neu & aktu­ell: Poli­ti­sche Kurzmeldungen

25.02.2012 | Poli­tik


Spa­nien: Tote durch Legionärskrankheit

Drei bri­ti­sche Tou­ris­ten zwi­schen 73 und 78 Jah­ren sind inner­halb einer Woche in einem Hotel an der spa­ni­schen Mit­tel­meer­küste an der Legio­närs­krank­heit gestor­ben. Sie­ben wei­tere bri­ti­sche Hotel­gäste und vier Spa­nier sind an der durch Legi­o­­nella-Bak­­te­­rien ver­ur­sach­ten Lun­gen­ent­zün­dung erkrankt. Die Behör­den kün­dig­ten an, das Hotel im Bade­ort Calpe nahe Ali­cante zu schließen.

USA: mehr Geld für Alzheimer-Forschung

Die US-ame­­ri­­ka­­ni­­sche Regie­rung will die Mit­tel für Alz­hei­­mer-For­­schung in den nächs­ten zwei Jah­ren um 25 Pro­zent – rund 130 Mil­lio­nen Dol­lar (98 Mil­lio­nen Euro) – auf­sto­cken. Wei­tere 26 Mil­lio­nen Dol­lar sind für die ver­bes­serte Pflege von Pati­en­ten und Öffent­lich­keits­ar­beit vor­ge­se­hen. Rund 5,1 Mil­lio­nen US-Ame­­ri­­ka­­ner lei­den an M. Alz­hei­mer; die Zahl der Pati­en­ten wird sich bis 2050 ver­mut­lich verdoppeln.


Paki­stan: 100 Tote durch Herzmedikamente

Rund 100 Paki­sta­ner mit einem Herz­lei­den sind an schäd­li­chen Arz­nei­mit­teln gestor­ben. Ins­ge­samt wur­den 300 vor­wie­gend arme Men­schen behan­delt; sie erhiel­ten Gra­­tis-Medi­­­ka­­mente vom staat­li­chen Insti­tut für Kar­dio­lo­gie. Die von ört­li­chen Her­stel­lern pro­du­zier­ten Medi­ka­mente waren von schlech­ter Qua­li­tät und wur­den mitt­ler­weile aus dem Ver­kehr gezogen.


Öster­reich: erneut Jod-131 in der Luft

Kürz­lich wur­den erneut geringe Men­gen von radio­ak­ti­vem Jod-131 in Öster­reich ebenso wie in ande­ren euro­päi­schen Mess­stel­len nach­ge­wie­sen. Wegen der gerin­gen Kon­zen­tra­tion besteht keine Gesund­heits­ge­fähr­dung. Eine Quelle in Öster­reich wird aus­ge­schlos­sen; Mes­sun­gen deu­ten auf den Osten Euro­pas hin. Erst Ende 2011 war Jod-131 aus einem unga­ri­schen Radio­iso­to­pen­in­sti­tut ausgetreten.

ÖÄK warnt: Elek­tro­smog durch Smart Meter

Die Öster­rei­chi­sche Ärz­te­kam­mer warnt vor der flä­chen­de­cken­den Ein­füh­rung von „intel­li­gen­ten Strom­zäh­lern“, den soge­nann­ten Smart Metern. Die Über­tra­gung der Daten über Funk oder das Strom­netz führe dabei zu einer signi­fi­kant stei­gen­den Belas­tung mit Elek­tro­smog und dadurch mög­li­cher­weise zu gesund­heit­li­chen Fol­gen, so Gert Ober­feld vom Refe­rat für Umwelt­me­di­zin der ÖÄK. „Die WHO hat 2001 nie­der­fre­quente Magnet­fel­der sowie 2011 auch hoch­fre­quente elek­tro­ma­gne­ti­sche Fel­der als mög­li­cher­weise krebs­er­re­gend für den Men­schen ein­ge­stuft“, erklärt Ober­feld. Die ÖÄK appel­liert daher an das zustän­dige Wirt­schafts­mi­nis­te­rium, die Gesund­heits­re­le­vanz der neuen Tech­nik im vor­lie­gen­den Geset­zes­ent­wurf zu berück­sich­ti­gen, anstatt in „vor­aus­ei­len­dem Gehor­sam“ eine an sich unver­bind­li­che EU-Ver­­or­d­­nung umzu­set­zen. Laut Wirt­schafts­mi­nis­ter Rein­hold Mit­ter­leh­ner (V) sol­len mit Ende 2014 die ers­ten öster­rei­chi­schen Haus­halte mit Smart Metern aus­ge­stat­tet sein; bis 2018 soll es sie in min­des­tens 95 Pro­zent aller öster­rei­chi­schen Haus­halte geben.

Deutsch­land: ille­ga­ler Han­del mit Rezeptdaten?

Einem Bericht des deut­schen Nach­rich­ten­ma­ga­zins „Spie­gel“ zufolge wer­den meh­rere deut­sche Rechen­zen­tren ver­däch­tigt, ille­gal mit Mil­lio­nen von Daten aus Apo­the­ken­re­zep­ten gehan­delt zu haben. Diese Daten seien für die Daten­ver­ar­bei­tung gespei­chert, aus­ge­wer­tet und an Kun­den der Phar­ma­in­dus­trie ver­kauft wor­den, wie ein ehe­ma­li­ger Mit­ar­bei­ter der Firma pharmfakt/​Gesellschaft für Daten­ver­ar­bei­tung in einer eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung erklärte. Er selbst habe auf Wei­sung der Geschäfts­füh­rung jah­re­lang unver­schlüs­selte, nicht anony­mi­sierte Rezept­da­teien von den bei­den größ­ten deut­schen Apo­­the­­ken-Rechen­­­zen­­tren bezo­gen. „Die Unter­la­gen, die uns in Aus­zü­gen zuge­spielt wur­den, schei­nen valide zu sein“, so Thilo Wei­chert, Lei­ter des Unab­hän­gi­gen Daten­schutz­zen­trums Schles­­wig-Hol­stein in Kiel, gegen­über dem „Spie­gel“. Zu den Kun­den der Firma zäh­len etwa Bayer, Gla­x­oS­mit­h­Kline, Novar­tis, Ratio­pharm oder Sanofi Aven­tis. Sol­che Rezept­da­ten wer­den für die Markt­for­schung ver­wen­det. Der Han­del ist legal, solange die Daten nur ver­schlüs­selt ver­wen­det wer­den. Die Gesell­schaft für Daten­ver­ar­bei­tung soll genau gegen die­ses Ver­bot ver­sto­ßen haben.

Spar­vo­lu­men im Gesund­heits­we­sen: ÖÄK ist skeptisch

Skep­tisch äußert sich ÖÄK-Prä­­si­­dent Wal­ter Dor­ner zur Teil­ei­ni­gung der Steue­rungs­gruppe im Gesund­heits­mi­nis­te­rium über ein Spar­vo­lu­men im Gesund­heits­sys­tem von 3,5 Mil­li­ar­den Euro bis zum Jahr 2016. „Mit einem hypo­the­ti­schen Zah­len­spiel ist noch lange keine Gesund­heits­re­form gemacht“, so Dor­ner. Posi­tiv beur­teilt er die Absicht zu einem „akkor­dier­ten Vor­ge­hen zur Steue­rung der Gesund­heits­ver­sor­gung zwi­schen Kran­ken­häu­sern und ambu­lan­tem Bereich“. Er for­dert aber gleich­zei­tig kon­krete Maß­nah­men wie etwa die kon­se­quente Umset­zung des Haus- und Ver­trau­ens­arzt­mo­dells der ÖÄK oder des ÖÄK-Kon­­zepts zur Ent­las­tung der Spi­tals­am­bu­lan­zen aus 2009. Außer­dem müsste die Ärz­te­kam­mer als gleich­be­rech­tig­ter Part­ner zu den Ver­hand­lun­gen bei­gezo­gen wer­den, so die For­de­rung von Dor­ner: „Da die Ärz­te­schaft für die Gesund­heits­ver­sor­gung der Bevöl­ke­rung haupt­ver­ant­wort­lich ist, muss sie die Reform-Maß­­nah­­men bei der kon­kre­ten Pati­en­ten­be­hand­lung umset­zen und auch verantworten.“

Kran­ken­kas­sen: 240 Mil­lio­nen Euro Über­schuss für 2011

Ent­ge­gen der Pro­gnose von Anfang 2011, die mit einem Minus von 32 Mil­lio­nen Euro gerech­net hat, haben die Kran­ken­kas­sen im Vor­jahr einen Über­schuss von 240 Mil­lio­nen Euro erwirt­schaf­tet. Im End­ergeb­nis sind die 40 Mil­lio­nen Euro aus dem Struk­tur­fonds sowie die Aus­wir­kun­gen der ver­ein­bar­ten Finanz­ziele berück­sich­tigt. Den­noch lie­gen die Kran­ken­kas­sen mit die­sem Ergeb­nis unter dem Plus von 2010 (362 Mil­lio­nen Euro). Dabei haben die Tiro­ler und die Vor­arl­ber­ger GKK aus­ge­gli­chen bilan­ziert, alle ande­ren Kas­sen – dar­un­ter die Ober­ös­ter­rei­chi­sche und Stei­ri­sche GKK mit dem größ­ten Plus von mehr als 33 Mil­lio­nen Euro – erziel­ten einen Über­schuss. Mit dem Plus soll der Schul­den­stand, der noch immer bei 300 Mil­lio­nen Euro liegt, bis 2013 getilgt sein; 2010 lagen die Schul­den noch bei mehr als einer Mil­li­arde Euro. Auch für 2012 rech­nen die Kran­ken­kas­sen wie­der mit einem Über­schuss; pro­gnos­ti­ziert wer­den 66 Mil­lio­nen Euro.

Med­Uni Inns­bruck streicht Nachtdienste

An der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Inns­bruck wird es ab 1. April 2012 keine Nacht- und Wochen­end­dienste von Bun­des­ärz­ten mehr geben, sofern es bis dahin keine Finanz­zu­sage von Sei­ten des Bun­des gibt. Dies hat der Uni­ver­si­täts­rat Anfang Feber beschlos­sen. Für das lau­fende Jahr feh­len der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät 5,4 Mil­lio­nen Euro; fünf Mil­lio­nen Euro könn­ten durch die geplan­ten Maß­nah­men, von denen 240 Medi­zi­ner betrof­fen wären, ein­ge­spart wer­den. Für Artur Wech­sel­ber­ger, Prä­si­dent der Ärz­te­kam­mer für Tirol, ist die Ein­stel­lung der Nacht- und Wochen­end­dienste aber „nicht ziel­füh­rend“. Er appel­liert an die Ver­ant­wort­li­chen an der Uni­ver­si­tät, in Land und Bund, Pati­en­­ten- und Arbei­t­­neh­­mer-gerechte Lösun­gen zu fin­den. Eine Bud­get­lü­cke von 5,4 Mil­lio­nen müsse schließ­bar sein; die Ärz­te­kam­mer für Tirol for­dert daher eine ent­spre­chende finan­zi­elle Bede­ckung des öster­rei­chi­schen Gesund­heits­sys­tems und ein Ende der Spar­dis­kus­sion bei den Leis­tungs­er­brin­gern unter Aus­spa­rung aller übri­gen Kos­ten­fak­to­ren wie etwa der Verwaltung.

Bil­­lig-Implan­­tate: erste Verurteilung

Erst­mals sind im Skan­dal um die Bil­­lig-Brust­­i­m­­plan­­tate der Firma PIP (Poly Implant Pro­t­hèse) ein Schön­heits­chir­urg und eine Kli­nik in Spa­nien zu einer Ent­schä­di­gung von rund 7.500 Euro ver­ur­teilt wor­den. Nach­dem eines ihrer Implan­tate geplatzt war, musste sich die Betrof­fene erneut einer Ope­ra­tion unter­zie­hen; sie wurde nicht aus­rei­chend über die Risi­ken der Bil­­lig-Implan­­tate auf­ge­klärt, wie das Gericht ent­schied. In Spa­nien tra­gen etwa 18.000 Frauen die Bil­­lig-Implan­­tate. In Öster­reich prüft der Ver­ein für Kon­su­men­ten­in­for­ma­tion (VKI) – 20 betrof­fene Öster­rei­che­rin­nen haben sich dort gemel­det – die Mög­lich­keit einer Sam­mel­in­ter­ven­tion und die Durch­set­zung von Ansprü­chen aus der Pro­dukt­haf­tung. EU-Gesun­d­heits­­­kom­­mis­­sar John Dalli bezeich­net es als „eines der größ­ten Schlupf­lö­cher“ in dem Betrugs­fall, dass das Unter­neh­men von den zustän­di­gen Prüf­stel­len vor Kon­trol­len immer vor­ge­warnt wor­den sei. Nur durch schär­fere Markt­kon­trol­len könne ein sol­cher Betrugs­fall bekämpft wer­den. Ein Geset­zes­vor­schlag zur Ände­rung der EU-Rich­t­­li­­nie für Medi­zin­pro­dukte sei geplant, so Dalli.

Grip­pe­welle in Öster­reich: seit 14.2.2012

In einem Schrei­ben des Haupt­ver­ban­des der Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger infor­miert die­ser in Abstim­mung mit dem Viro­lo­gi­schen Insti­tut der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Wien, dass die Grip­pe­welle mit 14. Feber 2012 Öster­reich erfasst hat. Somit kön­nen die anti­vi­ra­len Sub­stan­zen wie Tami­flu® 75 mg Hart­kap­seln, Tami­flu® 12 mg/​ml Pul­ver zur Her­stel­lung einer Sus­pen­sion zum Ein­neh­men sowie Relenza® Pul­ver Ein­zel­do­sis 4x5 ohne chef­ärzt­li­che Bewil­li­gung bei einer Influ­enza ver­ord­net wer­den.

USA: Streit um kos­ten­lose Antibaby-Pille

Auf hef­tige Kri­tik von Sei­ten der Kon­ser­va­ti­ven und der katho­li­schen Kir­che stößt die Rege­lung, wonach mit der US-ame­­ri­­ka­­ni­­schen Gesund­heits­re­form künf­tig auch kirch­li­che Arbeit­ge­ber ihren weib­li­chen Beschäf­tig­ten Ver­hü­tungs­mit­tel erstat­ten müs­sen. Der Kom­­pro­­miss-Vor­­­schlag von US-Prä­­si­­dent Barack Obama: Alle Orga­ni­sa­tio­nen – mit Aus­nahme jener, die einen reli­giö­sem Hin­ter­grund haben – müs­sen der Rege­lung bis spä­tes­tens August 2013 nach­kom­men. Erstat­tet eine Ein­rich­tung die Anti­ba­by­pille nicht, müs­sen künf­tig die Kran­ken­ver­si­che­run­gen den weib­li­chen Ange­stell­ten direkt einen kos­ten­lo­sen Zugang zur Pille anbie­ten. Somit sei die freie Aus­übung des Glau­bens geschützt, aber auch der kos­ten­lose Zugang zu Emp­fäng­nis­ver­hü­tung unab­hän­gig vom sozia­len Hin­ter­grund garan­tiert, so Obama. Der repu­bli­ka­ni­sche Par­la­ments­prä­si­dent John Boeh­ner hatte die Rege­lung als „unzwei­deu­ti­gen Angriff auf die Reli­gi­ons­frei­heit“ bezeich­net.

Deutsch­land: jedes sechste Kind hat Sucht-kranke Eltern

Fast jedes sechste Kind in Deutsch­land lebt Schät­zun­gen zufolge in einer Sucht-kran­­ken Fami­lie. Mehr als 2,6 Mil­lio­nen Kin­der wach­sen bei Alko­hol-kran­­ken Eltern, 40.000 Kin­der bei Dro­­gen-abhän­­gi­­gen Eltern auf. Eine bun­des­weite Akti­ons­wo­che in rund 30 deut­schen Städ­ten Mitte Feber sollte unter dem Motto „Ver­ges­se­nen Kin­dern eine Stimme geben“ auf die Situa­tion die­ser Kin­der auf­merk­sam machen. „Es gibt keine Patent­re­zepte. Das Risiko, selbst spä­ter süch­tig zu wer­den, ist für diese Kin­der hoch. Aber sie haben auch Res­sour­cen, und die müs­sen gestärkt wer­den“, so Hen­ning Mielke, Vor­sit­zen­der des Ver­eins Nacoa (Inter­es­sens­ver­tre­tung für Kin­der aus Sucht­fa­mi­lien) und Mit-Initia­­tor der Akti­ons­wo­che.

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 4 /​25.02.2012