kurz & infor­ma­tiv: Medi­zi­ni­sche Kurzmeldungen

10.05.2016 | Medizin

Depres­sio­nen und Angst: fast jeder Zehnte betroffen

Fast jeder Zehnte welt­weit lei­det laut WHO an Depres­sio­nen oder schwe­ren Angst­zu­stän­den. Damit ent­ste­hen der Welt­wirt­schaft jähr­lich Kos­ten in Höhe von rund 900 Mil­li­ar­den Euro – vor allem durch Fehl­zei­ten und Pro­duk­ti­ons­aus­fälle. Aber: Jeder US-Dol­lar, der in die The­ra­pie von Depres­sio­nen und Angst­stö­run­gen inves­tiert wird, bringt einen Nut­zen von vier Dol­lar. WHO und Welt­bank haben Kos­ten und Nut­zen durch ent­spre­chende Maß­nah­men für 36 Staa­ten mit nied­ri­gem, mitt­le­rem oder hohem Brut­to­in­lands­pro­dukt für die Jahre 2016 bis 2023 berech­net. Ein Aus­bau der The­ra­pie würde rund 147 Mil­li­ar­den US-Dol­lar kos­ten; aber schon eine fünf­pro­zen­tige Ver­bes­se­rung der Beschäf­ti­gung von Betrof­fe­nen würde 399 Mil­li­ar­den US-Dol­lar erwirt­schaf­ten. Zusätz­lich wür­den 310 Mil­li­ar­den US-Dol­lar Gesund­heits­kos­ten ein­ge­spart. Welt­weit hat sich die Zahl der Betrof­fe­nen zwi­schen 1990 und 2013 von 416 Mil­lio­nen Men­schen auf 615 Mil­lio­nen Men­schen um fast 50 Pro­zent erhöht. In Öster­reich sind rund 1,4 Mil­lio­nen betrof­fen. APA/​Lancet Psychiatry

M. Alz­hei­mer nicht übertragbar

Erst kürz­lich erklärte ein bri­tisch­schwei­ze­risch-öster­rei­chi­sches For­scher­team, dass Beta Amy­loid bei medi­zi­ni­schen Ein­grif­fen am Gehirn auf gesunde Men­schen über­tra­gen wer­den könnte. For­scher der Med­Uni Wien um Gabor Kovacs vom Kli­ni­schen Insti­tut für Neu­ro­lo­gie unter­such­ten erst­mals archi­vierte Spen­der-Hirn­haut und die Hirn­haut der Emp­fän­ger mikro­sko­pisch. Ergeb­nis: Beta-Amy­loid kann zwar von einer Hirn­haut auf ein ande­res Gehirn über­tra­gen wer­den; aller­dings unter­schei­det sich das mikro­sko­pi­sche Aus­se­hen von Beta-Amy­loid-Abla­ge­run­gen von jenen bei M. Alz­hei­mer. Auch brei­tet es sich nicht wesent­lich aus und befällt keine ande­ren Hirn­re­gio­nen. Somit konn­ten weder kli­ni­schen Sym­ptome von M. Alz­hei­mer noch Abla­ge­run­gen von Tau-Pro­tein regis­triert wer­den. APA

Zwei­ter RANKL-Rezep­tor identifiziert

Einen zwei­ten Rezep­tor für RANKL hat eine über­wie­gend chi­ne­si­sche For­scher­gruppe um Jian Luo von der East China Nor­mal Uni­ver­sity in Shang­hai gefun­den. Wäh­rend RANKL vor allem an RANK bin­det und zur ver­stärk­ten Bil­dung von Osteo­klas­ten führt, ist der neue Rezep­tor für das Pro­tein LGR4 offen­bar ein Gegen­spie­ler der bis­lang bekann­ten Bin­dungs­stelle und ver­rin­gert dem­zu­folge die Bil­dung von Osteo­klas­ten.
APA/​Nature Medicine

Mäuse: Leber­schä­den nach Weltraumflug

US-ame­ri­ka­ni­sche For­scher haben Mäuse unter­sucht, die 2011 ins­ge­samt 13,5 Tage im Space Shut­tle Atlan­tis ver­bracht haben. Nach ihrer Rück­kehr wie­sen die Mäuse ver­mehrt Fett­ein­la­ge­run­gen in der Leber und Anzei­chen einer nicht-alko­ho­li­schen Fett­le­ber sowie einen nied­ri­gen Reti­nol-Wert (tie­ri­sche Form von Vit­amin A) auf. Auch ihre Fähig­keit, Fette auf­zu­spal­ten, hatte sich ver­än­dert. Mög­li­che Ursa­che könnte der große Stress durch den Welt­raum­flug sein, so Karen Jon­scher von der Uni­ver­si­tät von Colo­rado. Als nächs­tes sol­len Mäuse unter­sucht wer­den, die seit dem 10. April zu einem mehr­mo­na­ti­gen Auf­ent­halt auf der Inter­na­tio­na­len Raum­sta­tion ISS sind.
APA

Arthrose: Galektin‑1 ursäch­lich beteiligt

Erst­mals konn­ten Wis­sen­schaf­ter der Uni­ver­si­täts­kli­nik für Ortho­pä­die in Wien nach­wei­sen, dass das zucker­bin­dende Pro­tein „Galektin‑1“ ein Aus­lö­ser der Ent­zün­dung ist und nicht Folge der Ent­zün­dung. Bei Arthrose wird Galektin‑1 im Gelenks­knor­pel ver­mehrt pro­du­ziert; je höher der Grad der Dege­ne­ra­tion ist, umso mehr wird davon frei­ge­setzt. Dadurch wird die Aus­schüt­tung von Ent­zün­dungs­fak­to­ren aus­ge­löst, was das Gelenk wie­derum wei­ter zer­stört. Warum das Pro­tein ver­mehrt im Knor­pel­ge­webe ent­steht, ist unklar. APA/​Journal of Immunology

All­er­gie-Pro­phy­laxe im Tierversuch

For­schern der Med­Uni Wien – im Rah­men einer Koope­ra­tion der Uni­ver­si­täts­kli­nik für Chir­ur­gie mit dem Insti­tut für Patho­phy­sio­lo­gie und All­er­gie­for­schung – ist es gelun­gen, All­er­gene an kör­per­ei­gene Leu­ko­zy­ten zu bin­den und damit eine Tole­ranz­re­ak­tion gegen­über einer All­er­gie aus­zu­lö­sen. Das Team um Univ. Prof. Rudolf Valenta und Univ. Prof. Tho­mas Wekerle hat sich dabei einer Methode aus der Trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zin bedient: näm­lich das Aus­lö­sen einer immu­no­lo­gi­schen Tole­ranz­re­ak­tion für das Spen­der­or­gan. Sie haben Mäu­sen weiße Blut­kör­per­chen ent­nom­men, mit dem All­er­gen „ver­setzt“ und zusam­men mit Abat­acept und Siro­li­mus wie­der in den Orga­nis­mus inji­ziert. Ergeb­nis: Die Mäuse, deren Leu­ko­zy­ten mit den jewei­li­gen All­er­ge­nen ver­bun­den wur­den, blie­ben nach­hal­tig gegen­über der All­er­gie resis­tent. Künf­tig könn­ten so Imp­fun­gen vor All­er­gien schüt­zen; für einen kli­ni­schen Ein­satz sind jedoch noch jah­re­lange Stu­dien not­wen­dig. In Öster­reich lei­det etwa jeder Fünfte an einer All­er­gie – Ten­denz stei­gend. APA/​EBioMedicine

Serum gegen Bie­nen­sti­che getes­tet

In Bra­si­lien wird erst­mals ein spe­zi­el­les Serum gegen Bie­nen­sti­che am Men­schen getes­tet. Wer in der Region um Botu­catu im Bun­des­staat Sao Paolo von einer Biene gesto­chen wird und Kom­pli­ka­tio­nen ent­wi­ckelt, kann das Serum erhal­ten. Den Anga­ben des bra­si­lia­ni­schen Gesund­heits­mi­nis­te­ri­ums zufolge wer­den jähr­lich rund 15.000 Men­schen von Bie­nen gesto­chen; in 40 Fäl­len führt dies zum Tod.
APA

Ältere Müt­ter, gesün­dere Kinder

Kin­der von älte­ren Müt­tern sind gesün­der, grö­ßer und gebil­de­ter als jene von jün­ge­ren Frauen. Das ergab eine Stu­die des Max- Planck-Insti­tuts für demo­gra­fi­sche For­schung (MPIDR) in Ros­tock und der Lon­don School of Eco­no­mics. Die Vor­teile durch den medi­zi­ni­schen Fort­schritt und eines mit der Zeit bes­se­ren sozia­len Sta­tus der Mut­ter über­wie­gen dem­nach die bio­lo­gi­schen Risi­ken einer spä­ten Schwan­ger­schaft – selbst dann, wenn die Müt­ter bei der Geburt bereits über 40 Jahre alt waren. Auch auf Geschwis­ter mit einem gro­ßen Alters­ab­stand tra­fen die Ergeb­nisse zu: Kin­der, deren Mut­ter bei der Geburt Anfang 40 gewe­sen war, gin­gen im Durch­schnitt etwa ein Jahr län­ger zur Schule als Geschwis­ter, bei deren Geburt die Mut­ter erst Anfang 20 gewe­sen war. Die For­scher ana­ly­sier­ten Daten von mehr als 1,5 Mil­lio­nen Frauen und Män­nern aus Schwe­den, die zwi­schen 1960 und 1991 gebo­ren wur­den, in Bezug auf Größe, kör­per­li­che Fit­ness, Schul­ab­schlüsse und Bil­dungs­stand.
APA/​Population and Deve­lo­p­ment Review

Tod bei Medi­ka­men­ten­tests durch neu­ro­to­xi­schen Wirkstoff

Die Kom­pli­ka­tio­nen, die Anfang des Jah­res in Frank­reich bei der Phase 1‑Studie eines neu­ro­lo­gi­schen Wirk­stoffs zum Tod eines Pro­ban­den geführt haben, wur­den durch den Wirk­stoff selbst aus­ge­löst. Zu die­sem Schluss kommt eine Exper­ten­gruppe im Auf­trag der fran­zö­si­schen Arz­nei­mit­tel­be­hörde ANSM (Agence natio­nale de sécu­rité du médi­ca­ment et de pro­duits de santé). Andere mög­li­che Ursa­chen wie Ver­un­rei­ni­gun­gen wur­den aus­ge­schlos­sen. Alle fünf Pati­en­ten, bei denen es zu neu­ro­lo­gi­schen Kom­pli­ka­tio­nen gekom­men war, hat­ten über meh­rere Tage die hohe Ein­zel­do­sis der Sub­stanz von 50 mg/​die erhal­ten. Wes­halb die Pro­bleme in den aus­führ­li­chen tier­ex­pe­ri­men­tel­len Stu­dien zuvor nicht auf­ge­tre­ten waren, konn­ten die Exper­ten nicht klä­ren. Die Tests hat­ten keine Hin­weise auf die Toxi­zi­tät beim Men­schen gezeigt.
APA

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 9 /​10.05.2016