neu & aktu­ell: Medi­zi­ni­sche Kurzmeldungen

10.06.2014 | Medi­zin

Mob­bing in der Kind­heit scha­det lang­fris­tig

Wer im Schul­al­ter gemobbt wird, zeigt noch im Erwach­se­nen­al­ter Anzei­chen einer chro­ni­schen Ent­zün­dung im Kör­per, wie Wis­sen­schaf­ter aus Groß­bri­tan­nien und den USA berich­ten. So hat ein Team um Wil­liam Cope­land von der Duke Uni­ver­sity in Durham (North Caro­lina) über viele Jahre hin­durch ins­ge­samt 1.420 Men­schen zwi­schen neun und 21 Jah­ren beglei­tet, Inter­views zu Mob­bing geführt und deren CRP-Wert gemes­sen. Bei gemobb­ten Kin­dern stie­gen die Werte zwi­schen 19 und 21 Jah­ren deut­lich stär­ker als bei nicht-gemob­b­­ten Kin­dern, was auch gekop­pelt war mit der Häu­fig­keit von Mob­bing. Bei Kin­dern, die selbst mobb­ten, stie­gen die Werte deut­lich gerin­ger und lagen sogar unter denen von jenen Men­schen, die nie mit Mob­bing zu tun hat­ten. Dabei berück­sich­tig­ten die For­scher auch andere mög­li­che Gründe für einen Anstieg der Werte wie etwa ein erhöh­tes Kör­per­ge­wicht oder Dro­gen­miss­brauch. Cope­land zum Ergeb­nis: „Unsere Stu­die zeigt, dass die Rolle eines Kin­des beim Mob­ben sowohl ein Schutz- als auch ein Risi­ko­fak­tor für eine niedrig­gra­dige Ent­zün­dung sein kann.“
APA/​Proceedings

Wie Magne­sium gegen Depres­sio­nen wirkt

Einen wich­ti­gen Mecha­nis­mus, wie Magne­sium gegen Depres­sio­nen wirkt, konn­ten Wie­ner For­scher ent­schlüs­seln. Sie iden­ti­fi­zier­ten den N‑methyl Daspar­­tat-Reze­p­­tor-GluN1-Kom­­plex als jenen Rezep­tor­kom­plex, der bei Magne­si­um­man­gel nur ein­ge­schränkt funk­tio­niert. Die For­scher um Univ. Prof. Gert Lubec von der Uni­ver­si­täts­kli­nik für Kin­­der- und Jugend­heil­kunde der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Wien führ­ten im Tier­ver­such einen Magne­si­um­man­gel her­bei und unter­such­ten die Aus­wir­kun­gen auf das Ver­hal­ten. Die Tiere zeig­ten dar­auf­hin erwar­tungs­ge­mäß depres­si­ves Ver­hal­ten. Lubec dazu: „Wir konn­ten eine klar nega­tive Wir­kung von Magne­si­um­man­gel auf ein ansons­ten wohl­de­fi­nier­tes Rezep­tor­sys­tem fest­stel­len. Das ist nicht nur vom Grund­la­gen­aspekt her inter­es­sant, son­dern auch von phar­ma­ko­lo­gi­schem Inter­esse.“ In wei­te­ren Stu­dien könne nun die Wir­kung von Magne­sium auf den Rezep­tor­kom­plex unter­sucht wer­den; Magne­­sium-Medi­­­ka­­mente könn­ten fol­gen.
APA/​Brain Struc­ture and Function

Kaf­fee löst Auto­pha­gie aus 

Poly­phe­nole sind der Grund, wieso schwar­zer Kaf­fee im Tier­ver­such Auto­pha­gie aus­lö­sen kann. Ein bis vier Stun­den nach dem Kaf­fee­kon­sum wurde in den Modell­orga­nis­men die zel­lu­läre Auto­pha­gie in den unter­such­ten Orga­nen Leber, Mus­keln und Herz stark ange­regt. Tie­ri­sche Pro­te­ine hem­men den Pro­zess, so die Gra­zer For­scher vom Insti­tut für Mole­ku­lare Bio­wis­sen­schaf­ten um Frank Madeo.
APA/​PLOS Gene­tics; Cell Cycle

Luft­ver­schmut­zung in Städ­ten steigt

In Städ­ten – vor allem in Afrika und Süd­­ost- Asien – nimmt laut WHO (Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­tion) die Luft­ver­schmut­zung durch Auto­ver­kehr und das Ver­bren­nen von Kohle, Öl und Gas zu. Knapp 90 Pro­zent der Stadt­be­völ­ke­rung atmen Luft, deren Belas­tung über den WHO-Gren­z­­wer­­ten liegt. Der WHO-Bericht beruht auf Daten von 2008 bis 2013 aus 1.600 Städ­ten in 91 Län­dern.
APA

Drit­ter MER­S­­CoV-Fall in den USA

In den USA ist der dritte MER­S­­CoV-Fall auf­ge­tre­ten. Die aus Illi­nois stam­mende Per­son sei in engem Kon­takt mit dem ers­ten Betrof­fe­nen aus Indiana gestan­den, wie die US-ame­­ri­­ka­­ni­­sche Gesund­heits­be­hörde CDC (Cen­ters for Dise­ase Con­trol) mit­teilte. Da sein Kör­per offen­sicht­lich Anti­kör­per gegen das Middle East Respi­ra­tory Syn­drom (MERS) ent­wi­ckelt hat, wird er nicht behan­delt, ledig­lich über­wacht.
APA

Angio­ten­sin II zeigt Vogelgrippe-Verlauf

Die Kon­zen­tra­tion von Angio­ten­sin II kor­re­liert gut mit der Virus­be­las­tung, dem Ver­lauf sowie der Mor­ta­li­tät einer Infek­tion mit A(H7N9) und A(H5N1), ent­deck­ten chi­ne­si­sche Wis­sen­schaf­ter. Unter Mit­ar­beit von Univ. Prof. Josef Pen­nin­ger vom Insti­tut für Mole­ku­lare Bio­tech­no­lo­gie Wien (IMBA) wurde auch gezeigt, dass durch das Angio­ten­sin Con­ver­ting Enzym 2 der Schwe­re­grad der Erkran­kung gelin­dert wird.
APA/​Nature Communications

Höhe­res Gliom-Risiko durch häu­fi­ges Handy-Telefonieren

Wer über fünf Jahre hin­durch mehr als 15 Stun­den pro Monat mit dem Handy tele­fo­niert, ver­dop­pelt oder ver­drei­facht sein Risiko, ein Gliom zu ent­wi­ckeln. Fran­zö­si­sche For­scher unter­such­ten 253 Gliom- und 194 Men­in­­geom-Fälle zwi­schen 2004 und 2006 und ver­gli­chen die Daten mit 892 reprä­sen­ta­tiv aus­ge­wähl­ten Erwach­se­nen. Außer­dem rech­ne­ten sie andere Risi­ko­fak­to­ren für Gliome und die Tat­sa­che, dass nur 14 Pro­zent der Befrag­ten Frei­­sprech-Ein­­rich­­tun­­­gen benutz­ten, mit ein. Das Ergeb­nis bestä­tige ähn­li­che inter­na­tio­nale Stu­dien aus jüngs­ter Zeit, so Autorin Isa­belle Baldi.
APA/​Occupational and Envi­ron­men­tal Medicine


Arthro­sko­pie ohne beleg­ba­ren Nutzen

Die Arthro­sko­pie bringt für den Pati­en­ten kei­nen beleg­ba­ren Nut­zen. Zu die­sem Schluss kommt das deut­sche Insti­tut für Qua­li­tät und Wirt­schaft­lich­keit im Gesund­heits­we­sen (IQWiG) in sei­nem Abschluss­be­richt, in dem Daten aus elf Stu­dien mit mehr als 1.000 Pati­en­ten berück­sich­tigt wur­den. Dem­nach hat die Arthro­sko­pie im Ver­gleich zu ande­ren Ein­grif­fen – auch Schein­ope­ra­tio­nen – sowie zur Kran­ken­gym­nas­tik kei­nen Vor­teil. Damit bestä­tig­ten die Exper­ten ihren Bericht aus dem Vor­jahr. Noch schlech­ter schnitt das Inji­zie­ren von Glu­ko­kor­ti­ko­iden in das Knie­ge­lenk ab.
APA

Selen erhöht Risiko für Prostata-Karzinom

Wird bei Män­nern mit einem nied­ri­gen Selen-Spie­­gel Selen sup­ple­men­tiert, bringt dies kei­nen zusätz­li­chen Nut­zen; bei Män­nern mit einem hohen Selen-Spie­­gel hin­ge­gen wird das Risiko für höher­gra­dige Pro­­stata-Kar­­zi­­nome ver­grö­ßert. Zu die­sem Ergeb­nis kom­men For­scher des US-ame­­ri­­ka­­ni­­schen Can­cer Rese­arch Cen­ter in Seat­tle anhand der Aus­wer­tung der Daten von 2.000 Män­nern mit einem Pro­­stata-Kar­­zi­­nom sowie 3.000 Kon­troll­per­so­nen. Dar­über hin­aus erhöhte die Sup­ple­men­tie­rung mit Vit­amin E bei Män­nern mit einem nied­ri­gen Selen-Spie­­gel das Risiko für ein Pro­­stata-Kar­­zi­­nom. „Die aktu­elle Stu­die zeigt uns deut­lich die Gefah­ren einer unkon­trol­lier­ten Ein­nahme von Vit­amin E und Selen“, erklärte Univ. Prof. Kurt Wid­halm, Prä­si­dent des Öster­rei­chi­schen Aka­de­mi­schen Insti­tuts für Ernäh­rungs­me­di­zin (ÖAIE). Bereits vor sechs Jah­ren hatte das Natio­nal Can­cer Insti­tute im Rah­men der „SELECT“-Studie (Sele­nium and Vit­amin E Can­cer Pre­ven­tion Trial) nach­ge­wie­sen, dass die Ein­nahme von Vit­amin E das Krebs­ri­siko erhöht.
APA

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 11 /​10.06.2014