kurz & infor­ma­tiv: Medi­zi­ni­sche Kurzmeldungen

10.03.2015 | Medizin

Natür­li­che Strah­lung erhöht Krebs­ri­siko bei Kindern

Das Krebs­ri­siko durch natür­li­che Hin­ter­grund­strah­lung – aus dem Boden sowie aus dem Welt­all – nimmt pro Mil­li­sie­vert zusätz­li­cher, kumu­lier­ter Dosis um etwa vier Pro­zent zu. Das haben Wis­sen­schaf­ter um Ben Spy­cher und Clau­dia Kuehni von der Uni­ver­si­tät Bern im Rah­men einer Stu­die her­aus­ge­fun­den. Darin wur­den mehr als zwei Mil­lio­nen Kin­der unter 16 Jah­ren auf­ge­nom­men; alle, die in den Volks­zäh­lun­gen 1990 und 2000 erfasst wor­den waren. Diese Daten wur­den mit Strah­lungs­kar­ten der Schweiz kom­bi­niert, mit denen die Dosis­leis­tung von ter­res­tri­scher und kos­mi­scher Strah­lung am Wohn­ort der Kin­der abge­schätzt wer­den konnte. Mit­hilfe des Schwei­zer Kin­der­krebs­re­gis­ters konnte die Anzahl der Krebs­er­kran­kun­gen ermit­telt wer­den. Es zeigte sich, dass etwa ein Pro­zent der Kin­der in der Schweiz erhöh­ten Strah­len­be­las­tun­gen von über 200 Nano­sie­vert pro Stunde aus Gestein oder Kos­mos aus­ge­setzt ist. Bei die­sen Kin­dern wur­den elf Leuk­ämien und acht Hirn­tu­more beob­ach­tet. Waren Kin­der einer um min­des­tens 100 Nano­sie­vert pro Stunde gerin­ge­ren Dosis aus­ge­setzt, wur­den nur sechs Leuk­ämie­fälle und vier Hirn­tu­more regis­triert.
APA

Frü­here Mens­trua­tion durch zucker­hal­tige Getränke

Bei Mäd­chen, die ein­ein­halb Glä­ser oder Dosen süße Getränke pro Tag tran­ken, setzte die Mens­trua­tion 2,7 Monate frü­her ein als bei den­je­ni­gen, die zwei oder weni­ger die­ser Getränke pro Woche kon­su­mier­ten. In die von der Har­vard Medi­cal School durch­ge­führ­ten Stu­die wur­den 5.500 Mäd­chen im Alter zwi­schen neun und 14 Jah­ren, die noch keine Regel hat­ten, in die mehr als fünf­jäh­rige Unter­su­chung auf­ge­nom­men. Das Ergeb­nis war unab­hän­gig vom Größe-Gewicht-Index, der sons­ti­gen Kalo­rien­zu­fuhr sowie von der sport­li­chen Betä­ti­gung der Mäd­chen. Durch­schnitts­al­ter für die erste Mens­trua­tion war 12 Jahre und sie­ben Monate. Stu­di­en­lei­te­rin Karin Michels zu den Ergeb­nis­sen: „Unsere Stu­die fügt sich ein in die zuneh­men­den Sor­gen über den weit ver­brei­te­ten Kon­sum von zucker­ge­süß­ten Geträn­ken in den USA und anderswo.“ Frü­here Unter­su­chun­gen hät­ten gezeigt, dass ein hoher Zucker­kon­sum einen star­ken Anstieg von Insu­lin zur Folge hat, was sich wie­derum auf die Sexu­al­hor­mone aus­wirke. Unab­hän­gige Exper­ten mahn­ten jedoch zur Vor­sicht bei den Ergeb­nis­sen der Stu­die und ver­wie­sen dabei vor allem auf das Zustan­de­kom­men der Daten – so hat­ten die Mäd­chen selbst oder die Eltern Anga­ben zu Kör­per­ma­ßen und Trink­ge­wohn­hei­ten gemacht.
APA/​Human Reproduction

Bak­te­rien pas­sen sich Wirt an

Drei gene­tisch unter­schied­li­che Maus­stämme wur­den mit Lis­te­ria mono­cy­to­ge­nes infi­ziert. Obwohl sich die Grup­pen nur durch ganz kleine Ände­run­gen im Genom unter­schie­den, hatte dies Aus­wir­kun­gen auf die Emp­fäng­lich­keit: Die Mäuse erkrank­ten unter­schied­lich schwer. Tests zeig­ten, dass sich die Pro­tein-Zusam­men­set­zung der Bak­te­rien je nach Wirt geän­dert hatte.
APA/​Plos One


Mala­ria in Süd­ost­asien: Resis­tente Erre­ger brei­ten sich aus

Anhand von Blut­pro­ben, die Wis­sen­schaf­ter von 940 Mala­ria-Pati­en­ten im Laufe von zwei Jah­ren genom­men hat­ten, wur­den bei 39 Pro­zent Plas­mo­dien mit ent­spre­chen­den Muta­tio­nen fest­ge­stellt. In Kam­bo­dscha, Thai­land und Viet­nam stel­len Mala­ria-Erre­ger, die gegen Artemi­s­i­nin resis­tent sind, ein immer grö­ße­res Pro­blem dar. Laut WHO erkrank­ten 2013 welt­weit 198 Mil­lio­nen Men­schen an Mala­ria.
APA/​The Lan­cet Infec­tious Diseases

Schlaf­stö­run­gen bei Jugend­li­chen durch Zeit vorm Bildschirm

Nach vier Stun­den vor dem Fern­se­her, dem PC, einer Spiel­kon­sole oder einem Smart­phone steigt das Risiko, zu wenig oder schlecht zu schla­fen um 49 Pro­zent gegen­über Jugend­li­chen, die weni­ger als eine Stunde vor einem sol­chen Gerät sit­zen. Beson­ders häu­fig sind Schlaf­stö­run­gen, wenn Jugend­li­che die letzte Stunde vor dem Schla­fen­ge­hen vor einem Bild­schirm ver­brin­gen.
APA/​BMJ

Neuer Wirk­stoff gegen Muskelschwund

Ein von For­schern der Uni­ver­si­tät Bern ent­wi­ckel­tes Oli­go­nu­kleo­tid könnte die Pro­duk­tion von Dys­tro­phin ankur­beln, das bei Duchenne-Mus­kel­dys­tro­phie fehlt. Bei Ver­su­chen an Mäu­sen konnte eine bes­sere Dys­tro­phin-Pro­duk­tion in allen Mus­keln nach­ge­wie­sen wer­den. Dies konnte auch für das Gehirn gezeigt wer­den, was für andere neu­ro­mus­ku­läre Erkran­kun­gen wie etwa M. Hun­ting­ton wich­tig sein kann.
APA/​Nature Medicine

Fett­lei­big­keit bei Kin­dern welt­weit ein Problem

Die Zahl der über­ge­wich­ti­gen Kin­der ist laut For­schern in den ver­gan­ge­nen 30 Jah­ren nicht nur in den Indus­trie­län­dern, son­dern auch in Län­dern mit gerin­gem und mitt­le­rem Ein­kom­men dras­tisch ange­stie­gen. Eine inter­na­tio­nale For­scher­gruppe um Fum­i­aki Ima­mura von der Uni­ver­si­tät Cam­bridge ana­ly­sierte Ergeb­nisse von Stu­dien, die zwi­schen 1972 und 2012 ver­öf­fent­licht wur­den. In Bra­si­lien bei­spiels­weise ist die Zahl der über­ge­wich­ti­gen Kin­der von etwa sie­ben Pro­zent Anfang der 1970er-Jahre auf über 25 Pro­zent im Jahr 2010 ange­stie­gen. Kin­der in den USA wie­gen im Schnitt fünf Kilo­gramm mehr als ihre Alters­ge­nos­sen vor 30 Jah­ren. Als Ursa­chen wer­den der ver­mehrte Kon­sum von gesüß­ten Geträn­ken sowie von ver­ar­bei­te­tem Fleisch genannt. Auf der ande­ren Seite ist in Län­dern wie Indien, Mexiko und Süd­afrika ein Teil der unter Fünf­jäh­ri­gen nach wie vor unter­ent­wi­ckelt und unter­ernährt. Die Wis­sen­schaf­ter plä­die­ren dafür, dass sich Mar­ke­ting­prak­ti­ken von Unter­neh­men ändern soll­ten. Außer­dem müss­ten die Regie­run­gen der Län­der stär­ker in den Kampf gegen die Fett­lei­big­keit mit­ein­be­zo­gen wer­den.
APA/​The Lancet

Keine Gefahr durch Cholesterin

Künf­tig soll in den offi­zi­el­len Ernäh­rungs­rat­schlä­gen des Lan­des nicht mehr vor Lebens­mit­teln mit hohem Cho­le­ste­rin­ge­halt gewarnt wer­den. Im Ent­wurf für die dies­jäh­rige Neu­fas­sung der Ernäh­rungs­rat­schläge heißt es, Cho­le­ste­rin gehöre nicht zu den Nähr­stof­fen, deren über­mä­ßi­ger Kon­sum bedenk­lich sei. Die vor­lie­gen­den Erkennt­nisse lie­ßen „kei­nen nen­nens­wer­ten Zusam­men­hang zwi­schen dem Cho­le­ste­rin in Lebens­mit­teln und dem Cho­le­ste­rin im Blut“ erken­nen. Das von 14 renom­mier­ten Ärz­ten, Ernäh­rungs- und Gesund­heits­ex­per­ten ent­wor­fene Papier steht nun 45 Tage lang im Inter­net zur Debatte, bevor es end­gül­tig ver­ab­schie­det wird. Eine öffent­li­che Kon­fe­renz dazu soll es noch im März geben.
APA

Zer­vix­kar­zi­nom: neue Vak­zine schützt zu 90 Prozent

Mit der Immu­ni­sie­rung gegen HPV 16 und 18 konn­ten die gefähr­lichs­ten Erre­ger von Gebär­mut­ter­hals­krebs so zwar bereits zurück­ge­drängt wer­den; der neue Impf­stoff weist jedoch noch zusätz­lich Anti­gene von HPV 31, 33, 45, 52 und 58 auf. Univ. Prof. Elmar Joura von der Uni­ver­si­täts­kli­nik für Frau­en­heil­kunde am AKH Wien und sein Team impf­ten im Rah­men einer Stu­die 14.215 Frauen im Alter zwi­schen 16 und 26 Jah­ren je drei Mal (Tag eins, nach zwei und nach sechs Mona­ten). Fazit: Nach einer durch­schnitt­li­chen Beob­ach­tungs­zeit von drei­ein­halb Jah­ren ent­wi­ckel­ten 31 Frauen eine durch HPV 31, 33, 45, 52 und 58 her­vor­ge­ru­fene Krebs­vor­stufe an der Cer­vix, Vulva oder Vagina; davon aller­dings nur eine ein­zige, die mit der neuen Vak­zine geimpft war. Joura dazu: „Damit lag die Schutz­rate bei 96,7 Pro­zent.“ In den USA ist die Vak­zine bereits zuge­las­sen, in der EU soll das noch in die­sem Jahr erfol­gen.
APA/​NEJM

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 5 /​10.03.2015