neu & aktu­ell: Poli­ti­sche Kurzmeldungen

10.03.2010 | Politik


EU: Sicher­heits­män­gel in Sola­rien

Jede sie­bente Son­nen­bank in einem Sola­rium der EU strahlt zu starke UV-Strah­len aus und gefähr­det die Gesund­heit. In einer Stu­die kri­ti­sier­ten die EU-Behör­den, dass die Besu­cher viel zu sel­ten über die Gefah­ren auf­ge­klärt wür­den und dass die Stu­dios sogar Jugend­li­che als Kun­den akzep­tie­ren, die beson­ders gefähr­det sind. Mehr als 500 Son­nen­bänke in zehn EU-Staa­ten wur­den untersucht. 

Frank­reich: Strah­len­mes­sung online 

Die Reak­tor-Kata­stro­phe von Tscher­no­byl hat 25 Jahre spä­ter in Frank­reich zur Ein­rich­tung einer Inter­net­seite mit Daten über die Strah­len­be­las­tung im Land geführt. Jeder Fran­zose hat damit online Zugriff auf alte und neue Mess­werte ver­schie­de­ner Insti­tute. Die Regie­rung und die Atom­in­dus­trie wol­len auf diese Art Vor­be­halte gegen die fried­li­che Nut­zung der Kern­ener­gie abbauen.

Deutsch­land: Klon­fäl­scher blitzte ab 

Das Euro­päi­sche Patent­amt in Mün­chen hat einen Patent­an­trag wei­test­ge­hend abge­lehnt, an dem der korea­ni­sche Klon­for­scher Hwang Woo Suk betei­ligt war. Suk war 2006 als Fäl­scher ent­larvt wor­den mit angeb­li­chen Stu­dien zu mensch­li­chen embryo­na­len Stamm­zel­len. Von 50 Punk­ten des Antra­ges in Bezug auf Stamm­zel­len und Stamm­zell­kul­tu­ren wurde ledig­lich einer akzeptiert. 

Spa­nien: Anti-Tabak-Gesetz verschoben 

Nach mas­si­ven Pro­tes­ten von Wir­ten wurde in Spa­nien die Ver­ab­schie­dung eines Anti- Tabak-Geset­zes ver­scho­ben, das das Rau­chen in Gast­stät­ten gene­rell ver­bo­ten hätte. Der­zeit herrscht in Spa­nien an Arbeits­plät­zen, in Zügen und auf Bahn­hö­fen ein gene­rel­les Rauch­ver­bot. In Gast­stät­ten kön­nen die Wirte aber selbst ent­schei­den, ob bei ihnen geraucht wer­den darf oder nicht. 


Bei Ein­spa­run­gen am Limit 

Auf hef­ti­gen Wider­spruch der Ärzte sto­ßen Vor­schläge der Wirt­schafts­kam­mer, die im Gesund­heits­we­sen Ein­spa­rungs­mög­lich­kei­ten in der Höhe von 170 Mil­lio­nen Euro sieht. Der Wie­ner Ärz­te­kam­mer- Vize­prä­si­dent und Kuri­en­ob­mann der ange­stell­ten Ärzte, Univ. Prof. Tho­mas Sze­ke­res: „Es darf nicht sein, dass Ein­spa­run­gen auf Kos­ten der medi­zi­ni­schen Qua­li­tät oder der Pati­en­ten gehen.“ Tat­säch­lich sei man bereits am abso­lu­ten Limit, was sinn­volle Ein­spa­rungs­mög­lich­kei­ten betreffe. Gehalts­kür­zun­gen von durch­schnitt­lich 13,5 Pro­zent im Spi­tals­be­reich, wie sie in dem Papier der Wirt­schafts­kam­mer ange­dacht wer­den, seien inak­zep­ta­bel.


Daten-Miss­brauch an Inns­bru­cker Klinik 

Der Miss­brauch von per­sön­li­chen Gesund­heits­da­ten von Mit­ar­bei­tern der Inns­bru­cker Kli­nik sorgt für Auf­re­gung. Der Betriebs­rats­vor­sit­zende des wis­sen­schaft­li­chen Per­so­nals, Univ. Prof. Mar­tin Tief­entha­ler sprach von „Ein­zel­fäl­len von sys­te­ma­ti­schem Miss­brauch durch Vor­ge­setzte“. Die Beschwer­den hät­ten sich im Vor­jahr gehäuft, Anlass­fälle gab es aber bereits seit der Ein­füh­rung des KIS (Kran­ken­haus­in­for­ma­ti­ons­sys­tem) vor rund zehn Jah­ren. „Es liegt uns eine zwei­stel­lige Zahl an Beschwer­den vor. Wir sind zwar eine Kran­ken­an­stalt, aber keine Leib­ei­ge­nen“, kri­ti­sierte Tief­entha­ler den Zugriff, der zumeist von Abtei­lun­gen kam, die für die kon­kre­ten Krank­heits­fälle gar nicht zustän­dig waren. Jeder Zugriff werde pro­to­kol­liert. In den per­sön­li­chen Gesund­heits­da­ten seien nicht nur Labor­be­funde, son­dern auch Rönt­gen­auf­nah­men und Arzt­briefe zu fin­den. Der Betriebs­rat for­dert eine Sperre der Daten von Mit­ar­bei­tern, außer sie seien tat­säch­lich in Behand­lung ste­hende Pati­en­ten.

Ober­ös­ter­reich: Ehrung für Qualitätsmanagement 

Eine Ehrung für jene Ordi­na­tio­nen, die als erste das Qua­li­täts­ma­nage­ment EPA (Euro­päi­sches Pra­xis Assess­ment) ein­set­zen, stand kürz­lich in der Ärz­te­kam­mer für Ober­ös­ter­reich auf dem Pro­gramm. Ana­ly­siert wer­den damit die Berei­che Qua­li­tät und Sicher­heit, Infra­struk­tur, Finan­zen, Mit­ar­bei­ter- und Pati­en­ten­ori­en­tie­rung sowie Kom­mu­ni­ka­tion. Auf die­sen Ana­ly­sen auf­bau­end wer­den Lösun­gen zur Qua­li­täts­ver­bes­se­rung ent­wi­ckelt. Als Gra­tu­lan­ten stell­ten sich Peter Nie­der­mo­ser, Prä­si­dent der Ärz­te­kam­mer für Ober­ös­ter­reich, sowie Otto Pjeta, Refe­rent für Qua­li­täts­si­che­rung der Öster­rei­chi­schen Ärz­te­kam­mer, ein.

Lehr­gang für ange­hende Forscher 

Ab sofort kön­nen Ärzte und Absol­ven­ten natur­wis­sen­schaft­li­cher Stu­di­en­rich­tun­gen, die sich auf das Gebiet der kli­ni­schen For­schung spe­zia­li­sie­ren möch­ten, in Wien einen aka­de­mi­schen Abschluss in kli­ni­scher For­schung mit inter­na­tio­na­ler Aus­rich­tung erlan­gen. Mit der Ein­füh­rung des Lehr­gan­ges „Mas­ter of Sci­ence in Cli­ni­cal Rese­arch“ an der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Wien, der in Koope­ra­tion mit der Vienna School of Cli­ni­cal Rese­arch (VSCR) ange­bo­ten wird, wird eine Lücke geschlos­sen. In der Pra­xis wer­den spe­zi­ell geschulte For­schungs­ex­per­ten gebraucht, aller­dings sind The­men der kli­ni­schen For­schung in den Lehr­plä­nen des Medi­zin­stu­di­ums kaum ent­hal­ten. Das wird in dem Lehr­gang behan­delt, bei dem unter ande­rem The­men wie die gesetz­li­chen Grund­la­gen und inter­na­tio­na­len Richt­li­nien, Stu­di­en­de­sign, Data Moni­to­ring und Manage­ment, Bio­sta­tis­tik oder das Publi­zie­ren von Stu­di­en­da­ten gelehrt wer­den. Wei­tere Infor­ma­tio­nen dazu gibt es unter www.vscr.at sowie unter www.meduniwien.ac.at

Medi­ka­mente „rezept­frei“ aus dem Inter­net

Rund ein Vier­tel der Öster­rei­cher zwi­schen 18 und 65 Jah­ren hat schon ein­mal ver­schrei­bungs­pflich­tige Medi­ka­mente ohne Rezept gekauft, 17 Pro­zent bestell­ten das Arz­nei­mit­tel über das Inter­net. Der Phar­ma­kon­zern Pfi­zer, der eine ent­spre­chende Stu­die in 14 euro­päi­schen Län­dern durch­ge­führt hat, berich­tete, dass Öster­reich dabei auf Platz fünf liegt. Zum Ver­gleich: Deutsch­land liegt an der Spitze; 38 Pro­zent haben ange­ge­ben, rezept­pflich­tige Medi­ka­mente ohne Rezept erstan­den zu haben. Das Phar­ma­un­ter­neh­men warnte nach­drück­lich vor dem Kauf via Inter­net, unter ande­rem des­we­gen, weil nach Schät­zun­gen zwi­schen 50 und 90 Pro­zent der Medi­ka­mente gefälscht sind und zum Teil gefähr­li­che Sub­stan­zen ent­hal­ten. Einer Hoch­rech­nung zufolge wer­den in Europa jähr­lich bis zu 10,5 Mil­li­ar­den Euro für poten­zi­ell gefälschte Medi­ka­mente aus­ge­ge­ben. In Öster­reich sind es bis zu 260 Mil­lio­nen.


Per­so­nen: Ines Man­egold lei­tet Kabeg 

Nach eini­gen Que­re­len um die Pos­ten­be­stel­lung des Vor­stands­chefs der Kärnt­ner Kran­ken­an­stal­ten- Betriebs­ge­sell­schaft (Kabeg) ist nun­mehr die Ent­schei­dung gefal­len: Ines Man­egold (48) wurde ein­stim­mig zur Vor­sit­zen­den bestellt. Ursprüng­lich war der Deut­sche Rolf Eibe-Hin­richs aus Aus­schrei­bungs­ver­fah­ren als Favo­rit her­vor­ge­gan­gen, er hatte aber kurz vor sei­ner Bestel­lung abge­sagt. Danach wur­den mit der Zweit­ge­reih­ten Man­egold, die am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Düs­sel­dorf tätig war, Ver­hand­lun­gen auf­ge­nom­men. Sie ist seit 1. März 2010 im Amt und führt die Kabeg, wel­che die Kärnt­ner Lan­des­spi­tä­ler mit rund 7.000 Mit­ar­bei­tern ver­wal­tet. Das Jah­res­bud­get: 820 Mil­lio­nen Euro. Damit sei auch der Spiel­raum für eine noch fest­zu­set­zende Gehalts­er­hö­hung der Spi­tals­mit­ar­bei­ter geschaf­fen, erklärte Gesund­heits­lan­des­rat Peter Kai­ser (S).

Lis­te­riose: Stö­ger im Kreuzfeuer 

In Öster­reich sind nach Anga­ben der Agen­tur für Gesund­heit und Ernäh­rungs­si­cher­heit (AGES) heuer zwölf Pati­en­ten an einer Lis­te­rien-Infek­tion erkrankt und im Kran­ken­haus behan­delt wor­den. In neun Fäl­len konnte der Krank­heits­aus­bruch ein­deu­tig dem Kon­sum der Käse­sorte „Quar­gel“ der Firma Pro­lac­tal zuge­ord­net wer­den. Einer der Pati­en­ten ist daran gestor­ben. Das Gesund­heits­mi­nis­te­rium ergänzte, dass es in Summe 21 humane Lis­te­riose-Fälle gege­ben hat, nach­dem 2009 zwölf Men­schen erkrankt waren, von denen vier star­ben. Vom Lis­te­riose-Aus­bruch betrof­fen sind alle Bun­des­län­der außer Vor­arl­berg und Tirol. Die Lis­te­riose ist eine mel­de­pflich­tige Krank­heit, von der jähr­lich circa 30 Fälle gemel­det wer­den. Gegen Gesund­heits­mi­nis­ter Alois Stö­ger wurde wegen der Krank­heits­fälle vom BZÖ ein Miss­trau­ens­an­trag ein­ge­bracht, der aller­dings abge­lehnt wurde. BZÖ-Abge­ord­ne­ter Grosz erhob dar­auf­hin eine Minis­ter­an­klage gegen Stö­ger, die dem Gesund­heits­aus­schuss zuge­wie­sen wurde.

Kas­sen­ver­hand­lun­gen in Wien abgebrochen 

Nach der vier­ten Runde der Hono­rar­ver­hand­lun­gen zwi­schen der Wie­ner Ärz­te­kam­mer und der Wie­ner Gebiets­kran­ken­kasse (WGKK) wur­den die Gesprä­che abge­bro­chen, vor­erst wurde kein neuer Ter­min ver­ein­bart. Ärz­te­kam­mer-Vize­prä­si­dent Johan­nes Stein­hart for­derte von der GKK, sie möge klar Posi­tion bezie­hen: „Wir sind der Kasse weit ent­ge­gen­ge­kom­men, die­selbe Bereit­schaft ver­lan­gen wir end­lich auch von unse­rem Ver­trags­part­ner.“ Die Ärz­te­kam­mer redu­zierte die Tarif­for­de­run­gen und ver­langte im Gegen­zug admi­nis­tra­tive Erleich­te­run­gen für die Ordi­na­tio­nen. Dazu gibt es noch keine Stel­lung­nahme, die Kasse halte statt­des­sen nach wie vor an den Plä­nen zur Schlie­ßung zahl­rei­cher Wie­ner Ordi­na­tio­nen fest, hieß es von Sei­ten der Ärz­te­schaft. Die GKK will 13 Mil­lio­nen Euro ein­spa­ren. „Genauso viel machen jähr­lich alle Haus­be­su­che in Wien aus. Sol­len die Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten nun künf­tig mit ihren Krank­hei­ten allein gelas­sen wer­den, nur damit die Kasse ihre Spar­ziele durch­bringt?“ kri­ti­siert Stein­hart.

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 5 /​10.03.2010