Das öster­reich­weite Rau­cher­te­le­fon: Rauch­stopp per Telefon

10.10.2010 | Politik

Durch eine stär­kere Ver­net­zung der nie­der­ge­las­se­nen Ärzte mit dem „Rau­cher­te­le­fon“ kann eine wich­tige Lücke in der Ver­sor­gung von behand­lungs­be­dürf­ti­gen Rau­che­rin­nen und Rau­chern geschlos­sen wer­den.
Von Ulrike Stadl­ho­fer*

Bereits eine mini­male Inter­ven­tion wie etwa die klare ärzt­li­che Emp­feh­lung, das Rau­chen auf­zu­ge­ben, ist ein ent­schei­den­der Schritt dafür, beim Pati­en­ten einen Nach­denk- und Ent­wöh­nungs­pro­zess ein­zu­lei­ten. Pati­en­ten neh­men den Rat von Ärz­ten und medi­zi­ni­schem Per­so­nal weit­aus erns­ter als jenen von Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen, Freun­den oder Arbeits­kol­le­gen. Ein Grund dafür ist, dass diese ihre Emp­feh­lun­gen und Rat­schläge wis­sen­schaft­lich begrün­den und die Aus­wir­kun­gen des Rau­chens fach­ge­recht und genau erklä­ren kön­nen.

Spricht der Arzt das Thema „Rauch­ver­hal­ten“ an, so för­dert dies nach­weis­lich die Moti­va­tion zum Rauch­stopp. Wird das Rauch­ver­hal­ten nicht ange­spro­chen, inter­pre­tie­ren die Betrof­fe­nen dies als stil­les Ein­ver­ständ­nis. Des­we­gen sollte bei allen Pati­en­ten der Tabak­kon­sum erho­ben wer­den und zumin­dest eine Ermu­ti­gung zum Aus­stieg erfol­gen. Erfolgt nun zusätz­lich eine Ver­net­zung der ärzt­li­chen Grund­ver­sor­gung mit dem Rau­cher­te­le­fon, kann eine Lücke bei der Ver­sor­gung von ent­wöh­nungs­wil­li­gen Rau­chern geschlos­sen wer­den.

In der ärzt­li­chen Ordi­na­tion sind die Res­sour­cen für die direkte Bera­tung von Rau­chern oft beschränkt. Wegen der zahl­rei­chen nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen des Tabak­kon­sums auf die Gesund­heit sollte jeder Arzt zumin­dest das Rauch­ver­hal­ten anspre­chen und den Rauch­stopp emp­feh­len. Die „drei A´s“ geben hier eine gute Unter­stüt­zung und ste­hen für „Ask“, „Advise“ und „Assess“, also Abfra­gen des Rauch­sta­tus, Anra­ten des Rauch­ver­zichts sowie Anspre­chen der Auf­hör­mo­ti­va­tion. Im Anschluss steht idea­ler­weise die Ver­mitt­lung von Ent­wöh­nungs-Ange­bo­ten. Dies beginnt bei der Wei­ter­gabe von Unter­la­gen und Infor­ma­ti­ons­ma­te­ria­lien zum Rauch­stopp und kann bis zu einer kon­kre­ten Über­wei­sung an bestehende Ange­bote in der Taba­k­ent­wöh­nung wie bei­spiels­weise das Rau­cher­te­le­fon füh­ren.

Rauch­frei per Fax

Für eine sol­che Über­wei­sung hat sich das Koope­ra­ti­ons­mo­dell „Rauch­frei wer­den per Fax“ als prak­ti­ka­bel bewährt. Der Pati­ent füllt ein Fax­for­mu­lar zum Rauch­stopp aus, die ärzt­li­che Pra­xis über­mit­telt das For­mu­lar an das Rau­cher­te­le­fon und ent­lässt den Pati­en­ten mit Infor­ma­ti­ons­ma­te­ria­lien zum tele­fo­ni­schen Ent­wöh­nungs-Ange­bot. Die Bera­te­rin­nen des Rau­cher­te­le­fons kon­tak­tie­ren im Anschluss den Pati­en­ten in dem von ihm ange­ge­be­nen Zeit­raum und klä­ren im per­sön­li­chen Gespräch den wei­te­ren Ablauf der Bera­tung. Der Vor­teil des Fax­mo­dells liegt in der unver­bind­li­chen Infor­ma­tion zu Ent­wöh­nungs­mög­lich­kei­ten mit der Option auf eine lang­fris­tige Bera­tung zum Rauch­stopp. Unter www.rauchertelefon.at ste­hen im Bereich „Exper­tin­nen­zone“ alle not­wen­di­gen Mate­ria­lien für die Wei­ter­ver­mitt­lung zum Down­load zur Verfügung.

Im Fall einer Fax­über­wei­sung kommt es zu einem pro­ak­ti­ven Anruf durch die Bera­ter und Bera­te­rin­nen, bei dem der Schwer­punkt der Ana­mnese auf der Bespre­chung des der­zei­ti­gen Rauch­ver­hal­tens, der Klä­rung der Ver­än­de­rungs­mo­ti­va­tion und der per­sön­li­chen Ziel­de­fi­ni­tion liegt. Erfolgt im Erst­ge­spräch eine Ziel­de­fi­ni­tion in Rich­tung Tabak­ab­sti­nenz, das heißt bei rau­chen­den Anru­fern der Rauch­stopp bezie­hungs­weise bei Ex-Rau­chern Maß­nah­men zur Rück­fall­pro­phy­laxe, wird der Kli­ent vom Rau­cher­te­le­fon län­ger­fris­tig mit bis zu sechs Bera­tungs­ge­sprä­chen betreut. Die Bera­tungs­ge­sprä­che erfol­gen aus­schließ­lich tele­fo­nisch durch aus­ge­bil­dete Kli­ni­sche Psy­cho­lo­gen und Gesund­heits­psy­cho­lo­gen. Die Gesprächs­dauer vari­iert zwi­schen fünf und 45 Minu­ten. Die Fol­ge­ter­mine wer­den indi­vi­du­ell ver­ein­bart. Bei Bedarf kann das Rau­cher­te­le­fon nach Been­di­gung der Bera­tung jeder­zeit reak­tiv in Anspruch genom­men wer­den.

Das öster­reich­weite Rau­cher­te­le­fon ist eine Initia­tive der Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger, der Län­der und des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Gesund­heit und wird von der nie­der­ös­ter­rei­chi­schen Gebiets­kran­ken­kasse betrie­ben. Die Bera­ter sind von Mon­tag bis Frei­tag zwi­schen 10 und 18 Uhr tele­fo­nisch unter 0810 810 013 erreich­bar. Die Kos­ten für den Anru­fer betra­gen maximal zehn Cent pro Minute; Rück­rufe sind kos­ten­frei. Das Ange­bot umfasst neben der tele­fo­ni­schen Bera­tung und Beglei­tung beim Rauch­stopp auch die indi­vi­du­elle Nach­be­treu­ung von Exrau­chern in der ers­ten rauch­freien Zeit. Aus­künfte rund ums Thema Tabak sowie die öster­reich­weite Wei­ter­ver­mitt­lung von öffent­li­chen Ange­bo­ten zur Taba­k­ent­wöh­nung sind eben­falls zen­trale Auf­ga­ben des Tele­fon­ser­vices. Auf der Home­page www.rauchertelefon.at ste­hen Infor­ma­tio­nen, diverse Unter­la­gen zum Down­load sowie ein Dis­kus­si­ons­fo­rum zum Aus­tausch per­sön­li­cher Erfah­run­gen zur Verfügung.

*) Kon­takt: Mag.(FH) Ulrike Stadl­ho­fer,
Zen­trale Gesund­heits­för­de­rung und Prä­ven­tion der nie­der­ös­ter­rei­chi­schen Gebiets­kran­ken­kasse,
Krem­ser Land­straße 3, 3100 St. Pöl­ten;
Tel.: 05/​0899 6214;
E‑Mail: ulrike.stadlhofer@noegkk.at

Das Rau­cher­te­le­fon

Tel.: 0810 810 013
Mon­tag bis Frei­tag von 10h bis 18h;
öster­reich­weit maximal 0,10 €/​Minute
www.rauchertelefon.at
info@rauchertelefon.at

„Der Nicht­rau­cher­schutz ist ein zen­tra­les Anlie­gen der Öster­rei­chi­schen Ärz­te­kam­mer. Dem­entspre­chend ist es uns auch sehr wich­tig, ent­wöh­nungs­wil­li­gen Rau­che­rin­nen und Rau­chern bei ihrem Vor­ha­ben zu hel­fen. Die Öster­rei­chi­sche Ärz­te­kam­mer ersucht daher Sie, sehr geehrte Frau Kol­le­gin, sehr geehr­ter Herr Kol­lege, diese Aktion zu unter­stüt­zen“.
Wal­ter Dorner

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 19 /​10.10.2010