Alber­tina: Miró – Von der Erde zum Himmel

25.10.2014 | Spektrum

Von der Erde zum Himmel

Kind­lich, unbe­schwert und vol­ler Far­ben­pracht bil­den die Werke von Joan Miró die Wirk­lich­keit auf eine ganz eigene, poe­ti­sche Weise ab. Die Alber­tina zeigt in einer Retro­spek­tive die Ent­wick­lung sei­ner ein­zig­ar­ti­gen Bild­spra­che aus Sym­bo­len und Moti­ven wie Ster­nen, Vögeln und Frauen.
Von Marion Huber

Zwi­schen Boden­stän­dig­keit und far­ben­präch­ti­ger Traum­welt, geer­det und doch mit dem Kopf in den Wol­ken – die Alber­tina wid­met Joan Miró eine Retro­spek­tive, die ihrem Titel „Von der Erde zum Him­mel“ mehr als gerecht wird.

Zeit sei­nes Lebens schwankt Miró zwi­schen den Wur­zeln sei­ner kata­la­ni­schen Her­kunft und einem aus­ge­präg­ten Wunsch nach Frei­heit – etwas, das auch seine Werke wider­spie­geln. Geer­det wir­ken beson­ders die Land­schaf­ten, Still­le­ben und Por­traits, die Miró in sei­nen Anfän­gen schuf. In Gemäl­den wie „Der Bau­ern­hof“ – einem der Schlüs­sel­werke sei­ner Arbeit – ver­eint er die Rea­li­tät mit abs­trak­ten Moti­ven. In Still­le­ben wie „Wand­uhr und Laterne“ wie­derum wer­den die Ein­flüsse von Paul Cézanne, Vin­cent van Gogh und Henri Matisse deutlich.

In Bar­ce­lona gebo­ren, ent­deckt Miró um 1920 die Pari­ser Künst­ler­szene, die damals stark vom Sur­rea­lis­mus geprägt ist. Auch Mirós Bild­spra­che wird in die­ser Zeit phan­ta­sie­vol­ler und ver­träum­ter – fast magisch. Kind­lich ver­spielt und unbe­schwert, schmü­cken Motive wie Gestirne, Augen und Vögel seine spä­te­ren Werke – fast immer beglei­tet von Frauen. Es gibt kaum einen Aus­stel­lungs­raum, in dem nicht eine Frau im Mit­tel­punkt von Zeich­nun­gen oder Gemäl­den wie „Frauen und Vogel im Mond­schein“ steht.

In sei­nem frü­hen Schaf­fen vom Fau­vis­mus und Kubis­mus beein­flusst, ent­wi­ckelt Miró in der Folge einen ganz eige­nen, unver­kenn­ba­ren Stil. So still und zurück­hal­tend er auch in sei­nem Wesen ist, umso far­ben­präch­ti­ger und aus­drucks­stär­ker prä­sen­tie­ren sich seine Werke. Auf seine eigene poe­ti­sche Weise ver­steht er es, der Wirk­lich­keit eine neue Form zu verleihen.

Paul Klee und Joan Miró

Ähn­lich wie Paul Klee ist auch Miró fas­zi­niert von Zei­chen und Sym­bo­len in Grund­far­ben, die sein gesam­tes künst­le­ri­sches Schaf­fen beglei­ten. Und noch etwas hat er mit Klee gemein­sam: Für seine nai­ven, schein­bar neben­her gemal­ten Bil­der, die wie Kin­der­zeich­nun­gen anmu­ten, muss auch er zunächst Kri­tik ein­ste­cken. André Bre­ton, der füh­rende Theo­re­ti­ker des Sur­rea­lis­mus, beschei­nigt ihm eine „intel­lek­tu­ell begrenzte Kunst­vor­stel­lung“. Dabei ist es gerade die­ser Zugang, der es Miró erlaubt, Werke zu schaf­fen, die der­ma­ßen unbe­schwert wir­ken. Erst indem er die Dinge durch die Augen eines Kin­des betrach­tet, kann er deren Fas­zi­na­tion erken­nen und sich ernst­haft damit aus­ein­an­der­set­zen. Schei­nen Mirós Werke auch noch so will­kür­lich und spon­tan, sind sie doch sehr genau durch­dacht und ent­stam­men einem aus­ge­klü­gel­ten Arbeitsprozess.

Mirós Lebens­werk zählt etwa 2.000 Ölge­mälde, 500 Skulp­tu­ren, 400 Kera­mi­ken sowie 5.000 Col­la­gen und Zeich­nun­gen. Mit rund 100 Wer­ken – von sei­nen Anfän­gen bis zum Spät­werk in den 1970er Jah­ren – zeigt die Alber­tina nun den Weg von Miró zu sei­ner ein­zig­ar­ti­gen Bild­spra­che. Für den Betrach­ter ist es ein Aus­flug in die kind­li­che, unbe­schwerte Vor­stel­lung des Seins.

Was, Wann, Wo:

„Miró. Von der Erde zum Him­mel“
Bis 11. Jän­ner 2015
Alber­tina, Alber­ti­na­platz 1, 1010 Wien
www.albertina.at

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 20 /​25.10.2014