kurz & infor­ma­tiv: Medi­zi­ni­sche Kurzmeldungen

15.07.2016 | Medi­zin


Pro­gnos­ti­scher Fak­tor für Rezi­div nach Prostata-Ca

Der Nach­weis der lym­pho­vasku­lä­ren Inva­sion in Kom­bi­na­tion mit ande­ren Merk­ma­len im patho­lo­gi­schen Befund des ent­fern­ten Tumors kann nach einer Pro­­stata-Ope­ra­­tion als pro­gnos­ti­scher Fak­tor für ein Rezi­div die­nen. Dies auch dann, wenn der post­ope­ra­tive PSA-Wert unter dem kri­ti­schen Grenz­wert liegt. Das hat Priv. Doz. Harun Faj­ko­vic von der Uni­ver­si­täts­kli­nik für Uro­lo­gie der Med­Uni Wien in einer Stu­die mit 7.000 Pati­en­ten nach­ge­wie­sen. Etwas mehr als zehn Pro­zent aller Pati­en­ten nach einer Ope­ra­tion wegen eines Pro­­stata-Kar­­zi­­noms haben ein erhöh­tes Risiko für Rezi­dive, vor allem Meta­sta­sen.
APA/​Urologic Oncology

Abtrei­bungs­welle wegen Zika-Virus

Auf­grund des Zika-Virus und des damit ver­bun­de­nen Mikro­­ze­­pha­­lie-Risi­­kos sind in Latein­ame­rika die Anfra­gen nach Schwan­ger­schafts­ab­brü­chen rapide ange­stie­gen. Das hat eine Stu­die auf Basis von Daten der Orga­ni­sa­tion „Women on Web“ erge­ben, die in Län­dern mit restrik­ti­ven Abtrei­bungs­re­geln einen Zugang zu Abtrei­bun­gen anbie­tet. Die For­scher ermit­tel­ten einen Durch­schnitt der Anfra­gen seit 2010 und ver­gli­chen ihn mit den Daten seit der ers­ten Zika-War­­nung im Novem­ber 2015. Dem­nach stieg die Zahl der Anfra­gen in Bra­si­lien um 108 Pro­zent und in Vene­zuela um 93 Pro­zent. In Bra­si­lien – dem am stärks­ten von Zika betrof­fe­nen Land – sind Abbrü­che ver­bo­ten, außer nach einer Ver­ge­wal­ti­gung oder bei aku­ter Gefähr­dung der Mut­ter. In einer gro­ßen Stu­die mit 10.000 Schwan­ge­ren in Län­dern mit star­ker Zika-Ver­­­brei­­tung wol­len die USA und Bra­si­lien nun klä­ren, warum Zika-Infe­k­­ti­o­­nen in man­chen Fäl­len Mikro­ze­pha­lie aus­lö­sen und in ande­ren nicht. Ab Novem­ber die­ses Jah­res soll außer­dem mit Imp­f­­stoff-Tests an Affen und Mäu­sen begon­nen wer­den.
APA/​NEJM

Neues Labor für Peritonealdialyse

Mit der Eröff­nung des Chris­tian Dopp­ler Labors „Mole­ku­lare Stress­for­schung in der Peri­to­ne­al­dia­lyse“ an der Med­Uni Wien soll die Bauch­fell­dia­lyse ver­bes­sert wer­den. Zum einen soll defi­niert wer­den, wel­cher Pati­ent für wel­che Dia­­lyse-Art geeig­net ist – Stich­wort: per­so­na­li­sierte Medi­zin; zum ande­ren soll erforscht wer­den, warum bei Pati­en­ten kör­per­ei­gene Schutz­me­cha­nis­men gegen die Dia­ly­se­flüs­sig­keit nicht ange­kur­belt wer­den und das Bauch­fell geschä­digt wird. In Öster­reich wen­den der­zeit rund zehn Pro­zent der etwa 5.000 Dia­ly­se­pa­ti­en­ten die­ses Ver­fah­ren an.
APA

Abtrei­bungs­welle wegen Zika-Virus

Auf­grund des Zika-Virus und des damit ver­bun­de­nen Mikro­­ze­­pha­­lie-Risi­­kos sind in Latein­ame­rika die Anfra­gen nach Schwan­ger­schafts­ab­brü­chen rapide ange­stie­gen. Das hat eine Stu­die auf Basis von Daten der Orga­ni­sa­tion „Women on Web“ erge­ben, die in Län­dern mit restrik­ti­ven Abtrei­bungs­re­geln einen Zugang zu Abtrei­bun­gen anbie­tet. Die For­scher ermit­tel­ten einen Durch­schnitt der Anfra­gen seit 2010 und ver­gli­chen ihn mit den Daten seit der ers­ten Zika-War­­nung im Novem­ber 2015. Dem­nach stieg die Zahl der Anfra­gen in Bra­si­lien um 108 Pro­zent und in Vene­zuela um 93 Pro­zent. In Bra­si­lien – dem am stärks­ten von Zika betrof­fe­nen Land – sind Abbrü­che ver­bo­ten, außer nach einer Ver­ge­wal­ti­gung oder bei aku­ter Gefähr­dung der Mut­ter. In einer gro­ßen Stu­die mit 10.000 Schwan­ge­ren in Län­dern mit star­ker Zika-Ver­­­brei­­tung wol­len die USA und Bra­si­lien nun klä­ren, warum Zika-Infe­k­­ti­o­­nen in man­chen Fäl­len Mikro­ze­pha­lie aus­lö­sen und in ande­ren nicht. Ab Novem­ber die­ses Jah­res soll außer­dem mit Imp­f­­stoff-Tests an Affen und Mäu­sen begon­nen wer­den.
APA/​NEJM

USA: nicht geneh­migte Stammzellen-Therapien

In den USA gibt es min­des­tens 351 Unter­neh­men, die nicht geneh­migte The­ra­pien mit Stamm­zel­len in 570 Kli­ni­ken direkt an Pati­en­ten ver­kau­fen. Diese Behand­lun­gen kom­men vor­wie­gend bei Muskel‑, Kno­chen- und Herz­er­kran­kun­gen, bei Pro­ble­men mit dem Immun­sys­tem, Rücken­marks­ver­let­zun­gen sowie bei kos­me­ti­schen Zwe­cken zum Ein­satz. Bei knapp zwei Drit­tel han­delt es sich um Fett­stamm­zel­len; rund die Hälfte der Fir­men bie­tet auch Stamm­zel­len aus Kno­chen­mark an. Nur eine Firma ver­mark­tet embryo­nale Stamm­zel­len. Bio­ethi­ker und Stu­­dien-Co-Autor Leigh Tur­ner von der Uni­ver­si­tät Min­ne­sota und seine Kol­le­gen durch­fors­te­ten das Inter­net. Ihre Ergeb­nisse sol­len als Grund­lage für wei­tere Unter­su­chun­gen über ein „direkt an die Kon­su­men­ten gerich­te­tes Bewer­ben von angeb­li­chen Stam­m­­zel­­len-The­ra­­pien“ die­nen, sagte Tur­ner. The­ra­pien mit Stamm­zel­len wer­den am häu­figs­ten in den Bun­des­staa­ten Kali­for­nien, Flo­rida und Texas ange­bo­ten.
APA/​Cell Stem Cell

Zölia­kie: Darm­vi­ren an Ent­ste­hung betei­ligt

Nicht nur gene­ti­sche Fak­to­ren, son­dern auch Infek­tio­nen mit Noro‑, Rota- oder Reo­vi­ren könn­ten für die Ent­ste­hung von Zölia­kie ver­ant­wort­lich sein. In einem Pro­jekt des Wis­sen­schafts­fonds FWF hat der öster­rei­chi­sche Wis­sen­schaf­ter Rein­hard Hin­ter­leit­ner an der Uni­ver­sity of Chi­cago die­sen Zusam­men­hang in einem eige­nen Zöli­a­­kie-For­­schungs­­la­­bor erst­mals sys­te­ma­tisch erforscht. Unter­sucht wur­den Serum­pro­ben und 150 Dünn­darm­bi­op­sien von Erkrank­ten und mit einer gesun­den Kon­troll­gruppe ver­gli­chen. Ergeb­nis für das Reo­vi­rus: Zöli­a­­kie-Pati­en­­ten hat­ten signi­fi­kant mehr Anti­kör­per und diese kor­re­lier­ten mit Virus-asso­­zi­ier­­ten Mar­kern in den Biop­sien. Wei­ters beob­ach­tete Hin­ter­leit­ner im gene­tisch ver­än­der­ten Maus­mo­dell, dass bei einer Reo-Virus-Infe­k­­tion des Dünn­darms bei gleich­zei­ti­ger Nah­rungs­auf­nahme von Glu­ten ähn­li­che kli­ni­sche Sym­ptome wie bei an Zöli­a­­kie-Erkran­k­­ten auf­tra­ten. Dies könnte bei ent­spre­chen­der Dis­po­si­tion zu einem lang­fris­ti­gen Ver­lust der ora­len Tole­ranz füh­ren – und auch die Erklä­rung dafür sein, wieso Klein­kin­der, die bereits eine Rota-Virus-Infe­k­­tion hat­ten, häu­fi­ger eine Zölia­kie ent­wi­ckeln.
APA

Neue The­ra­pie bei Glioblastom

An der Uni­ver­si­täts­kli­nik für Neu­ro­chir­ur­gie der Med­Uni Inns­bruck kommt bei Pati­en­ten mit einem Glio­blas­tom seit kur­zem eine neue Behand­lungs­me­thode zur Anwen­dung. Dabei wer­den mit­tels Elek­tro­den am Kopf Strom­fel­der im Gehirn erzeugt. Dadurch wer­den die Zell­tei­lung und das Wachs­tum des Tumors gehemmt, wie Univ. Prof. Clau­dius Thome von der Uni­ver­si­täts­kli­nik für Neu­ro­chir­ur­gie erklärte. Die „Optune“ genannte The­ra­pie habe keine Neben­wir­kun­gen; die Pati­en­ten müss­ten die Haube mit Elek­tro­den aber min­des­tens 16 bis 18 Stun­den pro Tag tra­gen. Eine Ope­ra­tion könne das Über­le­ben um bis zu neun Monate ver­län­gern; bei einer zusätz­li­chen Bestrah­lung und Che­mo­the­ra­pie seien es bis zu 15 Monate. Durch die neue The­ra­pie kön­nen fünf bis neun Monate zusätz­lich gewon­nen wer­den. Der­zeit wer­den fünf Pati­en­ten – zusätz­lich zur Che­mo­the­ra­pie – mit der neuen Methode behan­delt.
APA

Mala­ria: Artemi­s­i­­nin-Resis­­tenz vor allem in Südost-Asien

Mit einer neuen Land­karte soll die Ver­brei­tung von Artemi­s­i­­nin-Resis­­ten­­zen beob­ach­tet und eine bes­sere Kon­trolle ermög­licht wer­den. Eine For­scher­gruppe aus mehr als 50 Län­dern – unter Lei­tung des Insti­tut Pas­teur in Phnom Penh (Kam­bo­dscha) und Betei­li­gung der Med­Uni Wien – hat rund 14.000 Pro­ben unter­sucht. Rund 700 Pro­ben stam­men aus den For­schungs­ge­bie­ten von Michael Ram­har­ter (Kli­ni­sche Abtei­lung für Infek­tio­nen und Tro­pen­me­di­zin) in Gabun sowie von Harald Noedl (Insti­tut für spe­zi­fi­sche Pro­phy­laxe und Tro­pen­me­di­zin) in Ban­gla­desch und Äthio­pien. Zen­tra­les Ergeb­nis: Die Artemi­s­i­­nin-Resis­­tenz ist der­zeit aus­schließ­lich auf Süd­ost­asien kon­zen­triert; Afrika ist noch nicht betrof­fen.
APA/​NEJM

Jeder Dritte ist fehlernährt

Welt­weit ist jeder dritte Mensch über- oder unter­ernährt. In 44 Pro­zent von 129 unter­such­ten Län­dern gebe es ein „sehr erns­tes Maß“ an Unter­ernäh­rung oder Über­ge­wicht, wie der „Glo­bal Nut­ri­tion Report“ ergab. Knapp zwei Mil­li­ar­den Men­schen sind dem­nach adi­pös; einer von zwölf lei­det an Dia­be­tes; fast die Hälfte der Todes­fälle von unter Fünf­jäh­ri­gen ist durch Fehl­ernäh­rung ver­ur­sacht. Öster­reich liegt bei Über­ge­wicht und Adi­po­si­tas im Mit­tel­feld; bei Dia­be­tes an sie­ben­ter Stelle.
APA


Mini-Kamera: mit­tels Injek­tion platziert

For­scher um Timo Gis­si­bli von der Uni­ver­si­tät Stutt­gart haben mit­tels 3D-Dru­­cker eine Drei-Lin­­sen-Kamera gebaut, die sie am Ende einer zwei Haare brei­ten opti­schen Faser befes­tig­ten. Die Kamera, die sich mit einer nor­ma­len Spritze in mensch­li­che Organe oder ins Gehirn inji­zie­ren lässt, lie­fert über eine 1,7 Meter lange opti­sche Faser scharfe Bil­der auf eine Ent­fer­nung von drei Mil­li­me­ter. Die endo­sko­pi­sche Anwen­dung ist geeig­net für nicht-inva­­sive und nicht-zer­­stö­­re­­ri­­sche Unter­su­chun­gen klei­ne­rer Objekte im medi­zi­ni­schen wie im indus­tri­el­len Bereich.
APA/​Nature Photonics

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 13–14 /​15.07.2016