127. ÖÄK-Voll­ver­samm­lung: Gesund­heits­re­form: Ärzte einbinden

25.06.2013 | Politik

Die Ein­bin­dung der Ärzte rund um die detail­lierte Aus­ge­stal­tung der Gesund­heits­re­form for­derte ÖÄK-Prä­si­dent Artur Wech­sel­ber­ger anläss­lich des 127. Ärz­te­kam­mer­ta­ges, der Ende Juni in Baden bei Wien stattfand.

Anläss­lich des 127. Ärz­te­kam­mer­ta­ges warnte ÖÄK-Prä­si­dent Artur Wech­sel­ber­ger, dass die vita­len Inter­es­sen der Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten nicht der Büro­kra­ti­sie­rung und Ver­wirt­schaft­li­chung des Gesund­heits­sys­tems geop­fert wer­den dürf­ten. Bei den detail­lier­ten Arbei­ten zur Gesund­heits­re­form gehe es nun vor allem darum, wo die Pati­en­ten künf­tig am bes­ten behan­delt wer­den (siehe dazu auch Inter­view mit Präs. Wech­sel­ber­ger „Tur­bu­lent und viel­fäl­tig“). Die For­de­rung des ÖÄK-Prä­si­den­ten: „Die Ärzte müs­sen in diese Gesprä­che unbe­dingt ein­ge­bun­den wer­den.“ Denn vie­les deute dar­auf hin, dass es zu einem Rück­bau der Ver­sor­gung durch nie­der­ge­las­sene Fach­ärzte und zu einer Kran­ken­haus-nahen Zen­tra­li­sie­rung kom­men werde. „Dies wider­spricht jedoch dem Ziel einer mög­lichst wohn­ort­na­hen Patientenbetreuung.“

Es sei jeden­falls mit einem Zuwachs an Büro­kra­tie, den die zehn Ziel­steue­rungs­kom­mis­sio­nen mit sich brin­gen wer­den, zu rech­nen. Auch wür­den der unmit­tel­ba­ren Pati­en­ten­be­treu­ung wei­tere finan­zi­elle Mit­tel feh­len, da die geplante Errich­tung von neuen Moni­to­ring- und Kon­troll­in­stan­zen Kos­ten ver­ur­sa­chen werde.

Wech­sel­ber­ger for­derte wei­ters, ELGA über den bereits seit 2005 zwi­schen Sozi­al­ver­si­che­run­gen und ÖÄK bestehen­den Pee­ring Point lau­fen zu las­sen. „Die­ser hat sich als leis­tungs­fä­hige IT-Struk­tur mit höchst­mög­li­chen Sicher­heits­stan­dards erwie­sen.“ Außer­dem wäre damit sicher­ge­stellt, dass die Bedürf­nisse der Anwen­der im Vor­der­grund stün­den und nicht die kom­mer­zi­el­len Inter­es­sen von IT-Unternehmen.

Wie­der ein­ge­rich­tet: Bundesschiedskommission

In sei­nem Bericht erwähnte Wech­sel­ber­ger noch die Ände­rung des Spe­ku­la­ti­ons­ver­bo­tes sowie die Ver­wal­tungs­ge­richts­bar­keits­no­velle. Vom Spe­ku­la­ti­ons­ver­bot wären auch die Ärz­te­kam­mern betrof­fen gewe­sen. Hier sei es jedoch gelun­gen, dass die Wohl­fahrts­fonds der Ärz­te­kam­mern von die­sem Gesetz nicht betrof­fen sind. Die Ände­run­gen im Zuge der Ver­wal­tungs­ge­richts­bar­keits­no­velle brin­gen es mit sich, dass die Beru­fungs­in­stan­zen der Ärz­te­kam­mer nicht mehr bestehen, son­dern öffent­li­che Gerichte diese Auf­ga­ben über­neh­men wer­den. Die Bun­des­schieds­kom­mis­sion wird mit der Zustän­dig­keit der Fest­set­zung eines auf­ge­kün­dig­ten Gesamt­ver­tra­ges wie­der eingerichtet.

Bei der Dis­kus­sion rund um die Ärzte-Aus­bil­dung erläu­terte Wech­sel­ber­ger zunächst die aktu­elle Beschluss­lage der ÖÄK. Laut einem Vor­stands­be­schluss vom Feber 2013 beginnt für jeden Arzt die post­pro­mo­tio­nelle Aus­bil­dung mit einem neun­mo­na­ti­gen Com­mon trunk, der aus sechs Mona­ten Inne­rer Medi­zin sowie drei Mona­ten Chir­ur­gie besteht. Dar­auf folgt die Fach­arzt-Aus­bil­dung (63 Monate) oder eine Aus­bil­dung zum Arzt für All­ge­mein­me­di­zin (45 Monate). Zwölf Monate sol­len dabei ver­pflich­tend in einer Lehr­pra­xis absol­viert wer­den; davon sol­len drei Monate auch in einer Kran­ken­haus-Ambu­lanz anre­chen­bar sein. Hin­sicht­lich der Lehr­pra­xis ver­weist Wech­sel­ber­ger auch auf ein Kon­zept, das von einer Arbeits­gruppe des Gesund­heits­mi­nis­te­ri­ums erstellt wurde. Darin ist die Rede von min­des­tens sechs, maximal zwölf Mona­ten Lehr­pra­xis. Im Kon­zept der ÖÄK gehe es dezi­diert um zwölf Monate Lehrpraxis.

Im Zuge des Ärz­te­kam­mer­ta­ges hob der ÖÄK-Prä­si­dent beson­ders die Akti­vi­tä­ten der in drei Toch­ter-Unter­neh­men aus­ge­la­ger­ten Betriebe der ÖÄK her­vor. Pres­se­stelle und Ver­lag der ÖÄK für die elek­tro­ni­sche Kom­mu­ni­ka­tion und mediale Auf­be­rei­tung, die ‚öster­rei­chi­sche aka­de­mie der ärzte‘ für die ärzt­li­che Fort­bil­dung sowie die ÖQMed (Öster­rei­chi­sche Gesell­schaft für Qua­li­täts­si­che­rung und Qua­li­täts­ma­nage­ment in der Medi­zin GmbH) sind jeweils für die ope­ra­tive Ebene zustän­dig. „In allen drei Gesell­schaf­ten sorgt ein straf­fes und effi­zi­en­tes Manage­ment dar­über hin­aus für den scho­nen­den Umgang mit Res­sour­cen“, betonte Wech­sel­ber­ger. AM

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 12 /​25.06.2013