Fort­bil­dungs­pflicht: Mis­sion erfüllt

10.06.2017 | Poli­tik

Mehr als 95 Pro­zent der öster­rei­chi­schen Ärzte sind in ihrer Fort­bil­dung den Anfor­de­run­gen nach­ge­kom­men – eine Erfolgs­story. Von Wolf­gang Wagner

Wir kön­nen auf unse­ren Berufs­stand stolz sein. Und jeder ein­zelne von uns kann das auch sein. Öster­reich­weit haben nur 4,24 Pro­zent der Ärzte den erfor­der­li­chen Fort­bil­dungs­nach­weis nicht erbracht“, sagte Peter Nie­der­mo­ser, Prä­si­dent der Ärz­te­kam­mer für Ober­ös­ter­reich und des wis­sen­schaft­li­chen Bei­rats der Öster­rei­chi­schen Aka­de­mie der Ärzte bei den dies­jäh­ri­gen Ärz­te­ta­gen in Grado.

Bei der Eröff­nung prä­sen­tierte er erste Daten über die quasi „End­ab­rech­nung“ zum Fort­bil­dungs­nach­weis (Stich­tag: 1. Sep­tem­ber 2016 mit Nach­frist bis zum 30. April 2017). Zen­tra­les Ergeb­nis: Von der Ziel­gruppe von bun­des­weit 32.168 Ärz­tin­nen und Ärz­ten (von ins­ge­samt mehr als 40.000 – Tur­nus­ärzte aus­ge­nom­men) haben 94,66 Pro­zent die erfor­der­li­chen 150 DFP-Punkte inner­halb von drei Jah­ren auf ihrem Konto gesam­melt. 1,1 Pro­zent konn­ten eine berech­tigte Berufs­un­ter­bre­chung nach­wei­sen. Nie­der­mo­ser dazu: „Ich habe nie daran gezwei­felt, dass die öster­rei­chi­schen Ärzte ihrer Fort­bil­dungs­pflicht nach­kom­men wer­den. Aber ich glaube, alle Betei­lig­ten kön­nen jetzt sehr zufrie­den sein. Nur bei 1.718 Ärz­ten ist der Fort­bil­dungs­nach­weis offen.“

Ers­ten Ana­ly­sen zufolge könn­ten Pro­bleme beim Nach­weis der erfüll­ten Fort­bil­dungs­pflicht am ehes­ten mit dem Lebens­al­ter der Betrof­fe­nen in Ver­bin­dung gebracht wer­den, wie Nie­der­mo­ser berich­tete. „Am häu­figs­ten sind es Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen über dem 65. Lebens­jahr, die davon betrof­fen sind. Kei­nen Unter­schied gibt es zwi­schen ange­stell­ten und nie­der­ge­las­se­nen Ärz­ten.“ Dafür sind laut Nie­der­mo­ser wahr­schein­lich ver­schie­dene Gründe ver­ant­wort­lich: „Dar­un­ter sind zum Bei­spiel Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen, die noch in sehr beschränk­tem Aus­maß als Wohn­sitz­arzt tätig sind. Dann sind einige der älte­ren Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen mit der Flücht­lings­hilfe zurück in die beruf­li­che Tätig­keit gekom­men. Aller­dings muss man schon sagen, dass natür­lich auch in der medi­zi­ni­schen Ver­sor­gung der Flücht­linge nur Ärzte tätig sein soll­ten, die sich ent­spre­chend fort­ge­bil­det haben.“

An den mög­li­chen Kon­se­quen­zen für die Ärzte mit Berufs­be­rech­ti­gung und feh­len­dem Fort­bil­dungs­nach­weis ließ Nie­der­mo­ser kei­nen Zwei­fel: „Bei den 1.718 Betrof­fe­nen kommt es zur Anzeige beim unab­hän­gi­gen Dis­zi­pli­nar­an­walt.“ Die laut Ärz­te­ge­setz zur Ver­fü­gung ste­hen­den Dis­zi­pli­nar­stra­fen sind: schrift­li­cher Ver­weis, Geld­stra­fen, eine befris­tete Unter­sa­gung der Berufs­aus­übung und die Strei­chung aus der Ärz­te­liste. Die Strafe wird von der zustän­di­gen Dis­zi­pli­nar­kom­mis­sion ver­hängt. Ebenso besteht auch die Mög­lich­keit, dass die Anzeige zurück­ge­legt wird. Kei­nes­falls dürfe aber der Ein­druck ent­ste­hen, dass man mit der Bezah­lung der Geld­strafe die Ver­pflich­tung zur aus­rei­chen­den Fort­bil­dung abgel­ten könne. „Jene, die nicht bereit sind, sich fort­zu­bil­den, sind nicht ver­trau­ens­wür­dig im Sinne einer kor­rek­ten Behand­lung der Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten“, sagte Niedermoser. 

Und um das Fak­tum der Ver­trau­ens­wür­dig­keit könne es in letz­ter Kon­se­quenz in einem ent­spre­chen­den Ver­fah­ren der ÖÄK gehen unter Bei­be­zie­hung des Ehren­ra­tes als bera­ten­des Gre­mium. „Hier kann zum Bei­spiel für eine gewisse Zeit das Berufs­aus­übungs­recht aberkannt wer­den.“ Ob durch Been­di­gung der Berufs­aus­übung durch die Betrof­fe­nen selbst oder per ent­spre­chen­des Urteil, der ober­ös­ter­rei­chi­sche Ärz­te­kam­mer­prä­si­dent rech­net doch mit eini­gen Kon­se­quen­zen: „Ich schätze, dass wir auf unse­rem Weg im schlimms­ten Fall etwa die Hälfte die­ser 1.718 Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen ver­lie­ren werden.“

Mega­pro­jekt Fort­bil­dungs­nach­weis

Für die Öster­rei­chi­sche Aka­de­mie der Ärzte stellt der Nach­weis der Fort­bil­dungs­pflicht seit 2013 ein Mega­pro­jekt dar. Seit 1. Sep­tem­ber 2013 gel­ten neue Rege­lun­gen für den Nach­weis der absol­vier­ten Fort­bil­dungs­ak­ti­vi­tä­ten für 33.000 der mehr als 40.000 Ärzte (Aus­nah­men: bei­spiels­weise Tur­nus­ärzte) mit Berufs­be­rech­ti­gung laut Ärz­te­ge­setz und dem stan­des­ei­ge­nen Diplom-For­t­­bil­­dungs-Pro­­­gramm (DFP): die „Glaub­haft­ma­chung“ der absol­vier­ten ärzt­li­chen Fort­bil­dung sei­tens des Arz­tes mit Stich­tag 1. Sep­tem­ber 2016. Dies bedeu­tet, dass die Öster­rei­chi­sche Ärz­te­kam­mer über einen elek­tro­ni­schen Such­lauf erst­mals veri­fi­zierte, wel­che Ärzte über ein aktu­el­les DFP-Diplom ver­füg­ten und die Min­dest­an­zahl von Fort­bil­dungs­punk­ten (150 Punkte inner­halb von drei Jah­ren) auf ihrem elek­tro­ni­schen Konto gesam­melt hat­ten. Die gesam­mel­ten Daten wer­den in einem ent­spre­chen­den Bericht über die ärzt­li­che Fort­bil­dung dem Gesund­heits­mi­nis­te­rium über­mit­telt – so sehen es die im Jahr 2013 fest­ge­leg­ten gesetz­li­chen Rege­lun­gen vor.

Zwei Mahn­fris­ten gesetzt

Eine erste Mahn­frist für jene Ärz­tin­nen und Ärzte, wel­che dabei kei­nen ent­spre­chen­den Nach­weis hat­ten, erstreckte sich bis 1. Dezem­ber ver­gan­ge­nen Jah­res, eine zweite Mahn­frist bis März 2017. „Inner­halb die­ses Zeit­raums hätte jeder Betrof­fene etwaige Defi­zite durch­aus auf­ho­len kön­nen“, betonte Niedermoser.

Zum Auf­takt der Öster­rei­chi­schen Ärz­te­tage und mit der Dar­stel­lung der erfüll­ten Mis­sion in Sachen ärzt­li­cher Fort­bil­dung for­mu­lierte der Prä­si­dent des wis­sen­schaft­li­chen Bei­rats der Aka­de­mie der Ärzte auch durch­aus kri­tisch, was Per­so­nen und Insti­tu­tio­nen betrifft, die Ärzte häu­fig kri­ti­sie­ren: „Wir haben das vom Gesetz­ge­ber auf­ge­tra­gen bekom­men und wir haben die Ver­pflich­tung erfüllt. Das wer­den wir der Poli­tik deut­lich sagen.“ Ver­ant­wort­li­che in Poli­tik und im Haupt­ver­band und Pati­en­ten­an­wälte müsse man aber auch fra­gen: „Wo bil­det Ihr euch fort?“

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 11 /​10.06.2017