neu & aktu­ell: Medi­zi­ni­sche Kurzmeldungen

25.09.2012 | Medizin


Imp­fung gegen Den­gue-Fie­ber wirkt

Eine rund 30-pro­zen­tige Wirk­sam­keit hat For­schern aus Thai­land und Frank­reich zufolge ein neuer Impf­stoff gegen Den­gue-Fie­ber. Gegen die drei Sero­ty­pen DENV 1, 3 und 4 war der Impf­stoff zwi­schen 60 und 90 Pro­zent wirk­sam; DENV 2 hin­ge­gen scheint im Ver­such gegen den Impf­stoff resis­tent zu sein. Die Ver­träg­lich­keit sei gut; in den ers­ten bei­den Jah­ren nach der Imp­fung gab es keine Pro­bleme.
APA/​The Lancet

Hor­mon regu­liert Appetit

Ghre­lin, ein Hor­mon aus dem Magen-Darm-Trakt, wird bei dün­nen und dicken Men­schen unter­schied­lich regu­liert und kann somit zu Gewichts­ab­wei­chun­gen bei­tra­gen, wie For­scher der Uni­ver­si­täts­kli­nik für Innere Medi­zin III am Wie­ner AKH nach­wei­sen konn­ten. Ghre­lin und andere Regu­la­to­ren des Appe­tits beein­flus­sen auch den Ener­gie­haus­halt und haben somit einen dop­pel­ten Effekt.
APA

Ältere Väter: mehr Erbgutveränderungen

Mit jedem zusätz­li­chen Lebens­jahr des Vaters bei der Zeu­gung steigt die Zahl der ver­än­der­ten Stel­len im Erb­gut des Kin­des um zwei. Wis­sen­schaf­ter sequen­zier­ten das Erb­gut von 219 Men­schen und such­ten nach de novo-Muta­tio­nen. Das sind Ver­än­de­run­gen in einer gerade erst befruch­te­ten Eizelle oder eine Muta­tion in einer Ei- oder Samen­zelle noch vor der Befruch­tung.
APA/​Nature

Neue Aids-ähn­li­che Immunschwäche

In Asien haben Wis­sen­schaf­ter eine bis­her unbe­kannte Immun­schwä­che ent­deckt, deren Sym­ptome jenen von Aids ähn­lich sind. Bei den bis­her vor­wie­gend in Thai­land und Tai­wan iden­ti­fi­zier­ten 100 Fäl­len kommt es zu stän­dig wie­der­keh­ren­den Infek­tio­nen aller Art, die den gesam­ten Orga­nis­mus betref­fen. Die Erkran­kung wird weder von einem Virus ver­ur­sacht noch wird sie ver­erbt.
APA/​NEJM

Ein­fa­che Dinge lernt man im Schlaf

Dass sich vor­han­de­nes Wis­sen im Schlaf fes­tigt, ist bekannt; jedoch kön­nen Men­schen wäh­rend des Schlafs unbe­wusst völ­lig neue Infor­ma­tio­nen abspei­chern wie den Zusam­men­hang zwi­schen Tönen und Gerü­chen. Ein For­scher­team um Anat Arzi vom israe­li­schen Weiz­mann Insti­tute of Sci­ence prä­sen­tierte schla­fen­den Men­schen ver­schie­dene Klänge in Kom­bi­na­tion mit gut duf­ten­den oder unan­ge­neh­men Gerü­chen. Ergeb­nis: Die Pro­ban­den atme­ten bei ange­neh­men Düf­ten tie­fer ein. Nach eini­ger Zeit zogen die Schla­fen­den die Luft auch dann stär­ker ein, wenn sie nur die Töne hör­ten, die ihnen die For­scher gemein­sam mit den ange­neh­men Gerü­chen vor­ge­spielt hat­ten, obwohl sie zu die­sem Zeit­punkt neu­trale Luft ein­at­me­ten. Die­ses Ver­hal­ten behiel­ten sie auch in wachem Zustand bei. Den Aus­sa­gen der For­scher zufolge lässt sich die­ses Ver­hal­ten auf eine geformte Asso­zia­tion zurück­füh­ren: Die men­tale Ver­bin­dung von Ton und Geruch ent­stehe im Schlaf.
APA/​Nature Neuroscience

Bei Herz­still­stand: län­gere Wiederbelebungsversuche

Die Über­le­bens­wahr­schein­lich­keit von Pati­en­ten mit einem Herz­still­stand steigt bei 25-minü­ti­ger Reani­ma­tion um zwölf Pro­zent im Ver­gleich zu jenen Pati­en­ten, bei denen Ärzte nur 16 Minu­ten reani­miert haben. Das sind die Ergeb­nisse einer Stu­die, im Rah­men derer For­scher um den Kar­dio­lo­gen Zachary Gold­ber­ger von der Uni­ver­si­tät Washing­ton die Daten von mehr als 64.000 Pati­en­ten aus 435 US-ame­ri­ka­ni­schen Kran­ken­häu­sern aus­ge­wer­tet haben. Dabei wur­den Herz­mas­sa­gen oder Defi­bril­la­to­ren unter­schied­lich lange ein­ge­setzt; im Mit­tel sind es etwa 20 Minu­ten. Frü­here Unter­su­chun­gen hat­ten nahe gelegt, dass län­gere Wie­der­be­le­bungs­ver­su­che die Über­le­bens­wahr­schein­lich­keit eines Pati­en­ten mit einem Herz­still­stand nicht ver­grö­ßern, was Stu­di­en­au­tor Gold­ber­ger zurück­weist: „Unsere Ergeb­nisse legen nahe, dass eine Ver­län­ge­rung der Wie­der­be­le­bung um zehn oder 15 Minu­ten das Ergeb­nis ver­bes­sern könnte.“ Der Stu­die zufolge steigt auch das Risiko der Pati­en­ten, Hirn­schä­den auf­grund des Sauer­stoff­man­gels zu erlei­den, nicht, wenn das Herz erst nach län­ge­rer Wie­der­be­le­bung wie­der schlägt.
APA/​The Lancet

Gen­the­ra­pie stellt Riech­sinn wie­der her

Bei Mäu­sen konnte eine Gen­mu­ta­tion, die zu ver­küm­mer­ten Sinne­s­här­chen in den Riech­zel­len der Nase führt, mit­tels Gen­the­ra­pie geheilt wer­den. For­scher der Uni­ver­sity of Michi­gan in Ann Arbor tes­te­ten ihr Ver­fah­ren an einem Mäu­se­stamm, bei dem ein Gen namens IFT88 durch eine Muta­tion ver­än­dert ist; des­we­gen haben diese Tiere fehl­ge­bil­dete Cilien und kei­nen Geruchs­sinn. Stu­di­en­au­tor Jeremy McIn­tyre und seine Kol­le­gen fan­den her­aus, dass die­ses Gen auch bei vie­len Men­schen mit einer Cilio­pa­thie defekt ist. Um ein intak­tes Ersatz-Gen mit­tels Nasen­spray in die Riech­zel­len der Mäuse ein­zu­schleu­sen, bau­ten es die Wis­sen­schaf­ter in Ade­no­vi­ren ein. Diese befal­len die Nasen­zel­len und bauen ihre DNA in die der Wirts­zel­len ein. So gelangt das Ersatz-Gen für das defekte IFT88 in das Genom der Riech­zel­len. Wie die For­scher berich­te­ten, ließ sich bereits wenige Stun­den nach der Behand­lung das vom Ersatz-Gen pro­du­zierte Eiweiß in den Riech­zel­len der Mäuse nach­wei­sen. Mit der The­ra­pie wurde nicht nur die Cili­en­fehl­bil­dung kor­ri­giert, son­dern auch die Riech­fä­hig­keit wie­der­her­ge­stellt. Ins­ge­samt sehen die For­scher ein gro­ßes Poten­tial, auch Cilio­pa­thien beim Men­schen zu hei­len. Aller­dings hält die Wir­kung einer Behand­lung nicht lange an, da die Riech­zel­len der Nase häu­fig erneu­ert wer­den.
APA/​Nature Medicine

Humor von Babys: Eltern als Vorbild

Nach dem Vor­bild der Eltern ent­wi­ckeln Babys ihren Sinn für Humor. Gina Mire­ault vom John­son State Col­lege und John Spar­row von der Uni­ver­si­tät von New Hamp­shire woll­ten in einer Stu­die her­aus­fin­den, ob Babys schon im Alter von sechs Mona­ten Emo­tio­nen von ihren Eltern abschauen. Die Wis­sen­schaf­ter unter­such­ten das Ver­hal­ten von 30 Kin­dern im Alter von sechs und zwölf Mona­ten. Vor den Augen der Babys blät­ter­ten sie in einem Bil­der­buch und hiel­ten einen roten Schaum­stoff­ball. Einer For­sche­rin wurde mit dem Buch sanft auf den Kopf geschla­gen, und sie gab selt­same Laute von sich. Ein ande­rer Wis­sen­schaf­ter setzt sich den Schaum­stoff­ball auf die Nase. Die Eltern soll­ten den Ver­such ent­we­der aus­drucks­los beob­ach­ten oder laut dar­über lachen. Bei­des ver­folg­ten die Babys mit Inter­esse; das Lachen der Eltern fas­zi­nierte sie jedoch beson­ders. Schon bis­her war bekannt, dass Babys im Alter von acht Mona­ten Emo­tio­nen von ihren Müt­tern und Vätern abschauen.
APA

Mund­spray als Grippe-Prophylaxe

Wird der anti­sep­ti­sche Spray namens „Halo“ drei­mal täg­lich in den Mund- und Rachen­raum gesprüht, wer­den laut den For­schern um Frank Esper an der Case Wes­tern Reserve Uni­ver­sity School of Medi­cine 99,9 Pro­zent der Krank­heits­er­re­ger, die man in den nächs­ten sechs Stun­den ein­at­met, abge­tö­tet. Dabei spielt es keine Rolle, ob man in der Zwi­schen­zeit isst oder trinkt. Der Spray besteht aus Gly­ce­rin und Xan­than, einem natür­li­chen Ver­di­ckungs­mit­tel. Diese bei­den Sub­stan­zen bil­den eine Art Kleb­stoff, der das wei­tere Ein­drin­gen der Erre­ger in den Kör­per ver­hin­dert. Der dritte Inhalts­stoff Cetyl­py­ri­di­ni­um­chlo­rid wirkt anti­sep­tisch und tötet die fest­kle­ben­den Viren. Die Wis­sen­schaf­ter tes­te­ten den Spray an ein­fa­chen Zell­kul­tu­ren des Influ­enza A‑Virus H1N1; auch alle elf Stämme von Bor­de­tella per­tus­sis wur­den abge­tö­tet, wie die Wis­sen­schaf­ter auf dem Jah­res­kon­gress der Ame­ri­can Society for Micro­bio­logy berich­te­ten. In den USA ist der Spray bereits unter dem Namen „Halo Oral Anti­sep­tic“ rezept­frei erhält­lich.
APA

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 18 /​25.09.2012