Todes­ur­sa­chen­sta­tis­tik: Herz-Kreis­lauf-Erkran­­kun­­­gen und Kar­zi­nome dominieren

15.08.2013 | Medi­zin

Wäh­rend im mitt­le­ren Lebens­al­ter Kar­zi­nome die häu­figste Todes­ur­sa­che dar­stel­len, sind es im höhe­ren Erwach­se­nen­al­ter Herz-Kreis­lauf-Erkran­­kun­­­gen. Doch auch im mitt­le­ren Lebens­al­ter neh­men Herz-Kreis­lauf-Kran­k­hei­­ten als Todes­ur­sa­che zu:2012 war bereits jeder fünfte Todes­fall dar­auf zurückzuführen.Von Bar­bara Leitner*

Herz-Kreis­lauf-Erkran­­kun­­­gen sind die mit Abstand häu­figste Todes­ur­sa­che – beson­ders im höhe­ren Erwach­se­nen­al­ter. Laut Todes­ur­sa­chen­sta­tis­tik ver­star­ben im Jahr 2012 ins­ge­samt 33.931 Per­so­nen (42,7 Pro­zent) an Herz- Kreis­lauf-Kran­k­hei­­ten, 20.266 Per­so­nen (25,5 Pro­zent) an Krebs. Damit ent­fie­len auf diese bei­den Todes­ur­sa­chen­grup­pen zusam­men rund sie­ben von zehn Ster­be­fäl­len des Jah­res 2012. Die übri­gen Ster­be­fälle ver­teil­ten sich auf Krank­hei­ten der Atmungs­or­gane (3.963 Per­so­nen oder fünf Pro­zent), der Ver­dau­ungs­or­gane (3.001 Per­so­nen oder 3,8 Pro­zent), auf sons­tige Krank­hei­ten (13.833 Per­so­nen oder 17,4 Pro­zent) und nicht natür­li­che Todes­ur­sa­chen (Ver­let­zun­gen und Ver­gif­tun­gen; 4.442 Per­so­nen oder 5,6 Pro­zent). Wäh­rend bei Todes­fäl­len im mitt­le­ren Erwach­se­nen­al­ter Krebs die Todes­ur­sa­che Num­mer Eins dar­stellt, domi­nie­ren im höhe­ren Alter die Herz-Kreis­lauf-Kran­k­hei­­ten. 2012 ent­fie­len bei den 80- bis 89-Jäh­­ri­­gen bei­nahe die Hälfte der Todes­fälle auf diese Krank­heits­gruppe, bei den über 90-Jäh­­ri­­gen sogar rund 60 Prozent.

Im Jahr 2012 ver­star­ben in Öster­reich 79.436 Per­so­nen – davon waren 52,9 Pro­zent Frauen und 47,1 Pro­zent Män­ner. Berück­sich­tigt man die ins­ge­samt stei­gende Zahl der Bevöl­ke­rung und ihre kon­ti­nu­ier­li­che demo­gra­phi­sche Alte­rung, so sank die Sterb­lich­keit in den letz­ten zehn Jah­ren alters­stan­dar­di­siert um 17 Pro­zent. Die sin­kende Sterb­lich­keit an Herz-Kreis­lauf-Erkran­­kun­­­gen war dabei in den letz­ten zehn Jah­ren bestim­mend für das Aus­maß und die Geschwin­dig­keit des gesam­ten Sterblichkeitsrückganges.

Zwi­schen dem Ster­be­al­ter und den zugrunde lie­gen­den Todes­ur­sa­chen zeigt sich ein kla­rer Zusam­men­hang. So waren im Jahr 2012 rund drei Vier­tel aller Ver­stor­be­nen 70 Jahre oder älter. Die häu­figs­ten Todes­ur­sa­chen die­ser Alters­gruppe sind Herz-Kreis­lauf-Kran­k­hei­­ten, gefolgt von Krebs sowie mit gro­ßem Abstand Krank­hei­ten der Atmungs­or­gane und Ernäh­rungs­be­zie­hungs­weise Stoff­wech­sel­krank­hei­ten. Krank­hei­ten des Ner­ven­sys­tems, der Ver­dau­ungs­or­gane und Unfälle spie­len eine gerin­gere Rolle.

Rund 22 Pro­zent aller Todes­fälle tra­ten zwi­schen dem 40. und dem 70. Lebens­jahr auf, wobei der Groß­teil davon auf Kar­zi­nome zurück­zu­füh­ren war. Bei Män­nern waren es vor allem Bron­­chial- und Pan­kre­as­kar­zi­nome sowie Krebs des lympha­ti­schen und blut­bil­den­den Gewe­bes und Leber­kar­zi­nome. Die Krebsster­be­fälle von Frauen die­ser Alters­gruppe waren haupt­säch­lich auf Bronchial‑, Mamma- und Pan­kre­as­kar­zi­nome zurück­zu­füh­ren. Wei­ters sind im mitt­le­ren Erwach­se­nen­al­ter bereits die Herz-Kreis­lauf-Kran­k­hei­­ten als Todes­ur­sa­che von Bedeu­tung: Rund jeder fünfte Todes­fall war 2012 die­ser Krank­heits­gruppe zuzu­rech­nen. Krank­hei­ten der Ver­dau­ungs­or­gane sind in die­sem Alter eben­falls eine rela­tiv häu­fige Ursa­che für den Tod.

Bei Jugend­li­chen und bei jun­gen Erwach­se­nen unter 40 Jah­ren (zusam­men rund zwei Pro­zent aller Ster­be­fälle) waren Unfälle die häu­figste Todes­ur­sa­che, anteils­mä­ßig eben­falls rela­tiv häu­fig waren Sui­zide (18,8 Pro­zent). Bei den weni­gen Todes­fäl­len, die Kin­der im Alter von ein bis unter zehn Jah­ren betref­fen (80 Todes­fälle im Jahr 2012), waren neben Fehl­bil­dun­gen Unfälle und Krebs häu­fige Todes­ur­sa­chen. Bei Säug­lin­gen (252 Todes­fälle im Jahr 2012) waren Geburts­kom­pli­ka­tio­nen und ange­bo­rene Fehl­bil­dun­gen die häu­figs­ten Ursa­chen für den frü­hen Tod.

Metho­di­sche Aufarbeitung

Die Erhe­bung und Auf­ar­bei­tung der Ster­be­fälle erfolgt auf Basis der Mel­dun­gen der rund 1.400 Stan­des­äm­ter monat­lich nach dem Ereig­nis­ort, die Ver­öf­fent­li­chung nach dem Wohn­ort. Ster­be­fälle von in Öster­reich wohn­haf­ten Per­so­nen (Haupt­wohn­sitz), die im Aus­land statt­fin­den, kön­nen von öster­rei­chi­schen Stan­des­äm­tern der­zeit sta­tis­tisch nur unvoll­stän­dig erfasst wer­den. Für die Ster­be­fälle wer­den ab dem Berichts­jahr 2009 Infor­ma­tio­nen aus ande­ren Daten­quel­len her­an­ge­zo­gen, um im Aus­land ver­stor­bene Per­so­nen mit Wohn­sitz in Öster­reich sta­tis­tisch mög­lichst voll­stän­dig zu erfas­sen. Gemäß inter­na­tio­na­len Vor­ga­ben wird Ster­be­fäl­len mit unbe­kann­ter Todes­ur­sa­che der ICD-Code R99 zuge­wie­sen. In Öster­reich erfolgte Ster­be­fälle von im Aus­land wohn­haf­ten Per­so­nen wer­den zwar erho­ben und auf­ge­ar­bei­tet, sind aber in den publi­zier­ten Daten nicht ent­hal­ten. Ihre Zahl betrug im Jahr 2012 ins­ge­samt 803.

*) Mag. Bar­bara Leit­ner; Sta­tis­tik Austria/​Direktion Bevöl­ke­rung, Gugl­gasse 13 1110 Wien; Tel 01/​711 28–7262; E‑Mail: barbara.leitner@statistik.gv.at

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 15–16 /​15.08.2013