Gra­zer Impf­tag 2012: Schwer­punkt: HPV

10.09.2012 | Medizin

Laut WHO ster­ben in Öster­reich jähr­lich rund 300 Men­schen an Kar­zi­no­men, die durch humane Papil­lo­ma­vi­ren (HPV) ver­ur­sacht wer­den. Auch die Hals- und Rachen­re­gion sind davon betrof­fen. Die HPV-Imp­fung bil­det einen Schwer­punkt beim dies­jäh­ri­gen Gra­zer Impf­tag am 20. Okto­ber.
Von Verena Ulrich

Seit 2006 gibt es einen Vier­fach-HPV-Impf­stoff, der gegen die gefähr­lichs­ten onko­ge­nen HPV-Stämme schützt. Die Wir­kung ist wis­sen­schaft­lich erwie­sen und den­noch ist die Ver­ab­rei­chung der Imp­fung im öffent­li­chen öster­rei­chi­schen Impf­pro­gramm nicht vor­ge­se­hen. „Öster­reich war eines der ers­ten Län­der, das die Emp­feh­lung für die HPV-Imp­fung aus­ge­spro­chen hat und nun ist es eines der letz­ten Län­der bei der Umset­zung“, beklagt Univ. Prof. Wer­ner Zenz von der Päd­ia­tri­schen Infek­tio­lo­gie an der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Graz. Zenz ist über­dies wis­sen­schaft­li­cher Lei­ter des Pro­gramm­ko­mi­tees des Gra­zer Impf­ta­ges, der heuer am 20. Okto­ber stattfindet.

Ein Schwer­punkt­thema des Gra­zer Impf­ta­ges ist der in Öster­reich umstrit­tene HPV-Impf­stoff. Eine von Univ. Prof. Elmar Joura von der Kli­ni­schen Abtei­lung für All­ge­meine Gynä­ko­lo­gie und Gynä­ko­lo­gi­sche Onko­lo­gie am AKH Wien erstellte Stu­die zeigt, dass die Imp­fung auch bei jenen Frauen hoch wirk­sam ist, die bereits eine Erkran­kung durch das HP-Virus über­stan­den haben. „Die Häu­fig­keit neuer Krebs-Vor­stu­fen nach erfolg­ter The­ra­pie wird um zwei Drit­tel redu­ziert“, erläu­tert Joura.

Der Impf­stoff schützt aller­dings nicht aus­schließ­lich Frauen; Män­ner kön­nen durch die Imp­fung eben­falls vor HPV-asso­zi­ier­ten Erkran­kun­gen geschützt wer­den. „Seit 2007 gibt es eine Emp­feh­lung, Mäd­chen und Buben zu imp­fen“, so Joura. Der Experte pro­gnos­ti­ziert, dass Rachen­kar­zi­nome den Gebär­mut­ter­hals­krebs in eini­gen Jah­ren zah­len­mä­ßig über­holt haben wer­den. Die hei­mi­sche HPV-Impf­ver­wei­ge­rung ist für den Exper­ten unver­ständ­lich. „Die meis­ten Ärzte emp­feh­len ihren Pati­en­ten die Imp­fung, aber lei­der hat das noch keine Brei­ten­wir­kung erreicht“, stellt Joura fest. Zenz fügt hinzu: „Am Gra­zer Impf­tag wer­den wir sach­lich infor­mie­ren und Druck aus­üben. Mit einer Peti­tion wol­len wir die Auf­nahme des Impf­stof­fes ins öffent­li­che Impf­pro­gramm vorantreiben.“

Blick in die Zukunft

Ein wei­te­rer Schwer­punkt am Gra­zer Impf­tag ist die all­ge­meine Zukunft des Imp­fens. „Zum ers­ten Mal laden wir Ver­tre­ter phar­ma­zeu­ti­scher Fir­men ein, die aus ers­ter Hand über ihre Pla­nung erzäh­len“, berich­tet Zenz. Die­ses Jahr konnte Prof. Maria­gra­zia Pizza – sie war maß­geb­lich an der Ent­wick­lung der neuen Imp­fung gegen Menin­go­kok­ken Typ B betei­ligt – gewon­nen wer­den. „Zum zwei­ten Mal in Folge ist auch das Minis­te­rium als ope­ra­ti­ver Arm beim Gra­zer Impf­tag mit dabei. Das ist eine beson­dere Aus­zeich­nung“, berich­tet Zenz. Aus dem Gesund­heits­mi­nis­te­rium wird Jean-Paul Klein über die Zukunft des Imp­fens aus Sicht der öffent­li­chen Hand und über die vor­ge­se­he­nen Plan­bud­gets berichten.

Die Wich­tig­keit von Impf­ta­gen betont der steie­ri­sche Impf­re­fe­rent Jörg Pruck­ner, auf des­sen Initia­tive der Gra­zer Impf­tag heuer zum drit­ten Mal in die­ser umfas­sen­den Form statt­fin­det. Der Impf­tag wird von einer Platt­form ver­an­stal­tet, die aus Ver­tre­tern des Arbeits­krei­ses Prä­ven­tion Stei­er­mark, des Lan­des Stei­er­mark, der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Graz, des Öster­rei­chi­schen Grü­nen Kreu­zes für Gesund­heit, der Wis­sen­schaft­li­chen Aka­de­mie für Vor­sor­ge­me­di­zin, der Stei­er­mär­ki­schen Gebiets­kran­ken­kasse, der Stei­ri­schen Apo­the­ker­kam­mer und der Ärz­te­kam­mer für Stei­er­mark besteht. „Ziel ist, dass alle einen gemein­sa­men Wis­sens­stand haben“, erklärt Pruck­ner. In Pra­xis-bezo­ge­nen Updates wer­den nie­der­ge­las­sene Ärzte, Tur­nus­ärzte, Kin­der­fach­ärzte, Gynä­ko­lo­gen und Apo­the­ker über die neu­es­ten Ent­wick­lun­gen auf dem Impf­sek­tor infor­miert. „Wir sor­gen auch bewusst dafür, dass wir keine Über­lap­pun­gen mit dem Öster­rei­chi­schen Impf­tag in Salz­burg haben, son­dern ergän­zend agie­ren“, so Pruckner.

Gra­zer Impf­tag 2012

20. Okto­ber 2012

Hotel Nova­park, Graz
Nähere Infor­ma­tio­nen und Anmel­dung unter www.aekstmk.or.at

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 17 /​10.09.2012