neu & aktu­ell: Medi­zi­ni­sche Kurzmeldungen

15.08.2013 | Medi­zin

Japan: Tests mit Stamm­zel­len für Netzhaut

In Japan dür­fen For­scher die welt­weit ers­ten Ver­su­che star­ten, die alters­be­dingte Makula-Dege­­ne­ra­­tion mit kör­per­ei­ge­nen Stamm­zel­len zu behan­deln. Geplant ist, Zell­pro­ben der Haut zu ent­neh­men, diese zu indu­zier­ten plu­ri­po­ten­ten Stamm­zel­len umzu­pro­gram­mie­ren und dar­aus Netz­haut­zel­len zu züch­ten. Nach zehn Mona­ten soll die Trans­plan­ta­tion ins Auge erfol­gen.
APA

Fet­ter Fisch senkt Brustkrebs-Risiko

Wer jede Woche ein bis zwei Por­tio­nen von fet­tem Fisch wie Lachs, Thun­fisch oder Sar­dine kon­su­miert, kann das Risiko für ein Mam­ma­kar­zi­nom um 14 Pro­zent sen­ken. Chi­ne­si­sche For­scher von der Uni­ver­si­tät Zhe­jiang füh­ren das auf die Omega-3-Fet­t­­säu­­ren zurück. Für die Meta-Ana­­lyse wer­te­ten sie Daten aus 26 Unter­su­chun­gen mit 800.000 Frauen aus.
APA/​British Medi­cal Journal

Tri­so­mie 21: Chro­mo­som ausgeschaltet

US-ame­­ri­­ka­­ni­­schen For­schern ist es im Labor gelun­gen, die dritte Kopie vom Chro­mo­som 21 aus­zu­schal­ten. Die Wis­sen­schaf­ter um Zell­bio­lo­gin Jeanne Law­rence von der Uni­ver­si­tät Mas­sa­chu­setts erwar­ten sich, dass die­ser „Grund­la­gen­nach­weis span­nende Wege weist, das Down-Syn­­­drom neu zu unter­su­chen.“ Aller­dings sind noch einige Jahre an For­schung not­wen­dig.
APA/​Nature


Infra­rot-Kamera dia­gnos­ti­ziert Hautkrebs

For­scher von der Zür­cher Hoch­schule für Ange­wandte Wis­sen­schaf­ten ent­wi­ckel­ten eine Infra­rot-Kamera, die die Tem­pe­ra­tur­schwan­kun­gen und den unter­schied­li­chen Stoff­wech­sel von gesun­der Haut und bös­ar­ti­gen Ver­än­de­run­gen miss und bild­haft dar­stellt. Erste Tests an Pati­en­ten ver­lie­fen viel­ver­spre­chend; in den nächs­ten zwei Jah­ren lau­fen dazu kli­ni­sche Stu­dien am Uni­spi­tal Genf.
APA

Früh­stü­cken senkt Myokardinfarkt-Risiko

Wer nicht früh­stückt, erhöht sein Risiko für einen Myo­kard­in­farkt um 27 Pro­zent; auch das Risiko für eine koro­nare Herz­krank­heit steigt. Dabei wur­den Daten von 26.900 Män­nern im Alter zwi­schen 45 und 82 Jah­ren, die über 16 Jahre hin­durch erho­ben wur­den, aus­ge­wer­tet. Die Früh­stücks­ver­wei­ge­rer waren im Durch­schnitt jün­ger, unver­hei­ra­tet, kör­per­lich weni­ger aktiv, tran­ken mehr Alko­hol und waren mit einer höhe­ren Wahr­schein­lich­keit Rau­cher. Im Ver­lauf der Stu­die hat­ten 1.572 Teil­neh­mer erst­mals Herz­pro­bleme wie etwa Herz­rhyth­mus­stö­run­gen. „Das Weg­las­sen des Früh­st­rücks kann zu Risi­ko­fak­to­ren wie Fett­lei­big­keit, Blut­hoch­druck, hohem Cho­le­ste­rin­spie­gel und Dia­be­tes füh­ren, die im Laufe der Zeit einen Herz­in­farkt ver­ur­sa­chen kön­nen“, erklärt Stu­di­en­au­torin Leah Cahill von der Har­vard School of Public Health in Bos­ton (USA). Ein regel­mä­ßi­ger Mit­­­ter­­nachts-Snack erhöht das Risiko für Erkran­kun­gen der Herz­kranz­ge­fäße sogar um 55 Pro­zent. Ob die gewon­ne­nen Erkennt­nisse in glei­chem Maß auf Frauen zutref­fen, soll nun in wei­te­ren Stu­dien geklärt wer­den.
APA/​Circulation

Simu­la­tor für Gehirn-Operationen

Am so genann­ten „Neuro Touch“-Simulator kön­nen seit kur­zem an der Uni­ver­si­täts­kli­nik für Neu­ro­chir­ur­gie der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Wien am AKH mikro­chir­ur­gi­sche Ope­ra­ti­ons­tech­ni­ken trai­niert wer­den. Der Simu­la­tor besteht aus zwei hap­ti­schen Gerä­ten, an die neu­ro­chir­ur­gi­sche Instru­mente gekop­pelt sind, erklärt Ste­fan Wolfs­ber­ger von der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Wien. Bei der vir­tu­el­len Ope­ra­tion am Com­pu­ter spürt der Ope­ra­teur einen Wider­stand – wie bei einem wirk­li­chen Ein­griff. Durch die Dar­stel­lung mit­tels 3D-Mikro­­skop han­delt es sich um einen der umfas­sends­ten, exak­tes­ten und rea­li­täts­na­hes­ten Simu­la­to­ren der Welt. Mit Hilfe des Simu­la­tors, der in Zusam­men­ar­beit mit dem Natio­nal Rese­arch Coun­cil Canada ent­stand, kön­nen ver­schie­dene Stan­­dard-Ein­­griffe simu­liert wer­den. In einem nächs­ten Schritt pla­nen die For­scher die Ver­wen­dung von Pati­en­­ten-spe­­zi­­fi­­schen Magne­t­­re­­so­­nanz-Auf­­­nah­­men des Gehirns. Damit kann jede Ope­ra­tion am Vor­tag ganz exakt auf den Pati­en­ten zuge­schnit­ten simu­liert wer­den.
APA


Masern: höhe­res Risiko für SSPE als vermutet

Das Risiko, nach einer Masern­in­fek­tion an sub­a­ku­ter skle­ro­sie­ren­der Panen­ze­pha­li­tis (SSPE) zu erkran­ken, liegt nicht wie bis­her ange­nom­men bei 1:100.000. Das durch­schnitt­li­che Risiko dafür liegt bei Kin­dern unter fünf Jah­ren bei 1:3.300, wie eine Stu­die der Uni­ver­si­tät Würz­burg und des Bay­ri­schen Lan­des­amts für Gesund­heit und Lebens­mit­tel­si­cher­heit zeigt. Noch Jahre nach der Masern­in­fek­tion kann es zur Enze­pha­li­tis kom­men. Beson­ders Kin­der unter einem Jahr sind gefähr­det; hier schät­zen die For­scher das Risiko noch höher ein. Zwar schützt die Masern-Imp­­fung gegen eine SSPE; sie kann aller­dings erst ab dem elf­ten Lebens­mo­nat durch­ge­führt wer­den und kommt daher bei der Risi­ko­gruppe Säug­linge nicht zum Ein­satz. SSPE führt zum schlei­chen­den Ver­lust aller geis­ti­gen Fähig­kei­ten, dann zum Wach­koma und endet töd­lich.
APA/​PLOS One

Anti­de­pres­siva ver­rin­gern Ceramid-Gehalt

Viele Anti­de­pres­siva sen­ken den Gehalt von Cer­a­mid in den Ner­ven­zel­len. Diese bis­her als Neben­wir­kung betrach­tete Eigen­schaft könnte ein Grund für die Wirk­sam­keit der Psy­cho­phar­maka sein. Denn wie Wis­sen­schaf­ter der Uni­ver­si­tä­ten Duis­­burg-Essen und Erlan­­gen-Nürn­­berg in einer Stu­die mit Mäu­sen her­aus­fan­den, hemmt Cer­a­mid die Bil­dung von neuen Ner­ven­zel­len im Hip­po­cam­pus. Wird der Car­­mid-Gehalt redu­ziert, beginnt die Neu­bil­dung der Zel­len wie­der und die Stim­mung ver­bes­sert sich. Bestä­ti­gen sich diese Ergeb­nisse in wei­tere Stu­dien, könn­ten die deut­schen For­scher um Univ. Prof. Johan­nes Korn­hu­ber, Lei­ter der Psych­ia­trie am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Erlan­gen, auch eine Ursa­che für Depres­sio­nen ent­deckt haben. Ihre Annahme: Bei Depres­sio­nen ist zu viel Cer­a­mid vor­han­den. In einem nächs­ten Schritt soll die The­ra­pie auf Men­schen über­tra­gen wer­den.
APA/​Nature Medicine


Zeu­gungs­zeit­punkt beein­flusst Baby-Gesundheit

Babys, die im Mai gezeugt wer­den, kom­men mmit einer um zehn Pro­zent höhe­ren Wahr­schein­lich­keit vor dem geplan­ten Geburts­ter­min zur Welt und müs­sen daher mit höhe­ren Gesund­heits­ri­si­ken rech­nen. Das füh­ren die US-ame­­ri­­ka­­ni­­schen For­scher um Janet Cur­rie und Han­nes Schwandt von der Prince­ton Uni­ver­sity auf die hohe Rate von Influ­enza-Infe­k­­ti­o­­nen im Jän­ner und Februar zurück. Für ihre Stu­die wer­te­ten die Wis­sen­schaf­ter Daten von mehr als 1,4 Mil­lio­nen Kin­dern aus. Dabei berück­sich­tig­ten sie aus­schließ­lich Müt­ter, die mehr als ein Kind gebo­ren hat­ten. Kin­der, die in den Som­mer­mo­na­ten gezeugt wur­den und ab dem Früh­jahr gebo­ren wur­den, wogen durch­schnitt­lich auch acht bis neun Gramm mehr als im Win­ter gebo­rene Kin­der. Die For­scher erklä­ren das mit der höhe­ren Gewichts­zu­nahme der Müt­ter. Frü­here Stu­dien hat­ten bereits gezeigt, dass Müt­ter aus sozial schwä­che­ren Fami­lien eher in den Mona­ten, die für die Gesund­heit der Säug­linge ungüns­tig sind, gebä­ren.
APA/​PNAS

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 15–16 /​15.08.2013