­schuss von 1,41 Mil­li­ar­den Euro erzielt – mehr als dop­pelt so viel wie im ers­ten Quar­tal (612 Mil­lio­nen Euro), teilte das deut­sche Gesund­heits­mi­nis­te­rium mit. Die Ein­nah­men der Kas­sen stie­gen um 4,3 Pro­zent, die Aus­ga­ben um 3,7 Pro­zent. Damit haben sich die Finanz­re­ser­ven der 113 Kas­sen auf rund 17,5 Mil­li­ar­den Euro erhöht. Die Arz­nei­mit­tel­aus­ga­ben sind im ers­ten Halb­jahr um 3,2 Pro­zent gestie­gen, die Erlöse aus Rabatt­ver­ein­ba­run­gen mit Phar­ma­fir­men um rund 7,6 Pro­zent. Die Aus­ga­ben für ärzt­li­che Behand­lun­gen haben sich um rund 5,1 Pro­zent erhöht, jene für Kran­ken­haus­be­hand­lun­gen um 2,5 Pro­zent. 2016 hat­ten die Kas­sen im ers­ten Halb­jahr einen Über­schuss von 598 Mil­lio­nen und im Gesamt­jahr 1,62 Mil­li­ar­den Euro erreicht.
 

Fipro­nil-Eier: 45 Län­der betroffen

Vom Skan­dal um mit Fipro­nil belas­tete Eier sind mitt­ler­weile 45 Län­der betrof­fen: 26 der 28 EUS­taa­ten sowie 19 Nicht-EU-Staa­ten wie etwa USA, Russ­land oder die Tür­kei. In der EU waren bis Redak­ti­ons­schluss Litauen und Kroa­tien nicht betrof­fen. In Öster­reich wur­den laut AGES (Agen­tur für Gesund­heit und Ernäh­rungs­si­cher­heit) in 48 von 229 Pro­ben von Fri­sch­ei­ern und Eier­pro­duk­ten Fipro­nil nach­ge­wie­sen. Die belas­te­ten Pro­dukte stamm­ten alle­samt aus dem Groß­han­del. In Bul­ga­rien und Tsche­chien wur­den zuletzt erneut meh­rere Ton­nen an belas­te­ten Eier­pro­duk­ten­ent­deckt. Nach bis­he­ri­gen Ermitt­lun­gen gelangte das Insek­ti­zid in die Eier, weil es uner­laub­ter­weise zur Rei­ni­gung von Stäl­len ein­ge­setzt wurde. Exper­ten gehen auf­grund der meist sehr gerin­gen Fipro­nil-Rück­stände nicht von einer aku­ten Gesund­heits­ge­fähr­dung für Kon­su­men­ten aus.
 

Japan: Regie­rung will Sui­zide ver­hin­dern

Mit gesetz­li­chen Maß­nah­men gegen die Aus­beu­tung will die japa­ni­sche Regie­rung die hohe Sui­zid­rate inner­halb von zehn Jah­ren um 30 Pro­zent sen­ken. Das Kabi­nett hat ein ent­spre­chen­des Gesetz ver­ab­schie­det, mit dem exzes­sive Über­stun­den begrenzt und schi­ka­nö­ses Ver­hal­ten von Vor­ge­setz­ten gegen­über Ange­stell­ten unter­bun­den wer­den sol­len. Der­zeit ist die Sui­zid­rate in Japan höher als in allen ande­ren G‑7-Staa­ten: 2016 begin­gen 21.897 Men­schen Sui­zid; das ist eine Rate von 18,5 Sui­zide pro 100.000 Ein­woh­ner. Nach­dem die Regie­rung 2007 erst­mals einen Plan zum Kampf gegen Sui­zide ver­ab­schie­det hatte, war die Rate in den letz­ten Jah­ren deut­lich gesun­ken. 2003 gab es noch mehr als 34.400 Sui­zide. Erst im Mai die­ses Jah­res hat das Arbeits­mi­nis­te­rium in Tokio erst­mals eine schwarze Liste mit mehr als 300 Unter­neh­men ver­öf­fent­licht, die von ihren Ange­stell­ten ille­gale Über­stun­den verlangen.


Rech­nungs­hof will Auf­trags­ver­ga­ben prü­fen

Der Rech­nungs­hof will die Ver­gabe der Effi­zi­enz­stu­die über die Sozi­al­ver­si­che­run­gen an die Lon­don School of Eco­no­mics über­prü­fen – nach­dem die FPÖ dies gefor­dert hatte. Die Prä­si­den­tin des Rech­nungs­hofs, Mar­git Kra­ker, kün­digte an, dass sich der Rech­nungs­hof auch grund­sätz­lich des The­mas Auf­trags­ver­gabe anneh­men wolle. Der­zeit wird die Prü­fungs­pla­nung für das kom­mende Jahr durchgeführt;der neue erst­mals auf drei Jahre ange­legte Schwer­punkt lau­tet: „Qua­li­tät der Leis­tungs­er­brin­gung des öffent­li­chen Sek­tors; ins­be­son­dere in Bezug auf Bür­ger­nut­zen, Kos­ten­op­ti­mie­rung und zeit­ge­mäße Auf­ga­ben­er­fül­lung“, so Kra­ker in ihrem Ant­wort­brief an FPÖ Gesund­heits­spre­che­rin Dag­mar Bela­ko­witsch. Diese hatte Sozi­al­mi­nis­ter Alois Stö­ger (SPÖ) vor­ge­wor­fen, 630.000 Euro Steu­er­geld für die Stu­die „ver­pul­vert“ zu haben, obwohl der Erkennt­nis­ge­winn „gleich Null“ sei. Außer­dem sei die Ana­lyse ohne Aus­schrei­bung ver­ge­ben worden.

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 18 /​25.09.2017