neu & aktu­ell: Poli­ti­sche Kurzmeldungen

15.08.2011 | Poli­tik


Deutsch­land: War­nung vor Spros­sen aufgehoben

Die deut­schen Behör­den haben die wegen der EHEC-Epi­­de­­mie aus­ge­ru­fene War­nung vor dem Ver­zehr von rohen Spros­sen und Keim­lin­gen auf­ge­ho­ben; jene vor Bock­s­horn­­klee-Samen aus Ägyp­ten bleibt auf­recht. Die­ser gilt als wahr­schein­li­che Ursa­che für die Epi­de­mie, bei der sich mehr als 4.000 Men­schen in Deutsch­land infi­ziert haben; 700 Pati­en­ten erkrank­ten an einem HUS, 49 verstarben.

Japan: radio­ak­tiv ver­seuch­tes Rind­fleisch entdeckt

36 der 47 japa­ni­schen Prä­fek­tu­ren, dar­un­ter auch Tokio, könn­ten mit radio­ak­tiv ver­seuch­tem Fleisch belie­fert wor­den sein. Ins­ge­samt wurde das Fleisch von 132 Rin­dern, die Stroh mit radio­ak­ti­vem Cäsium gefres­sen hat­ten, ver­schickt. Die Regie­rung plant ein Ver­bot für Rind­fleisch aus der Prä­fek­tur Fuku­shima. In Japan gibt es kein zen­tra­les Sys­tem zur Prü­fung der Radio­ak­ti­vi­tät in Nahrungsmitteln.


Ecua­dor: Alko­hol­ver­bot nach Todesfällen

Nach­dem in Ecua­dor 23 Men­schen durch gepansch­ten Alko­hol gestor­ben sind, wurde für 72 Stun­den ein lan­des­wei­tes Alko­hol­ver­bot für den Ver­kauf und Kon­sum ver­hängt. Mehr als 100 wei­tere Men­schen wur­den in der Pro­vinz Los Ríos im Süd­wes­ten Ecua­dors wegen Ver­gif­tungs­er­schei­nun­gen behan­delt. Ins­ge­samt wur­den mehr als 6.300 Liter min­der­wer­ti­gen Alko­hols beschlagnahmt.


Öster­reich: bereits 37 FSME-Fälle

Die Zahl der FSME-Erkran­­kun­­­gen in Öster­reich ist mit 37 heuer bereits fast dop­pelt so hoch wie im ers­ten Halb­jahr 2010. Auch ein Todes­fall wurde regis­triert. Am stärks­ten sind Ober­ös­ter­reich und die Stei­er­mark (je neun Fälle) betrof­fen, gefolgt von Tirol (acht Fälle). In Vor­arl­berg wur­den drei Fälle, in Kärn­ten, Salz­burg und Wien je zwei, in Nie­der­ös­ter­reich und im Bur­gen­land je ein Betrof­fe­ner gemeldet.


E‑Medikation: Waw­row­sky weist Boy­­kott-Vor­­­würfe zurück

Den Vor­wurf von Haupt­ver­bands­chef Hans-Jörg Schel­ling, wonach die Ärz­te­kam­mer das Pilot­pro­jekt E‑Medikation boy­kot­tiere, weist der Kuri­en­ob­mann der nie­der­ge­las­se­nen Ärzte in der ÖÄK, Gün­ther Waw­row­sky, vehe­ment zurück. „Der von den Kran­ken­kas­sen bei der E‑Medikation jetzt gewählte Weg ist rechts­wid­rig. Die Ärz­te­kam­mer hin­ge­gen sieht eine sau­bere Vor­ge­hens­weise als unbe­dingte Vor­aus­set­zung für den Test­lauf“, so Waw­row­sky. Auch der von Schel­ling ver­tre­te­nen Mei­nung, dass durch die beim Han­dels­ge­richt Wien ein­ge­brachte Klage gegen die Phar­ma­zeu­ti­sche Gehalts­kasse „kein wei­te­res Unge­mach“ zu erwar­ten sei, wider­spricht Waw­row­sky, für den die „ver­schlun­ge­nen Inter­es­sen und Ver­flech­tun­gen mit Orga­ni­sa­tio­nen und Fir­men im Umfeld der Apo­the­ker­kam­mer Auf­­hel­­lungs-bedür­f­­tig sind“. Gesund­heits­mi­nis­ter Alois Stö­ger (S) indes­sen drängt wei­ter­hin dar­auf, dass der Pilot­ver­such E‑Medikation bis Som­mer 2012 in den Regel­be­trieb über­geht. Spä­tes­tens dann müsse auch das Gesetz für die Elek­tro­ni­sche Gesund­heits­kate ELGA beschlos­sen sein. Bei der E‑Medikation sieht er den Haupt­ver­band der Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger am Zug. Die­ser habe den Auf­trag bekom­men, „das ver­lange ich auch“. Die Kri­tik der Ärz­te­kam­mer ver­stehe Stö­ger zwar und es sei auch „unschön“, dass es zur Buß­geld­ent­schei­dung des Bun­des­ver­ga­be­am­tes gekom­men sei, den­noch halt er einen Roll-out für ganz Öster­reich bis Som­mer 2012 für realistisch.

Neue­run­gen im Mutter-Kind-Pass

Beim Mut­­ter-Kind-Pass, der in einer Auf­lage von 100.000 Stück erscheint, gibt es einige Neue­run­gen, die zur bes­se­ren Infor­ma­tion der Eltern die­nen sol­len. So wurde etwa die Begleit­bro­schüre trans­pa­ren­ter gestal­tet und auf den neu­es­ten wis­sen­schaft­li­chen Stand gebracht. Die Kapi­tel Schwan­ger­schaft, Geburt, Baby, recht­li­che Fra­gen sowie Anlauf­stel­len und Bro­schü­ren erhiel­ten ein neues Lay­out; neu auf­ge­nom­men wurde das Thema Ernäh­rung. Dar­über hin­aus wurde der Umfang ver­rin­gert und der MUKIPA ins­ge­samt prak­ti­scher gestal­tet. Seit der Ein­füh­rung des Mut­­ter-Kind-Pas­­ses 1974 ist die Säug­lings­sterb­lich­keit in Öster­reich von 23,5 auf 3,8 Pro­mille gesun­ken. Die Schwan­ge­ren­un­ter­su­chun­gen wer­den zu 60 bis 70 Pro­zent in Anspruch genom­men; jene für Kin­der zu 80 Pro­zent, wobei die Zahl nach dem ers­ten Lebens­jahr sinkt.


Gen­tech­ni­scher Pflan­zen­an­bau ohne Genehmigung?

Die Uni­ver­si­tät Graz hat gen­tech­nisch ver­än­derte Raps‑, Tabak- und Ara­­bi­­d­o­p­­sis-Pflan­­zen mög­li­cher­weise ohne Geneh­mi­gung und noch dazu im öffent­lich zugäng­li­chen Teil der Gewächs­häu­ser im Bota­ni­schen Gar­ten ange­baut. Das Insti­tut für Pflan­zen­wis­sen­schaf­ten besitze zwar eine minis­te­ri­elle Berech­ti­gung für ein gen­tech­ni­sches Labor der Sicher­heits­stufe 1 aus dem Jahr 2002; vor­ge­schrie­ben ist aber, dass die Kul­ti­vie­rungs­ver­su­che in einem Bereich statt­fin­den müs­sen, der für unbe­fugte Per­so­nen nicht zugäng­lich ist. Dass das in Graz nicht der Fall war, bezeich­nete die Uni­ver­si­tät als ein „Ver­säum­nis und einen defi­ni­ti­ven Feh­ler, der nicht pas­sie­ren hätte sol­len“. Außer­dem gelte die Berech­ti­gung aus 2002 nur für bestimmte Pflan­zen. Für das aktu­elle Pro­jekt war keine geson­derte Erlaub­nis ein­ge­holt wor­den. Die Ver­su­che wur­den vor­erst gestoppt; der Fall wird geprüft.

Tiro­ler UMIT: Män­gel bei Dissertationen

Ein Gut­ach­ten der Öster­rei­chi­schen Qua­li­täts­si­che­rungs­agen­tur (AQA) zu 56 gesund­heits­wis­sen­schaft­li­chen Dis­ser­ta­tio­nen der Tiro­ler Pri­vat­uni­ver­si­tät UMIT und zu vier Habi­li­ta­tio­nen am ehe­ma­li­gen Depart­ment für Human- und Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten, das im Auf­trag der UMIT erstellt wurde, stellte wis­sen­schaft­li­che Män­gel fest. Viele Arbei­ten aus den Jah­ren 2008 bis 2010 hät­ten den Cha­rak­ter einer Mas­ter­ar­beit und nicht den einer eigen­stän­di­gen For­schungs­leis­tung. Dar­über hin­aus sei der Bezug zum brei­ten Feld der Gesund­heits­wis­sen­schaf­ten oft nicht gege­ben; Metho­dik, Auf­bau und Strin­genz wür­den Schwä­chen auf­wei­sen. Außer­dem würde den Betreu­ern oft das ein­schlä­gige Wis­sen feh­len und Prü­fungs­pro­to­kolle seien man­gel­haft gewe­sen. Kri­ti­siert wur­den auch die Habi­li­ta­ti­ons­ver­fah­ren von 2008/​2009: Die inhalt­li­che Wür­di­gung sei schwach aus­ge­prägt, die Gut­ach­ten seien kurz und wür­den wenig Aus­kunft über die wis­sen­schaft­li­che Qua­li­tät der Habi­li­ta­tion geben. Der Pri­vat­uni­ver­si­tät war im Sep­tem­ber 2010 die Akkre­di­tie­rung des Dok­to­rats­stu­di­ums Gesund­heits­wis­sen­schaf­ten ent­zo­gen wor­den; das Depart­ment exis­tiert nicht mehr.


Ärzte-GmbHs: zu risi­ko­reich und kompliziert

Kri­tik an der der­zei­ti­gen Form der Ärzte-GmbHs übte ÖÄK-Prä­­si­­dent Wal­ter Dor­ner. „Diese neue Form der Grup­pen­pra­xen ist zu kom­pli­ziert, zu risi­ko­reich und birgt für Ärzte kaum Vor­teile“, erklärte er in einem Hör­­funk-Inter­­view. Vor­aus­set­zung für die Schaf­fung der Ärzte-GmbH ist ein Gesamt­ver­trag zwi­schen Ärz­te­kam­mer und Kran­ken­kasse – und die­ser ist nur in Wien vor­han­den. Das sei auch der Grund dafür, wieso es in Wien die erste und bis­her ein­zige GmbH gäbe. Der Vor­stands­vor­sit­zende im Haupt­ver­band, Hans-Jörg-Schel­­ling, weist die Kri­tik zurück und plä­diert dafür, die­ser Orga­ni­sa­ti­ons­form Zeit zur Ent­wick­lung zu geben. Dor­ner sieht in den feh­len­den steu­er­li­chen Vor­tei­len und lang­wie­ri­gen Bewil­li­gungs­ver­fah­ren die Haupt­gründe für das man­gelnde Inter­esse der Ärzte. Auch für Gesund­heits­mi­nis­ter Alois Stö­ger (S) hat die neue Form der Grup­pen­pra­xen noch nicht den erwar­te­ten Erfolg gebracht: „Ich hätte mir durch­aus mehr gewünscht.“ FPÖ-Ärz­te­spre­cher Andreas Karls­böck und BZÖ-Gesun­d­heits­­­s­pre­cher Wolf­gang Spa­diut for­der­ten den Gesund­heits­mi­nis­ter auf, das Gesetz für die Grup­pen­pra­xen zu überarbeiten.

„Spi­tals­kom­pass“ infor­miert Patienten

Unter www.spitalskompass.at der Gesund­heit Öster­reich GmbH (GÖG) kön­nen Pati­en­ten nach den Kri­te­rien Leis­tungs­an­ge­bot, Aus­stat­tung und Erreich­bar­keit nach Kran­ken­häu­sern in Öster­reich suchen. Damit sol­len sie infor­miert wer­den, wie sie Zugang zu den Leis­tun­gen des Gesund­heits­we­sen bekom­men, wie Gesund­heits­mi­nis­ter Alois Stö­ger bei der Prä­sen­ta­tion der Platt­form erklärte. Der Spi­tals­kom­pass beant­wor­tet Fra­gen wie: Wel­che Spi­tä­ler mit wel­chen Abtei­lun­gen und Leis­tun­gen gibt es im jewei­li­gen Bun­des­land? Wie häu­fig wird die betref­fende Leis­tung dort durch­ge­führt? Die Spi­tals­su­che kann nach Krank­heits­bild und Kör­per­re­gion je nach Bun­des­land erfol­gen, wobei auch zusätz­li­che Attri­bute bezüg­lich Aus­stat­tung und Ver­pfle­gung wähl­bar sind. In der Tref­fer­liste wer­den die Kran­ken­häu­ser abstei­gend nach der Häu­fig­keit der Auf­nah­men ange­führt. Einen beson­de­ren Schwer­punkt des Spi­tals­kom­pas­ses stellt die Geburts­hilfe dar, wofür eine eigene Kar­tei­karte ange­legt ist, die über das Ange­bot vor und wäh­rend der Geburt infor­miert. Wäh­rend die Daten der Rubrik „Dia­gno­sen und Leis­tun­gen“ der Dia­­gno­­sen- und Leis­tungs­do­ku­men­ta­tion der öster­rei­chi­schen Kran­ken­an­stal­ten ent­nom­men wer­den, aktua­li­sie­ren die Kran­ken­häu­ser andere Infor­ma­tio­nen wie etwa Abtei­lungs­in­halte und Hotel­an­ge­bote selbst.

Ärz­teau­to­ma­tik­fak­tor 2011

Der Haupt­ver­band der Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger hat den Ärz­teau­to­ma­tik­fak­tor für das Jahr 2011 mit 1,0115 errech­net. Die Berech­nungs­grund­la­gen beru­hen auf der Juli-Aus­­­wer­­tung aus der Ver­si­che­rungs­da­tei des Haupt­ver­ban­des, wobei für 2009 97,7 Pro­zent und für 2010 98,3 Pro­zent der Bei­trags­grund­la­gen erfasst wurden.

Jetzt auch online: Ori­en­tie­rungs­hilfe Radiologie

Ab sofort ist die vierte Auf­lage der Ori­en­tie­rungs­hilfe Radio­lo­gie unter http://orientierungshilfe.vbdo.at als Online-Ver­­­sion ver­füg­bar. Die Emp­feh­lun­gen sind wie die Druck­ver­sion in Sek­tio­nen unter­teilt; dar­über hin­aus bie­tet die neue Home­page eine kom­for­ta­ble Such­funk­tion. Außer­dem wur­den eigene Sei­ten zu Vor­wort, Strah­len­schutz, Sicher­heit, Metho­den und Autoren ein­ge­rich­tet, die wei­tere Infor­ma­tio­nen liefern.

Pro­dukt­war­nung: Dr Best Wech­sel­köpfe für elek­tri­sche Zahnbürsten

Gla­x­oS­mit­h­Kline Con­su­mer Health­care ruft vor­sorg­lich alle Dr. Best® Wech­sel­köpfe für elek­tri­sche Zahn­bürs­ten zurück. Unter extre­men Putz­be­din­gun­gen könnte sich die Bors­ten­platte der Wech­sel­köpfe lösen. Wei­tere Infor­ma­tio­nen gibt es unter: www.ages.at – Ernährungssicherheit/​Produktwarnsystem/​Produktwarnungen

Pro­dukt­war­nung: Bio-Buch­­wei­­zen der Firma „neu­form“

Die deut­sche Firma „neu­form“ ruft vor­sorg­lich meh­rere Char­gen ihres Bio-Buch­­wei­­zens und der Bio-Sechs­­korn­­mi­­schung zurück. Bei einer Rou­ti­ne­kon­trolle wurde eine Afla­to­xin­be­las­tung fest­ge­stellt; vom Ver­zehr wird drin­gend abge­ra­ten. Wei­tere Infor­ma­tio­nen gibt es unter: www.ages.at – Ernährungssicherheit/​Produktwarnsystem/​Produktwarnungen

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 15–16 /​15.08.2011