Heb­am­men im MUKIPA: Ergän­zung, nicht Ersatz

10.04.2013 | Poli­tik

Heb­am­men wol­len künf­tig – „ihrem Berufs­bild ent­spre­chend“, wie es in einer ent­spre­chen­den Peti­tion heißt – Schwan­­ger­­schafts-Vor­­­sor­­ge­un­­­ter­­su­chun­­­gen im Rah­men der Mut­­ter-Kind-Pass-Unter­­su­chun­­­gen durchführen.

In die­ser Peti­tion an das Par­la­ment for­dert das Öster­rei­chi­sche Heb­am­­men-Gre­­mium (ÖGH) eine Geset­zes­än­de­rung des Kin­der­be­treu­ungs­geld­ge­set­zes (KBGG): Jene Unter­su­chun­gen, zu denen Heb­am­men laut Heb­am­men­ge­setz befugt sind, sol­len im Mut­­ter-Kind-Pass aner­kannt wer­den. Bis­lang wird Frauen, die Unter­su­chun­gen nur durch eine Heb­amme durch­füh­ren las­sen, ab dem 21. Lebens­mo­nat des Kin­des nur die Hälfte des Kin­der­be­treu­ungs­gel­des aus­be­zahlt; sie müs­sen die Unter­su­chung zusätz­lich von einem Arzt vor­neh­men las­sen. Die Heb­am­men sehen in der Nicht-Aner­­ken­­nung eine „Ungleich­be­hand­lung“, die dem Gleich­heits­grund­satz wider­spricht, heißt es dazu in der Petition.

Tho­mas Fied­ler, Obmann der Bun­des­fach­gruppe Frau­en­heil­kunde und Geburts­hilfe in der ÖÄK und selbst Gynä­ko­loge, sieht das anders: „Zwar beken­nen wir Gynä­ko­lo­gen uns zur Zusam­men­ar­beit mit den Heb­am­men. Trotz­dem haben alle fünf Mut­­ter-Kind-Pass-Unter­­su­chun­­­gen einen sehr star­ken ärzt­li­chen Hin­ter­grund und sind nicht durch Heb­am­­men-Kon­­su­l­­ta­­ti­o­­nen ersetz­bar.“ Obwohl Ultra­­schall-Unter­­su­chun­­­gen nur bei der ers­ten, zwei­ten und vier­ten Unter­su­chung vor­ge­se­hen sind, werde auch bei den ande­ren bei­den Kon­sul­ta­tio­nen fakul­ta­tiv ein Ultra­schall vor­ge­nom­men, wie er wei­ter aus­führt. Bei der fünf­ten und letz­ten Unter­su­chung etwa des­halb, weil das kind­li­che Wachs­tum und die Frucht­was­ser­menge über­prüft und fest­ge­stellt wer­den soll, ob das Kind in Schä­­del-oder Steiß­lage liegt. Beglei­tet wer­den diese Kon­sul­ta­tio­nen durch Harn- und Blut­un­ter­su­chun­gen sowie medi­zi­ni­sche Beur­tei­lun­gen – bei­spiels­weise hin­sicht­lich der Durch­blu­tung der Pla­zenta und auch was die ord­nungs­ge­mäße Ent­wick­lung des Kin­des anlangt. „Bei unse­rer medi­zi­ni­schen Ver­sor­gung wäre es ver­rückt, auf diese eta­blier­ten Mukipa-Unter­­su­chun­­­gen durch Ärzte, die mit Ultra­schall und Labor­un­ter­su­chun­gen kom­bi­niert sind, zu ver­zich­ten. Und diese oblie­gen nun ein­mal nach wie vor Ärz­ten“, bekräf­tigt Fied­ler. Das alles trage schließ­lich auch dazu bei, die Früh­ge­burt­lich­keits­rate zu senken.

Grund­sätz­lich begrüßt Fied­ler jede Berei­che­rung des Mut­­ter-Kind-Pas­­ses und sieht dabei durch­aus auch ein Tätig­keits­pro­fil für Heb­am­men, „wenn es dem Wohl der Pati­en­ten und der För­de­rung der Gesund­erhal­tung und der Geburt gesun­der Kin­der dient. Es soll aber kei­nes­falls ein Wett­streit um Leis­tun­gen wer­den.“ Im Mit­tel­punkt müsse dabei ste­hen, dass die Bera­tung für die Pati­en­ten stets har­mo­nisch bleibt; sie dürf­ten nicht durch unter­schied­li­che Aus­sa­gen von Ärz­ten und Heb­am­men irri­tiert wer­den. Denn „zu viel Bera­tung kann ver­un­si­chern“, gibt er zu beden­ken. Sein ein­dring­li­cher Appell: „Heb­am­men und Ärzte müs­sen ein­an­der ergän­zen und dür­fen sich kei­nes­falls erset­zen oder kon­kur­rie­ren.“
MH

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 7 /​10.04.2013