neu & aktu­ell: Poli­ti­sche Kurzmeldungen

25.05.2013 | Politik

USA: Sui­zid­rate gestiegen

Mit 17,6 Sui­zi­den pro 100.000 Ein­woh­ner war die Rate 2010 bei Per­so­nen zwi­schen 35 und 64 Jah­ren um 28 Pro­zent höher als noch 1999. Dies teilte die US-ame­ri­ka­ni­sche Gesund­heits­be­hörde CDC (Cen­ters for Dise­ase Con­trol) mit. Ursa­che könnte laut Stu­die die Wirt­schafts­krise sein. Seit 2009 ster­ben in den USA jähr­lich mehr Men­schen durch Sui­zid als durch Autounfälle.

Anti­baby-Pil­len: teure Vergleiche

Im Streit um die Throm­bose-Gefahr sei­ner Anti­baby-Pil­len Yas­min® und Yaz® hat der Phar­ma­kon­zern Bayer für Ver­glei­che mit 5.700 Klä­ge­rin­nen mehr als eine Mil­li­arde Dol­lar bezahlt. Ins­ge­samt haben 14.500 Frauen Ansprü­che gestellt; Bayer zahlt aber nur bei Venen­throm­bo­sen oder Lun­gen­em­bo­lien. Der Kon­zern setzte 2012 mit Yaz®, Yas­min® und Yas­mi­nelle® 1,05 Mil­li­ar­den Euro um.

New York: Ziga­ret­ten erst ab 21

Nach­dem bereits ein stren­ges Rauch­ver­bot gilt und die Tabak­steuer so hoch wie in kaum einem Bun­des­staat ist, will New York als erste US-ame­ri­ka­ni­sche Groß­stadt nun das Min­dest­al­ter für den Kauf von Ziga­ret­ten von 18 auf 21 Jah­ren anhe­ben. In Bars und Restau­rants in New York darf nicht geraucht wer­den, ebenso auch nicht in Parks und am Strand.

USA: Via­gra® auch online

Der Her­stel­ler Pfi­zer ver­kauft Via­gra® in den USA nun offi­zi­ell online. Die Abwick­lung über­nimmt die US-ame­ri­ka­ni­sche Dro­ge­rie­kette CVS. Pfi­zer will damit den Han­del mit gefälsch­ten Pil­len bekämp­fen und sei­nen Ruf schüt­zen; bei Online-Pro­be­käu­fen waren vier von fünf Pil­len gefälscht und ent­hiel­ten nur 30 bis 50 Pro­zent des Wirk­stoffs. 2012 setzte Pfi­zer mit Via­gra® 1,6 Mil­li­ar­den Euro um.

Frank­reich: neuer Skan­dal um Implantate

Nach den feh­ler­haf­ten Bil­lig-Brust­im­plan­ta­ten gibt es in Frank­reich einen neuen Skan­dal um medi­zi­ni­sche Implan­tate: Rund 650 Pati­en­ten wur­den nicht zuge­las­sene Hüft­pro­the­sen des Unter­neh­mens Cer­aver implan­tiert. Die fran­zö­si­sche Medi­zin­pro­dukte-Auf­sicht ANSM hat dar­auf­hin in den Pro­duk­ti­ons­stät­ten nahe Paris 1.000 Hüft­pro­the­sen ohne CE-Kenn­zeich­nung, die für eine euro­päi­sche Markt­zu­las­sung erfor­der­lich ist, beschlag­nahmt. Cer­aver-Chef Daniel Blan­qua­ert räumte gegen­über der Zei­tung „Le Pari­sien“ ein, dass Pati­en­ten Implan­tate mit anti­bak­te­ri­el­ler Hülle ein­ge­setzt wur­den, obwohl es keine Geneh­mi­gung für ent­spre­chende kli­ni­sche Ver­su­che gab. Indi­rekt bestä­tigte er, dass bei Labor­ver­su­chen jede zweite Maus gestor­ben war. Laut dem Vize-Gene­ral­se­kre­tär von ANSM, Fran­cois Hebert, gebe es bis­her keine Anzei­chen für gesund­heit­li­che Ris­ken. Die Behörde riet jedoch, dass Pati­en­ten mit sol­chen Implan­ta­ten unter­sucht und geröntgt wer­den soll­ten. Gesund­heits­mi­nis­te­rin Mari­sol Tou­raine kün­digte Ermitt­lun­gen wegen mög­li­chen Betrugs an.

Kran­ken­kas­sen: Plus von 182 Mil­lio­nen Euro

Bei einem Gesamt­bud­get von 15,4 Mil­li­ar­den Euro haben die Kran­ken­kas­sen 2012 einen Über­schuss von 182 Mil­lio­nen Euro erzielt; pro­gnos­ti­ziert wur­den Anfang 2013 138 Mil­lio­nen Euro. Damit ist das Plus den­noch gerin­ger als 2011 (240 Mil­lio­nen Euro). Nega­tiv bilan­zierte die SVA (Sozi­al­ver­si­che­rungs­an­stalt der gewerb­li­chen Wirt­schaft) mit einem Minus von 8,9 Mil­lio­nen Euro. Die Gebiets­kran­ken­kas­sen von Wien (plus 53,4 Mil­lio­nen Euro), der Stei­er­mark (plus 39,9 Mil­lio­nen Euro), Salz­burg (plus 15,9 Mil­lio­nen Euro), Kärn­ten (plus 12,2 Mil­lio­nen Euro) und Ober­ös­ter­reich (plus 10,8 Mil­lio­nen Euro) erziel­ten Über­schüsse. Aus­ge­gli­chen bilan­ziert haben die Gebiets­kran­ken­kas­sen in Nie­der­ös­ter­reich, dem Bur­gen­land, Tirol und Vor­arl­berg. Auch die Sozi­al­ver­si­che­rungs­an­stalt der Bau­ern (SVB), die Ver­si­che­rungs­an­stal­ten öffent­lich Bediens­te­ter (BVA) und für Eisen­bah­nen und Berg­bau (VAEB) schlos­sen posi­tiv ab. Außer der Wie­ner GKK mit 182,3 Mil­lio­nen Euro Ver­bind­lich­kei­ten sind alle Kas­sen schul­den­frei. Für 2013 wird ein Plus von 58,5 Mil­lio­nen Euro prognostiziert.


Medi­zin-Fakul­tät Linz: Kon­zept präsentiert

Das Kon­zept für die in Linz geplante Medi­zi­ni­sche Fakul­tät wurde kürz­lich prä­sen­tiert. Die Aus­bil­dung soll im Stu­di­en­jahr 2014/​15 – zunächst kom­plett an der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Graz – begin­nen; erst 2016/​17 star­tet die Aus­bil­dung in Linz. Der Voll­aus­bau des Stand­orts Linz mit sechs Jahr­gän­gen zu je 300 Stu­den­ten soll 2028 erreicht sein. Die Zulas­sung erfolgt nach Absol­vie­rung eines Auf­nah­me­tests; es gilt die Quo­ten­re­ge­lung. Ins­ge­samt sol­len 24 kli­ni­sche Lehr­stühle ein­ge­rich­tet wer­den; For­schungs­schwer­punkte sind die kli­ni­sche Alters­for­schung und die Ver­sor­gungs­for­schung. Die Gesamt-Inves­ti­tio­nen wer­den mit 168 Mil­lio­nen Euro ange­ge­ben; der lau­fende Betrieb (ohne Reinves­ti­tio­nen) wird mit jähr­lich 46,5 Mil­lio­nen Euro ver­an­schlagt. In einer noch ein­zu­rich­ten­den poli­ti­schen Arbeits­gruppe mit Regie­rungs- und Lan­des­ver­tre­tern sol­len Details zur Finan­zie­rung geklärt werden.

Vor­arl­berg: Gehalts­re­form beschlossen

Die Vor­arl­ber­ger Lan­des­re­gie­rung hat die lange gefor­derte Gehalts­re­form für die Lan­des­kran­ken­an­stal­ten Anfang Mai 2013 beschlos­sen. Damit kann die Umset­zung mit 1. Juli 2013 erfol­gen, wie Lan­des­haupt­mann Mar­kus Wall­ner und Gesund­heits­lan­des­rat Chris­tian Bern­hard (beide V) mit­teil­ten. Neben höhe­ren Ein­stiegs­ge­häl­tern für junge Mit­ar­bei­ter bei gleich­zei­ti­ger Abfla­chung der Gehalts­ent­wick­lung beinhal­tet die Reform etwa auch die volle Anrech­nung von Karenz- und Vor­dienst­zei­ten und auch die Ein­rei­chung von fixen Zula­gen in das Grund­ge­halt. Dem­nach wird das Gehalt von Tur­nus­ärz­ten im ers­ten Jahr um 22 Pro­zent auf jähr­lich 47.800 Euro brutto stei­gen. Bereits beschäf­tigte Mit­ar­bei­ter kön­nen wäh­len, ob sie ins neue Gehalts­sys­tem wech­seln wol­len. Schät­zungs­weise 40 Pro­zent wer­den von die­ser Mög­lich­keit Gebrauch machen. Die Gehalts­re­form wird Mehr­kos­ten von 13,5 Mil­lio­nen Euro ver­ur­sa­chen. Aller­dings muss sie noch vom Land­tag beschlos­sen werden.

Wie­ner Pati­en­tenom­buds­mann: SMS-Wahl im Juni

Von 14. bis 23. Juni 2013 wird mit­tels SMS-Voting der Wie­ner Pati­en­tenom­buds­mann gewählt. Alle sozi­al­ver­si­cher­ten Per­so­nen über 16 Jahre kön­nen eine SMS mit der Num­mer ihres Favo­ri­ten an die Tele­fon­num­mer 0800 60 50 40 schi­cken. Zur Wahl ste­hen Franz Bitt­ner (1), Josef Kan­dl­ho­fer (2) und Andrea Schwarz-Haus­mann (3); sie wur­den in einer Vor­auswahl von einer Jury unter 36 Bewer­bern bestimmt. Von jedem Handy kann nur ein­mal gewählt wer­den; die Wahl erfolgt anonym, Per­so­nen­da­ten wer­den nicht erfasst.


KABEG: Koperna wie­der im Dienst

Nach­dem er im August 2011 von KABEG-Vor­stand Ines Man­egold wegen angeb­li­cher Dienst­ver­wei­ge­rung frist­los ent­las­sen wor­den war, trat Tho­mas Koperna Ende April 2013 wie­der sei­nen Dienst an. Koperna, Lei­ter der Abtei­lung Unter­neh­mens­ent­wick­lung, Medi­zin und Pflege bei der KABEG (Kärnt­ner Lan­des­kran­ken­an­stal­ten-Betriebs­ge­sell­schaft), hatte geklagt und in zwei Instan­zen Recht bekommen.

Bur­gen­land: Kin­der ler­nen Erste Hilfe

Mit dem Pro­jekt „ROKO“ des Bur­gen­län­di­schen Jugend­rot­kreuz sol­len Kin­der schon im Kin­der­gar­ten Erste Hilfe spie­le­risch ler­nen. Rund 8.500 Kin­der wer­den im Bur­gen­land teil­neh­men; das Pro­jekt soll öster­reich­weit aus­ge­dehnt wer­den – in Nie­der­ös­ter­reich läuft es bereits. Mit der Hand­puppe „ROKO“ und einem Mit­mach-Heft sol­len Kin­dern neben Ers­ter Hilfe und Gefah­ren­er­ken­nung in Zukunft auch Stra­ßen­ver­kehr, Gesund­heit und Sicher­heit am Was­ser näher­ge­bracht wer­den. „Je frü­her das Inter­esse von Kin­dern für Sicher­heit und Erste Hilfe geweckt wird, umso bewuss­ter wer­den sie spä­ter den Gefah­ren ent­ge­gen­tre­ten“, so Lan­des­rä­tin Michaela Rese­tar (V).


Hepa­ti­tis C: Info-Kam­pa­gne läuft

Mit einer groß ange­leg­ten Auf­klä­rungs­kam­pa­gne will die Öster­rei­chi­sche Gesell­schaft für Gas­tro­en­te­ro­lo­gie und Hepa­to­lo­gie (ÖGGH) gemein­sam mit ver­schie­de­nen Koope­ra­ti­ons­part­nern das Wis­sen um Hepa­ti­tis C in der Bevöl­ke­rung erhö­hen. 80.000 Men­schen in Öster­reich lei­den an Hepa­ti­tis C; meist wird die Erkran­kung auf­grund der unspe­zi­fi­schen Sym­ptome spät erkannt, betonte Univ. Prof. Harald Hofer, Fach­arzt für Innere Medi­zin an der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Wien kürz­lich bei einer Pres­se­kon­fe­renz in Wien. Die Emp­feh­lung der Exper­ten: Bei erhöh­ten Leber­wer­ten und wenn einer der Risi­ko­fak­to­ren Täto­wie­run­gen, Pier­cings, i.v.-Drogenkonsum oder Blut­trans­fu­sion vor 1992 zutrifft, sich tes­ten zu las­sen. Die Kam­pa­gne mit Pla­ka­ten und Kurz­fil­men auf Info-Screens in U‑Bahn-Sta­tio­nen läuft seit Mitte Mai 2013. Tipp: www.hepatitis‑c.at

Medi­zi­ni­sche Uni­ver­si­tä­ten: Inns­bruck auf Rang eins

Die Medi­zi­ni­sche Uni­ver­si­tät Inns­bruck belegte im aktu­el­len Hoch­schul­ran­king, das von der nie­der­län­di­schen Uni­ver­si­tät Lei­den erstellt wird, Platz 170 – und ist damit die beste öster­rei­chi­sche Uni­ver­si­tät. Das Ran­king reiht die Uni­ver­si­tä­ten unab­hän­gig von ihrer Größe nach der Anzahl der Publi­ka­tio­nen und deren Zitie­run­gen in ande­ren Publi­ka­tio­nen. Die ers­ten zwölf Plätze erziel­ten US-ame­ri­ka­ni­sche Uni­ver­si­tä­ten; Rang eins belegte das Mas­sa­chu­setts Insti­tute of Tech­no­logy (MIT), gefolgt von der Uni­ver­sity of Cali­for­nia Santa Bar­bara und der Stan­ford University.

DDR: Men­schen­ver­su­che mit Medikamenten

In mehr als 50 DDR-Kli­ni­ken sol­len west­deut­sche Phar­ma­kon­zerne bis zum Mau­er­fall 1989 mehr als 600 Medi­ka­men­ten-Stu­dien mit 50.000 Test­pa­ti­en­ten durch­ge­führt haben, wie „Der Spie­gel“ berich­tet. Meh­rere Test­rei­hen – dar­un­ter Tren­tal (Hoechst), Spi­ra­prol (San­doz) – hät­ten zu Todes­fäl­len geführt und muss­ten abge­bro­chen wer­den. Das geht aus bis­lang unbe­kann­ten Akten des DDR-Gesund­heits­mi­nis­te­ri­ums, der Stasi und des Insti­tuts für Arz­nei­mit­tel­we­sen her­vor. An der Uni­ver­si­täts­kli­nik Cha­rité in Ost-Ber­lin etwa wurde Ery­thro­poe­tin (Boehrin­ger-Mann­heim) an 30 „unrei­fen Früh­ge­bo­re­nen“ erprobt. Nimo­di­pin (Bayer) wurde an Alko­ho­li­kern im aku­ten Deli­rium getes­tet. Bis zu 800.000 D‑Mark boten die Her­stel­ler den Kli­ni­ken pro Stu­die. Die Ärzte hät­ten laut den Pro­to­kol­len über die Motive der Kon­zerne Bescheid gewusst; Pati­en­ten wur­den oft bewusst nicht über Ris­ken auf­ge­klärt. Die betrof­fe­nen Kon­zerne ver­wei­sen dar­auf, dass die Vor­gänge weit zurück­lä­gen. Sie beto­nen, dass kli­ni­sche Tests prin­zi­pi­ell nach stren­gen Vor­schrif­ten erfolgten.

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 10 /​25.05.2013