neu & aktu­ell: Medi­zi­ni­sche Kurzmeldungen

25.09.2013 | Medizin

Tri­so­mie 21: Wirk­stoff gegen Defizite

Wird gen­tech­nisch ver­än­der­ten Mäu­sen mit Tri­so­mie 21-ähn­li­chen Sym­pto­men direkt nach der Geburt ein Wirk­stoff inji­ziert, ent­wi­ckelt sich das Klein­hirn nor­mal. Mit der Sub­stanz wird die Effek­ti­vi­tät einer beein­träch­tig­ten Signal­kas­kade, des „Sonic Hedge­hog Pathway“, der für die ver­än­derte Hirn­ent­wick­lung ver­ant­wort­lich ist, ver­stärkt, erklär­ten Wis­sen­schaf­ter der Johns Hop­kins Uni­ver­sity in Bal­ti­more.
APA/​Science Trans­la­tio­nal Medicine

Sper­mi­din gegen nach­las­sende Gedächtnisleistung

An Frucht­flie­gen konn­ten Gra­zer For­scher nach­wei­sen, dass das alters­be­dingte Absin­ken der Gedächt­nis­leis­tung durch die Gabe von Sper­mi­din ver­hin­dert wer­den kann. Sper­mi­din – es ist in hoher Kon­zen­tra­tion in Sperma, aber auch in Soja, Wei­zen oder Grape­fruit ent­hal­ten – sti­mu­liert die Auto­pha­gie, die bei alters­be­ding­ten Ver­än­de­run­gen laut den Wis­sen­schaf­tern eine wich­tige Rolle spielt.
APA/​Nature Neuroscience

Musik ver­bes­sert Gefäßfunktion

Wird bei Pati­en­ten mit KHK Musik­the­ra­pie zusätz­lich zur medi­zi­ni­schen Trai­nings­the­ra­pie ein­ge­setzt, ver­bes­sert sich die Endo­thel­funk­tion, wie sich anhand der Stick­stoff­oxide und Xan­thi­no­xi­dase zeigte. Bei der Stu­die wur­den 74 Pati­en­ten in die drei Grup­pen Trai­ning, Musik und kom­bi­nier­tes Musik-Trai­nings-Pro­gramm ein­ge­teilt; in letz­te­rer zeig­ten sich die deut­lichs­ten Effekte.
APA

Rag­weed: rapide Aus­brei­tung droht

Waren 2007 rund elf Pro­zent des Gebie­tes von Öster­reich und Bay­ern mit Rag­weed (Bei­fuß­am­bro­sie) kon­ta­mi­niert, wer­den es – ohne Bekämp­fung und auf­grund des Kli­ma­wan­dels – bis 2050 schon 45 Pro­zent des Gebie­tes sein. Berech­nun­gen zufolge kann eine früh­zei­tige Bekämp­fung (jähr­lich rund 30 Mil­lio­nen Euro) Fol­ge­kos­ten für Medi­ka­mente, Behand­lun­gen etc. von 300 Mil­lio­nen Euro ver­hin­dern.
APA/​Journal of App­lied Ecology

Myo­kard­in­farkt: Bauch­fett erhöht Mortalität

Bauch­fett erhöht die Fünf-Jah­res-Mor­ta­li­tät von Pati­en­ten nach einem Myo­kard­in­farkt um bis zu 65 Pro­zent. Das zeigt eine Stu­die von Tabas­some Simon und Nicho­las Dan­chin vom Hôpi­tal St. Antoine und Hôpi­tal Euro­péen Geor­ges Pom­pi­dou in Paris. Die Wis­sen­schaf­ter ana­ly­sier­ten die Fünf-Jah­res-Mor­ta­li­tät, den Bauch­um­fang und den Body-Mass-Index von 3.670 Per­so­nen, die einen Myo­kard­in­farkt erlit­ten hat­ten. Bei star­ker Fett­lei­big­keit (BMI über 35) und einem Bauch­um­fang bei Män­nern von über 115 Zen­ti­me­tern und bei Frauen von über 100 Zen­ti­me­tern war die Mor­ta­li­tät deut­lich erhöht. Am gerings­ten war die Sterb­lich­keit nach einem Myo­kard­in­farkt bei Per­so­nen mit nor­ma­lem Über­ge­wicht bezie­hungs­weise gerin­ger Adi­po­si­tas. Ist der BMI aller­dings unter 22, erhöht sich die Mor­ta­li­tät eben­falls um 41 Pro­zent. „Aus­ge­präg­tes Bauch­fett, schwere Adi­po­si­tas, aber auch Unter­ge­wicht sind beson­ders wich­tige Risi­ko­fak­to­ren für die Lang­zeitsterb­lich­keit nach Herz­in­farkt“, betont Univ. Prof. Otmar Pachin­ger von der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Inns­bruck.
APA

For­scher ent­wi­ckeln abbau­bare Nägel, Plat­ten und Schrauben

For­schern der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät und der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Graz, der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät und der Uni­ver­si­tät für Boden­kul­tur in Wien ist es gelun­gen, mikro­bielle Bio­po­ly­es­ter – soge­nannte Poly­hy­dro­xyal­ka­no­ate (PHAs) – zu ent­wi­ckeln, aus denen abbau­bare Implan­tate her­ge­stellt wer­den kön­nen. Mikro­bielle Bio­po­ly­es­ter wer­den von Bak­te­rien pro­du­ziert und kön­nen vom Kör­per auf­ge­nom­men wer­den, wenn sie ihre Auf­gabe erfüllt haben. Die am häu­figs­ten bis­her ver­wen­de­ten bio­re­sor­bier­ba­ren Implan­tate sind aus Poly­me­ren her­ge­stellt und wer­den auf natür­li­chem Weg aus­ge­schie­den. Aller­dings wei­sen sie im Kin­des­al­ter eine hohe chro­ni­sche Ent­zün­dungs­re­ak­tion auf. Ein wei­te­rer Vor­teil der neuen Implan­tate: Sie erspa­ren Kin­dern Zwei­t­ope­ra­tio­nen zur Ent­fer­nung der Implan­tate, sind bio­kom­pa­ti­bler als die bis­her ein­ge­setz­ten Stahl- und Titan-Werk­stoffe und för­dern so den Hei­lungs­pro­zess der Kno­chen. Außer­dem kann über die genaue Zusam­men­set­zung die Abbau­ge­schwin­dig­keit des Implan­ta­tes gesteu­ert wer­den.
APA


Weni­ger Myo­kard­in­farkte durch Rauchverbot

Im Schwei­zer Kan­ton Tes­sin wur­den nach der Ein­füh­rung des Rauch­ver­bo­tes in öffent­li­chen Räu­men im Jahr 2007 ein Fünf­tel weni­ger STEMI-Infarkte dia­gnos­ti­ziert. Hin­ge­gen blieb in Basel-Stadt, wo es damals kein Rauch­ver­bot gab, die Zahl der Infarkte gleich. Das Team um Mar­cello Di Valen­tino vom Ospe­dale San Gio­vanni in Bel­lin­zona unter­suchte die durch­schnitt­li­che Anzahl der jähr­li­chen Spi­tals­auf­nah­men wegen eines STEMI-Infark­tes drei Jahre vor und drei Jahre nach der Ein­füh­rung des Rauch­ver­bots und ver­glich diese mit den ent­spre­chen­den Zah­len aus dem Kan­ton Basel-Stadt. Die Wis­sen­schaf­ter füh­ren die ver­rin­gerte Rate an Herz­in­fark­ten vor allem auf den Schutz von Nicht­rau­chern vor dem Pas­siv­rau­chen zurück. Stu­di­en­lei­te­rin Ales­san­dra Por­retta zum Ergeb­nis: „Der Rauch­stopp senkte das Vor­kom­men von STE­MIs in der Tes­si­ner Bevöl­ke­rung deut­lich und lang­fris­tig.“ Für Frauen über 65 Jah­ren sei der Nut­zen am höchs­ten gewe­sen.
APA

Dia­be­tes mel­li­tus ohne Insu­lin überleben

Wird Mäu­sen Lep­tin direkt ins Gehirn gespritzt, über­leb­ten Mäuse mit Dia­be­tes mel­li­tus auch ohne die Gabe von Insu­lin. Dabei konnte ein Schwei­zer For­scher­team um Roberto Cop­pari von der Uni­ver­si­tät Genf jene Gehirn­zel­len iden­ti­fi­zie­ren, die für die blut­zu­cker­sen­kende Wir­kung von Lep­tin zustän­dig sind. Außer­dem ermit­tel­ten sie mit der Leber, gewis­sen Mus­keln und dem brau­nen Fett­ge­webe auch jene Gewebe, die – ange­regt durch Lep­tin – Blut­zu­cker auf­neh­men. Den Erkennt­nis­sen der Wis­sen­schaf­ter zufolge scheint Lep­tin außer­dem ein bes­se­rer Gegen­spie­ler von Glu­ca­gon als Insu­lin zu sein und den Blut­zu­cker­spie­gel prä­zi­ser zu sen­ken. Es löst daher auch keine Hypo­gly­kämien aus, baut Fett­spei­cher ab und zügelt den Appe­tit. „Dank die­ser Erkennt­nisse zeich­nen sich Alter­na­ti­ven zum Insu­lin ab“, meinte Cop­pari.
APA/​Cell Metabolism


Sta­tine: wirk­sam gegen Kata­rakt und Demenz

Die Ein­nahme von Sta­ti­nen kann das Risiko für Kata­rakt um bis zu 20 Pro­zent redu­zie­ren – ent­ge­gen der bis­he­ri­gen Annahme, dass Cho­le­ste­rin­sen­ker Grauen Star begüns­ti­gen kön­nen. Das ergab eine Meta­stu­die des Robert Wood John­son Uni­ver­sity Hos­pi­tal in New Jer­sey (USA) mit Daten von 2,4 Mil­lio­nen Pati­en­ten aus 14 Stu­dien mit einer mitt­le­ren Behand­lungs­dauer von 54 Mona­ten; das Durch­schnitts­al­ter betrug 61 Jahre. Wird bei jün­ge­ren Pati­en­ten (ab 40 Jahre) mit einer Sta­tin-The­ra­pie begon­nen, sinkt das Risiko sogar um bis zu 50 Pro­zent. Tai­wa­ne­si­sche For­scher wie­derum konn­ten nach­wei­sen, dass demen­ti­elle Erkran­kun­gen bei einer Sta­tin-The­ra­pie zurück­ge­hen. Hier kommt es auch auf die Dosis an: Je höher das Medi­ka­ment dosiert war, umso sel­te­ner kam es zu Erkran­kun­gen. Auch bei Demenz war in den ver­gan­ge­nen Jah­ren der Ver­dacht auf­ge­taucht, dass Sta­tine ein Aus­lö­ser sein könn­ten.
APA

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 18 /​25.09.2013