kurz und infor­ma­tiv: Medi­zi­ni­sche Kurzmeldungen

25.11.2014 | Medizin

Frü­he­rer Tod durch viel Milch?

Wer sehr viel Kuh­milch trinkt, könnte frü­her ster­ben. Diese These haben schwe­di­sche Wis­sen­schaf­ter kürz­lich auf­ge­stellt; gleich­zei­tig räu­men sie aber ein, dass es offene Fra­gen bei ihrer Stu­die gibt. Die Wis­sen­schaf­ter beob­ach­te­ten 61.000 schwe­di­sche Frauen zwi­schen 39 und 74 Jah­ren rund 20 Jahre lang, mehr als 45.000 Män­ner zwi­schen 45 und 79 Jah­ren elf Jahre lang. Am Ende der Stu­die waren 25.500 Teil­neh­mer gestor­ben; 22.000 hat­ten eine Kno­chen­frak­tur erlit­ten. Es stellte sich her­aus, dass die Gewohn­heit, viel Milch zu trin­ken, zwar das Frak­tur­ri­siko nicht ver­rin­gert, dafür aber „mit einer höhe­ren Todes­rate zusam­men­hän­gen könnte“. Dazu Co-Autor Karl Micha­els­son von der Uni­ver­si­tät Upp­sala: „Frauen, die drei Glä­ser Milch oder mehr am Tag tran­ken, hat­ten ein 90 Pro­zent höhe­res Todes­ri­siko, ein 60 Pro­zent höhe­res Hüft­frak­tur-Risiko und ein 15 Pro­zent höhe­res all­ge­mei­nes Frak­tur­ri­siko als jene, die weni­ger als ein Glas tran­ken.“ Ob Voll­milch oder Halb­fett­milch kon­su­miert wird, spiele dabei keine Rolle; für Käse und Joghurt gelte das Ergeb­nis nicht – im Gegen­teil. Ein Grund: Im Gegen­satz zu Käse ent­hält Milch viel D‑Galactose. Diese hätte in Tier­stu­dien schnel­le­res Altern und eine kür­zere Lebens­dauer erge­ben. Die Wis­sen­schaf­ter beto­nen, dass aus die­sen Ergeb­nis­sen weder Schluss­fol­ge­run­gen gezo­gen noch Emp­feh­lun­gen für den Kon­sum von Milch gege­ben wer­den könn­ten; wei­tere Unter­su­chun­gen seien nötig.
APA/​BMJ

Bei Demenz: Schmerz­mes­sung notwendig

Durch eine kon­se­quente Mes­sung der Schmerz­in­ten­si­tät kön­nen Schmer­zen bei Pati­en­ten mit kogni­ti­ver Beein­träch­ti­gung deut­lich redu­ziert wer­den. Das zei­gen aktu­elle Daten, die ein For­scher­team um Jür­gen Oster­brink von der Para­cel­sus Medi­zi­ni­schen Pri­vat­uni­ver­si­tät Salz­burg in Pfle­ge­hei­men erho­ben hat. In jenen Pfle­ge­hei­men, in denen die PAI­NAD-Skala zur Schmerz­er­fas­sung ein­ge­setzt wird, hatte ein deut­lich gerin­ge­rer Pro­zent­satz der kogni­tiv beein­träch­tig­ten Pati­en­ten Schmer­zen als in jenen Hei­men, die sol­che Instru­mente nicht ver­wen­den. Dabei wird unter ande­rem auf indi­rekte Zei­chen von Schmerz geach­tet wie etwa ein ange­spann­ter Gesichts­aus­druck oder Schon­hal­tung. Schon vor Jah­ren hat eine Stu­die gezeigt, dass ältere Pati­en­ten mit kogni­ti­ver Beein­träch­ti­gung eine um 20 Pro­zent gerin­gere Wahr­schein­lich­keit haben, mit Analge­tika behan­delt zu wer­den. Die wich­tigste Ursa­che für diese Unter­be­hand­lung sieht Oster­brink in der unzu­rei­chen­den Schmerz­er­fas­sung.
APA

Neuer Hei­lungs­an­satz bei Aids?

Fran­zö­si­sche Wis­sen­schaf­ter fan­den her­aus, dass die Spon­tan­hei­lung von zwei HIV-infi­zier­ten Män­nern durch die Inte­gra­tion des ver­än­der­ten, inak­ti­ven Virus-Gen­codes in deren DNA aus­ge­löst wurde. Ver­ur­sacht hat das ein Enzym namens Apo­bec, das nor­ma­ler­weise durch ein Pro­tein des Virus deak­ti­viert wird. Die Nut­zung die­ses Enzyms könnte laut den For­schern ein „denk­ba­rer Ansatz“ für eine Hei­lung sein.
APA/​Clinical Micro­bio­logy and Infection

Exakte Dar­stel­lung des Sprach­zen­trums mit Ultrahochfeld-MR

Die Sprach­zen­tren im Gehirn – Wer­ni­cke- und Broca-Areal – kön­nen mit­tels Ultra­hoch­feld-MR (7 Tesla) deut­lich bes­ser loka­li­siert wer­den als mit übli­chen MR-Gerä­ten. Das Ultra­hoch­feld- MR biete eine „viel höhere Sen­si­ti­vi­tät“, um vor Gehirn­ope­ra­tio­nen auch schwa­che Signale in Gehirn­re­gio­nen auf­zu­zeich­nen, so Stu­di­en­lei­ter Univ. Prof. Roland Bei­stei­ner von der Med­Uni Wien.
APA/​Neuroimage

Flug­lärm beein­träch­tigt Lernvermögen

Je grö­ßer die stän­dige Belas­tung durch Flug­lärm ist, desto lang­sa­mer ler­nen Kin­der lesen. Ist der Schall­pe­gel um zehn Dezi­bel höher, beträgt der Rück­stand einen Monat, bei 20 Dezi­bel zwei Monate. Für die Norah-Lärm­stu­die wur­den an 29 Schu­len rund um den Frank­fur­ter Flug­ha­fen die Aus­wir­kun­gen unter­sucht. Die Dau­er­schall­pe­gel lagen zwi­schen 39 und 59 Dezi­bel.
APA

Som­mer­zeit bedeu­tet mehr Bewegung 

Kin­der bewe­gen sich deut­lich mehr im Freien, wenn die Sonne spä­ter unter­geht. Mit Beschleu­ni­gungs­mes­sern wurde die täg­li­che Akti­vi­tät erfasst. Auch unter Berück­sich­ti­gung der Wet­ter­be­din­gun­gen beweg­ten sie sich an Som­mer­ta­gen um 15 bis 20 Pro­zent mehr als an Win­ter­ta­gen. Das ergab eine inter­na­tio­nale Stu­die mit 25.000 Kin­dern aus neun Län­dern (wie z. B. Eng­land, USA, Nor­we­gen und Schweiz).
APA/​International Jour­nal of Beha­viou­ral Nut­ri­tion and Phy­si­cal Activity

Handy am Steuer: Auf­klä­rung hal­biert Unfallrisiko

Mit ein­fachs­ten Auf­klä­rungs­kam­pa­gnen kann die Zahl der Men­schen, die beim Auto­fah­ren ihr Handy benut­zen, deut­lich redu­ziert wer­den. Das hat ein Team um den Trau­ma­chir­ur­gen Bel­lal Joseph von der Uni­ver­si­tät von Ari­zona fest­ge­stellt. Die Wis­sen­schaf­ter haben eine Woche lang auf einem Park­platz beob­ach­tet, wie oft das medi­zi­ni­sche Per­so­nal der Uni­ver­si­tät abge­lenkt vom Park­platz weg­fuhr. Es folgte eine dies­be­züg­li­che Umfrage: 35,5 Pro­zent gaben an, sich beim Fah­ren ablen­ken zu las­sen. Danach folgte mit­tels Gespräch, Bro­schü­ren und Pos­ter eine Auf­klä­rungs­kam­pa­gne über die Ris­ken des Ver­hal­tens. Im Anschluss an die Kam­pa­gne wurde das Fahr­ver­hal­ten eine wei­tere Woche lang beob­ach­tet, eine zweite Umfrage durch­ge­führt. Ergeb­nis: Die Anzahl der Fah­rer, die abge­lenkt fuh­ren, ging um 50 Pro­zent zurück. Eine wei­tere Umfrage ein hal­bes Jahr spä­ter zeigte, dass der Effekt wei­ter anhielt. Für Stu­di­en­lei­ter Joseph beweist die Stu­die, wie wich­tig Auf­klä­rung und stren­gere Gesetze sind.
APA

Schicht­ar­beit beein­träch­tigt Denkvermögen

Bei Berufs­tä­ti­gen, die mehr als zehn Jahre Schicht­ar­beit leis­ten, ver­rin­gern sich die kogni­ti­ven Fähig­kei­ten deut­lich schnel­ler als bei ande­ren. Wis­sen­schaf­ter um Jean-Claude Mar­quie vom Insti­tut CNRS (Centre natio­nal de la recher­che sci­en­ti­fi­que) in Tou­louse haben in Süd­frank­reich 3.000 Berufs­tä­tige zwi­schen 32 und 62 Jah­ren aus ver­schie­de­nen Bran­chen unter­sucht; etwa die Hälfte von ihnen arbei­tete im Schicht­dienst. Über Jahre hin­weg wur­den in meh­re­ren Tests Lang- und Kurz­zeit­ge­dächt­nis, Reak­ti­ons­fä­hig­keit und kogni­tive Fähig­kei­ten gemes­sen. Betrof­fen sind vor allem Per­so­nen, die mehr als zehn Jahre Schicht­ar­beit leis­ten: Die Belas­tung ent­spricht einem Alte­rungs­pro­zess von zusätz­lich sechs­ein­halb Jah­ren. Nach Aus­schei­den aus dem Schicht­dienst dau­ert es min­des­tens fünf Jahre, um sich davon zu erho­len. Die Ergeb­nisse müss­ten aber in wei­te­ren Stu­dien bestä­tigt wer­den. Dass Schicht­ar­beit zu Herz­er­kran­kun­gen und gewis­sen Krebs­ar­ten füh­ren kann, hat­ten frü­here Stu­dien gezeigt; über Aus­wir­kun­gen auf die kogni­ti­ven Fähig­kei­ten war bis­lang wenig bekannt.
APA/​Occupational and Envi­ron­men­tal Medicine

Affen-Mala­ria ver­brei­tet sich unter Menschen

In Malay­sia brei­tet sich ein Mala­ria-Erre­ger, der lange Zeit nur bei Maka­ken vor­ge­kom­men ist, bei Men­schen aus. Zwei Drit­tel der Mala­ria-Pati­en­ten sind mit dem Erre­ger Plas­mo­dium know­lesi infi­ziert; er löst drei­mal so häu­fig eine schwere Mala­ria aus wie Plas­mo­dium fal­ci­parum. Bei Maka­ken ver­ur­sacht der Erre­ger nur milde Sym­ptome; beim Men­schen hin­ge­gen ist er der Mala­ria-Para­sit, der sich am schnells­ten im Blut ver­mehrt. Die For­scher um Bal­bir Singh vom Mala­ria­for­schungs­zen­trum der Uni­ver­si­tät Malay­sia machen mas­sive Abhol­zun­gen für die Ver­brei­tung ver­ant­wort­lich. Der Mensch dringe in den Lebens­raum der Maka­ken, die Haupt­wirt des Erre­gers sind, vor, wo dann die Mücken als Über­trä­ger fun­gie­ren. „Wenn die Zahl der Fälle wei­ter steigt, wird aber auch eine Über­tra­gung von Mensch zu Mensch mög­lich“, so Singh. Eine Aus­brei­tung über die Region hin­aus sei aber unwahr­schein­lich, weil es dort keine Mücken gebe, die den Para­si­ten über­tra­gen.
APA

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 22 /​25.11.2014