Zen­tra­les Per­so­nen­stands­re­gis­ter: Ände­run­gen bei der Anzeige von Gebur­ten und Sterbefällen

10.10.2014 | Medi­zin

Mit 1. Novem­ber 2014 geht das Zen­trale Per­so­nen­stands­re­gis­ter – das u.a. Geburt, Ehe sowie Tod erfasst – in Betrieb.Von Bar­bara Leit­ner et al.*

Die Anzeige der Geburt wird in §9 des Per­so­nen­stands­ge­set­zes (BGBl. Nr. 10/​2013) gere­gelt und sieht nun die elek­tro­ni­sche Über­mitt­lung der Anzeige an das Zen­trale Per­so­nen­stands­re­gis­ter vor. Ebenso kön­nen die Daten, die gemäß Heb­am­men­ge­setz an die Sta­tis­tik Aus­tria zu über­mit­teln sind, elek­tro­nisch in ver­schlüs­sel­ter Form im Wege des ZPR über­mit­telt wer­den. Nur wenn die tech­ni­schen Vor­aus­set­zun­gen für die elek­tro­ni­sche Über­mitt­lung der Anzeige und der Sta­tis­tik­da­ten nicht gege­ben sind, ist wei­ter­hin eine Über­mitt­lung in Papier­form mög­lich. In jedem Fall kann die Daten­über­mitt­lung sowohl für die Anzeige als auch für die Sta­tis­tik­da­ten nur in einer ein­heit­li­chen Form erfol­gen: also ent­we­der nur elek­tro­nisch oder nur in Papierform.

Einer­seits ist es mög­lich, die elek­tro­ni­sche Geburts­an­zeige in eine Geburts­­­do­­ku­­men­­ta­­ti­ons-Sof­t­­ware über eine vom Soft­ware­an­bie­ter ent­wi­ckelte Schnitt­stelle zu inte­grie­ren. Der Vor­teil die­ser Vari­ante liegt in der Ver­wen­dung von bereits erfass­ten Infor­ma­tio­nen (zum Bei­spiel für das Öster­rei­chi­sche Gebur­ten­re­gis­ter). Die medi­zi­ni­schen Merk­male ver­las­sen ver­schlüs­selt das Kran­ken­haus; eine Ent­schlüs­se­lung kann nur durch die Sta­tis­tik Aus­tria erfolgen. 

Bei­spiels­weise wurde für eine Bef­un­d­­do­­ku­­men­­ta­­ti­ons-Sof­t­­ware, die sehr häu­fig zur Geburts­do­ku­men­ta­tion ein­ge­setzt wird, näm­lich das Bef­und­do­ku­men­ta­ti­ons­sys­tem PIA mit dem Modul Feta­Doc von LB-Sys­­tems (View­Point), eine Schnitt­stelle zur Über­mitt­lung der Geburts­an­zeige (inklu­sive der sta­tis­tik­re­le­van­ten Daten in ver­schlüs­sel­ter Form) an die Per­so­nen­stands­be­hörde entwickelt.

Kann eine Schnitt­stelle nicht imple­men­tiert wer­den oder lohnt es sich nicht – ent­we­der weil es nur wenige Fälle pro Jahr gibt oder bei Haus­ge­bur­ten -, besteht ande­rer­seits die Mög­lich­keit, die Anzeige mit­hilfe des Inter­nets durch­zu­füh­ren. Ab Novem­ber 2014 wer­den Ein­ga­be­mas­ken für die Anzeige einer Lebend­ge­burt bezie­hungs­weise Tot­ge­burt unter https://www.help.gv.at zur Ver­fü­gung ste­hen. Für den Ein­stieg ist eine Anmel­dung (Authen­ti­fi­zie­rung) mit­tels Bür­ger­karte oder Handy-Signa­­tur wie etwa auch bei Finanz-Online und ande­ren elek­tro­ni­schen Behör­den­kon­tak­ten not­wen­dig. Details zur Bür­ger­karte gibt es unter www.buergerkarte.at.

Da mit der Novel­lie­rung des Per­so­nen­stands­ge­set­zes auch eine Novel­lie­rung des Heb­am­men­ge­set­zes erfor­der­lich war, hat eine Arbeits­gruppe mit inter­na­tio­na­len Exper­ten im Zuge des­sen auch die medi­zi­ni­schen und sozi­al­me­di­zi­ni­schen Erhe­bungs­merk­male am Gebur­ten­blatt überarbeitet.

Merk­male, die unver­än­dert wei­ter­ge­führt werden:

  • Gewicht und Kör­per­länge des Geborenen;
  • APGAR-Wert (bei Lebendgeburt);
  • Gebur­ten­folge, Lebend­ge­bur­ten­folge, Datum der letz­ten vor­an­ge­gan­ge­nen Geburt und Ort der Geburt.

Merk­male, die etwas ver­än­dert wei­ter­ge­führt werden:

  • Angabe der Schwan­ger­schafts­dauer: Diese ist nun­mehr in voll­ende­ten Wochen und Tagen anzugeben.
  • Unter­schei­dung zwi­schen pri­mä­rem und sekun­dä­rem Kai­ser­schnitt bei der Geburtsbeendigung.

Merk­male, die neu auf­ge­nom­men wurden:

  • Arte­ri­el­ler Nabel­­schnur-pH (bei Lebendgeburt);
  • Kör­per­größe der Mut­ter sowie Kör­per­ge­wicht der Mut­ter (sowohl zu Beginn der Schwan­ger­schaft als auch das letzte vor der Geburt gemes­sene Gewicht);
  • Rau­chen im letz­ten Tri­mes­ter der Schwan­ger­schaft, Ein­lei­tung der Geburt (medi­ka­men­tös oder durch Amniotomie); 
  • Lage des Kin­des bei der Geburt (regel­rechte Schä­del­lage, regel­wid­rige Schä­del­lage, Becken­end­lage, Quer­lage, unbekannt/​nicht bestimmbar).

Nicht mehr erfasst werden:

  • Fehl­bil­dun­gen sowie
  • die Frage, um das wie­vielte ehe­li­che Kind es sich handelt.

Ebenso sind fol­gende Merk­male nicht mehr an die Sta­tis­tik Aus­tria zu über­mit­teln, da diese Anga­ben von ande­ren Daten­quel­len bezo­gen wer­den können:

  • Beruf, Lebens­un­ter­halt, Stel­lung im Beruf sowie höchste abge­schlos­sene Aus­bil­dung – jeweils von Mut­ter und Vater.

In §28 des Per­so­nen­stands­ge­set­zes (BGBl. Nr. 10/​2013) ist die Anzeige des Todes gere­gelt und sieht nun die elek­tro­ni­sche Über­mitt­lung der Anzeige an das Zen­trale Per­so­nen­stands­re­gis­ter vor. Ebenso kön­nen Daten, die gemäß Per­so­nen­stands­ge­setz an die Sta­tis­tik Aus­tria zu über­mit­teln sind, elek­tro­nisch in ver­schlüs­sel­ter Form im Wege des ZPR über­mit­telt wer­den. Nur wenn die tech­ni­schen Vor­aus­set­zun­gen für die elek­tro­ni­sche Über­mitt­lung der Anzeige und der Sta­tis­tik­da­ten nicht gege­ben sind, ist wei­ter­hin eine Über­mitt­lung in Papier­form mög­lich. Die Daten­über­mitt­lung darf wie­derum nur ein­heit­lich erfol­gen: ent­we­der nur elek­tro­nisch oder nur in Papierform.

Einer­seits ist es mög­lich, die elek­tro­ni­sche Todes­an­zeige in die Erfas­sungs­maske eines bestehen­den Kran­ken­haus­in­for­ma­ti­ons­sys­tems und/​oder einer Patho­lo­gie­soft­ware zu inte­grie­ren. Diese Lösung bie­tet sich für alle Kran­ken­an­stal­ten an, in denen häu­fig Todes­an­zei­gen aus­zu­fül­len sind, da sie auf bereits erfasste Infor­ma­tio­nen zurück­greift. Die aus­ge­füllte Anzeige des Todes wird über eine Schnitt­stelle elek­tro­nisch an die Per­so­nen­stands­be­hörde (das Stan­des­amt) und nach Beur­kun­dung wei­ter an die Sta­tis­tik Aus­tria über­mit­telt. Die medi­zi­ni­schen Merk­male ver­las­sen ver­schlüs­selt das Kran­ken­haus; eine Ent­schlüs­se­lung kann nur durch die Sta­tis­tik Aus­tria erfolgen.

Kann eine Schnitt­stelle nicht imple­men­tiert wer­den oder lohnt es sich nicht, da nur wenige Ster­be­fälle pro Jahr auf­tre­ten bezie­hungs­weise bei Ster­be­fäl­len zu Hause, kann die Anzeige ande­rer­seits via Inter­net erfol­gen. Ab Novem­ber 2014 steht unter https://www.help.gv.at eine Ein­ga­be­maske für die Anzeige eines Todes­falls zur Ver­fü­gung. Für den Ein­stieg ist eine Anmel­dung (Authen­ti­fi­zie­rung) mit­tels Bür­ger­karte oder Handy-Signa­­tur wie etwa auch bei Finanz-Online und ande­ren elek­tro­ni­schen Behör­den­kon­tak­ten not­wen­dig. Details zur Bür­ger­karte gibt es unter www.buergerkarte.at.

Die Bestä­ti­gung des Todes wurde in die Per­so­nen­merk­male der Todes­an­zeige (Vor­der­seite des For­mu­lars) inte­griert. Bei den medi­zi­ni­schen Merk­ma­len der Anzeige des Todes war keine Umstel­lung mehr erforderlich.

*) Bar­bara Leitner (E‑Mail: barbara.leitner@statistik.gv.at)
und Jean­nette Kli­mont (jeannette.klimont@statistik.gv.at);
beide: Sta­tis­tik Aus­tria, Direk­tion Bevöl­ke­rung, Bereich Demo­gra­phie, Gesund­heit, Arbeitsmarkt.

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 19 /​10.10.2014