neu & aktu­ell: Poli­ti­sche Kurzmeldungen

25.02.2011 | Politik


Schweiz: Nestle ver­kauft Gesundheitsprodukte

Der Nah­rungs­mit­tel­kon­zern Nestle baut mit der Über­nahme der bri­ti­schen Firma CM&D Pharma Ltd., die Nah­rungs­mit­tel für Men­schen mit Nie­ren- und Darm­er­kran­kun­gen her­stellt, sein Geschäft mit medi­zi­ni­schen Nah­rungs­mit­teln aus. Haupt­pro­dukt in Ent­wick­lung ist ein Kau­gummi für Nie­ren­kranke mit einem erhöh­ten Phos­phat­ge­halt im Blut.


USA: Rauch­ver­bot in New York ausgeweitet

In New York wurde die Aus­wei­tung des bestehen­den Rauch­ver­bots beschlos­sen: Nicht nur Restau­rants und Bars, son­dern auch Parks und Fuß­gän­ger­zo­nen sind rauch­frei. Sobald Bür­ger­meis­ter Michael Bloom­berg unter­schrie­ben hat, soll das Gesetz bin­nen drei Mona­ten in Kraft tre­ten. Ver­stöße wer­den mit einer Geld­buße von 50 Dol­lar (36 Euro) bestraft.


Groß­bri­tan­nien: spe­zi­elle Kran­ken­wa­gen für Übergewichtige

Durch die stei­gende Zahl an fett­lei­bi­gen Pati­en­ten wer­den kost­spie­lige Nach­rüs­tun­gen der bri­ti­schen Kran­ken­wa­gen und Neu­an­schaf­fun­gen von Spe­zial-Kran­ken­wa­gen not­wen­dig. Die Ände­rung der Lebens­ge­wohn­hei­ten bringe all diese Kos­ten mit sich, so Jo Web­ber, der Chef des Ret­tungs­dienst-Ver­ban­des. 24,5 Pro­zent der Bri­ten sind laut EU und OECD stark übergewichtig.

Schweiz: feh­ler­hafte Brustimplantate

Bei min­des­tens 280 Schwei­zer Frauen – von ins­ge­samt rund 40.000 Betrof­fe­nen – wur­den feh­ler­hafte Brust­im­plan­tate der fran­zö­si­schen Firma Poly Implant Pro­these (PIP) ein­ge­setzt. Die Implan­tate zeig­ten eine höhere Ten­denz zum Rei­ßen; ebenso kam es zu Ent­zün­dun­gen und wei­te­ren Kom­pli­ka­tio­nen. Sie wur­den mitt­ler­weile vom Markt genom­men. In Öster­reich sind keine Zwi­schen­fälle bekannt.

Wien: medi­zi­ni­sche Qua­li­täts­ver­sor­gung halten

Als Welt­stadt habe Wien andere medi­zi­ni­sche Her­aus­for­de­run­gen als länd­li­che Regio­nen und daher höhere Gesund­heits­kos­ten, was in der Gesund­heits­po­li­tik berück­sich­tigt wer­den müsse, betonte ÖÄK-Prä­si­dent Wal­ter Dor­ner beim Kon­gress „Medi­zin in Wien“ Ende Jän­ner. Dass Wien aber auch über ein exzel­len­tes Behand­lungs­ni­veau auf allen Ebe­nen ver­füge, das sich dem State-of-the-Art annä­here, darin waren sich Dor­ner und Hans Jörg Schel­ling, der Chef des Haupt­ver­ban­des der Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger, einig. Dor­ner wei­ter: „Wien arbei­tet schon nahe am juris­tisch gefor­der­ten Stan­dard­ni­veau, aber auch in der Bun­des­haupt­stadt gibt es Ver­sor­gungs­lü­cken, etwa bei der kin­der­psych­ia­tri­schen Ver­sor­gung.“

Kran­ken­kas­sen: 277,6 Mil­lio­nen Euro Gewinn

Exakt 277,6 Mil­lio­nen Euro Gewinn haben die Kran­ken­kas­sen im Jahr 2010 erwirt­schaf­tet, obwohl zu Jah­res­an­fang noch ein Defi­zit von 45 Mil­lio­nen Euro pro­gnos­ti­ziert wurde. Dadurch konnte der Schul­den­stand mit 31. Jän­ner 2011 auf 620 Mil­lio­nen Euro redu­ziert wer­den (2009: 1,1 Mil­li­ar­den). Erst­mals seit vie­len Jah­ren haben alle neun Gebiets­kran­ken­kas­sen einen Über­schuss erzielt. Gesund­heits­mi­nis­ter Alois Stö­ger (S) führt die posi­tive Ent­wick­lung auf das Kas­sen-Sanie­rungs­pa­ket zurück. Er wol­len den Gewinn sowohl in den Schul­den­ab­bau als auch in neue Leis­tun­gen inves­tie­ren – etwa in die Zahn­me­di­zin oder in psy­cho­so­ziale Dienste. Laut dem Vor­sit­zen­den des Haupt­ver­ban­des, Hans Jörg Schel­ling, ist der Über­schuss das Ergeb­nis des Kon­so­li­die­rungs­kur­ses des Haupt­ver­ban­des und der Kran­ken­kas­sen und der „ver­ant­wor­tungs­vol­len Ver­schrei­be­pra­xis der Ärzte“. Schel­ling ist gegen eine Ver­wen­dung des Gewin­nes zum Leis­tungs­aus­bau; zunächst müsse der Schul­den­berg abge­baut wer­den. Der Kuri­en­ob­mann der nie­der­ge­las­se­nen Ärzte in der ÖÄK, Gün­ther Waw­row­sky, führt einen gro­ßen Teil die­ses Erfol­ges auf das mode­rate und ver­ständ­nis­volle Ver­hal­ten der Ärz­tin­nen und Ärzte zurück. „Hono­rarab­schlüsse weit unter der Infla­ti­ons­rate und Ein­spa­run­gen bei Medi­ka­men­ten haben zum Über­schuss ent­schei­dend bei­getra­gen.“ Nun müsse in die Ent­wick­lung der Kas­sen­me­di­zin inves­tiert wer­den, wo es jah­re­lang einen Still­stand gege­ben habe. Das Geld dürfe nicht aus­schließ­lich zum Abde­cken von Defi­zi­ten ver­wen­det wer­den. „Jetzt sind die finan­zi­el­len Mit­tel da, um das Gesund­heits­sys­tem im nie­der­ge­las­se­nen Bereich für die Zukunft fit zu machen“, erklärte Waw­row­sky.


Spi­tals­ärzte: nein zu Mehrfach-Primariaten

Um Mehr­fach­pri­ma­riate zu unter­bin­den, for­derte die Bun­des­ku­rie Ange­stellte Ärzte der ÖÄK in einem ein­stim­mi­gen Beschluss die Novel­lie­rung des Kran­ken­an­stal­ten­ge­set­zes. Die Kurie spricht sich dage­gen aus, dass eine ein­zelne Per­son meh­rere Pri­ma­riate an ver­schie­de­nen Stand­or­ten lei­tet; dadurch wird eine Ver­schlech­te­rung der Qua­li­tät der medi­zi­ni­schen Leis­tung befürch­tet. „Ein Pri­ma­riat ist mit hoher medi­zi­ni­scher Ver­ant­wor­tung ver­bun­den und kann nicht in Teil­zeit aus­ge­übt wer­den“, betonte Harald Mayer, Bun­des­ku­ri­en­ob­mann und ÖÄK-Vize­prä­si­dent. Wer mehr als ein Pri­ma­riat – noch dazu an unter­schied­li­chen, weit von­ein­an­der ent­fern­ten Stand­or­ten – leite, könne sich nur unzu­rei­chend auf seine Tätig­keits­be­rei­che kon­zen­trie­ren. Mayer wei­ter: „Wir dür­fen nicht ris­kie­ren, dass das Pri­ma­ri­ats-Poo­ling nega­tive Aus­wir­kun­gen auf allen Ebe­nen hat.”

Paul-Watz­la­wick-Ehren­ring 2011 vergeben

Der Archi­tek­tur­ex­perte und Schrift­stel­ler Fried­rich Ach­leit­ner ist der dies­jäh­rige Preis­trä­ger des Paul-Watz­la­wick-Ehren­rings der Ärz­te­kam­mer für Wien. Ach­leit­ner wurde von der Fach­jury unter dem Vor­sitz von Erhard Busek ein­stim­mig nomi­niert; er habe „mit sei­ner Lite­ra­tur wesent­lich zur Sprach- und Gesell­schafts­kri­tik bei­getra­gen”. Beson­ders her­vor­zu­he­ben sei sein drei­bän­di­ges Werk „Öster­rei­chi­sche Archi­tek­tur im 20. Jahr­hun­dert“. Der Paul-Watz­la­wick-Ehren­ring ist eine der renom­mier­tes­ten Wis­sen­schafts­aus­zeich­nun­gen im deut­schen Sprach­raum. Die Preis­ver­lei­hung an Fried­rich Ach­leit­ner fin­det am 14. März in Wien statt.


Felix Wall­ner zum Hono­rar­pro­fes­sor ernannt

Der Kam­mer­amts­di­rek­tor der Ärz­te­kam­mer für Ober­ös­ter­reich, Felix Wall­ner, wurde Anfang Feber im Rah­men einer aka­de­mi­schen Feier zum Hono­rar­pro­fes­sor der Johan­nes Kep­ler Uni­ver­si­tät Linz ernannt. Die­ser Titel wird an jene Per­so­nen ver­lie­hen, die her­aus­ra­gende Leis­tun­gen in Wis­sen­schaft und Pra­xis auf­wei­sen kön­nen und ihr Wis­sen an Stu­die­rende ver­mit­teln. Felix Wall­ner wurde die Pro­fes­sur im Fach Medi­zin­recht am Insti­tut für Recht der sozia­len Daseins­vor­sorge und Medi­zin­recht ver­lie­hen. In sei­ner Lau­da­tion betonte Univ. Prof. Rein­hard Resch, dass die Johan­nes Kep­ler Uni­ver­si­tät stolz dar­auf sei, Wall­ner – „er ist gründ­lich, pro­blem­ori­en­tiert und juris­tisch prä­zise” – als Hono­rar­pro­fes­sor in ihren Rei­hen zu sehen.
Seit 1985 in der Ärz­te­kam­mer für Ober­ös­ter­reich tätig, wurde Wall­ner im Jahr 1989 Kam­mer­amts­di­rek­tor der Ärz­te­kam­mer für Ober­ös­ter­reich. Wall­ner, der sich seit lan­gem im Bereich Medi­zin­recht enga­giert, sieht Beharr­licht­keit und Kon­se­quenz als wesent­li­che Eigen­schaf­ten im Berufs- als auch im Pri­vat­le­ben, mit denen man die meis­ten Ziele durch­set­zen könne. In sei­ner Antritts­vor­le­sung wid­mete er sich dem Thema Arzt­vor­be­halt und des­sen Gren­zen. „Bei der For­de­rung, auch unwis­sen­schaft­li­che Heil­me­tho­den zu ver­bie­ten, gleich ob sie von Ärz­ten oder Nicht-Ärz­ten ange­wandt wer­den, han­delt es sich nicht um einen unzeit­ge­mä­ßen Pater­na­lis­mus, son­dern um eine Frage der Ethik”, so Wall­ner. Es sei absurd, dass der Staat zwar den Ein­zel­nen im Kon­su­men­ten­schutz­recht vor sich selbst gegen Ver­mö­gens­schä­den schütze, nicht aber den Hilfe suchen­den Kran­ken vor der Inan­spruch­nahme unver­ant­wort­ba­rer Heilbehandlungen.

Chris­toph Leitl: als SVA-Obmann bestätigt

Wirt­schafts­kam­mer-Prä­si­dent Chris­toph Leitl wurde vom Vor­stand der Sozi­al­ver­si­che­rungs­an­stalt der gewerb­li­chen Wirt­schaft (SVA) ein­stim­mig zum Obmann gewählt. Damit steht Leitl für wei­tere fünf Jahre an der Spitze der Sozialversicherungsanstalt.


Peter McDo­nald: neu in der Trä­ger­kon­fe­renz des Hauptverbandes

Der stell­ver­tre­tende Obmann der Sozi­al­ver­si­che­rungs­an­stalt der gewerb­li­chen Wirt­schaft (SVA), Peter McDo­nald, ist Mitte Feber ein­stim­mig zum stell­ver­tre­ten­den Vor­sit­zen­den der Trä­ger­kon­fe­renz im Haupt­ver­band der Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger gewählt wor­den. Er folgt damit – wie ange­kün­digt – auf Mar­tin Gleitsmann.

Rek­tor Josef Smolle wiedergewählt

Der amtie­rende Rek­tor der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Graz, Univ. Prof. Josef Smolle, wurde vom Uni­ver­si­täts­rat für eine wei­tere Amts­pe­ri­ode (2012 bis 2016) wie­der­ge­wählt. Smolle, der seit Februar 2008 an der Spitze der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Graz steht, ist beson­ders die För­de­rung des wis­sen­schaft­li­chen Nach­wuch­ses wichtig.


Wien: Haupt­ver­band bil­ligt Vertrag

Der Ver­bands­vor­stand des Haupt­ver­ban­des der Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger bil­ligt den Hono­rar­ver­trag der Wie­ner Gebiets­kran­ken­kasse mit der Ärz­te­kam­mer für Wien; Vor­stands­vor­sit­zen­der Hans Jörg Schel­ling ent­hielt sich bei der Ent­schei­dung der Stimme. Ende Sep­tem­ber des Vor­jah­res hatte die Wie­ner GKK mit der Wie­ner Ärz­te­kam­mer eine neue Hono­rar­ord­nung ver­ein­bart, die eine schritt­weise Tarif­er­hö­hung vor­sieht. Der Abschluss sei laut Haupt­ver­band jedoch zu hoch, die Wie­ner Gebiets­kran­ken­kasse sei ohne­hin die Kasse mit den größ­ten Schul­den. Der Unmut der Sozi­al­ver­si­che­run­gen über den Abschluss spie­gelt sich in zwei Anmer­kun­gen im Pro­to­koll wider: ers­tens dürfe der Abschluss keine Fol­ge­wir­kun­gen auf andere Trä­ger haben und zwei­tens sol­len die finan­zi­el­len Aus­wir­kun­gen der Grup­pen­pra­xen eva­lu­iert wer­den; damit will der Haupt­ver­band ver­hin­dern, dass durch die Grup­pen­pra­xen Mehr­aus­ga­ben für die Kas­sen entstehen.

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 4 /​25.02.2011