neu & aktu­ell: Medi­zi­ni­sche Kurzmeldungen

25.09.2014 | Medi­zin

Imp­f­­stoff-Kom­­bi­­na­­tion gegen Polio

Die Kom­bi­na­tion der Polio-Schluck­­im­p­­fung („Sabin“) und der Vak­zine zum Inji­zie­ren („Salk“) könnte hel­fen, Polio welt­weit aus­zu­rot­ten. For­scher um Hamid Jafari vom India Natio­nal Polio Sur­veil­lance Pro­ject der WHO (Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­tion) haben fast 1.000 Kin­der zwi­schen sechs Mona­ten und zehn Jah­ren aus Nord­in­dien behan­delt: Diese wur­den ent­we­der mit der Vak­zine geimpft, erhiel­ten die Schluck­imp­fung oder keine von bei­den. Vier Wochen spä­ter wurde allen die Schluck­imp­fung ver­ab­reicht. Jene Kin­der, die die Kom­bi­na­tion erhal­ten hat­ten, erreich­ten im Ver­gleich zu den ande­ren nicht nur eine höhere Schlei­m­haut-Immu­­ni­­tät, son­dern schie­den auch weni­ger Viren mit dem Stuhl aus. Jafari zum Ergeb­nis: „Die Spritz­imp­fung sollte genutzt wer­den, um in Län­dern, die nur schlech­ten Zugang zu Imp­fun­gen haben, die Aus­rot­tung des Virus zu beschleu­ni­gen.“ Seit 1988 ist die Zahl der Län­der, in denen Polio dau­er­haft vor­kommt, von 125 auf drei gesun­ken: Nige­ria, Paki­stan und Afgha­ni­stan waren noch nie Polio-frei.
APA/​Science

E‑Zigaretten: mehr Scha­den als Nutzen? 

E‑Zigaretten sind kei­nes­falls „gesund“ – das haben WHO (Welt­ge­sund­heits­organsia­tion) und die US-ame­­ri­­ka­­ni­­schen Zen­tren für Krank­heits­kon­trolle (CDC – Cen­ters for Dise­ase Con­trol) fest­ge­stellt. E‑Zigaretten könn­ten Jugend­li­che ver­mehrt zum Tabak­kon­sum moti­vie­ren und mach­ten ebenso süch­tig. So haben in den USA im Jahr 2013 rund 750.000 Jugend­li­che, die zuvor noch nie geraucht haben, zur E‑Zigarette gegrif­fen. Wer­bung und der Ver­kauf an unter 18-Jäh­­rige sollte ver­bo­ten wer­den, dar­über sind sich WHO und CDC einig. Tabak-Exper­­ten hin­ge­gen hal­ten die Kri­tik für über­trie­ben und beton­ten die mög­li­chen posi­ti­ven Effekte als Alter­na­tive zum Tabak­kon­sum. Die Kon­zen­tra­tion der gif­ti­gen Stoffe in E‑Zigaretten sei „meist nur ein win­zi­ger Bruch­teil des­sen, was in Ziga­ret­ten­rauch gefun­den wird“. Wis­sen­schaft­li­che Stu­dien zu den lang­fris­ti­gen Effek­ten feh­len aber bis­lang. Dazu Univ. Prof. Man­fred Neu­ber­ger vom Insti­tut für Umwelt­hy­giene der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Wien: „Natür­lich sind E‑Zigaretten nicht ganz so schäd­lich wie nor­male Ziga­ret­ten, aber der Nut­zen ist im Ver­gleich zum poten­ti­el­len Scha­den gering.“ Der Markt für EZi­ga­ret­ten ist in den letz­ten Jah­ren explo­diert: Die WHO schätzt den welt­wei­ten Umsatz im Jahr 2013 auf drei Mil­li­ar­den US-Dol­lar.
APA/​Addiction

Neu: MR-kom­­pa­­ti­­bles Cochlea-Implantat

Erst­mals in Öster­reich wurde einer 42-jäh­­ri­­gen Pati­en­tin an der Uni­ver­si­täts­kli­nik für HNO des AKH Wien ein Coch­­lea-Implan­­tat ein­ge­setzt, das bei MR-Unter­­su­chun­­­gen im Kör­per blei­ben kann. Das neue – welt­weit kleinste – Implan­tat erlaubt MR bis zu einer Feld­stärke von drei Tesla ohne Leis­tungs­ver­lust. Bis­her musste der Magnet des Implan­tats vor MR-Unter­­su­chun­­­gen ope­ra­tiv ent­fernt wer­den.
APA

Kongo: mutier­tes Polio-Virus entdeckt

For­scher aus Bonn und aus dem afri­ka­ni­schen Gabun haben bei Opfern der Polio-Epi­­de­­mie im Kongo 2010 ein mutier­tes Polio-Virus ent­deckt. Durch die Muta­tion könn­ten die bei der Imp­fung ver­ab­reich­ten Anti­kör­per das Virus nicht erken­nen. 2010 wur­den im Kongo 445 Men­schen infi­ziert, 209 star­ben; die Epi­de­mie selbst konnte durch ein mas­si­ves Impf­pro­gramm und Hygie­ne­maß­nah­men gestoppt wer­den.
APA

Täg­li­ches Rau­chen macht dick

Schwere Rau­cher hat­ten einen BMI von 27,5 und rund zehn Kilo­gramm mehr als jene mit gerin­gem und mode­ra­tem Ziga­ret­ten­kon­sum. Ebenso wie­sen sie gerin­gere HDL-Werte sowie höhere Nüch­tern­blut­zu­cker­werte auf. Wie­ner Wis­sen­schaf­ter haben das bei der Ana­lyse von Daten aus 986 Gesun­­­den-Unter­­su­chun­­­gen von öster­rei­chi­schen Bank­an­ge­stell­ten her­aus­ge­fun­den.
APA/​British Medi­cal Jour­nal Open

Schäd­li­che Luft­ver­schmut­zung im Haushalt

Drei Mil­li­ar­den Men­schen – vor allem in Afrika und Asien – sind durch Luft­ver­schmut­zung im Haus­halt gesund­heit­lich gefähr­det. In indi­schen Haus­hal­ten ist die Luft – etwa durch das Hei­zen mit Holz und Kohle – drei­mal stär­ker ver­schmutzt als in Lon­do­ner Stra­ßen, so For­scher aus den USA und Groß­bri­tan­nien. 2010 sind bis zu vier Mil­lio­nen Men­schen welt­weit dadurch gestor­ben.
APA/​The Lan­cet Respi­ra­tory Medicine

Par­acet­amol: wir­kungs­los bei Lumbalgie

Eine Stu­die des George Insti­tute for Glo­bal Health der Uni­ver­si­tät Syd­ney hat erge­ben, dass die Ver­ab­rei­chung von Par­acet­amol im Ver­gleich zu Pla­cebo kei­nen Unter­schied macht. Für die Stu­die wur­den 1.652 Kreu­z­­schmerz-Pati­en­­ten mit einem Durch­schnitts­al­ter von 45 Jah­ren in drei Grup­pen ein­ge­teilt: Sie erhiel­ten ent­we­der bis zu vier Wochen regel­mä­ßig drei Mal täg­lich Par­acet­amol (Gesamt­do­sis 3.990 Mil­li­gramm) oder nur bei aku­tem Bedarf (bis zu 4.000 Mil­li­gramm pro Tag) oder ein Pla­cebo. Bis zum Ende der Schmerz­sym­ptome gab es kei­nen Unter­schied zwi­schen den drei Grup­pen. Unter Par­acet­amol waren die Schmer­zen bis zum 17. Tag deut­lich bes­ser oder aus­ge­heilt, unter Pla­cebo nach 16 Tagen. „Die Resul­tate deu­ten dar­auf hin, dass wir die Emp­feh­lung für Par­acet­amol als Erst­be­hand­lung über­den­ken soll­ten“, so Erst­au­tor Chris­to­pher Wil­liams. Für eine Ände­rung der inter­na­tio­na­len Emp­feh­lun­gen müss­ten aber wei­tere Stu­dien diese Ergeb­nisse erhär­ten.
APA/​The Lancet

Höhe­rer Bil­dungs­grad för­dert Myopie

Kurz­sich­tig­keit wird durch einen höhe­ren Bil­dungs­grad und viele Schul­jahre ver­stärkt. For­scher der Augen­kli­nik der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Mainz unter­such­ten im Rah­men der Guten­­­berg-Gesun­d­heits­­s­tu­­die die Seh­stärke von 4.658 Men­schen zwi­schen 35 und 75 Jah­ren. Mehr als die Hälfte der Hoch­­­schul-Absol­­ven­­ten war kurz­sich­tig, aber nur jeder Vierte mit gerin­ge­rer Schul­bil­dung. „Ursa­che dafür ist ver­mut­lich die ‚Nah­ar­beit‘, die den All­tag von Stu­die­ren­den bestimmt“, so Prof. Nor­bert Pfeif­fer, Direk­tor der Augen­kli­nik Mainz und Stu­­dien-Initia­­tor. Und wei­ter: „Laut aktu­el­ler Stu­di­en­lage tra­gen stun­den­lan­ges Lesen, Fern­se­hen und Arbei­ten am Com­pu­ter zur Ver­schlech­te­rung des Seh­ver­mö­gens bei.“ Die erheb­li­che Zunahme der Kurz­sich­ti­gen – in man­chen Groß­städ­ten Asi­ens sind es fast 90 Pro­zent der Men­schen, in Indus­trie­na­tio­nen min­des­tens ein Drit­tel – sei mit gene­ti­schen Fak­to­ren nicht zu erklä­ren. Umwelt­fak­to­ren wie Bil­dung, Beruf und Frei­zeit­ge­stal­tung spiel­ten viel eher eine ent­schei­dende Rolle; bei Tages­licht im Freien ver­brachte Zeit regu­liert laut Stu­dien das Wachs­tum der Augen und wirkt prä­ven­tiv.
APA/​Ophthalmology

Eisen­man­gel ver­ur­sacht Kuhmilch-Allergie

Das Kuh­­milch-All­er­­gen Beta-Lak­­to­­g­lo­­bu­­lin wirkt nur auf­grund eines Eisen­man­gels all­er­gen. Das haben Wis­sen­schaf­ter um Univ. Prof. Erika Jen­­sen-Jaro­­lim von der Med­Uni Wien in Zusam­men­ar­beit mit Exper­ten des Mes­serli For­schungs­in­sti­tuts der Uni­ver­si­tät für Vete­ri­när­me­di­zin sowie der Uni­ver­si­tät Wien fest­ge­stellt. Haupt­wirk­me­cha­nis­mus dabei ist die man­gelnde Bin­dung von Eisen an Beta-Lak­­to­­g­lo­­bu­­lin. Die zur Pro­te­in­fa­mi­lie der Lipo­ka­line gehö­ren­den Pro­te­ine haben mole­ku­lare Taschen, in die Eisen-Ionen pas­sen; diese wie­derum wer­den durch Side­ro­phore am Pro­tein gebun­den. Fran­ziska Roth-Wal­­ter und Co-Autoren konn­ten nun nach­wei­sen, dass Beta-Lak­­to­­g­lo­­bu­­lin ohne Eisen und Side­ro­phor die Akti­vie­rung von Th2-Lym­­pho­­zy­­ten unter­stützt. Erst dadurch wer­den IgE-Anti­­kör­­per gegen das Pro­tein pro­du­ziert, was die Sen­si­bi­li­sie­rung bewirkt. Eine der wich­tigs­ten Fra­gen – warum Pro­te­ine mehr oder weni­ger mit Eisen bela­den sind – müsse nun geklärt wer­den. Dabei könnte auch die Hal­tung und Füt­te­rung der Kühe eine Rolle spie­len. Anfang Juni 2014 hat­ten die For­scher den Eisen­­­man­­gel-Mecha­­nis­­mus auch für das Bir­­ken­­pol­­len-All­er­­gen Bet v 1 nach­ge­wie­sen. Auch gibt es Hin­weise, dass er bei Schi­m­­mel­­pilz-All­er­­gien eine Rolle spielt.
APA/​PLOS One

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 18 /​25.09.2014