22 neue Grup­pen­pra­xen: Inno­va­ti­ons­schub für Wien

10.09.2010 | Politik

Eine gute Nach­richt für Ärzte und Pati­en­ten in der Bun­des­haupt­stadt: Ärz­te­kam­mer und Wie­ner Gebiets­kran­ken­kasse haben sich auf die Schaf­fung von 22 neuen Grup­pen­pra­xen in Wien geei­nigt.
Von Kurt Marka­rit­zer

Vize­prä­si­dent Johan­nes Stein­hart, Obmann der Kurie Nie­der­ge­las­sene Ärzte in Wien, erklärt dazu im Gespräch mit der ÖÄZ: „Die neuen Grup­pen­pra­xen wur­den Mitte Juli im Nie­der­las­sungs­aus­schuss zwi­schen der Ärz­te­kam­mer und der Wie­ner Gebiets­kran­ken­kasse beschlos­sen, die Umset­zung wird aller­dings noch ein wenig dau­ern. Sie ent­ste­hen durch Fusion bereits bestehen­der Plan­stel­len und wer­den in Kürze offi­zi­ell ausgeschrieben.“

Jeweils vier neue Grup­pen­pra­xen betref­fen die Fächer Kin­der- und Jugend­heil­kunde, Innere Medi­zin und Radio­lo­gie. Dazu kom­men je zwei Grup­pen­pra­xen in Gynä­ko­lo­gie, Chir­ur­gie, Haut- und Geschlechts­krank­hei­ten, Ortho­pä­die sowie je eine Grup­pen­pra­xis in Hals‑, Nasen- und Ohren­krank­hei­ten bezie­hungs­weise Augen­heil­kunde. Sie­ben der 22 neuen Grup­pen­pra­xen wer­den gemäß dem Regio­na­len Struk­tur­plan Gesund­heit in den Bezir­ken Flo­rids­dorf und Donau­stadt geschaf­fen; der Rest ver­teilt sich quer über die wei­te­ren Bezirke. Stein­hart wei­ter: „Grup­pen­pra­xen sind in Wien schon jetzt umge­setzt. Der­zeit gibt es bereits 44 Kas­sen­grup­pen­pra­xen mit rund 100 Ver­trags­fach­ärz­ten. Das bedeu­tet, dass schon jeder zehnte Fach­arzt in die­ser Form arbei­tet.“ Der Kuri­en­ob­mann rech­net damit, dass die meis­ten neuen Grup­pen­pra­xen noch im Herbst die­ses Jah­res in Ver­trag sein wer­den: „Wir wis­sen, dass viele Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen gro­ßes Inter­esse an einem Zusam­men­schluss haben. Es sollte daher kein grö­ße­res Pro­blem sein, ent­spre­chend viele Inter­es­sen­ten zu fin­den.”

Für die Pati­en­ten brin­gen Grup­pen­pra­xen eine Reihe von Vor­tei­len, allen voran ein brei­te­res Spek­trum an ärzt­li­chen Leis­tun­gen im nie­der­ge­las­se­nen Bereich sowie län­gere Öff­nungs­zei­ten, keine Urlaubs­sperre und kei­nen Krank­heits­aus­fall. Stein­hart: „Für die Ärzte kommt dazu, dass ihnen die Suche nach einem Ver­tre­tungs­arzt erspart bleibt, weil sich die Kol­le­gen gegen­sei­tig ver­tre­ten kön­nen.“ Diese Vor­züge von Grup­pen­pra­xen wur­den in den Ver­hand­lun­gen sowohl von den Ver­tre­tern der Ärz­te­kam­mer als auch von der Gebiets­kran­ken­kasse als Bei­trag zur Qua­li­tät der Pati­en­ten­ver­sor­gung nach­drück­lich gewür­digt. Der Kuri­en­ob­mann: „Es ist dies ein wirk­li­cher Inno­va­ti­ons­schub für die Bun­des­haupt­stadt, mit dem wir eine moderne und zeit­ge­mäße extra­mu­rale Ver­sor­gung in Wien auch für die nächs­ten Jahre sicher­stel­len kön­nen.”

For­mal wer­den die Grup­pen­pra­xen der­zeit als Zusam­men­schlüsse von Ärz­tin­nen und Ärz­ten im Rah­men von Offe­nen Gesell­schaf­ten (OEG) gemäß den Bestim­mun­gen des Ärz­te­ge­set­zes (§§ 52 a ff Ärz­teG) geführt. Sie haben eine eigene Rechts­per­sön­lich­keit, so dass sie Räume anmie­ten, Per­so­nal beschäf­ti­gen, Ver­brauchs­ma­te­rial oder Geräte ankau­fen kön­nen. Das ist ein Unter­schied zu der Gemein­schafts­pra­xis, in der sich meh­rere Ärz­tin­nen und Ärzte lose zusam­men­schlie­ßen, die jeweils als indi­vi­du­elle Rechts­per­sön­lich­keit fun­gie­ren.

Die neuen Mög­lich­kei­ten zur Grün­dung von Ärzte-GmbHs sind in der jet­zi­gen Ver­ein­ba­rung zur Schaf­fung der 22 neuen Grup­pen­pra­xen noch nicht berück­sich­tigt. Stein­hart dazu: „Die Ärzte-GmbH wurde in der neuen Ärz­te­ge­setz­no­velle beschlos­sen, muss aber noch in den neuen Gesamt­ver­trag ver­han­delt wer­den. Eine bestehende Grup­pen­pra­xis kann aber nach Umset­zung der Ärzte-GmbH im Gesamt­ver­trag in die neue Gesell­schafts­form wech­seln. Hier liegt es jetzt am Umset­zungs­wil­len der Wie­ner Gebiets­kran­ken­kasse, die Ärzte-GmbHs so schnell und unbü­ro­kra­tisch wie mög­lich in den Gesamt­ver­trag zu imple­men­tie­ren. Ein kla­rer Vor­schlag der Wie­ner Ärz­te­kam­mer liegt dazu schon auf dem Tisch!“

Zusätz­lich zu den 22 Grup­pen­pra­xen­stel­len haben sich Ärz­te­kam­mer und Gebiets­kran­ken­kasse auch auf eine Reihe von Nach­be­set­zun­gen von Ein­zel­or­di­na­tio­nen geei­nigt. Davon betrof­fen sind vor allem all­ge­mein­me­di­zi­ni­sche Ordi­na­tio­nen, aber auch zwei Kin­der­fach­arzt-Ordi­na­tio­nen in den Bezir­ken Maria­hilf und Sim­me­ring.

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 17 /​10.09.2010