Statt als Antwort auf Probleme in der öffentlichen Versorgung Wahlärzte in ihrer Arbeit behindern zu wollen, müsse die Politik Ärztinnen und Ärzte in ihrer Arbeit unterstützen und sie etwa von zusätzlicher Bürokratie – etwa durch die Diagnosecodierung – befreien, betont ÖÄK-Präsident Johannes Steinhart.
Jeder vierte Kassenarzt überlegt, das Kassensystem zu verlassen: Das hat eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschers Peter Hajek unter Ärztinnen und Ärzten in Wien ergeben. „Das sind Umfrageergebnisse aus Wien, die aber auch in allen anderen Bundesländern als Alarmsignal gesehen werden sollten“, kommentiert ÖÄK-Präsident Johannes Steinhart. Mitverantwortlich für diese Umfrageergebnisse sind aktuelle Vorhaben und Maßnahmen der Politik und der ÖGK. So führt die verpflichtende Diagnosecodierung zu mehr Bürokratie ohne Mehrwert (siehe Seite 8), zudem soll das Impfen in Apotheken 2027 umgesetzt werden. „Eigentlich müsste die Gesundheitspolitik jetzt zügig an wirksamen Reformen des angeschlagenen kassenärztlichen Systems arbeiten, stattdessen lenkt sie von Versorgungsproblemen ab und schießt sich auf Wahlärzte ein“, kritisiert Steinhart: „Die Politik setzt dabei nicht auf zukunftsweisende versorgungspolitische Argumente, sondern auf Neidreflexe und einen planwirtschaftlichen Zugang.“ Zitate maßgeblicher Politikerinnen und Politiker (siehe Kasten) würden zeigen, „dass wir hier noch mit einigen hochproblematischen Entwicklungen rechnen müssen“.
Entlastung statt Belastung
Anstelle von „klassenkämpferischer Symbolpolitik“ sollte die Politik in Zusammenarbeit mit der Ärztevertretung die Diagnosecodierung neu starten, um die Ärzteschaft von zeitraubender Bürokratie zu entlasten. Zudem müsse die Politik für ausreichend viele Basisausbildungs-Plätze nach dem Medizinstudium sorgen und so einen Flaschenhals auf dem Weg zum Arztberuf beseitigen. Außerdem gehöre der kassenärztliche Bereich durch attraktivere Rahmenbedingungen optimiert, sowie die Personalknappheit in Krankenhäusern gelindert. Politiker und ÖGK-Funktionäre sollten schon gar nicht den sehr gut funktionierenden wahlärztlichen Bereich schlechtreden, ihn behindern und weniger attraktiv machen: „Österreich braucht jede Ärztin und jeden Arzt und kann es sich nicht leisten, aufdie Versorgungswirksamkeit von Wahlärzten zu verzichten“, betont Steinhart: „Wir versprechen allen Wahlärzten und ihren Patientinnen und Patienten, dass wir Willkürmaßnahmen gegen diesen erfolgreichen Versorgungsbereich nicht einfach hinnehmen werden.“ Sollte es erforderlich sei, werde es einen „konsequenten Widerstand“ geben, kündigt Steinhart an. (red)
Politiker zum Thema Wahlärzte
„Schumann überlegt Honorarobergrenzen für Wahlärzte“ … „Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) bekräftigt das Ziel der Bundesregierung, Wahlärztinnen und -ärzte verstärkt in die öffentliche Gesundheitsversorgung einzubinden … „Auch für variable Honorardeckelungen wie in Deutschland zeigte sie sich offen.“ orf.at, 3.3.2026
„Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig von der SPÖ … will, dass Wahlärzte in Zukunft 10 bis 15 Prozent ihrer Arbeitszeit für Kassen-Patienten verwenden. Dafür sollen sie auch nur nach Kassen-Tarif bezahlt werden. Sie findet das fairer.“ orf.at, 11.1.2026
Die ÖGK spricht sich, sagt ihr Obmann Andreas Huss, „für bundesweit einheitliche Transparenzregeln sowie für strukturelle Obergrenzen bei Wahlarzthonoraren aus.“ … „Zusätzlich braucht es endlich einheitliche Nebenbeschäftigungsregeln für Ärzt:innen in öffentlichen Spitälern.“ … „Die technische und organisatorische Einbindung der Privatmedizin in ein klares, gerechtes Regelwerk sei daher notwendig.“ Aussendung der FSG, 3.3.2026
SPÖ-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim meint, „dass auch Wahlärzt*innen gefordert seien, einen fairen Beitrag zur Solidargemeinschaft zu leisten …“. „Es sei daher Ziel der Bundesregierung, Wahlärzt*innen verstärkt in die öffentliche Gesundheitsversorgung einzubinden.“ … „Auch ein Solidarbeitrag von Wahlärzt*innen in Form eines ‚Fairness-Kontingents‘ bei Wahlärzt*innen für Kassenpatient*innen, die dringend einen Termin brauchen, sei eine Option.“ SPÖ Pressedienst, 26.3.2026
© Österreichische Ärztezeitung Nr. 10 / 25.5.2026