kurz & infor­ma­tiv: Medi­zi­ni­sche Kurzmeldungen

25.11.2016 | Medi­zin

Vogel­­­grippe-Virus A (H5N8) in Europa

Seit Anfang Novem­ber die­ses Jah­res wer­den in Ungarn und in der Folge in Polen, Schles­­wig-Hol­stein sowie im öster­rei­chi­schen Boden­­­see-Gebiet Fälle der A(H5N8)-Vogelgrippe nach­ge­wie­sen. In Vor­arl­berg sind seit Aus­bruch des Virus 150 ver­en­dete Wild­vö­gel gefun­den und ent­sorgt wor­den. Im Umkreis von zehn Kilo­me­tern zu einem Puten­hof in Hard (Bezirk Bre­genz), auf dem sich eine Infek­tion bestä­tigt hatte, gilt Stall­pflicht für Haus­ge­flü­gel. Auf einer ande­ren Hüh­ner­farm in Mög­gers (eben­falls Bezirk Bre­genz) wurde nach nega­ti­ven Pro­ben Ent­war­nung gege­ben, nach­dem man zunächst auch dort von einer Vogel­­­grippe-Infe­k­­tion aus­ge­gan­gen war. Es wird ver­mu­tet, dass der Erre­ger von Zug­vö­geln aus Russ­land nach Mit­tel­eu­ropa getra­gen wurde. Das Virus wurde im Som­mer 2016 bei Wild­vö­geln in Zen­tral­russ­land, in Sibi­rien und der Mon­go­lei nach­ge­wie­sen. Die For­scher gehen davon aus, dass die aktu­elle epi­de­mio­lo­gi­sche Situa­tion stark der Lage von 2006 ähnelt, als der A(H5N1)-Erreger gras­sierte. Mit einem gro­ßen Unter­schied: Anders als für H5N1 sind für H5N8 keine Über­tra­gun­gen auf den Men­schen bekannt. APA

Vor Ope­ra­tion: duschen, aber nicht rasieren

Zur Vor­be­rei­tung auf eine Ope­ra­tion emp­fiehlt die WHO, Pati­en­ten zu baden oder duschen, aber nicht kurz vor dem Ein­griff zu rasie­ren. Anti­bio­tika soll­ten nur vor oder wäh­rend, aber wenn mög­lich nicht direkt nach einer Ope­ra­tion ver­ab­reicht wer­den. Mit­hilfe der 29 Vor­sichts­maß­nah­men der neuen WHO­Richt­li­nie könn­ten nos­o­ko­miale Infek­tio­nen sowie die Aus­brei­tung von Anti­bio­ti­ka­re­sis­ten­zen deut­lich redu­ziert wer­den. Die Emp­feh­lun­gen beru­hen auf 26 Fall­stu­dien, die von 20 Exper­ten aus­ge­wer­tet wur­den.
APA/​The Lan­cet Infec­tious Diseases

Glia­zel­len ver­stär­ken Schmerz

Glia­zel­len kön­nen Schmerz ver­stär­ken und ver­ur­sa­chen, dass er sich auch in nicht betrof­fene Kör­per­re­gio­nen aus­brei­tet. Das haben For­scher der Med­Uni Wien um Univ. Prof. Jür­gen Sand­küh­ler vom Depart­ment für Neu­ro­phy­sio­lo­gie her­aus­ge­fun­den. Durch die Netz­bil­dung der Glia­zel­len, die die Reize wei­ter­lei­ten, wer­den am Ende wie­derum Ner­ven­zel­len akti­viert, die das Signal an das Gehirn wei­ter­lei­ten. So kann der Schmerz ver­stärkt wer­den und sich auch in Kör­per­ge­gen­den aus­brei­ten, die vom Aus­lö­ser gar nicht betrof­fen sind. Wie stark die Glia­zel­len akti­viert wer­den, hängt u.a. mit Lebens­­stil-Fak­­to­­ren wie chro­ni­schem Stress, Über­ge­wicht und Bewe­gungs­man­gel zusam­men. Auch Angst­stö­run­gen, Depres­sio­nen und Dia­be­tes mel­li­tus kön­nen die Neu­ro­in­flamma­tion im Rücken­mark und Gehirn för­dern. Diese Erkennt­nisse erklä­ren auch, wieso viele Anti­ph­lo­gis­tika wie Ibu­profen und Aspi­rin analge­tisch wir­ken. Sowohl im Gehirn und Rücken­mark als auch dem Rest des Kör­pers könn­ten sie Ent­zün­dun­gen dämp­fen und damit die schmerz­för­dernde Wir­kung der Glia­zel­len ein­schrän­ken. APA/​Science

Gene bestim­men Repro­duk­ti­ons­ver­hal­ten mit

Die Gene eines Men­schen bestim­men mit, wann und wie viele Kin­der er bekommt. Das hat ein inter­na­tio­na­les For­scher­team unter Lei­tung der Uni­ver­si­tät Oxford mit öster­rei­chi­scher Betei­li­gungm bei der Unter­su­chung von 300.000 Män­nern und Frauen her­aus­ge­fun­den. Die Wis­sen­schaf­ter haben unter­sucht, ob es einen Zusam­men­hang zwi­schen ihren Gen­va­ri­an­ten und dem Repro­duk­ti­ons­ver­hal­ten gibt. Ergeb­nis: Zwölf Abschnitte auf dem Erb­gut mit ins­ge­samt 24 Genen beein­flus­sen, wann jemand das erste Kind bekam und wie viele ins­ge­samt. Der Ein­fluss der Gene ist zwar mit einem Pro­zent gering, aber nicht unbe­deu­tend. APA/​Nature Genetics

Blut­hoch­druck: unter Öster­rei­chern rückläufig

Von 1975 bis 2015 ist die Häu­fig­keit für Blut­hoch­druck unter Öster­rei­chern signi­fi­kant gesun­ken: bei Män­nern von 40,8 auf 25,2 Pro­zent, bei Frauen von 31,0 auf 16,8 Pro­zent, so der Suk­kus einer neuen welt­wei­ten Stu­die der NCD Risk Fac­tor Col­la­bo­ra­tion (NCD-RisC). Damit ran­giert Öster­reich im inter­na­tio­na­len Län­­der-Ran­­king bei den Frauen im vor­de­ren Vier­tel, betonte Univ. Prof. Hanno Ulmer vom Depart­ment für Medi­zi­ni­sche Sta­tis­tik, Infor­ma­tik und Gesund­heits­öko­no­mie der Med­Uni Inns­bruck. Zusam­men mit sei­nem Vor­arl­ber­ger Kol­le­gen Hans Con­cin vom Arbeits­kreis für Vor­­­sorge- und Sozi­al­me­di­zin hat Ulmer feder­füh­rend für Öster­reich Blut­druck­da­ten von rund 65.000 Per­so­nen für diese Stu­die bei­gesteu­ert. „Vor dem Hin­ter­grund des WHO-Ziels, die Blu­t­hoch­­­druck-Prä­­va­­lenz bis 2025 um 25 Pro­zent zu sen­ken, errei­chen die Frauen damit ein akzep­ta­bles, Män­ner ein opti­mier­ba­res Niveau“, erklärte Con­cin. Ins­ge­samt zeigte die Stu­die, dass 2015 welt­weit 1,13 Mil­li­ar­den Men­schen einen erhöh­ten Blut­druck hat­ten. Das Pro­blem habe sich in den ver­gan­ge­nen vier Jahr­zehn­ten von den „High-Income-Län­­dern“ zu den „Low-Income-Län­­dern“ in Süd­asien und Sub-Sahara-Afrika ver­la­gert, wäh­rend die Blut­hoch­druck­prä­va­lenz in Ost­eu­ropa anhal­tend hoch geblie­ben sei. APA/​The Lancet

Online-Foren kön­nen Sui­zid­ge­fähr­de­ten helfen

Pro­fes­sio­nell und auch von Laien geführte Online-„Antisuizid“-Foren kön­nen posi­tiv und prä­ven­tiv auf poten­ti­ell Sui­zid­ge­fähr­dete wir­ken. Ein Team vom Zen­trum für Public Health der Med­Uni Wien um Priv. Doz. Tho­mas Nie­der­kro­tentha­ler hat sich zum ers­ten Mal mit dem Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ver­hal­ten in sie­ben deutsch­spra­chi­gen Foren beschäf­tigt und 1.200 Threads mit rund 25.000 Postings ana­ly­siert. Die „Anti-Sui­­zi­d­­fo­­ren“ haben eine klare Posi­tio­nie­rung zur Ver­hü­tung des Sui­zi­des, und ermög­li­chen einen kon­struk­ti­ven Aus­tausch über Kri­sen­si­tua­tio­nen. So haben sich Nut­zer über die Zeit ihrer Akti­vi­tät psy­cho­lo­gisch ver­bes­sert. „Pro-Sui­­zi­d­­fo­­ren“, in denen es zu einem ober­fläch­li­chen Aus­tausch über Sui­zi­da­li­tät kommt, kön­nen dage­gen vul­nerablen Per­so­nen scha­den. Trotz der posi­ti­ven Ergeb­nisse ver­wei­sen die Autoren dar­auf, dass bei Bedarf auch pro­fes­sio­nelle Hilfe zu suchen ist. APA

China: Stirn­kno­chen aus 3D-Drucker

Chi­ne­si­sche Ärzte haben einen Teil der Stirn einer Pati­en­tin mit einer Nach­bil­dung aus dem 3D-Dru­­cker ersetzt. Die Pati­en­tin ist Anfang 20 und hatte seit 16 Jah­ren immer wie­der benigne Tumore hin­ter der Stirn, die das Gesicht defor­mier­ten und auf den Seh­nerv drück­ten. Die Nach­bil­dung des Stirn­kno­chens wurde mit Tit­an­schrau­ben befes­tigt. Klei­nere Gesichts­par­tien wer­den auch in ande­ren Län­dern bereits hin und wie­der per 3D-Dru­­cker nach­ge­bil­det. APA

CML: Bio­mar­ker zeigt Aggressivität

Mit­hilfe eines neuen Bio­mar­kers – „CD62L“ – kann schon zum Zeit­punkt der Dia­gnose einer chro­nisch mye­loi­schen Leuk­ämie (CML) deren Aggres­si­vi­tät und das Anspre­chen auf die The­ra­pie pro­gnos­ti­ziert wer­den. Hohe lös­li­che „CD62L“-Spiegel wei­sen auf eine aggres­sive Ver­laufs­form der Erkran­kung hin. Das haben For­scher der Inns­bru­cker Uni­ver­si­täts­kli­nik für Häma­to­lo­gie und Onko­lo­gie um Priv. Doz. Sieg­hart Sop­per her­aus­ge­fun­den. Euro­pa­weit erkran­ken jähr­lich rund 6.500 Men­schen an CML. APA

Viet­nam: neue Zika-Fälle

In Viet­nam wur­den zwölf neue Zika-Fälle gemel­det, die meis­ten davon in Ho-Chi-Minh- Stadt nahe dem bei Tou­ris­ten belieb­ten Distrikt 1. Damit gab es in dem süd­­ost-asia­­ti­­schen Küs­ten­staat bis­lang 23 Zika-Fälle. Auch ein ers­ter Mikro­­ze­­pha­­lie-Fall im Hoch­land Dak Lak wird ver­mu­tet. APA

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 22 /​25.11.2016