Mei­nungs­for­schung: Kei­ner kennt PHC

10.10.2015 | Poli­tik

Nur die wenigs­ten Öster­rei­cher wis­sen, was ein PHC ist. Das hat eine aktu­elle Umfrage unter 500 Per­so­nen Mitte Sep­tem­ber erge­ben. Ein wei­te­res Detail: Für zwei Drit­tel ist es auch nicht vor­stell­bar, dass eine aus­ge­bil­dete Kran­ken­schwes­ter dar­über ent­schei­det, ob man zu einem Arzt vor­ge­las­sen wird.
Von Agnes M. Mühlgassner

Mit einer ordent­li­chen Por­tion Skep­sis reagierte Mei­nungs­for­scher Peter Hajek, als er vom Auf­trag, eine Umfrage zum Thema PHC durch­zu­füh­ren, erfuhr. „Ob so viele Men­schen dazu etwas sagen kön­nen?“ – lau­tete damals sein Ein­wand. Und er plä­dierte dann auch dafür, die Wün­sche der Pati­en­ten zum Thema Ver­sor­gung im nie­der­ge­las­se­nen Bereich abzufragen.

Bei der Blitz­um­frage wur­den 500 Öster­rei­che­rin­nen und Öster­rei­chern über 16 Jahre ins­ge­samt fünf Fra­gen gestellt. Zunächst wurde ein­mal Vor­han­de­nes abge­fragt: Wie denn die Ein­stel­lung der Inter­view­ten zum All­ge­mein­me­di­zi­ner ist: 82 Pro­zent gehen immer zum sel­ben prak­ti­schen Arzt; 85 Pro­zent ist es wich­tig, die­sen selbst aus­wäh­len zu kön­nen; 66 Pro­zent ist die Wohn­ort-Nähe wich­tig; für 71 Pro­zent ist die Tat­sa­che, dass der Haus­arzt den Pati­en­ten und des­sen Fami­lie kennt, wich­tig. Hajek dazu: „Der Haus­arzt spielt für den Pati­en­ten eine wich­tige Rolle, weil es um Gebor­gen­heit geht, darum, jeman­den zu ken­nen und auch um den Aus­tausch zwi­schen Arzt und Pati­ent.“ Als „Her­aus­for­de­rung“ bezeich­nete der Mei­nungs­for­scher das Thema län­gere Öff­nungs­zei­ten. Die Pola­ri­sie­rung in der Bevöl­ke­rung – die Hälfte ist mit dem Sta­tus quo zufrie­den, die andere Hälfte hätte gerne län­gere Öff­nungs­zei­ten und beklagt zu wenig Öff­nungs­zei­ten in der Früh und am Abend – lässt sich erklä­ren: „Rand­zei­ten sind vor allem für Jün­gere attrak­tiv“, weiß Hajek. Als „span­nend“ bezeich­net der Mei­nungs­for­scher die Beant­wor­tung der Frage, ob die Men­schen wis­sen, was ein Pri­mary Health Care-Cen­­ter ist. 82 Pro­zent der Befrag­ten wis­sen es nicht; nur 17 Pro­zent ant­wor­te­ten mit „ja“. Fragt man nach, was genau man dar­un­ter ver­steht, sind die Ant­wor­ten recht viel­fäl­tig: ange­fan­gen von Ärztezentrum/​Gemeinschaftspraxis über „Ärzte aus ver­schie­de­nen Fach­rich­tun­gen arbei­ten zusam­men“ bis hin zu „Erstversorgungszentrum/​erste Anlauf­stelle für Notfälle/​wie Ambu­lanz“ waren die damit am häu­figs­ten asso­zi­ier­ten Begriffe. Bemer­kens­wer­tes Detail: Von denen, die ange­ge­ben hat­ten zu wis­sen, was ein PHC ist, erklär­ten immer­hin 16 Pro­zent auf Nach­frage: „weiß nicht genau“. Hajek dazu: „Ein gro­ßer Teil der Befrag­ten kann mit PHC nichts anfan­gen, ein ande­rer Teil hat ein sehr amor­phes Bild, das es zu schär­fen gilt.“ Dann wurde abge­fragt, ob sich die Inter­view­ten vor­stel­len kön­nen, zum prak­ti­schen Arzt zu gehen und dort aber eine aus­ge­bil­dete Kran­ken­schwes­ter ent­schei­det, ob eine Unter­su­chung beim Arzt folgt oder ein Rezept. Hier ortet der Mei­nungs­for­scher eine nicht unbe­trächt­li­che Skep­sis – sagen doch immer­hin 65 Pro­zent, dass das für sie „nicht vor­stell­bar ist“. So wie der Stand der Dinge aktu­ell ist, sind die Men­schen davon „nicht über­zeugt“ – so das Resü­mee von Peter Hajek.

Abschlie­ßende Frage: Sol­len Ordi­na­tio­nen künf­tig auch von Unter­neh­men geführt wer­den kön­nen, die ursprüng­lich nicht aus dem medi­zi­ni­schen Bereich kom­men? „Das ist für die Men­schen der­zeit gar nicht vor­stell­bar, auch weil sie es nicht ken­nen“, sagt Mei­nungs­for­scher Hajek. 86 Pro­zent der Befrag­ten ertei­len sol­chen Plä­nen eine klare Absage.

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 19 /​10.10.2015