kurz und infor­ma­tiv: Poli­ti­sche Kurzmeldungen

25.11.2014 | Politik

Wahl­ärzte: Ein­sicht in Rezeptgebühren-Befreiung

Seit 5. Novem­ber die­ses Jah­res kön­nen auch Wahl­ärzte über das Arz­nei­mit­tel-Bewil­li­gungs­ser­vice die Rezept­ge­büh­ren-Befrei­ung und die Rego-Befrei­ung der Pati­en­ten ein­se­hen. Die Kurie nie­der­ge­las­sene Ärzte hatte sich seit Jah­ren darum bemüht. Im ABS-Sys­tem kön­nen nun unter „Bewil­li­gungs­an­frage erfas­sen“ ohne Ste­cken der E‑Card nur durch Ein­gabe der Sozi­al­ver­si­che­rungs­num­mer fol­gende Daten abge­ru­fen wer­den: Fami­li­en­name, Vor­name, Titel, Geschlecht, KV-Trä­ger sowie eine all­fäl­lige Rezept­ge­büh­ren­be­frei­ung. Diese Lösung wurde für die Brow­ser-Vari­ante (wie zum Bei­spiel Inter­net Explo­rer, Mozilla, Safari) entwickelt.

Ober­ös­ter­reich: Spi­tals­re­form schwächt Pathologie

Hef­tige Kri­tik an der „unüber­leg­ten Pla­nung und inad­äqua­ten Aus­füh­rung“ der ober­ös­ter­rei­chi­schen Spi­tals­re­form übten kürz­lich Ver­tre­ter der Bun­des­fach­gruppe Patho­lo­gie der ÖÄK und der Fach­gruppe Patho­lo­gie der Ärz­te­kam­mer Ober­ös­ter­reich. Anlass war das Ver­schwin­den von Gewe­be­pro­ben, die auf dem Post­weg aus dem Lin­zer AKh zur Aus­wer­tung in ein deut­sches Labor geschickt wor­den waren. Grund dafür: Nach der Pen­sio­nie­rung des Lei­ters der Patho­lo­gie gab es jah­re­lang nur Über­gangs­lö­sun­gen, wes­we­gen bis Ende August 2014 vier Fach­ärzte die Abtei­lung ver­lie­ßen. Die ver­blie­be­nen Mit­ar­bei­ter kön­nen die anfal­lende Dia­gnos­tik nicht mehr durch­füh­ren. „Für das AKh braucht es drin­gend weit­rei­chende Maß­nah­men, um zumin­dest einen Teil­be­trieb der Patho­lo­gie in abseh­ba­rer Zeit zu gewähr­leis­ten“, erklärte der Prä­si­dent der Öster­rei­chi­schen Gesell­schaft für Patho­lo­gie, Univ. Prof. Sigurd Lax. Die Ver­tre­ter der Fach­grup­pen Patho­lo­gie for­dern „die Rück­nahme der geplan­ten Spi­tals­re­form im Bereich der Patho­lo­gie“, ins­be­son­dere den Ver­zicht auf die geplante Abwer­tung der Insti­tute Vöck­la­bruck, Ried und Steyr zu Departments.

Aus­tra­lien: Metham­phet­amin in Millionenwert

In der aus­tra­li­schen Haupt­stadt Can­berra wur­den im Kof­fer­raum eines Autos rund 28 Kilo­gramm Metham­phet­amin beschlag­nahmt. Der Wert wird auf etwa 25 Mil­lio­nen aus­tra­li­sche Dol­lar (17 Mil­lio­nen Euro) geschätzt. Nach Anga­ben von aus­tra­li­schen Dro­gen­ex­per­ten hat die Ver­brei­tung von Metham­phet­amin – auch Ice oder Chrys­tal Meth genannt – in Tei­len Aus­tra­li­ens „epi­de­mie­ar­tige Aus­maße“ erreicht.


Sin­ga­pur: Ver­bot für Wasserpfeifen

In Sin­ga­pur sind die Ein­fuhr und der Ver­kauf von Was­ser­pfei­fen­ta­bak ab Dezem­ber 2014 ver­bo­ten. Cafés und Fir­men dürf­ten ihre Bestände aber noch bis Mitte 2016 ver­äu­ßern. Das Shi­sha-Rau­chen sei schäd­lich und ver­leite junge Leute womög­lich zum Ziga­ret­ten­rau­chen, sagte der Staats­se­kre­tär des Gesund­heits­mi­nis­te­ri­ums, Faishal Ibra­him, im Parlament.

Litauen: keine Energy Drinks für Kinder

Als ers­tes Land welt­weit ver­bie­tet Litauen per Gesetz den Ver­kauf von Energy Drinks an Min­der­jäh­rige. Andern­falls dro­hen Stra­fen von bis zu 116 Euro. Die Behör­den war­nen, dass der hohe Gehalt an Kof­fein und Tau­rin in den Geträn­ken zu Hyper­ak­ti­vi­tät und Abhän­gig­keit füh­ren könne. Einer Umfrage zufolge trin­ken zehn Pro­zent der litaui­schen Schü­ler min­des­tens ein­mal pro Woche einen Energy Drink.

Wien: MERS-Pati­en­tin geheilt entlassen

Die aus Saudi-Ara­bien stam­mende MERS­Pa­ti­en­tin, die seit Ende Sep­tem­ber 2014 auf der Iso­lier­sta­tion am Kai­ser-Franz-Josef-Spi­tal in Wien behan­delt wor­den war, konnte kürz­lich geheilt ent­las­sen wer­den. Die letz­ten drei Tests hat­ten keine Virus­be­las­tung mehr nach­ge­wie­sen. MERS-CoV (Middle Eas­tern Respi­ra­tory Syn­drome Coro­na­vi­rus) war seit 2012 vor allem im Nahen Osten aufgetreten.

5. Lin­zer Gesund­heits­po­li­ti­sches Gespräch

Über einige der bren­nends­ten Pro­bleme des Gesund­heits­we­sens – den Ärz­te­man­gel und die Arbeits­be­din­gun­gen in den Spi­tä­lern – dis­ku­tier­ten Exper­ten Ende Okto­ber beim 5. Lin­zer Gesund­heits­po­li­ti­schen Gespräch. „Wenn fast die Hälfte der Medi­zin-Absol­ven­ten nicht als Medi­zi­ner in Öster­reich zu arbei­ten begin­nen, muss etwas ver­kehrt sein“, betonte Peter Nie­der­mo­ser, Prä­si­dent der Ärz­te­kam­mer Ober­ös­ter­reich. Auch dass die Stei­er­mark kürz­lich eine Erhö­hung der Ärzte-Grund­ge­häl­ter beschlos­sen hat, bekomme Ober­ös­ter­reich zu spü­ren, erklärte Harald Mayer, Obmann der Kurie Ange­stellte Ärzte der Ärz­te­kam­mer Ober­ös­ter­reich: „Viele stei­ri­sche Tur­nus­ärzte, die sich in Ober­ös­ter­reich bewor­ben hat­ten, haben die Anmel­dung wie­der zurückgezogen.“

Täg­li­che Turn­stunde an Ganztagsschulen?

In Begut­ach­tung ist der­zeit eine Geset­zes­no­velle von Bil­dungs­mi­nis­te­rin Gabriele Hei­nisch-Hosek (SPÖ), mit der die täg­li­che Turn­stunde an Ganz­tags­schu­len ein­ge­führt wer­den soll. Dem­nach wären „Bewe­gungs­ein­hei­ten in aus­rei­chen­der Zeit sicher­zu­stel­len“, sodass es fünf Ein­hei­ten pro Woche gibt. Im Frei­zeit­teil sol­len nicht nur Frei­zeit­päd­ago­gen son­dern auch Trai­ner aus Ver­ei­nen die Kin­der betreuen kön­nen. Durch die Öff­nung der Schu­len für Ver­eine und Sport­trai­ner erhofft sich Hei­nisch-Hosek u.a. mehr Viel­falt beim Angebot.

Öster­reich: Zahl der Dro­gen­to­ten stark rück­läu­fig

In Öster­reich ist die Zahl der Dro­gen­to­ten stark gesun­ken: von 201 im Jahr 2011, auf 161 (2012) und 138 im Vor­jahr. Das geht aus dem „Epi­de­mio­lo­gie­be­richt Dro­gen 2014“ des Gesund­heits­mi­nis­te­ri­ums her­vor. 95 Pro­zent der töd­li­chen Über­do­sie­run­gen waren auf den Misch­kon­sum von Sub­stan­zen zurück­zu­füh­ren, acht Pro­zent auf reine Opioid-Into­xi­ka­tio­nen. Auch die Zahl der Per­so­nen mit risi­ko­rei­chem Dro­gen­kon­sum ist seit 2009 leicht rück­läu­fig; schät­zungs­weise sind es etwa 29.000 Betrof­fene. Rund zwei Drit­tel von ihnen befin­den sich in Sub­sti­tu­ti­ons­be­hand­lung. Rund 2.000 Per­so­nen wer­den wegen des Kon­sums von Can­na­bis in Dro­gen­hilfe-Ein­rich­tun­gen betreut. In Öster­reich haben ins­ge­samt 597 Ärzte (Stich­tag: 30. Juni 2014) die Qua­li­fi­ka­tion zur Durch­füh­rung einer Sub­sti­tu­ti­ons­be­hand­lung. Am häu­figs­ten kommt dabei retar­dier­tes Mor­phin zum Ein­satz (56 Pro­zent), gefolgt von Buprenor­phin (19 Pro­zent) und Metha­don (15 Prozent).

AUVA: Gebell wird Obmann

Der stell­ver­tre­tende Obmann der stei­ri­schen GKK, Tho­mas Gebell, ist desi­gnier­ter neuer Obmann der AUVA (All­ge­meine Unfall­ver­si­che­rungs­an­stalt). Gebell – er ist Geschäfts­füh­rer der „Alpen­län­di­schen Schild­er­fa­brik – wurde vom Prä­si­dium des ÖVP-Wirt­schafts­bun­des nomi­niert und folgt auf Renate Römer, die kürz­lich ihren Rück­tritt ange­kün­digt hat. Der 48-jäh­rige Gebell war seit 2008 ers­ter stell­ver­tre­ten­der Obmann der Stei­er­mär­ki­schen GKK.

WHO: 1,5 Mil­lio­nen Tote durch Tuberkulose

Im Vor­jahr waren rund neun Mil­lio­nen Men­schen an Tuber­ku­lose erkrankt; etwa 1,5 Mil­lio­nen Men­schen sind daran gestor­ben. Das ergab der „Tuber­ku­lose-Bericht 2014“ der WHO (Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­tion). Zwar hät­ten durch bes­sere Dia­gnose und The­ra­pie schät­zungs­weise 37 Mil­lio­nen Men­schen geret­tet wer­den kön­nen; die Zahl der Todes­fälle sei den­noch inak­zep­ta­bel, weil die meis­ten zu ver­hin­dern wären. Um Tuber­ku­lose effek­tiv zu bekämp­fen, sind laut WHO aber statt der­zeit sechs Mil­li­ar­den Dol­lar acht Mil­li­ar­den Dol­lar (6,3 Mil­li­ar­den Euro) jähr­lich nötig. Rund 60 Pro­zent der Krank­heitsund Todes­fälle ent­fal­len auf Män­ner; mit rund 54 Pro­zent aller Fälle waren die Regio­nen Süd­ost­asien und West­pa­zi­fik am stärks­ten betrof­fen. Ein Vier­tel der Fälle gab es in Afrika, wo auch – in Rela­tion zur Bevöl­ke­rung – die Raten am höchs­ten waren. Von den 1,5 Mil­lio­nen Men­schen, die 2013 an Tuber­ku­lose gestor­ben sind, waren min­des­tens 360.000 HIV-positiv.

WHO: immer mehr immer ältere Men­schen

Im Jahr 2020 wird es laut WHO (Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­tion) erst­mals in der Geschichte mehr über 60-Jäh­rige geben als Kin­der unter fünf Jah­ren. Bis 2050 wird die Zahl der über 60-Jäh­ri­gen von der­zeit 841 Mil­lio­nen auf mehr als zwei Mil­li­ar­den stei­gen. Die Autoren des WHO-Berichts befürch­ten, dass die über 60-Jäh­ri­gen künf­tig nicht gesün­der sein wer­den als heute; Kar­zi­nome, Lungen‑, Herz- und Mus­kel­krank­hei­ten sowie neu­ro­lo­gi­sche Erkran­kun­gen wer­den wei­ter zuneh­men. Allein die Zahl der Demenz-Pati­en­ten werde sich von heute 55 Mil­lio­nen auf etwa 135 Mil­lio­nen im Jahr 2050 ver­fünf­fa­chen. Künf­tig sollte es welt­weit Prio­ri­tät sein, den Men­schen ein „gutes Altern“ bei lan­ger Gesund­heit zu ermög­li­chen. „Dies bedeu­tet, dass fun­da­men­tale Refor­men der Gesund­heits­sys­teme und der sozia­len Hilfs­sys­teme nötig sind“, so John Beard vom Depart­ment of Age­ing and Life Course der WHO. Die Bes­se­rung der Lebens­qua­li­tät geht nach Ansicht der Autoren jedoch weit über rein medi­zi­ni­sche Aspekte hin­aus: Es müsste ver­sucht wer­den, mit kos­ten­güns­ti­ger Vor­sorge bereits früh­zei­tig die spä­tere teure Belas­tung durch chro­ni­sche Erkran­kun­gen zu ver­mei­den. Auch müss­ten Bedin­gun­gen geschaf­fen wer­den, die es älte­ren Men­schen ermög­lich­ten, län­ger in ihrem sozia­len Umfeld zu blei­ben. Dazu zähl­ten auch Anreize, sie län­ger am Arbeits­pro­zess teil­neh­men zu lassen.

Novel­lie­rung des Gewerb­li­chen Sozialversicherungsgesetzes 

Der Minis­ter­rat hat Anfang Novem­ber eine Novelle des Gewerb­li­chen Sozi­al­ver­si­che­rungs­ge­set­zes (GSVG) beschlos­sen. Künf­tig kön­nen Ver­si­cherte der SVA (Sozi­al­ver­si­che­rungs­an­stalt der gewerb­li­chen Wirt­schaft) ihre vor­läu­fige Bei­trags­grund­lage auf eige­nen Wunsch erhö­hen und an ihr aktu­el­les Ein­kom­men anpas­sen. Die heuer als Pilot­pro­jekt ein­ge­führte Über­brü­ckungs­hilfe für Ein­zel­o­der Kleinst­un­ter­neh­mer wird ins Dau­er­recht über­nom­men. Damit bekom­men Ein­zel- und Kleinst­un­ter­neh­mer in Not­fäl­len 50 Pro­zent der Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­träge für drei bis höchs­tens sechs Monate gut­ge­schrie­ben. Neu ist auch, dass die Bei­träge künf­tig auch monat­lich ein­ge­ho­ben wer­den. Die Novelle soll mit 1. Jän­ner 2015 in Kraft treten.

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 22 /​25.11.2014