ÖÄK-Diplom Sport­me­di­zin: Bes­sere Betreu­ung im Sportverein

15.08.2013 | Medizin

Die dia­gnos­ti­sche und the­ra­peu­ti­sche Betreu­ung durch einen Sport­me­di­zi­ner sollte nicht nur für Pro­fis, son­dern auch für Hob­by­sport­ler Teil der opti­ma­len Sport­aus­übung sein. Das ÖÄK-Diplom für Sport­me­di­zin soll zu bes­se­rer medi­zi­ni­scher Betreu­ung für Sport­ver­bände bei­tra­gen und den Stel­len­wert der Sport­me­di­zin in Öster­reich stär­ken. Von Eli­sa­beth Gerstendorfer

Mehr als 14.000 Sport­ver­eine bie­ten in Öster­reich die Mög­lich­keit, sich in einem pro­fes­sio­nell betreu­ten Umfeld sport­lich zu betä­ti­gen. Das Ange­bot reicht vom Trai­ning klas­si­scher Brei­ten­sport­ar­ten wie Fuß­ball und Schi­fah­ren bis hin zu Sumo-Rin­gen und Unter­was­ser-Rugby. Auf­gabe der Ver­eine ist nicht nur, Zugang zu aus­ge­bil­de­ten Trai­nern, Sport­flä­chen und Sport­ge­rä­ten zu ermög­li­chen, son­dern auch medi­zi­ni­sche Betreu­ung zu gewähr­leis­ten. Doch nicht ein­mal jeder zweite Sport­ver­ein ver­fügt über ent­spre­chende sport­me­di­zi­ni­sche Struk­tu­ren für seine Mit­glie­der. „Die Sport­me­di­zin ist in Öster­reich lange nicht so prä­sent wie etwa in Deutsch­land oder der Schweiz. Vor allem bei Som­mer­sport­ar­ten besteht noch gro­ßer Bedarf“, sagt Erwin Zanier, Refe­rent für Sport­me­di­zin der Öster­rei­chi­schen Ärz­te­kam­mer und Diplom­ver­ant­wort­li­cher für das ÖÄK­Di­plom Sportmedizin.

Wäh­rend im Spit­zen­sport Ärz­te­teams unter­schied­li­cher Fach­rich­tun­gen wie der All­ge­mein­me­di­zin, der Unfall­chir­ur­gie oder der Ortho­pä­die sowie der Inne­ren Medi­zin und Kin­der­heil­kunde mit sport­me­di­zi­ni­schem Schwer­punkt gemein­sam die medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung und Trai­nings­vor­be­rei­tung eines Teams beglei­ten, ver­fü­gen Ver­eine im Ama­teur­be­reich kaum über Koope­ra­tio­nen mit Sport­me­di­zi­nern. „Das Poten­tial der Sport­me­di­zin wird oft unter­schätzt, da mit ihr meist nur Repa­ra­tur­me­di­zin asso­zi­iert wird. Zu einem grö­ße­ren Teil umfasst sie aber Trai­nings­vor­be­rei­tung, medi­zi­ni­sche Trai­nings­lehre, Ana­lyse von Belas­tungs­mus­tern sowie Basis­un­ter­su­chun­gen von Kin­dern und Jugend­li­chen, die bestimmte Sport­ar­ten aus­füh­ren möch­ten“, so Zanier.

Der­zeit gibt es laut Zanier nur in Tirol ein ent­spre­chen­des Modell zur Unter­su­chung des Nach­wuch­ses, noch bevor er aktiv in den Sport in Ama­teur­ver­ei­nen ein­tritt. Ziel ist, der­ar­tige Unter­su­chun­gen öster­reich­weit ein­zu­füh­ren, sagt Zanier, der selbst 30 Jahre als Ver­bands­arzt des Tiro­ler Fuß­ball­ver­ban­des tätig war. Neben dem all­ge­mei­nen Gesund­heits­zu­stand wird bei einer sol­chen Basis­un­ter­su­chung die kör­per­li­che Eig­nung für die Anfor­de­run­gen der gewähl­ten Sport­art bezie­hungs­weise der Ent­wick­lungs­stand der Kin­der und Jugend­li­chen untersucht.

Basis­un­ter­su­chun­gen sowie medi­zi­ni­sche Bera­tung gewin­nen in der Sport­me­di­zin im Ver­gleich zur Repa­ra­tur­me­di­zin immer mehr an Bedeu­tung. Zwar zäh­len auch die Ver­sor­gung von Ver­let­zun­gen und Schä­di­gun­gen in den ver­schie­de­nen Sport­ar­ten sowie deren Prä­ven­tion zu den Auf­ga­ben­ge­bie­ten des Sport­me­di­zi­ners. Ein zuneh­mend grö­ße­rer Teil­be­reich sind aber Unter­su­chun­gen etwa der Sport­mo­to­rik mit Schnel­lig­keits­tests, Aus­dau­er­tests oder Kraft­dia­gnos­tik und Trai­nings­be­ra­tung, die Aus­wahl von Trai­nings­ma­te­rial je nach Belas­tungs­an­sprü­chen sowie Hal­tungs- und Bewe­gungs­schu­lung. In vie­len Bun­des­län­dern bestehen bereits sport­me­di­zi­ni­sche Insti­tute, wel­che Kom­plex­un­ter­su­chun­gen bie­ten und etwa indi­vi­du­elle Trai­nings­pläne erstel­len. „Prä­ven­tive oder reha­bi­li­ta­tive kör­per­li­che Akti­vi­tät zu betrei­ben, nimmt zu, vor allem in Fit­ness-Stu­dios. Die Zusam­men­ar­beit mit Sport­me­di­zi­nern ist ein Qua­li­täts­kri­te­rium für seriöse Fit­ness-Stu­dios. Einige ver­fü­gen über eine sport­me­di­zi­ni­sche Pra­xis“, berich­tet Zanier.

Sport­me­di­zi­ner als Dopingverantwortliche

Auch die sport­me­di­zi­ni­sche Aus- und Wei­ter­bil­dung von Übungs­lei­tern kann Auf­gabe des Sport­me­di­zi­ners in einem Ver­ein sein sowie die Ver­ant­wor­tung für Anti-Doping-Maß­nah­men. Zanier: „Der­zeit sind Doping­ver­ant­wort­li­che oft Juris­ten oder Ver­tre­ter ande­rer Dis­zi­pli­nen. Tat­säch­lich fal­len Anti-Doping- Maß­nah­men aber unter die Kom­pe­tenz des Ver­bands­arz­tes.“ In enger Zusam­men­ar­beit mit der Natio­na­len Anti-Doping Agen­tur (NADA) gehe es vor allem darum, inter­na­tio­nale Stan­dards ein­zu­hal­ten, etwa für Doping-Kon­trol­len, die Abgabe von Urin- und Blut-Pro­ben sowie Daten­schutz. Auch Auf­klä­rung und Bewusst­seins­bil­dung, einer­seits der medi­zi­ni­schen Aus­wir­kun­gen von Doping, ande­rer­seits der sport­recht­li­chen Kon­se­quen­zen, zäh­len zu den Auf­ga­ben des Ver­bands­arz­tes. „Doping zieht sich inter­na­tio­nal durch alle Sport­ar­ten. Öster­reich ist aber auf einem guten Weg, Anti-Doping-Maß­nah­men umzu­set­zen“, meint Zanier.

Im Rah­men des ÖÄK-Diploms für Sport­me­di­zin sind neben 120 Stun­den Theo­rie 60 Stun­den Pra­xis in Form von Pra­xis­se­mi­na­ren und Ärz­te­sport unter Anlei­tung ent­spre­chend qua­li­fi­zier­ter Trai­ner vor­ge­se­hen sowie eine sport­ärzt­li­che Betreu­ung eines Sport­ver­eins zumin­dest im letz­ten Halb­jahr vor der Ein­rei­chung zum Diplom nach­zu­wei­sen. Rund 1.600 Ärz­tin­nen und Ärzte haben bis­her das ÖÄK-Zusatz­di­plom für Sport­me­di­zin absolviert.

Das ÖÄK-Diplom fin­det in enger Zusam­men­ar­beit zwi­schen Ärz­te­kam­mer, Arzt­aka­de­mie und Öster­rei­chi­scher Gesell­schaft für Sport­me­di­zin und Prä­ven­tion (ÖGSMP) als bera­ten­der Fach­ge­sell­schaft statt.

Mehr Infor­ma­tio­nen zu aktu­el­len Ter­mi­nen und Aus­bil­dungs­in­hal­ten gibt es unter www.arztakademie.at.

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 15–16 /​15.08.2013