Inter­na­tio­nale Lehr­gänge für Alpin­me­di­zin: Erfolg­reich wie nie

15.07.2011 | Medizin


In die­sen Tagen wird die 100. Kurs­wo­che der Inter­na­tio­na­len Lehr­gänge für Alpin­me­di­zin abge­hal­ten. Nach dem Start vor 20 Jah­ren – damals fand der Lehr­gang noch im klei­nen Rah­men statt – ist das alpin­me­di­zi­ni­sche Lehr­gangs- und Diplom­sys­tem heute inter­na­tio­nal renom­miert.
Von Bir­git Oswald

Mitte Juli fin­det die 100. Kurs­wo­che des Lehr­gangs für Alpin­me­di­zin statt. Das ist aber nicht das ein­zige Jubi­läum des alpi­nen Fort­bil­dungs­pro­gramms, denn die Lehr­gänge befin­den sich heuer im 20. Kurs­jahr. Für Kur­sin­itia­tor Univ. Prof. Franz Berg­hold gibt es aber dar­über hin­aus Grund, zu fei­ern: „Für uns ist jeder Kurs ein Jubi­läum, wir fei­ern jeden Kurs aus Dank­bar­keit, dass es immer noch so gro­ßes Inter­esse dafür gibt“. Ent­stan­den ist das heute so erfolg­rei­che alpine Aus­bil­dungs­sys­tem aus der Erkennt­nis, dass es zwar einer­seits ein gro­ßes Inter­esse an Berg­me­di­zin mit all ihren Facet­ten gibt, ande­rer­seits aber kon­krete Aus­bil­dungs­an­ge­bote gefehlt haben. „Viele Ärzte haben beruf­lich mit Berg­me­di­zin zu tun wie etwa Berg­ret­tungs­ärzte, Flug­ret­tungs­ärzte oder Expe­di­ti­ons­ärzte. Und natür­lich betrifft es auch Kol­le­gen, die in alpi­nen Gebie­ten nie­der­ge­las­sen sind. Wis­sens­ver­mitt­lung in die­sem Bereich gab es aber kaum“, so Berg­hold. Dar­auf­hin ent­schloss sich der erfah­rene Berg­me­di­zi­ner zusam­men mit eini­gen gleich­ge­sinn­ten Kol­le­gen, vor­han­de­nes Wis­sen zu sam­meln und die­ses in Theo­rie und Pra­xis an Inter­es­sen­ten wei­ter­zu­ge­ben. 1988 wurde dafür die welt­weit erste alpin­me­di­zi­ni­sche Fach­ge­sell­schaft für Alpin- und Höhen­me­di­zin gegrün­det. Beson­ders der fach­in­terne Aus­tausch unter Exper­ten und Inter­es­sen­ten sollte durch die Gesell­schaft geför­dert werden.

Mitt­ler­weile ist das alpine Aus­bil­dungs­we­sen so erfolg­reich, dass die Kurse regel­mä­ßig abge­hal­ten wer­den und Teil­neh­mer nach einer Diplom­prü­fung ein eige­nes Zer­ti­fi­kat – das welt­weit aner­kannte Diploma in Moun­tain Medi­cine – erhal­ten. Die­ses ist vom Welt­berg­sport­dach­ver­band UIAA, der inter­na­tio­na­len Kom­mis­sion für alpi­nes Ret­tungs­we­sen IKAR und der Inter­na­tio­nal Society for Moun­tain Medi­cine ISMM appro­biert. Nach dem Erwerb die­ses Diploms kön­nen auch noch zwei wei­tere Spe­zi­al­kurse (Moun­tain Rescue/​Expedition and Wil­der­ness Medi­cine) absol­viert wer­den. „Dass es der­ar­tige Aus­maße ein­neh­men würde wie jetzt, wo wir jedes Jahr neun ein­wö­chige Kurse abhal­ten und dass wir mitt­ler­weile eine offi­zi­ell akkre­di­tierte Fort­bil­dung der Öster­rei­chi­schen Ärz­te­kam­mer sind, hät­ten wir zu Beginn nicht geahnt“, betont Berg­hold. Dabei über­schrei­tet das Aus­bil­dungs­sys­tem bereits natio­nale Gren­zen. Viele Ärzte aus den benach­bar­ten deutsch­spra­chi­gen Gebie­ten neh­men regel­mä­ßig an den Kur­sen teil.

Drei­wö­chi­ger Ausbildungsturnus

Um das Diplom zu erhal­ten, müs­sen jeweils drei ein­wö­chige Kurse, die über Win­ter, Früh­ling und Som­mer ver­teilt statt­fin­den, absol­viert wer­den. Somit kön­nen alle für die Berg­me­di­zin rele­van­ten Beson­der­hei­ten der jewei­li­gen Jah­res­zei­ten in der Pra­xis geübt und gefes­tigt wer­den. Vor allem Inhalte aus der Alpin­sport­me­di­zin, Berg­ret­tungs­me­di­zin, Hub­schrau­ber­ret­tung, Berg­rei­se­me­di­zin und Trek­king- sowie Expe­di­ti­ons­me­di­zin wer­den theo­re­tisch und prak­tisch vermittelt.

Man kann die Aus­bil­dung mit jedem der drei Kurse begin­nen; jeder davon besteht wie­derum aus drei Aus­bil­dungs­ele­men­ten: Zum einen gibt es alpin- und höhen­me­di­zi­ni­sche Fach­se­mi­nare, zum ande­ren alpin­me­di­zi­ni­sche Pra­xis­übun­gen und Aus- und Wei­ter­bil­dung im hoch­al­pi­nen Berg­stei­gen. Beson­dere berg­stei­ge­ri­sche Fähig­kei­ten wer­den aber nicht vor­aus­ge­setzt, wie Berg­hold betont: „Wir set­zen nur eine solide kör­per­li­che Fit­ness vor­aus. Alle Ärzte, die sich für Alpin­me­di­zin inter­es­sie­ren, auch Zahn­ärzte, kön­nen an den Kur­sen teil­neh­men“.

Die Kurse sind als Not­arzt­fort­bil­dung und als akkre­di­tierte Diplom­fort­bil­dung der Öster­rei­chi­schen Ärz­te­kam­mer sowie für das öster­rei­chi­sche und deut­sche Sport­arzt­di­plom anre­chen­bar. Als Semi­nar­lei­ter ste­hen 21 Alpin­me­di­zi­ner zur Ver­fü­gung, die Exper­ten auf ihrem Gebiet, selbst aktive Berg­stei­ger und didak­tisch erfah­ren sind.

Lehr­gangs­ter­mine 2012

Win­ter­lehr­gänge

21. bis 27. Jän­ner 2012

Uni­ver­si­täts­sport­heim Plan­ne­ralm (Nie­dere Tau­ern) – Ein­stei­ger­kurs für Skitouren-Neulinge

14. bis 20. April 2012

Franz-Senn-Hütte (Stu­baier Alpen)

5. bis 11. Mai 2011

Franz-Senn-Hütte

Früh­jahrs­lehr­gänge

2. bis 8. Juni 2012

Ada­mek­hütte (Dach­stein­ge­biet)

9. bis 15. Juni 2012

Ada­mek­hütte

16. bis 22. Juni 2012

Ada­mek­hütte

Som­mer­lehr­gänge

7. bis 13. Juni 2012

Franz-Senn-Hütte (Stu­baier Alpen)

1. bis 7. Sep­tem­ber 2012

Franz-Senn-Hütte

8. bis 14. Sep­tem­ber 2012

Franz-Senn-Hütte

Kon­takt und Anmel­dung: www.alpinaerzte.org

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 13–14 /​15.07.2011