Qua­li­täts­si­che­rung: Eva­lu­ie­rung macht sicher!

10.11.2012 | Poli­tik

In Nie­der­ös­ter­reich und Vor­arl­berg läuft der­zeit die neu­er­li­che ÖQMed-Zer­­ti­­fi­­zie­­rung der Ordi­na­tio­nen an. Die ÖÄK rät, schon im Vor­feld mög­li­che bestehende Män­gel zu behe­ben, um bei einer all­fäl­li­gen Über­prü­fung durch einen Qua­­li­­täts­­si­che­­rungs-Beauf­­tra­g­­ten keine bösen Über­ra­schun­gen zu erle­ben.
Von Ruth Mayrhofer

Erst­mals hat die ÖQMed auf Basis der Qua­li­täts­si­che­rungs­ver­ord­nung im Jahr 2006 rund 22.000 Ordi­na­tio­nen einer Eva­lu­ie­rung unter­zo­gen. Laut Ärz­te­ge­setz ist alle fünf Jahre eine Über­ar­bei­tung die­ser Ver­ord­nung not­wen­dig. In Folge des­sen ist die erneu­erte Ver­ord­nung seit 1. Jän­ner 2012 in Kraft. In der „Ver­ord­nung neu“ sind wesent­lich umfas­sen­dere Kri­te­rien als in der vor­her­ge­gan­ge­nen ent­hal­ten. Zusätz­lich wur­den – nur um zwei Bei­spiele zu nen­nen – Bran­d­­schutz-Kri­­te­­rien und Such­t­­gift-Geba­­rung auf den neu­es­ten Stand gebracht.

Nie­der­ös­ter­reich und Vor­arl­berg sind jene bei­den Bun­des­län­der, die als erste im drit­ten Quar­tal 2012 unter die Lupe genom­men wer­den – und zwar in Form einer Selbst­eva­lu­ie­rung, wie sie bei vie­len Qua­­li­­täts­­si­che­­rungs-Sys­­te­­men vor­ge­se­hen ist. Grund: Der, der selbst eva­lu­iert, hat immer auch auf­grund des gut struk­tu­rier­ten Fra­ge­bo­gens ‚den bes­ten Blick‘ auf sei­nen Betrieb bezie­hungs­weise in die­sem Fall auf seine Ordination.

Die (Selbst-)Evaluierung ist denk­bar ein­fach: Mit einem Zeit­auf­wand von weni­ger als 20 Minu­ten mit­hilfe des Online-Fra­­ge­­bo­­gens ist die Sache auch schon getan. Es gilt jedoch, vor dem Aus­fül­len des Fra­ge­bo­gens die­sen genau durch­zu­se­hen und mög­li­che Stol­per­steine für eine Zer­ti­fi­zie­rung aus dem Weg zu räumen.

Johan­nes Stein­hart, Bun­des­ku­ri­en­ob­mann der nie­der­ge­las­se­nen Ärzte in der ÖÄK, legt sei­nen Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen daher ans Herz, schon im Vor­feld mög­li­che bestehende Män­gel zu behe­ben, um anschlie­ßend bei einer poten­ti­el­len Über­prü­fung durch einen Qua­­li­­täts­­si­che­­rungs-Beauf­­tra­g­­ten der ÖQMed keine bösen Über­ra­schun­gen zu erle­ben. Immer­hin lan­den in einem Pool, aus dem mit einem elek­tro­ni­schen Zufalls­ge­ne­ra­tor dann sie­ben Pro­zent der Ordi­na­tio­nen für einen Ordi­na­ti­ons­be­such durch einen Qua­­li­­täts­­si­che­­rungs-Beauf­­tra­g­­ten gezo­gen wer­den. Diese Qua­­li­­täts­­si­che­­rungs-Beauf­­tra­g­­ten wei­sen nicht nur eine ent­spre­chende Zusatz­aus­bil­dung auf, son­dern müs­sen außer­dem fünf Jahre lang haupt­be­ruf­lich eine Ordi­na­tion geführt haben. Die Qua­­li­­täts­­si­che­­rungs-Beauf­­tra­g­­ten kön­nen und wol­len den Ärz­ten, deren Ordi­na­tio­nen den Eva­lu­ie­rungs­pro­zess durch­lau­fen, durch ihre eigene Erfah­rung auf glei­cher Augen­höhe Hil­fe­stel­lung leisten.

Bezüg­lich der Eva­lu­ie­rung unter­liegt die ÖQMed kei­ner­lei Wei­sungs­recht durch Funk­tio­näre der Ärz­te­kam­mer. Wei­sungs­ge­bun­den ist die ÖÄK gegen­über dem Gesund­heits­mi­nis­ter im Bereich der Rechts­grund­lage für die Qua­li­täts­si­che­rung. Gesund­heits­mi­nis­ter Alois Stö­ger hat schon im Zuge der neuen Ver­ord­nung von die­sem Recht Gebrauch gemacht. Er hat ver­ord­net, dass jeder ein­zelne Man­gel, der bei der Eva­lu­ie­rung in einer Kas­sen­pra­xis ent­deckt wird, den zustän­di­gen Kran­ken­kas­sen gemel­det wer­den muss. „Das ist nicht nur ein extre­mer büro­kra­ti­scher Auf­wand, son­dern auch eine abso­lute Zumu­tung für die nie­der­ge­las­sene Ärz­te­schaft“, ärgert sich Johan­nes Stein­hart: „Es ist ja fast eine Belei­di­gung, dass der Minis­ter die Ärzte die­sem Pro­ce­dere aussetzt.“

Dabei ist Öster­reich in Sachen Qua­li­täts­si­che­rung für ärzt­li­che Ordi­na­tio­nen spe­zi­ell im euro­päi­schen Kon­text feder­füh­rend. Ledig­lich in Deutsch­land gibt es Ähn­li­ches – aller­dings nur rudi­men­tär. Dort muss zwar jeder nie­der­ge­las­sene Arzt über (irgend-)ein Qua­­li­­täts­­ma­­na­ge­­ment-Sys­­tem ver­fü­gen; er benö­tigt jedoch keine Zer­ti­fi­zie­rung. Das bedeu­tet, dass nur im Fall von Feh­lern oder Schä­den nach­ge­wie­sen wer­den muss, dass die Qua­li­tät in der Ordi­na­tion ein­wand­frei war. Daher fehlt für sie vor einem „Scha­dens­fall“ jeg­li­che Rechts­si­cher­heit. Öster­reichs Ärzte haben durch die absol­vierte Qua­li­täts­eva­lu­ie­rung hier eine ent­schie­den bes­sere Rechtsposition.

„Wir haben ein sehr gutes Qua­li­täts­si­che­rungs­sys­tem für die Ärz­te­schaft, das nach­weis­lich gut funk­tio­niert und auf das wir abso­lut stolz sein kön­nen“, betont Stein­hart. Und auch in die­sem Kon­text sei die Wei­sung von Stö­ger „über­haupt nicht verständlich“.

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 21 /​10.11.2012